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Mission Hoyos
Bei dieser Mission erhielt Hoyos die sogenannte „Blankovollmacht“, die Unterstützung des Deutschen Reichs für eine militärische Intervention Österreich-Ungarns …
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Bedeutung der Mission
Als Mission Hoyos oder Hoyos-Mission wird die Reise des k.u.k. Legationsrats Alexander Graf von Hoyos nach Berlin am 5. und 6. Juli 1914 bezeichnet. Sie fand zu Beginn der Julikrise statt, die auf das Attentat von Sarajevo folgte. Hoyos sollte klären, ob das Deutsche Reich Österreich-Ungarn bei einem militärischen Vorgehen gegen Serbien unterstützen würde.
Das Ergebnis wurde als deutsche „Blankovollmacht“ oder „Blankoscheck“ verstanden: Österreich-Ungarn konnte mit deutscher Bündnistreue rechnen, selbst wenn ein Angriff auf Serbien einen Krieg mit Russland auslösen sollte. Diese Rückendeckung bestärkte Wien darin, die Krise militärisch lösen zu wollen, und trug damit zum Ausbruch des Ersten Weltkriegs bei.
Kriegspläne nach dem Attentat
Am 29. Juni 1914, einen Tag nach der Ermordung des österreichisch-ungarischen Thronfolgers Erzherzog Franz Ferdinand und seiner Ehefrau Sophie, berieten Mitarbeiter des k.u.k. Außenministeriums über das weitere Vorgehen. Alexander von Musulin betrachtete das Attentat als Gelegenheit, gegen Serbien vorzugehen. Unterstaatssekretär Johann von Forgách unterstützte diese Idee, sofern Außenminister Leopold Graf Berchtold dafür gewonnen werden könne.
Am 1. Juli sprach Hoyos mit dem deutschen Publizisten Victor Naumann. Dieser erklärte, in deutschen Militär- und Regierungskreisen gebe es eine wachsende Bereitschaft zu einem Präventivkrieg gegen Russland. Österreich-Ungarn müsse Serbien vernichten, wenn es seinen Rang als Monarchie und Großmacht bewahren wolle. Hoyos hielt eine „Lösung der serbischen Frage“ ebenfalls für notwendig und wollte Gewissheit über eine deutsche Rückendeckung.
Berchtold schloss sich den Kriegsplänen an. Der ungarische Ministerpräsident István Tisza widersprach jedoch. Er fürchtete unter anderem, dass eroberte serbische Gebiete der ungarischen Reichshälfte zugeschlagen würden und dadurch der Anteil der slawischen Bevölkerung gegenüber den Magyaren wachsen könnte.
Beschlüsse und Auftrag
In den folgenden Ministerratssitzungen blieb Tisza zunächst der einzige Gegner eines Krieges gegen Serbien. Berchtold befürwortete einen Angriff. Der österreichische Ministerpräsident Karl Graf von Stürgkh wollte mit einer Aktion gegen Serbien zugleich die slawischen Nationalbewegungen innerhalb der Monarchie bekämpfen. Generalstabschef Conrad von Hötzendorf sah den Zeitpunkt zur „Lösung der serbischen Frage“ gekommen.
Die Regierung wusste, dass ein Vorgehen ohne Abstimmung mit dem Deutschen Reich zu gefährlich war. Ein Eingreifen Russlands konnte den Konflikt ausweiten; auch eine Beteiligung Frankreichs und Großbritanniens wurde befürchtet. Tisza konnte zudem nicht einfach übergangen werden, weil er als ungarischer Ministerpräsident eine Hälfte der Doppelmonarchie vertrat und bei gemeinsamen Angelegenheiten eine Art Vetorecht besaß.
Deshalb sollte Berlin ein Memorandum über die Sicherheitslage Österreich-Ungarns auf dem Balkan sowie einen handschriftlichen Brief Kaiser Franz Josephs erhalten. Das vermutlich am 24. Juni von Franz von Matscheko eingereichte Memorandum stellte den Balkanbund und das von der Triple Entente umworbene Rumänien als Bedrohungen dar. Ursprünglich empfahl es, das gute Verhältnis zu Bulgarien zu erhalten und Rumänien sowie Serbien durch Zugeständnisse zufriedenzustellen. Ein nach dem Attentat ergänztes Postskriptum erklärte dagegen, der Ausgleich mit Serbien sei gescheitert und Österreich-Ungarn müsse entschlossen handeln.
Der von Hoyos entworfene persönliche Brief Franz Josephs erklärte, Österreich und Serbien könnten nicht mehr nebeneinander fortbestehen; ein Waffengang sei unausweichlich. Berchtold wies Hoyos außerdem mündlich an, dem k.u.k. Botschafter in Berlin, Ladislaus von Szögyény, mitzuteilen, Wien halte den Zeitpunkt für gekommen, „mit Serbien abzurechnen“. Der damalige Finanzminister Leon Biliński sagte 1917 rückblickend, die Entscheidung zum Krieg sei bereits zwischen dem 1. und 3. Juli gefallen. Den Beteiligten sei bewusst gewesen, dass daraus ein großer Krieg werden könne und Russland einen Angriff kaum hinnehmen werde.
