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Change.org

Die Plattform ermöglicht Bürgern, einfach und direkt Petitionen zu starten. Sie ist offen für alle Themen und Anliegen. Beliebt sind Petitionen aus den …

Inhalt5 Abschnitte
  1. 1. Plattform und Zweck
  2. 2. Entwicklung und deutsche Organisation
  3. 3. Arbeitsweise und Finanzierung
  4. 4. Bekannte Petitionen und Fälle
  5. 5. Kritik und Datenschutz

Plattform und Zweck

Change.org ist eine weltweit agierende Plattform für Online-Aktivismus mit Hauptsitz in San Francisco. Sie wurde 2007 gegründet, ermöglicht Bürgerinnen und Bürgern das Starten und Verbreiten von Online-Petitionen und ist für alle Themen und Anliegen offen. Häufig betreffen Petitionen Demokratie, Armut, Umwelt, Wohnen, Inklusion, Mobilität, Migration, Netzpolitik, Tierschutz, Handelsbeziehungen und Menschenrechte.

Nach eigenen Angaben hatte die Plattform 2018 mehr als 265 Millionen Nutzer und war damit die „weltweit größte Kampagnenplattform“. Am 31. Dezember 2018 bestanden 907.197 aktive Petitionen in 196 Ländern. Change.org ist als am Gemeinwohl ausgerichtetes Sozialunternehmen, eine Public Benefit Corporation (PBC), organisiert; erzielte Gewinne werden in die Plattform zurückinvestiert.

Entwicklung und deutsche Organisation

Ben Rattray und Mark Dimas gründeten Change.org 2007 als Social Business. 2010 bauten sie die Seite mit dem Schwerpunkt auf kollektive Aktionen und Bürgerbeteiligung neu auf: Menschen sollten Petitionen starten, sich gegenseitig unterstützen und gesellschaftlichen Wandel anstoßen. Ende 2018 beschäftigte Change.org 140 feste Mitarbeiter in 18 Ländern, war in zwölf Sprachen verfügbar und wurde in 196 Ländern genutzt.

In Deutschland entstand im September 2016 der unabhängige gemeinnützige Verein change.org e. V. Deutschland in Berlin. Er war Lizenznehmer der US-amerikanischen Change.org PBC und nutzte deren Plattform, war aber darüber hinaus rechtlich nicht verbunden. Er finanzierte sich vollständig aus Spenden und Förderbeiträgen. Im Februar 2021 entzog das Berliner Finanzamt dem Verein die Gemeinnützigkeit: Es begründete dies damit, dass nur Petitionen an staatliche Stellen den Zweck der „Förderung des demokratischen Staatswesens“ erfüllten. Der Rechtsstreit wird vom innn.it-Verein fortgeführt; nach einer zunächst erfolgreichen Entscheidung vor dem Finanzgericht Berlin-Brandenburg wurde die Sache am 12. Dezember 2024 vom Bundesfinanzhof dorthin zurückverwiesen.

Die Change.org PBC kündigte im Februar 2022 die Auflösung des Lizenzvertrags an. Das deutsche Team um Gregor Hackmack verließ den Verein am 31. Mai 2022, startete die Plattform innn.it und benannte den Verein in innn.it e. V. um. change.org/de wird seitdem von Beschäftigten der Change.org PBC betreut.

Arbeitsweise und Finanzierung

Change.org ist kostenlos nutzbar und führt selbst keine Kampagnen durch. Stattdessen unterstützt die Plattform Petitionsstarter, sofern ihre Anliegen nicht gegen Richtlinien oder Verhaltensregeln verstoßen. Ziel ist die Dezentralisierung von Campaigning, also der Organisation öffentlicher Kampagnen, und die Förderung lokalen Engagements. Nutzer können Petitionen zu beliebigen Themen erstellen und im Internet verbreiten; feste Mitarbeiter helfen in manchen Fällen handwerklich und strategisch.

Stärker unterstützte Petitionen sollen eine starke Geschichte haben, für die Gemeinschaft interessant, faktisch belegbar und aktuell sein. Aufrufe zu Gewalt, Hass oder Hetze werden entfernt. Bei belegbaren Hinweisen auf mögliche Fehlinformationen wird eine Petition gelöscht; nicht belegbare Hinweise führen zu einer Kennzeichnung.

