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Canossasäule
Die Canossasäule ist ein Denkmal auf dem Großen Burgberg südlich oberhalb der Kernstadt von Bad Harzburg im niedersächsischen Landkreis Goslar.
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Lage und Bedeutung
Die Canossasäule ist ein Denkmal auf dem Großen Burgberg südlich oberhalb der Kernstadt von Bad Harzburg im niedersächsischen Landkreis Goslar. Sie steht in der Gipfelregion auf 482,8 m ü. NN inmitten einer Aussichtsfläche mit weitem Blick auf die Stadt und das Umland. Das Denkmal verbindet die Erinnerung an den historischen Canossa-Gang von 1077 mit dem politischen Wirken Otto von Bismarcks und dem sogenannten Kulturkampf.
Aufbau und Gestaltung
Die Canossasäule ist ein 19 m hoher, unverzierter Obelisk. Er besteht aus sich verjüngenden Quadern und steht auf einem hohen Postament. Dieses besitzt ein breites Gesims und ruht mit seiner Basis auf einer dreistufigen quadratischen Treppenanlage.
Auf der Vorderseite des Postaments befindet sich eine Bronzetafel mit dem lorbeerumkränzten Profilbild Otto von Bismarcks. Darunter steht die Jahreszahl 1877. Die Rückseite trägt eine Steintafel mit der Inschrift:
„NACH CANOSSA GEHEN WIR NICHT — REICHSTAGSSITZUNG 14 MAI 1872.“
Bei Dunkelheit wird die Säule angestrahlt.
Entstehung und historische Entwicklung
Im April 1872 wurde auf Vorschlag Bismarcks der deutsche Kurienkardinal Gustav Adolf zu Hohenlohe-Schillingsfürst zum Gesandten des jungen deutschen Kaiserreichs beim Heiligen Stuhl ernannt. Papst Pius IX. verweigerte seine Zustimmung, weil Hohenlohe-Schillingsfürst beim Ersten Vatikanischen Konzil zu den Gegnern des Unfehlbarkeitsdogmas gehört hatte.
In der erregten Reichstagsdebatte am 14. Mai 1872 stellte Bismarck einen rhetorischen Bezug zum Canossa-Gang her. Gemeint war die – wirkliche oder taktische – Selbstdemütigung König Heinrichs IV. vor Papst Gregor VII. im Januar 1077. Bismarcks Aussage wurde später zu einem geflügelten Wort und zur Inschrift der Canossasäule. Die politische Verstimmung gehörte zu den Auslösern des Bismarckschen „Kulturkampfs“, in dem es um die Stellung und die Rechte der katholischen Kirche im neuen, preußisch-protestantisch dominierten, kleindeutschen Reich ging.
Während der heftigsten Phase des Kulturkampfs fiel der 800. Jahrestag von Canossa. Im protestantischen Bürgertum entstand der Plan für ein Denkmal mit aktuellem politischen Bezug. Als Standort wurde die Ruine der Harzburg gewählt, eine von Heinrich IV. erbaute Kaiserfestung. Das Denkmal sollte zugleich an den historischen Jahrestag erinnern und als Bismarckdenkmal dienen.
Zu den engagiertesten Förderern gehörte der Harzburger Bergwerksdirektor Wilhelm Castendyck. Wilhelm Engelhard entwarf das Bismarckrelief. Die feierliche Enthüllung fand am 26. August 1877 statt. Engelhard ergänzte 1883 zwei flankierende Walkürenfiguren. Sie waren bereits vor Beginn des Ersten Weltkriegs verwittert und mussten entfernt werden. 1880 wurde in Bündheim die erste nachreformatorische katholische Kirche der Region geweiht; sie erhielt den Namen Papst Gregors VII., des Gegenspielers Heinrichs IV. im Investiturstreit. Theodor Fontane nahm in seinem Roman „Cécile“ von 1886 und in privaten Briefen Bezug auf das Bismarckzitat und die Canossasäule. Im April und Mai 2018 wurde das Denkmal für 30.000 € saniert. Dabei wurden die Inschriften vergoldet; die Kosten wurden durch private Spenden gedeckt.