Verhandlungen in Berlin
Hoyos erreichte Berlin am Morgen des 5. Juli. Er informierte zunächst Botschafter Szögyény und anschließend Arthur Zimmermann, der wegen der Abwesenheit von Staatssekretär Gottlieb von Jagow das Auswärtige Amt leitete. Hoyos verschwieg Zimmermann Tiszas Widerstand und stellte stattdessen einen sofortigen österreichisch-ungarischen Überraschungsangriff ohne vorherige Verhandlungen in Aussicht.
Zimmermann befürwortete einen schnellen Schlag. Ein vollendeter Tatbestand – ein „fait accompli“ – sollte Österreich-Ungarns Stellung auf dem Balkan stärken und eine Reaktion Russlands und Frankreichs verhindern. Falls beide Mächte doch eingriffen, vertraute er auf die militärische Stärke Deutschlands; mit einer britischen Beteiligung rechnete er nicht. Danach informierte er Reichskanzler Theobald von Bethmann Hollweg.
Gegen 13 Uhr empfing Kaiser Wilhelm II. Szögyény und Hoyos ohne Berater. Zunächst verweigerte er eine feste Zusage: Er erwartete zwar ein ernstes österreichisches Vorgehen gegen Serbien, wollte wegen möglicher europäischer Folgen aber erst mit dem Reichskanzler beraten. Nachdem Szögyény die Lage erneut als existentielle Bedrohung Österreich-Ungarns dargestellt hatte, sagte Wilhelm schließlich Bündnistreue zu. Dabei griff er offenbar auf eine ähnliche Zusicherung aus der bosnischen Annexionskrise von 1908 zurück.
Szögyény berichtete das Ergebnis mit größerer Tragweite nach Wien. Nach seinem Telegramm empfahl Wilhelm, nicht länger zu warten; selbst bei einem österreichisch-russischen Krieg werde Deutschland an der Seite Österreich-Ungarns stehen. Dass dieser Bericht mindestens übertrieben war, zeigt Wilhelms anschließendes Gespräch mit Kriegsminister Erich von Falkenhayn: Der Kaiser erwartete in den nächsten Wochen keine Entscheidung und hielt weder eine Mobilmachung noch eine erhöhte Bereitschaft des deutschen Heeres für nötig.
Auch gegenüber Bethmann Hollweg und Zimmermann erklärte Wilhelm am Abend, Deutschland müsse verhindern, dass der österreichisch-serbische Streit zu einem internationalen Konflikt werde. Zugleich betrachtete er die Erhaltung Österreich-Ungarns als deutsches Lebensinteresse. Bereits am 8. Juli ließ er den deutschen Botschafter Heinrich von Tschirschky in Wien jedoch zu einer Aktion gegen Serbien drängen. Berlin unterstützte den Bündnispartner somit nicht nur, sondern ermutigte ihn aktiv zum Handeln.
Folgen in Wien und historische Bewertung
Hoyos kehrte am 6. Juli nach Wien zurück und berichtete am folgenden Tag Berchtold, Stürgkh und Tisza. Für Empörung sorgte, dass er in Berlin ohne entsprechende Weisung die „völlige Aufteilung“ Serbiens als mögliches Kriegsziel genannt und erklärt hatte, Serbien müsse „verschwinden“. Nach Tiszas Protest bezeichnete Berchtold dies als persönliche Meinung Hoyos’. Tisza hielt weiterhin einen überraschenden Angriff ohne vorherige diplomatische Schritte für unvertretbar, sah die Möglichkeit einer Aktion gegen Serbien nun aber näher rücken.
Nach langer Debatte beschloss der Ministerrat, den Streit möglichst rasch zu entscheiden. Ein Ultimatum sollte konkrete Forderungen enthalten; bei deren Ablehnung sollten die k.u.k. Truppen mobilisiert werden. Außer Tisza hielten alle Beteiligten einen bloßen diplomatischen Erfolg für wertlos. Die Forderungen sollten deshalb so weit gehen, dass mit ihrer Zurückweisung zu rechnen war und anschließend eine militärische „radikale Lösung“ begonnen werden konnte. Damit war ein Krieg Österreich-Ungarns gegen Serbien de facto bereits Anfang Juli beschlossen, auch wenn er erst Wochen später ausgelöst wurde.
Die geschichtswissenschaftliche Bewertung ist umstritten. Die Fischer-Kontroverse der 1960er Jahre richtete die Aufmerksamkeit vor allem auf die Verantwortung des Deutschen Reichs; Österreich-Ungarns Anteil wurde besonders in Österreich lange weniger stark neu bewertet. Fritz Fellner und Rudolf Neck gehörten zu den wenigen österreichischen Historikern, die die neue Sichtweise aufgriffen.
Eric A. Leuer vertrat 2011 in der ersten Monografie zur Mission Hoyos die These, österreichisch-ungarische Diplomaten hätten mit Wissen und Zustimmung Berchtolds und Franz Josephs den Krieg bewusst vorangetrieben, um durch die militärische Niederwerfung Serbiens die Vorherrschaft auf dem Balkan zurückzugewinnen. Wien habe Deutschland fälschlich für nahezu unbesiegbar gehalten. Der Historiker Salvador Oberhaus wies diese Deutung und ihre Methodik zurück. Er kritisierte unter anderem die Konzentration auf das Attentat statt auf dessen Ursachen und eine unzureichende Beachtung der deutschen Eskalationspolitik. Art und Umfang der Verantwortung Deutschlands und Österreich-Ungarns für die Julikrise bleiben daher Gegenstand kontroverser Forschung.