Einnahmen stammen aus Fördermitgliedschaften, Spenden und vor allem aus dem Bewerben von Petitionen auf der Website. Einzelpersonen und Organisationen können Anzeigen schalten, damit ihre Petition anderen Besuchern angezeigt wird. Bis heute sammelte Change.org 80 Millionen US-Dollar. Im Mai 2013 führte die Plattform das Bewerben von Petitionen ein; im letzten Schritt einer Unterschrift konnten Unterstützer dafür 1 $ bis 1000 $ zahlen.

Bekannte Petitionen und Fälle

Zu den größten internationalen Petitionen gehörten im März 2023 „Justice for George Floyd“ mit 19,7 Millionen und „Gerechtigkeit für Breonna Taylor“ mit 11,4 Millionen Unterschriften. „SaveTheInternet #Uploadfilter“ erreichte 5,3 Millionen, „Stop the willow project“ 5,1 Millionen und „Electoral College“ 4,9 Millionen Unterschriften.

Im Fall Trayvon Martin sammelte eine Petition von Martins Eltern mehr als 2,2 Millionen Unterschriften. Der unbewaffnete 17-jährige Afroamerikaner war im Februar 2012 von George Zimmerman erschossen worden; die Petition begleitete und verstärkte öffentliche Proteste und Medienberichte, die schließlich zur Aufnahme von Ermittlungen führten. Eine Petition forderte im US-Präsidentschaftswahlkampf 2012 erfolgreich, dass eine Frau ein TV-Duell zwischen Barack Obama und Mitt Romney moderieren sollte. Eine weitere, weltweit beachtete Petition trug dazu bei, dass die südafrikanische Regierung Gegenmaßnahmen gegen sogenannte „korrigierende“ Vergewaltigungen ergriff.

In Deutschland reichte Marianne Grimmenstein im August 2016 mit fast 70.000 Klagevollmachten eine Klageschrift gegen CETA beim Bundesverfassungsgericht ein. Eine ver.di-Petition zu Arbeitsbedingungen von Leiharbeitern bei Amazon übergab am 28. Februar 2013 37.000 Unterstützer an die Werksleitung in Bad Hersfeld. Gegen die geplanten Volumenbegrenzungen der Deutschen Telekom unterschrieben über 200.000 Menschen; im Juni 2013 milderte die Telekom ihre Drosselpläne erheblich ab.

Die Petition gegen Teile der EU-Urheberrechtsreform, besonders Upload-Filter, überschritt am 21. März 2019 fünf Millionen Unterschriften. Das „Manifest für Frieden“ gegen Waffenlieferungen an die Ukraine wurde am 10. Februar 2023 veröffentlicht und erhielt in den ersten 14 Tagen knapp 665.000 Unterschriften. Die Petition für „Major Tom (völlig losgelöst)“ als Torhymne der deutschen Nationalmannschaft sammelte in den ersten 48 Stunden mehr als 65.000 Unterschriften; der DFB kündigte Anfang Juni 2024 an, das Lied als neue Torhymne zu spielen.

Kritik und Datenschutz

2012 kritisierten Teile linksorientierter Kreise in den USA die Öffnung von Change.org für Gruppen aus dem gesamten demokratischen Spektrum. Ben Rattray begründete die Offenheit damit, dass die Plattform nur so in verschiedenen Ländern ein Instrument für den jeweils angestrebten Wandel sein könne.

Kritik gab es auch am Umgang mit Daten. Nach den Nutzungsbedingungen darf Change.org Daten an Partnerorganisationen und unbeteiligte Dritte verkaufen. Thilo Weichert, damaliger Datenschutzbeauftragter Schleswig-Holsteins, warf der Plattform 2015 Verstöße gegen deutsches Datenschutzrecht vor, unter anderem wegen Verarbeitung und Speicherung deutscher Nutzerdaten in den USA, Tracking-Techniken und unkontrollierter Datenweitergabe. 2016 erhielt Change.org dafür den Big Brother Award. Auf europäischen Webseiten gilt seit der EU-DSGVO ein Doppel-Opt-In: Ein E-Mail-Eintrag muss über eine Bestätigungs-E-Mail bestätigt werden.

Bei vielen Petitionen sind Diskussionen möglich, Ersteller können Kommentare aber durch Voreinstellungen ausschalten. Falsche oder fragliche Behauptungen können dann nicht direkt kommentiert werden; die Hilfe von Change.org empfahl dafür bislang eine Gegenpetition. 2023 löschte die Plattform unter anderem eine Petition gegen die Netflix-Verfilmung „Queen Cleopatra“ wegen eines Verstoßes gegen Community-Richtlinien sowie in Deutschland eine Petition, die das geplante Selbstbestimmungsgesetz kritisierte.

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