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Chronologie der Julikrise 1914

Die Chronologie der Julikrise 1914 zeigt Entscheidungen, Gespräche und Korrespondenz der Entscheidungsträger und wichtiger Diplomaten während der Julikrise …

Inhalt5 Abschnitte
  1. 1. Ausgangspunkt und Bedeutung der Krise
  2. 2. Deutsche Unterstützung und Planung gegen Serbien
  3. 3. Ultimatum, serbische Antwort und Kriegserklärung
  4. 4. Gescheiterte Vermittlung und Mobilmachungen
  5. 5. Ausweitung zum europäischen Krieg

Ausgangspunkt und Bedeutung der Krise

Die Chronologie der Julikrise 1914 dokumentiert Entscheidungen, Gespräche und diplomatische Korrespondenz der Regierungen und Botschafter vom Attentat von Sarajevo bis zum Kriegseintritt Großbritanniens. Sie macht sichtbar, wie aus einem Konflikt zwischen Österreich-Ungarn und Serbien innerhalb weniger Wochen ein europäischer Krieg wurde.

Auslöser war das Attentat von Sarajevo am 28. Juni: Der österreichisch-ungarische Thronfolger Franz Ferdinand von Österreich-Este und seine Frau Sophie Chotek von Chotkowa wurden ermordet. Erste Ermittlungen stellten Verbindungen von Attentätern zu Personen in Serbien fest. Ein Bericht Friedrich von Wiesners vom 13. Juli hielt jedoch fest, eine Mitwissenschaft der serbischen Regierung an Planung oder Leitung des Attentats sei „durch nichts erwiesen oder auch nur zu vermuten“. Er nannte zugleich Hinweise auf die Vorbereitung in Belgrad und die Beteiligung serbischer Staatsbeamter am Waffenschmuggel.

In Wien forderte Generalstabschef Franz Conrad (von Hötzendorf) früh einen Krieg gegen Serbien. Außenminister Leopold Berchtold wollte zunächst die Untersuchung abwarten, betrachtete die Lage aber ebenfalls als Gelegenheit zur „Lösung der serbischen Frage“. Der ungarische Ministerpräsident István Tisza warnte besonders vor einer russischen Intervention und damit vor einem Weltkrieg. Er akzeptierte schließlich ein Vorgehen mit einer scharf formulierten Note an Serbien, um Serbien diplomatisch ins Unrecht zu setzen.

Deutsche Unterstützung und Planung gegen Serbien

Entscheidend war die deutsche Rückendeckung für Österreich-Ungarn. Am 5. Juli übergab der österreichisch-ungarische Botschafter Ladislaus von Szögyény-Marich Kaiser Wilhelm II. eine Denkschrift und ein Schreiben Franz Josephs I. Wilhelm II. erklärte daraufhin, Österreich-Ungarn könne auch bei europäischen Verwicklungen mit der „vollen Unterstützung Deutschlands“ rechnen. Reichskanzler Theobald von Bethmann Hollweg und Staatssekretär Arthur Zimmermann bestätigten dies am 6. Juli: Österreich-Ungarn solle selbst entscheiden, könne aber sicher sein, dass Deutschland als Bundesgenosse hinter ihm stehe.

Diese Zusage wird häufig als Blankovollmacht verstanden: Deutschland überließ Wien formal die Entscheidung, sicherte aber Unterstützung auch für den Fall einer Ausweitung zu. Deutsche Militärs hielten das Heer für „für alle Fälle bereit“ und befürworteten ein schnelles Vorgehen. Zugleich drängten deutsche Diplomaten in Wien wiederholt zur Eile. Zuvor hatte Botschafter Heinrich von Tschirschky noch vor übereilten Schritten gewarnt; nach einem Verweis Wilhelms II. unterstützte er einen schnellen Angriff.

Der Gemeinsame Ministerrat Österreich-Ungarns beschloss am 7. Juli mehrheitlich, die Gelegenheit für eine kriegerische Aktion gegen Serbien zu nutzen. Berchtold wollte Forderungen so gestalten, dass ihre Annahme unwahrscheinlich war. Die geplante Antwortfrist sollte nur 48 Stunden betragen. Die Übergabe der Note wurde zunächst verschoben, bis der französische Staatspräsident Raymond Poincaré und die französische Regierung St. Petersburg verlassen hatten. So sollte eine unmittelbare französisch-russische Abstimmung erschwert werden.

Ultimatum, serbische Antwort und Kriegserklärung

Am 23. Juli 1914 übergab der österreichisch-ungarische Gesandte Wladimir Giesl von Gieslingen Serbien die Note, die praktisch ein Ultimatum war. Wien bezeichnete sie dagegen als „Demarche“, weil bei Ablauf der Frist zunächst nur der Abbruch diplomatischer Beziehungen vorgesehen sei. Die Frist lief am 25. Juli ab. Besonders umstritten waren die Punkte 5 und 6, weil sie österreichisch-ungarische Mitwirkung in Serbien verlangten und damit die serbische Souveränität, also die staatliche Selbstständigkeit, berührten.

Russland, Frankreich und Großbritannien beurteilten die Forderungen als gefährlich. Der russische Außenminister Sergei Sasonow erklärte am 24. Juli: „Sie setzen Europa in Brand!“ Russland beschloss, Serbien zu unterstützen, und bereitete eine Teilmobilmachung vor. Mobilmachung bedeutet die militärische Vorbereitung und Bereitstellung von Streitkräften. Großbritanniens Außenminister Edward Grey schlug mehrfach Vermittlung und eine Konferenz der Großmächte vor; Deutschland erklärte dagegen, der Konflikt müsse lokalisiert, also räumlich auf Österreich-Ungarn und Serbien begrenzt werden.

