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Papyrus

Zunächst im Alten Ägypten und später dann im gesamten antiken Mittelmeerraum erfüllte der Papyrus als Grundlage der Schriftlichkeit eine ähnliche Funktion, wie …

Inhalt5 Abschnitte
  1. 1. Papyrus als Beschreibstoff
  2. 2. Herstellung, Formen und Beschriftung
  3. 3. Verwendung von der Antike bis zum Mittelalter
  4. 4. Moderne Herstellung und Unterschiede
  5. 5. Bedeutung für erhaltene Texte

Papyrus als Beschreibstoff

Papyrus ist ein Beschreibstoff aus den Fasern des Echten Papyrus (Cyperus papyrus). Seit der Neuzeit kann das Wort außerdem einen Text bezeichnen, der auf Papyrus überliefert ist. Im Alten Ägypten und später im gesamten antiken Mittelmeerraum war Papyrus eine zentrale Grundlage der Schriftlichkeit. Seine Rolle ähnelt derjenigen, die Papier später zunächst in China, dann in der islamischen Kultur und schließlich in der westlichen Welt erhielt. Im Alten Orient außerhalb Ägyptens waren dagegen ungebrannte, mit Keilschrift beschriftete Tontafeln besonders wichtig.

Nach Plinius dem Älteren bestimmten vier Merkmale die Qualität: tenuitas (Dicke), densitas (Flächengewicht), candor (Weißgrad) und levor (Oberflächenrauheit). Frischer Papyrus war weiß; durch Alterung und die Oxidation der Lignine wurde er bräunlich. Feuchtigkeit fördert Schimmel, weshalb vor allem trocken gelagerte Papyri erhalten geblieben sind.

Herstellung, Formen und Beschriftung

Papyri wurden im antiken Ägypten vermutlich bereits seit dem 3. Jahrtausend v. Chr. hergestellt. Der Rohstoff, Cyperus papyrus, kann bis zu 5 Meter hoch wachsen. Für die Herstellung schnitt man das Mark des Stängels in bis zu 4 Zentimeter breite Streifen und legte sie leicht überlappend nebeneinander. Zwei sich kreuzende Schichten wurden gepresst und geklopft. Der stärkehaltige Pflanzensaft wirkte als Klebstoff. Danach trocknete und polierte man die Platte; sie konnte anschließend bemalt oder beschrieben werden.

Blätter wurden mit einem von Plinius überlieferten Spezialleim satiniert und in gleicher Faserrichtung zu Bahnen verklebt, die man als Rollen aufbewahrte. Die waagerechten Streifen lagen auf der Innenseite oben, damit man mit ihnen statt gegen sie schreiben konnte. Später band man Blätter auch zu Kodizes zusammen; ein Kodex ist ein geheftetes Buch aus einzelnen Blättern.

Rollen für griechische und lateinische literarische Texte waren durchschnittlich etwa 30 Zentimeter hoch, reichten aber von 12 bis etwa 48 Zentimetern. Meist waren sie 5 bis 6 Meter lang, literarische Rollen bis 16 Meter; P. Harris I erreicht ausnahmsweise über 40 Meter. Die Blattbreite sank von bis zu 66 Zentimetern im Alten Reich über etwa 40 Zentimeter im Mittleren Reich auf etwa 20 Zentimeter im Neuen Reich. Plinius unterschied sechs Qualitätsstufen, von der feinen hieratica oder Augusta bis zur groben emporitica, einem Packpapier. Einzelblätter dienten etwa Briefen, Urkunden und Archivaufzeichnungen.

Verwendung von der Antike bis zum Mittelalter

In Ägypten ist Papyrus seit dem Beginn des 3. Jahrtausends v. Chr. nachweisbar, in Griechenland spätestens seit der zweiten Hälfte des 5. Jahrhunderts v. Chr. Von dort verbreitete er sich weit im Römischen Reich. Die ältesten datierbaren griechischen Papyri stammen aus dem 4. Jahrhundert v. Chr. Der 1902 in Abusir gefundene Timotheus-Papyrus enthält etwa 250 Verse aus Die Perser des Timotheos von Milet. Der Derveni-Papyrus soll aus der zweiten Hälfte des 5. Jahrhunderts v. Chr. stammen; er wurde 1962 in Makedonien gefunden und zählt seit Oktober 2015 als ältestes erhaltenes Buch Europas zum UNESCO-Weltdokumentenerbe.

