Zum Inhalt springen
L

Wikipedia · einfach zusammengefasst · Stand

Cäsar und sein Legionär

Die Geschichte spielt im Römischen Reich und handelt von Cäsars Fall. Die Erzählung ist in zwei Kapitel unterteilt, mit den Titeln Cäsar und Cäsars Legionär.

Inhalt5 Abschnitte
  1. 1. Werk und Entstehung
  2. 2. Cäsars Sicht auf seinen Untergang
  3. 3. Rarus und die Familie Scaper
  4. 4. Aufbau und Erzählweise
  5. 5. Motive und gesellschaftliche Aussage

Werk und Entstehung

„Cäsar und sein Legionär“ ist eine 1942 im amerikanischen Exil verfasste Erzählung von Bertolt Brecht. Sie spielt im Römischen Reich um 44 v. Chr. und schildert den Niedergang des Diktators Gaius Julius Cäsar. Der Text wurde 1949 erstmals in der ersten Ausgabe von Brechts „Kalendergeschichten“ gedruckt.

Ursprünglich sollte die Geschichte offenbar als Konzept für einen Film mit dem Titel „Cäsars letzte Tage“ dienen. Ob dieser Film tatsächlich entstand oder lediglich nicht veröffentlicht wurde, ist unklar. Brecht stützte seine Erzählung auf ältere geschichtswissenschaftliche Schriften.

Cäsars Sicht auf seinen Untergang

Cäsar plant einen neuen Krieg im Osten, obwohl er erkennt, dass das Volk ihm nicht mehr folgen will und seine Diktatur gefährdet ist. Ein Dossier enthält die Namen von Verschwörern. Cäsar öffnet es jedoch nicht, weil er fürchtet, darin vertraute Personen zu finden. Tatsächlich stehen unter anderem Brutus und Cassius auf der Liste. Brutus und Kleopatra befürchten dennoch, Cäsar könne das Dossier gelesen haben.

Cäsar hat Todesvisionen und weiß, dass eine Flucht nach Alexandria kaum noch möglich ist. Während einer Reitstunde kommt ihm die Idee, sich wieder dem Volk zuzuwenden: Er will abdanken, die Diktatur beenden und eine neue demokratische Ordnung schaffen. Nach einer entsprechenden Rede schickt er seinen Sekretär und Vertrauten Titus Rarus los, um die Stimmung in Rom zu erkunden. Als Rarus lange nicht zurückkehrt, wird Cäsar zunehmend unsicher.

Cäsar versucht selbst, die öffentliche Meinung zu erfahren. Bei einem Hunderennen bleibt dies erfolglos, weil neben ihm Geheimpolizisten sitzen. Rarus berichtet schließlich, dass niemand mit Cäsar verhandeln wolle. Daraufhin lässt Cäsar den einfachen Bauarbeiter Carpo aus dem Gefängnis holen, weil das Volk ihm vertraut. Doch Carpo reagiert auf Cäsars Pläne einer „neuen Ordnung“ und Demokratie mit Schweigen und wird wieder eingesperrt.

Die Lage verschärft sich: Neue Wachen erkennen Cäsar vor seinem Palast nicht, Rarus wird ermordet und das Dossier verschwindet. Cäsar sucht verzweifelt Kleopatra auf, trifft sie aber nicht an. Bei seiner Rückkehr stehen die Palasttore offen und die Wachen sind fort. Schließlich geht er in den Senat. Dort gibt man ihm nach einigen Zeremonien etwas zu lesen und fällt dann über ihn her.

Rarus und die Familie Scaper

Der zweite Teil zeigt dieselben Ereignisse aus dem Umfeld von Titus Rarus. Am 13. März 44 v. Chr. reist Terentius Scaper mit seiner Tochter Lucilia nach Rom. Lucilia ist mit Rarus verlobt. Unterwegs begegnet die Familie wiederholt Soldaten, was Gerüchte über einen bevorstehenden Krieg verstärkt. Scaper wirft Rarus vor, nicht verhindert zu haben, dass die Familie enteignet wurde und ihr Haus verlor. Rarus verspricht zu helfen. Als Cäsar den Raum betritt, zeigt sich zugleich, dass er Rarus als einzigem Helfer vertraut.