Serbien antwortete am 25. Juli um 17:55 Uhr, fünf Minuten vor Ablauf der Frist. Die Antwort enthielt Zustimmung, bedingte Zustimmung, Ausflüchte und Zurückweisungen. Punkt 6 wurde ausdrücklich abgelehnt, weil er gegen die serbische Verfassung verstoße. Giesl brach dennoch umgehend die Beziehungen ab; Österreich-Ungarn ordnete eine Teilmobilmachung an. Am 28. Juli erklärte Österreich-Ungarn Serbien den Krieg. Wilhelm II. hatte nach der Lektüre der serbischen Antwort zunächst erklärt, damit entfalle „jeglicher Kriegsgrund“, und als Alternative eine Besetzung Belgrads vorgeschlagen. Wien lehnte jedoch Verhandlungen ab und sah das serbische Entgegenkommen als nur scheinbar an.

Gescheiterte Vermittlung und Mobilmachungen

Nach der Kriegserklärung versuchten besonders Grey und Sasonow weiter zu vermitteln. Der britische „Halt-in-Belgrad“-Vorschlag sah vor, Österreich-Ungarn könne Belgrad besetzen, sollte danach aber verhandeln. Österreich-Ungarn reagierte zunächst nicht verbindlich. Die Sasonowschen Formeln boten an, russische Militärmaßnahmen einzustellen, wenn Österreich Forderungen zurücknehme, die Serbiens Souveränität zu nahe träten, oder wenn Österreich nicht in Serbien einmarschiere. Deutschland verfolgte die erste Formel nicht weiter.

Die Regierungen bewerteten die Mobilmachungen unterschiedlich. Russland erklärte seine Teilmobilmachung nicht automatisch zum Kriegsschritt. Der deutsche Generalstabschef Helmuth von Moltke erklärte dagegen, Deutschlands Mobilisierung bedeute „unbedingt zum Krieg“. Am 29. Juli beschloss Russland zunächst die Generalmobilmachung, wandelte sie nach einem Befehl Zar Nikolaus’ II. wieder in Teilmobilmachung um und befahl am 30. Juli erneut die Generalmobilmachung. Diese wurde am 31. Juli veröffentlicht.

Deutschland stellte Russland am 31. Juli ein auf zwölf Stunden befristetes Ultimatum: Russland sollte „jede Kriegsmassnahme gegen uns [Deutschland] und Österreich-Ungarn“ einstellen. Zugleich fragte Deutschland Frankreich, ob es in einem deutsch-russischen Krieg neutral bleibe. Frankreich bekräftigte seine Bündnisverpflichtungen gegenüber Russland und befahl am 1. August die Generalmobilmachung. Vermittlungsbemühungen bestanden weiter, aber die deutsche Führung wollte zugleich die Verantwortung für eine allgemeine Eskalation Russland zuschreiben. Bethmann Hollweg formulierte ausdrücklich, die Politik sei darauf gerichtet, Russland „in die Rolle des Provozierenden zu drängen“.

Ausweitung zum europäischen Krieg

Am 1. August lief das deutsche Ultimatum an Russland ab. Wilhelm II. verkündete die deutsche Generalmobilmachung; erster Mobilmachungstag war der 2. August. Am Abend übergab Botschafter Friedrich Pourtalès in St. Petersburg die deutsche Kriegserklärung an Russland. Gleichzeitig scheiterte die Hoffnung auf eine britische Neutralität: Eine Meldung des Botschafters Karl Max von Lichnowsky beruhte auf einem Missverständnis. Der deutsche Plan für den Krieg im Westen wurde fortgesetzt.

Am 2. August rückten deutsche Truppen in Luxemburg ein. Deutschland stellte Belgien ein Ultimatum und verlangte bis 8 Uhr am 3. August die Duldung eines deutschen Durchmarschs. Als Begründung behauptete Berlin, französische Truppen wollten über Belgien angreifen; Belgien könne dies nicht verhindern. Belgien lehnte am 3. August ab. Deutschland erklärte Frankreich am selben Tag den Krieg und marschierte am 4. August in Belgien ein.

Die Verletzung der belgischen Neutralität wurde für Großbritannien ausschlaggebend. London verlangte von Deutschland bis Mitternacht eine Zusicherung, Belgiens Neutralität zu achten. Deutschland verweigerte sie, da deutsche Truppen bereits die Grenze überschritten hatten. Großbritannien betrachtete sich deshalb am 4. August um 23 Uhr Londoner Zeit als im Kriegszustand mit Deutschland. Bethmann Hollweg bezeichnete den Vertrag über die belgische Neutralität gegenüber dem britischen Botschafter Edward Goschen als „ein Fetzen Papier“.

Die Chronologie zeigt damit mehrere miteinander verknüpfte Entwicklungen: Österreich-Ungarn wollte Serbien unter starken Druck setzen; Deutschland unterstützte dies und hoffte lange auf eine Lokalisierung; Russland wollte Serbiens Unterordnung verhindern; Frankreich stand zu Russland; Großbritannien trat schließlich wegen Belgien und der europäischen Folgen des deutschen Vorgehens in den Krieg ein.

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