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Christliche Werte
Christliche Werte wird als Begriff auf Wertvorstellungen angewendet, denen ein Bezug zum Christentum zugeschrieben wird. Allegorie der Tugend von Raffael in …
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Begriff und Bedeutung
„Christliche Werte“ bezeichnet Wertvorstellungen, denen ein Bezug zum Christentum zugeschrieben wird. In der theologischen Ethik dienen der christliche Glaube und die Bibel als mögliche Grundlagen für soziales Handeln und soziale Normen. Der Begriff kann außerdem eine kulturelle Tradition bezeichnen und wird in politischen Debatten häufig als Schlagwort verwendet.
Ein einheitliches und allgemein anerkanntes Verzeichnis christlicher Werte lässt sich nur schwer erstellen. Innerhalb des Christentums bestehen unterschiedliche theologische, ethische und exegetische Ansätze. Exegese bedeutet hier die Auslegung biblischer Texte. Deshalb unterscheiden sich auch die Antworten auf die Frage, welche Werte aus dem christlichen Glauben folgen und wie sie im Einzelfall anzuwenden sind. Zudem verändern sich die Wertvorstellungen kirchlicher Organisationen im Zuge des gesellschaftlichen Wertewandels. Die Neutralität des zugrunde liegenden Artikels ist als umstritten gekennzeichnet.
Biblische Grundlagen und Auslegung
Die maßgebliche Grundlage theologischer Ethik ist die Bibel, besonders das Neue Testament. Im Zusammenhang mit christlichen Werten werden vor allem drei biblische Grundlagen genannt: die Zehn Gebote, etwa in Ex 20,2–17; das Doppelgebot der Gottes- und Nächstenliebe, etwa in Mk 12,29–31; und die Bergpredigt ab Mt 5,1.
Theologische Ethik versucht, durch die Auslegung der Bibel Wertvorstellungen aus ihren Texten abzuleiten oder bereits formulierte Wertvorstellungen mit ihnen zu begründen. Dabei bestehen erhebliche Unterschiede. Manche christliche Fundamentalisten und Evangelikale beanspruchen „Bibeltreue“ und verstehen die Bibel als wörtlich zu befolgende Anleitung für moralisches Handeln. Andere orientieren sich an Jesus als persönlichem Vorbild und fragen bei ethischen Konflikten: „Was würde Jesus tun?“ Zwischen diesen Positionen gibt es zahlreiche weitere Auslegungen.
Ein typisches Beispiel ist das fünfte Gebot „Du sollst nicht morden“. Daraus werden unterschiedliche Forderungen abgeleitet, darunter Pazifismus, ein Recht auf Leben und das Verbot der Todesstrafe. Ob solche Folgerungen allgemein verbindliche christliche Werte darstellen oder Ausnahmen zulässig sind, bleibt Gegenstand von Wertediskussionen. Dieser Teil des Artikels ist außerdem als nicht hinreichend mit Belegen ausgestattet gekennzeichnet.
Tugenden und kirchliche Vorschriften
Zusammenstellungen moralischer und religiöser Vorschriften finden sich beispielsweise in den Katechismen der christlichen Kirchen. Ein Katechismus ist eine systematische Darstellung der christlichen Glaubenslehre und der daraus abgeleiteten Regeln.
Häufig als christliche Werte bezeichnet werden Glaube, Liebe und Hoffnung, die als „göttliche Tugenden“ gelten. Weitere oft genannte Tugenden sind Barmherzigkeit sowie Gerechtigkeit und Recht. Letztere werden unter anderem mit Psalm 33,5 begründet: „Gott liebt die Gerechtigkeit und das Recht.“ Diese Aufzählungen bilden jedoch wegen der unterschiedlichen christlichen Auslegungen kein für alle verbindliches Gesamtverzeichnis.