In einem geheimen Auftrag besucht Rarus einen spanischen Bankier, um Informationen über den Widerstand gegen Cäsar zu erhalten. Von ihm bekommt er das Dossier mit den Namen der Verschwörer. Als Rarus es abliefern und zugleich Geld für seine Verlobte verlangen will, verhören ihn Cäsars Wachen, weil sie von dem Auftrag nichts wissen.

Lucilia und ihre Familie benötigen dringend 300 Sesterzen zum Leben. Weil Rarus nicht erscheint, beschafft Lucilia das Geld bei Pompilius, dem Pachtherrn und Schuldner, indem sie ihren Körper verkauft. Rarus kann dies nicht akzeptieren, nimmt Scaper das Geld ab und verspricht, selbst Ersatz zu beschaffen. Kurz darauf beauftragt Cäsar ihn, die Haltung der Bevölkerung zu einer Demokratie zu erkunden. Rarus stellt fest, dass die Politiker Cäsar nicht mehr vertrauen, und rät ihm zur Flucht.

Für eine Flucht nach Alexandria organisiert Rarus Ochsenkarren. Die 300 Sesterzen, die er Scaper geben wollte, verwendet er zur Bestechung von Grenzsoldaten. Er gesteht Scaper sein Vorgehen und bittet ihn, Cäsar um Mitternacht mit einem Ochsenkarren am Palast abzuholen. Scaper erklärt sich dazu bereit.

Rarus wird von zwei Männern verfolgt. Er öffnet das bisher ungeöffnete Dossier und entdeckt darin viele Freunde Cäsars, darunter Brutus und Cassius. Er möchte Cäsar damit zur Flucht bewegen, doch die neuen Wachen lassen ihn das Papyrus nicht aus dem Palast bringen. Noch in derselben Nacht wird Rarus ermordet. Scaper wartet vergeblich mit dem Ochsenkarren. Am Morgen des 15. März erfährt Cäsar von Rarus’ Tod und vom Verschwinden des Dossiers; danach wird er im Senat getötet. Scaper kehrt zu seiner Familie zurück, deren Anspruch auf 300 Sesterzen unbeglichen bleibt.

Aufbau und Erzählweise

Die Erzählung besteht aus zwei Kapiteln, die denselben Untergang aus unterschiedlichen Blickwinkeln darstellen. Der erste Teil ist aus Cäsars persönlicher Perspektive erzählt und zeigt vor allem seine Angst, seine Fehleinschätzungen und seine Versuche, die Macht zu bewahren. Der zweite Teil verwendet eine auktoriale Erzählweise, also eine Perspektive, bei der die Erzählinstanz einen umfassenderen Überblick über Figuren und Geschehen besitzt. Im Mittelpunkt stehen Rarus und die Familie Scaper.

Beide Teile sind auch einzeln verständlich, ergänzen einander aber: Vorgänge, die Cäsar rätselhaft bleiben, werden durch die Erlebnisse von Rarus erklärt. Der Text folgt keiner durchgehend geradlinigen Handlung, sondern enthält Zeitsprünge und häufige Wechsel des Schauplatzes.

Motive und gesellschaftliche Aussage

Mehrere Motive verdeutlichen Cäsars Verhältnis zu Macht und Volk. Beim Reiten erkennt er eine Parallele zwischen Pferd und Bevölkerung: Auch ein gelenktes Pferd behält einen eigenen Willen. Ebenso kann man einem Volk etwas aufzwingen, muss dann aber mit Aufständen rechnen; erhält es viele Freiheiten, entzieht es sich der Kontrolle. Beim Hunderennen setzt Cäsar auf einen Hund, der während seiner Anwesenheit nicht gewinnt. Erst nach Cäsars Weggang siegt das Tier. Dies deutet darauf hin, dass Cäsars Anwesenheit Unstimmigkeiten verursacht und es ohne ihn besser gehen könnte.

