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Christine Lagarde

Lagarde war die erste Frau, die Finanzministerin eines G8-Staats wurde, und ist die erste Frau, die jeweils die EZB und den IWF leitete.

Inhalt6 Abschnitte
  1. 1. Überblick und Bedeutung
  2. 2. Ausbildung und juristische Laufbahn
  3. 3. Politische Ämter in Frankreich
  4. 4. IWF und EZB
  5. 5. Kontroversen und Lagarde-Liste
  6. 6. Privates und Auszeichnungen

Überblick und Bedeutung

Christine Madeleine Odette Lagarde, geboren am 1. Januar 1956 in Paris als Christine Madeleine Odette Lallouette, ist eine französische Politikerin der Partei Les Républicains (LR) und Juristin. Seit dem 1. November 2019 ist sie Präsidentin der Europäischen Zentralbank (EZB). Sie ist die erste Frau in diesem Amt.

Lagarde wurde international bekannt, weil sie mehrere Spitzenämter innehatte: Sie war Handelsministerin, Landwirtschafts- und Fischereiministerin sowie Wirtschafts-, Finanz- und Industrieministerin in Frankreich. Von 2011 bis 2019 leitete sie als geschäftsführende Direktorin den Internationalen Währungsfonds (IWF), eine internationale Organisation, die Staaten bei Finanz- und Währungsproblemen unterstützt. Sie war die erste Frau, die Finanzministerin eines G8-Staates wurde, und die erste Frau an der Spitze von IWF und EZB.

Ausbildung und juristische Laufbahn

Lagarde wuchs als ältestes von vier Kindern in Le Havre in der Normandie auf. Ihr Vater Robert Lallouette war Literaturdozent an der Universität Rouen, ihre Mutter Nicole, geborene Carre, war Lateinlehrerin. In ihrer Jugend war Lagarde Mitglied der französischen Nationalmannschaft im Synchronschwimmen und gewann eine Bronzemedaille bei französischen Meisterschaften.

Nach dem Abitur am Lycée Claude Monet in Le Havre und dem Tod ihres Vaters ging sie 1974 mit einem AFS-Stipendium an die Holton-Arms School in Bethesda, Maryland. Dort hospitierte sie im US-Parlament im Büro von William Cohen. Zurück in Frankreich studierte sie Sozialrecht am Institut d’études politiques d’Aix-en-Provence und schloss mit einem DESS ab, einem anwendungsorientierten Masterabschluss. Außerdem besuchte sie Sciences Po und die Université Paris X-Nanterre zur Vorbereitung auf die École nationale d’administration, bestand deren Aufnahmeprüfung aber nicht. Sie erwarb einen MA in Englisch, einen Master of Business Law (LL. M.) und ein Diplom in Arbeitsrecht an der Universität Paris X-Nanterre.

1981 trat Lagarde als Rechtsanwältin in das Pariser Büro der US-Kanzlei Baker & McKenzie ein. Von 1999 bis 2004 war sie Präsidentin der Geschäftsführung dieser internationalen Wirtschaftskanzlei und ab 2004 Vorsitzende ihres Global Strategy Committee in Chicago. Die Kanzlei hatte damals rund 3.400 Anwälte in 70 Ländern und etwa eine Milliarde US-Dollar Jahresumsatz. Lagarde arbeitete außerdem von 1995 bis 2002 im Center for Strategic and International Studies (CSIS) und war 2003 Mitglied der Euro-Atlantic Action Commission in Washington.

Politische Ämter in Frankreich

Lagarde wechselte Mitte der 2000er Jahre in die französische Regierung. Von Juni 2005 bis Mai 2007 war sie beigeordnete Ministerin für Außenhandel in der Regierung de Villepin. Vom 18. Mai bis zum 19. Juni 2007 war sie Ministerin für Landwirtschaft und Fischerei im Kabinett Fillon II. Nach einer Regierungsumbildung am 19. Juni 2007 wurde sie Ministerin für Wirtschaft und Finanzen und blieb dies bis zum 29. Juni 2011.

Als Finanzministerin spielte sie während der Weltfinanzkrise eine wichtige Rolle. Die Financial Times wählte sie 2009 für ihr Management in dieser Krise zur besten Finanzministerin der Eurozone. Am 31. März 2010 nahm sie an einer Sitzung des Bundeskabinetts in Berlin teil. Das war nach dem Artikel das erste Mal in der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland, dass ein ausländischer Gast an einer solchen Kabinettssitzung teilnahm. Ihr Nachfolger als französischer Finanzminister wurde François Baroin.

