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An Meine Völker!
An Meine Völker! vom 28. Juli 1914 war eine der Kriegserklärung der Regierung Österreich-Ungarns an Serbien folgende Proklamation. Sie erschien auf Deutsch …
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Bedeutung und Anlass
„An Meine Völker!“ war die amtliche Proklamation, mit der Kaiser Franz Joseph (1830–1916) am 28. Juli 1914 die Kriegserklärung Österreich-Ungarns an Serbien verkündete. Sie folgte auf die Kriegserklärung der Regierung und erschien am 29. Juli 1914 auf Deutsch in der Wiener Zeitung, Nr. 175. Der Kaiser erließ sie aus seiner Villa in Bad Ischl.
Die Proklamation richtete sich an die Bevölkerung der österreichisch-ungarischen Monarchie. Weil Österreich-Ungarn ein Vielvölkerstaat war, heißt es „Völker“ im Plural. Durch die komplizierte Bündnissituation in Europa markierte die Kriegserklärung den Beginn des Ersten Weltkriegs.
Bereits am 17. Juni 1866 hatte Franz Joseph I. zu Beginn des Deutschen Krieges ein Manifest an seine Untertanen gerichtet. Darin beschuldigte er den früheren Bundesgenossen Preußen, das „Nationalband der Deutschen“ zerrissen, sich mit Italien verbündet und die kriegerische Teilung Deutschlands verursacht zu haben.
Vorgeschichte und Veröffentlichung
Ausgangspunkt war das Attentat von Sarajevo am 28. Juni 1914: Der österreichisch-ungarische Thronfolger Erzherzog Franz Ferdinand von Österreich (1863–1914) und seine Frau Sophie (1868–1914) wurden getötet. Danach waren die Beziehungen zwischen Österreich-Ungarn und Serbien angespannt. Nach wochenlangen Beratungen entschlossen sich die Führer von Regierung und Armee, einen Krieg mit Serbien zu riskieren. Sie hofften auf eine kurze und siegreiche Kampagne.
Vor dem Manifest stand ein kurzer Brief Franz Josephs an den Ministerpräsidenten Karl von Stürgkh. Der Kaiser bestätigte darin, den Minister seines Hauses und des Äußern mit der Mitteilung des Kriegszustands an die serbische Regierung beauftragt zu haben. Zugleich verlangte er die allgemeine Veröffentlichung des Manifests. Beide Dokumente trugen die Unterschriften Franz Josephs und Karl von Stürgkhs.
Das Dokument wurde im gesamten Reich verbreitet und am Morgen des folgenden Tages veröffentlicht. Mehrere europäische Staaten hatten zu diesem Zeitpunkt bereits mit der Mobilisierung ihrer Truppen begonnen. Die Unterstützung für den Krieg war zunächst breit: Alle politischen Parteien, auch die Sozialdemokraten, erklärten ihre Zustimmung. Eine Hoffnung auf eine friedliche Lösung wurde dadurch rasch enttäuscht.
Am 29. Juli 1914 wurde Belgrad erstmals angegriffen. Am 31. Juli ordnete das Armeeoberkommando Österreich-Ungarns die allgemeine Mobilmachung an; am 12. August begann die Offensive in Serbien. Anfang August traten weitere europäische Mächte in den Ersten Weltkrieg ein. Die Anrede „An Meine Völker!“ wurde 1915 auch beim Eintritt Italiens in den Krieg gegen Österreich-Ungarn verwendet.
Aussagen des Manifests
Franz Joseph stellt den Krieg als eine ihm aufgezwungene Entscheidung dar. Seine einleitenden Worte lauten: „Es war Mein sehnlichster Wunsch, die Jahre, die Mir durch Gottes Gnade noch beschieden sind, Werken des Friedens zu weihen und Meine Völker vor den schweren Opfern und Lasten des Krieges zu bewahren. Im Rate der Vorsehung ward es anders beschlossen.“
Als Begründung nennt der Text den Hass Serbiens gegen den Kaiser und sein Haus sowie angebliche Bestrebungen, Gebiete Österreich-Ungarns gewaltsam loszureißen. Serbien wird vorgeworfen, über die Grenze hinweg die staatliche Ordnung im Südosten der Monarchie untergraben, die Bevölkerung gegen Herrscherhaus und Vaterland beeinflusst sowie Jugendliche zu Hochverrat angestiftet zu haben. Mordanschläge und eine Verschwörung, deren „blutige Spur“ von Serbien ausgehe, werden mit dem Attentat verbunden.
Das Manifest behauptet außerdem, Österreich-Ungarn habe Serbien in der Vergangenheit unterstützt und sich trotz dessen Feindseligkeit maßvoll verhalten. Nach der Ausweitung der Herrscherrechte auf Bosnien und die Hercegovina habe die Regierung lediglich die Herabsetzung des serbischen Heeres auf Friedensstand und ein Versprechen zu Frieden und Freundschaft verlangt. Während Serbiens Kampf gegen das türkische Reich vor zwei Jahren habe sich die Monarchie auf die Wahrung ihrer wichtigsten Lebensbedingungen beschränkt.
Der Text erklärt, ein letzter friedlicher Versuch sei gescheitert, weil Serbien die „maßvollen und gerechten Forderungen“ zurückgewiesen habe. Daher wolle der Kaiser mit Waffengewalt Bürgschaften für innere Ruhe und dauerhaften äußeren Frieden schaffen. Er betont seine Verantwortung vor dem Allmächtigen, vertraut auf die Einigkeit und Opferbereitschaft seiner Völker, auf die Wehrmacht Österreich-Ungarns und auf göttlichen Sieg.