Cäsar steht für die Vergänglichkeit von Macht. Trotz seiner Siege und Eroberungen kann er seinen Untergang nicht verhindern. Sein Verhalten wirkt irrational: Selbst die geplante Abdankung und Demokratie dienen der Deutung des Artikels zufolge letztlich dem Versuch, seinen Einfluss zu erhalten. Seine Gegner im Volk, in der Stadt und im Senat sind jedoch stärker.

Das ungeöffnete Dossier symbolisiert Betrug und Verrat. Cäsar vermeidet die Wahrheit, weil er darin Namen von Freunden vermutet. Möglicherweise hätte das Lesen seinen Tod verhindern können; der Artikel stellt dies jedoch nur als Möglichkeit dar. Kleopatras Beteiligung an der Verschwörung ist historisch nicht belegt. Ihre Beziehung zu Cäsar erscheint nicht nur als Liebesbeziehung, sondern ist auch von politischen und herrschaftlichen Interessen bestimmt.

Ein zentrales Thema ist die soziale Ungleichheit. Für die Familie Scaper sind 300 Sesterzen eine lebenswichtige, sehr große Summe, während sie für den reichen Cäsar wenig bedeuten. Trotzdem wird die Schuld nie beglichen. So verbindet die Erzählung Cäsars politische Krise mit dem Leiden gewöhnlicher Menschen. Im Sinne von Brechts marxistischer Haltung kritisiert sie eine Ordnung, in der Herrscher große Macht besitzen, während normale Bürger die Folgen tragen. Cäsars Machtgier wird dabei zugleich als Grundlage seines Aufstiegs und als Ursache seines Untergangs dargestellt. Die Erzählung fordert nach der Deutung des Artikels zum selbstständigen Denken und zum Widerstand gegen ungleiche Machtverteilung auf.

Weiterlesen

Bertolt Brecht Bertolt Brecht (Künstlername seit Juli 1916; auch Bert Brecht), eigentlich Eugen Berthold Friedrich Brecht (* 10. Februar 1898 in Augsburg; † 14. August 1956 in … Geschichte Unter Geschichte versteht man im Allgemeinen diejenigen Aspekte der Vergangenheit, derer Menschen gedenken und die sie deuten, um sich über den Charakter … Römisches Reich Die altrömische Überlieferung datiert die Gründung Roms zwischen 814 und 728 v. Chr., meist jedoch um das Jahr 750 v. · Der letzte römische bzw. etruskische … Exil Exil. Abwesenheit von der eigenen Heimat aufgrund Ausweisung, Verbannung, Vertreibung, Ausbürgerung, Zwangsumsiedlung, religiöser oder politischer Verfolgung. Typologisches Modell der Erzählsituationen Das typologische Modell der Erzählsituationen von Franz Karl Stanzel ist ein gebräuchliches Schema zur Analyse von Prosatexten, das seit den 1950er Jahren … Römischer Senat ... Prinzipat und in der Römischen Kaiserzeit, die römische Politik. Der Senat bestand bis in die ausgehende Spätantike. Darstellung einer Senatssitzung in … Diktatur Die Diktatur (von lateinisch dictatura) ist eine Herrschaftsform, die sich durch eine einzelne regierende Person, den Diktator, oder eine regierende Gruppe … Demokratie Demokratie (von altgriechisch δημοκρατία dēmokratía Volksherrschaft) ist ein Begriff für Formen der Herrschaftsorganisation auf der Grundlage der … Neger Neger (entlehnt über französisch nègre und spanisch negro, „Schwarzer“, von lateinisch niger „schwarz, schwärzlich, dunkelfarbig“) ist eine im 17. Rom Rom wurde erstmals im 1. Jahrhundert v. Chr. vom Dichter Tibull Ewige Stadt genannt. Diese Bezeichnung, ursprünglich eine … Papyrus Zunächst im Alten Ägypten und später dann im gesamten antiken Mittelmeerraum erfüllte der Papyrus als Grundlage der Schriftlichkeit eine ähnliche Funktion, wie … Ägypten Ägypten hat vor allem wegen seiner hohen Bevölkerungszahl eine enorme politische und kulturelle Ausstrahlung in der arabischen und islamischen Welt. Auch in der …