IWF und EZB

Am 5. Juli 2011 wurde Lagarde geschäftsführende Direktorin des Internationalen Währungsfonds und ersetzte Dominique Strauss-Kahn. Ihre erste Amtszeit dauerte fünf Jahre. Sie wurde einvernehmlich für eine zweite Amtszeit ab dem 5. Juli 2016 wiedergewählt und war die einzige nominierte Kandidatin. Sie blieb bis zum 12. September 2019 geschäftsführende Direktorin des IWF. Als IWF-Chefin erhielt sie ein Jahresgehalt von 467.940 Dollar plus eine pauschale Aufwandsentschädigung von 83.760 Dollar.

2019 wurde Lagarde als Nachfolgerin von Mario Draghi Präsidentin der Europäischen Zentralbank. Die EZB ist die Zentralbank des Euro-Währungsgebiets; sie beeinflusst unter anderem die Geldpolitik und damit die Zinsen. Lagarde setzte die von Jean-Claude Trichet und Mario Draghi begonnene dauerhafte Niedrigzinspolitik der EZB fort.

Ihre Berufung wurde auch kritisch diskutiert. Einige Stimmen forderten, dass die EZB-Präsidentin oder der EZB-Präsident Ökonomin oder Ökonom sein und idealerweise Erfahrung in einer Notenbank haben sollte. Lagarde ist Juristin; ihre Vorgänger waren Ökonomen und Finanzexperten. Außerdem hatte sie anders als die bisherigen Präsidenten nie eine nationale Zentralbank geleitet.

Kontroversen und Lagarde-Liste

Im Zusammenhang mit dem französischen Geschäftsmann Bernard Tapie wurde Lagarde später verurteilt. Als Wirtschaftsministerin hatte sie sich 2008 in einem Schiedsgerichtsverfahren auf einen Vergleich eingelassen. Es ging um eine umstrittene Entschädigungszahlung von 403 Millionen Euro an Tapie, den früheren Adidas-Eigentümer. Ein privates Schiedsgericht hatte ihm die Summe zugesprochen, weil er beim Verkauf von Adidas-Aktien in den 1990er Jahren an Crédit Lyonnais offenbar zu wenig erhalten hatte. Lagarde sagte, sie habe den Schiedsspruch akzeptiert, um einen weiteren teuren Rechtsstreit zwischen Tapie und der staatlichen Bank Crédit Lyonnais zu verhindern.

2011 ließ der Gerichtshof der Republik ein Ermittlungsverfahren wegen Amtsmissbrauchs zu. 2013 wurde eine ihrer Wohnungen in Paris durchsucht, 2014 wurde ein Anklageverfahren eingeleitet, und 2016 wies das Kassationsgericht ihren Einspruch ab. Im Dezember 2016 wurde Lagarde wegen fahrlässigen Umgangs mit öffentlichen Geldern schuldig gesprochen. Eine Strafe verhängte das Gericht nicht; Verteidigung und Staatsanwaltschaft hatten zuvor einen Freispruch befürwortet.

Die sogenannte Lagarde-Liste enthält Kontodaten von über 2.000 griechischen Kunden des Schweizer HSBC-Ablegers in Genf, die als mutmaßliche griechische Steuerflüchtlinge galten. Die Daten wurden von Hervé Falciani den Behörden übergeben. Lagarde übergab 2010 als damalige französische Finanzministerin einen Datenträger mit den Aufzeichnungen an ihren griechischen Kollegen Giorgos Papakonstantinou. Die Liste löste in Griechenland mehrere politische Skandale aus.

Privates und Auszeichnungen

Lagarde war von 1982 bis zur Scheidung 1992 mit dem Finanzanalysten Wilfried Lagarde verheiratet. Sie haben zwei Söhne, geboren 1986 und 1988. Seit 2006 ist der Unternehmer Xavier Giocanti aus Marseille ihr Lebensgefährte.

Lagarde erhielt mehrere Auszeichnungen und hohe Einstufungen. Forbes führte sie 2019 sowie 2020 und 2022 auf Platz zwei der Liste der 100 mächtigsten Frauen der Welt; 2019 stand sie dort hinter Angela Merkel. Die Financial Times ehrte sie als beste Finanzministerin des Euro-Währungsgebiets 2009. In Frankreich wurde sie 2000 zum Ritter (chevalier) und 2012 zum Offizier der Ehrenlegion ernannt.

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