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Cavatina
Cavatina (auch Cavatine oder Kavatine) bezeichnet in der Musik ursprünglich ein Gesangsstück in der Oper. Seit dem 19. Jahrhundert wird der Begriff auch in …
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Begriff und Grundidee
Cavatina, auch Cavatine oder Kavatine, bezeichnet ursprünglich ein Gesangsstück in der Oper. Seit dem 19. Jahrhundert wird der Begriff auch außerhalb der Oper und in der Instrumentalmusik verwendet. Dann meint er meist ein melodisches oder lyrisches Musikstück, häufig in eher ruhigem Tempo.
Die Bedeutung des Begriffs veränderte sich im Lauf der Zeit. In der Oper kann „Cavatina“ daher sowohl ein einfaches, liedhaftes Gesangsstück als auch – besonders in der italienischen Oper des frühen 19. Jahrhunderts – eine größere, lebhafte oder virtuose Arie bezeichnen.
Die Cavatina in der Oper
Im 18. Jahrhundert war die Cavatina eine besondere Form der Arie. Bei Mozart und anderen Komponisten hatte sie meist eine einfache, liedhafte Form sowie einen sanften, gesangvoll-lyrischen Charakter. Damit unterschied sie sich von komplexeren, dramatischeren oder virtuoseren Arienformen wie der Dacapo-Arie. Frühe Beispiele sind „Saper bramate“ des Grafen im 1. Akt von Paisiellos Le barbiere di Siviglia (1782) und Ferrandos „Un’aura amorosa del nostro tesoro“ aus Mozarts Così fan tutte (1790).
In der deutschen und französischen Oper blieb diese Bedeutung ungefähr bis in die zweite Hälfte des 19. Jahrhunderts erhalten. Ein spätes Beispiel ist „Salut! demeure chaste et pure“ im zweiten Akt von Gounods Faust (1859).
In der italienischen Oper wurde der Begriff im frühen 19. Jahrhundert anders gebraucht. Dort bezeichnete man nun vor allem Auftritts- oder Eingangssarien als Cavatina. Diese konnten lebhaft, virtuos und formal komplex sein. Beispiele sind Figaros „Largo al factotum“ und Rosinas „Una voce poco fa“ in Rossinis Il barbiere di Siviglia (1816).
In der Belcanto-Oper des 19. Jahrhunderts bezeichnete „Cavatina“ später auch den ersten, meist ruhigeren und lyrischen Cantabile-Teil einer zweiteiligen Arie. Der zweite Teil heißt Cabaletta. Er steht im Allgemeinen in schnellerem Tempo, besitzt einen heftigeren, „zündenden“ Rhythmus und bietet dem Sänger häufig Gelegenheit zu virtuosen Demonstrationen.
Das Arienpaar aus Cavatina beziehungsweise Cantabile und Cabaletta wird durch ein Rezitativ eingeleitet. Zwischen beiden Teilen kann ein Überleitungsteil stehen, in dem Raum für die dramatische Handlung ist. Die gesamte Folge wird als Scena bezeichnet. Neben dem eigentlichen Sänger können daran untergeordnete Einzelfiguren und ein Chor beteiligt sein, besonders im Rezitativ, in der Überleitung und in der Cabaletta.
Ein bekanntes Beispiel ist Normas Auftrittsszene in Bellinis Norma (1831): Auf das Rezitativ „Sediziose voci“ folgt die Cavatina „Casta Diva“, danach die Überleitung „Fine al rito“ und schließlich die Cabaletta „O bello a me ritorna“. An dieser Scena wirken auch andere Figuren und ein ganzer Chor mit, teilweise sogar in der Cavatina.
Verwendung außerhalb der Oper
Seit dem 19. Jahrhundert wird „Cavatina“ auch für Gesangsstücke außerhalb der Oper und für Instrumentalstücke verwendet. Beispiele sind Ferdinando Carullis „Cavatine Française“ für Gesang mit Gitarrenbegleitung (1813), Mauro Giulianis „Sei cavatine per voce e chitarra o pianoforte“, Op. 39, sowie der fünfte Satz von Ludwig van Beethovens 13. Streichquartett, „Adagio molto espressivo – attacca in Es-Dur“, Op. 130 (1826).
Auch im späteren 19. und 20. Jahrhundert trugen Instrumentalwerke den Titel Cavatina, darunter Stücke von Napoléon Coste für Oboe (Op. 37, 1870), Antonín Dvořák in den Trio-Miniaturen, Op. 75a, Stück 1 (1878), und Alexandre Tansmans Cavatina für Gitarre aus Preludio, Sarabande, Scherzino und Barcarola (1951).
Besonders bekannt wurde Stanley Myers’ Cavatina für Klavier aus den Jahren 1970/71, die John Williams für Gitarre arrangierte. Eine Bearbeitung für Sologitarre beziehungsweise Gitarrenduo und Orchester wurde 1978 zum musikalischen Hauptthema des Films The Deer Hunter (deutscher Titel: Die durch die Hölle gehen). Die Originalversion von John Williams und die Version der Shadows erreichten 1979 in Großbritannien die Top Ten der Popcharts.