Gottesbezug in Staat und Gesellschaft
In Debatten über die Bedeutung des Christentums für Staat und Gesellschaft bezeichnet das Schlagwort „christliche Werte“ häufig die Forderung nach einem ausdrücklichen Gottesbezug. Das christliche Wertesystem begründet sein Menschenbild im Glauben an Gott. Der Artikel stellt dem Humanismus und Buddhismus gegenüber, bei denen der einzelne leidensfähige und mitfühlende, zur Autonomie befähigte Mensch im Zentrum des Wertesystems stehe. Diözesanbischof Kurt Krenn erklärte dazu: „Die sogenannten autonomen Werte, die wir aus unserem Menschsein deduzieren, sind keine christlichen Werte.“
Aus dem christlichen Menschenbild wird teilweise die politische Forderung abgeleitet, den Glauben an Gott und Christus auch in Gesetzen als zentralen Wert der Gesellschaftsordnung zu verankern. Papst Benedikt XVI. bezeichnete den fehlenden Gottesbezug in der EU-Verfassung als „einmalige Form der Apostasie“. Europa stelle seiner Ansicht nach zunehmend universelle und absolute Werte infrage; zugleich seien christliche Werte grundlegend für das Überleben der Nationen und Gesellschaften. Der Begriff erscheint außerdem in Auseinandersetzungen über Schulgebet, den Kruzifix-Beschluss und den Religionsunterricht. Angela Merkel betonte in diesem Zusammenhang, ihre Partei werde „keinen Gedanken daran verschwenden, das C aus unserem Namen zu streichen.“
Eine Gegenposition bilden Werte der Aufklärung und des Liberalismus, besonders die Trennung von Religion und Staat sowie die Religionsfreiheit. Allerdings gehörten Glaubensfreiheit und die Trennung von Staat und Kirche bereits zu den Grundforderungen der reformatorischen Täuferbewegung. Sie sind bis heute konstituierende Prinzipien evangelischer Freikirchen wie der Mennoniten und Baptisten. Der Gegensatz verläuft daher nicht einfach zwischen christlichen und nichtchristlichen Positionen.
Christdemokratische Politik
Mehrere europäische Parteien berufen sich programmatisch auf christliche Werte, darunter die Union pour un Mouvement Populaire in Frankreich und die Unione dei Democratici Cristiani e Democratici di Centro in Italien. In Deutschland stehen CDU und CSU in dieser Tradition; hinzu kommen kleinere Parteien wie die PBC, das Zentrum und die vom Zentrum abgespaltene Christliche Mitte.
Die deutsche Christdemokratie verbindet nach eigener Darstellung christliche, wertkonservative und liberale Vorstellungen. CDU und CSU verwenden das „christliche Menschenbild“ als Orientierungsmaßstab. Für die CDU gehören dazu besonders die Wertschätzung der Familie als Grundlage der Gesellschaft und die soziale Verantwortung des Einzelnen für die Gesellschaft. Diese christliche Soziallehre zeigt sich wirtschaftspolitisch im Modell der Sozialen Marktwirtschaft. Ein Diskussionspapier der CDU-Wertekommission versucht außerdem, liberale Menschenrechte religiös zu begründen und mit dem christlichen Glauben zu verbinden.
Wirtschaftsliberale Strömungen innerhalb der Christdemokratie leiten daraus auch einen Vorrang privaten Unternehmertums gegenüber der Übernahme von Aufgaben durch Stadt oder Staat ab. Die CDU-Wertekommission erklärt, in einer Sozialen Marktwirtschaft schüfen in erster Linie Unternehmer neue Arbeitsplätze; der Staat solle die Regulierungsdichte abbauen und Überregulierung vermeiden.
Die CDU verbindet christliche Werte häufig mit dem „Abendland“. Dies diente während des Kalten Krieges der Abgrenzung von kommunistischen Wertvorstellungen und wird in jüngerer Zeit teilweise zur Abgrenzung von „islamischen Wertvorstellungen“ des „Morgenlands“ eingesetzt. Innerhalb der CDU gilt der ausdrückliche Bezug auf christliche Werte jedoch teilweise als nicht mehr zeitgemäß. Als Gründe werden die programmatische Entfernung von den christlichen Wertvorstellungen der 1950er- und 1960er-Jahre unter Angela Merkel sowie die geringere Bedeutung des Christentums für viele Parteimitglieder in den neuen Bundesländern genannt.
Familie und konservative Wertvorstellungen
In einigen politischen Diskussionen meint „christliche Werte“ weniger bestimmte Glaubensinhalte als allgemeine konservative Vorstellungen, besonders ein traditionelles Verständnis von Familie und Geschlechterrollen. Dadurch können sich auch Menschen anderer Religionen mit solchen Werten identifizieren.
Als Beispiel nennt der Artikel den muslimischen CDU-Politiker Bülent Arslan. Er erklärte, Werte aus dem CDU-Grundsatzprogramm seien auch im Islam zu finden, darunter Gerechtigkeit, Freiheit und die Bedeutung der Familie. Der Ausdruck „christliche Werte“ kann in diesem Gebrauch somit Werte zusammenfassen, die nicht ausschließlich christlich begründet werden. Auch dieser Abschnitt des Artikels ist als nicht hinreichend mit Belegen ausgestattet gekennzeichnet.