Man schrieb bevorzugt parallel zur Faserrichtung auf das recto, die Innenseite der Rolle. Der Text stand zeilenweise in Kolumnen; ein Interkolumnium ist der Abstand zwischen den Kolumnen. Eine Beschriftung der Rückseite, des verso, quer zur Faserrichtung entstand meist durch spätere Wiederverwendung. Als Faustregel ist daher die Außenseite jünger als die Innenseite, doch gilt dies nur ungefähr von 250 v. Chr. bis 400 n. Chr.

Anfangs schrieb man mit schwarzer Rußfarbe und einer Lösung aus Gummi arabicum oder mit roter, auf Ocker basierender Farbe. Verwendet wurden ein Binsenpinsel, später in griechisch-römischer Zeit ein schräg abgeschnittenes Schilfrohr, der kalamos beziehungsweise calamus. Nach den Bücherverlusten der Spätantike verdrängten zunächst Papyruskodizes und vor allem Pergamentkodizes die Papyrusrolle. Pergament war teurer, aber glatter, widerstandsfähiger und beständiger. Für Briefe und Urkunden blieb Papyrus örtlich bis ins frühe Mittelalter üblich; in der päpstlichen Kanzlei und in Unteritalien wurde er bis zum Ende des 11. Jahrhunderts verwendet.

Moderne Herstellung und Unterschiede

Heute wird Papyrus vor allem als Souvenir produziert. Papyrus-Manufakturen zeigen Touristinnen und Touristen die Herstellung und bemalen Papyri häufig nach Vorlagen aus altägyptischen Tempeln. Daneben gibt es preiswerte Exemplare mit gedruckten Bildern, etwa Jahreskalender. Kommerzieller moderner Papyrus ähnelt farblich beigen Papierbögen, die als Elefantenhaut verkauft werden. Sein Weißgrad beträgt nach ISO 2460 von 2016 34,5 ± 4,6. Nach den Beschreibungen Plinius’ hergestellte Blätter erreichen 58,2 ± 1,6 und damit ungefähr den Weißgrad einiger heutiger Recycling-Druckerpapiere.

Handelspapyrus wird meist mit stark alkalischen Lösungen, zum Beispiel Natronlauge, und Chlorbleiche nachbehandelt, um gelbliche Blätter zu erzeugen. Das erhöht den pH-Wert, verändert Ligninstrukturen, bildet chlorierte Ligninverbindungen und glättet die Oberfläche. Solche chlorierten Verbindungen sind in antiken Papyri nicht nachweisbar.

Bedeutung für erhaltene Texte

Papyrus ist empfindlich gegen mechanische Belastung, Feuchtigkeit und Wurmfraß, kann aber sehr haltbar sein: Plinius berichtet von einer 300 Jahre alten Rolle. Fast alle erhaltenen Papyri stammen aus dem trockenen Wüstensand Nordafrikas, besonders Ägyptens, und des Vorderen Orients. Vom 3. Jahrhundert v. Chr. bis in die römische Kaiserzeit verwendete man beschriftete Papyri in Ägypten auch für Mumienkartonagen. Werden diese Umhüllungen aufgelöst, können die darin verklebten Texte wieder lesbar werden.

Besonders umfangreich sind die Oxyrhynchus-Papyri: Seit dem Ende des 19. Jahrhunderts wurden mehr als 400.000 Fragmente ausgegraben. Bernard P. Grenfell und Arthur S. Hunt veröffentlichten 1898 den ersten Band von The Oxyrhynchus Papyri. Bis 2020 erschienen 84 Bände innerhalb der 105 Bände der Graeco-Roman memoirs; ein großer Teil des Bestands war damit weiterhin nicht ediert.

Papyri helfen, griechische und lateinische Texte zu überprüfen. Viele antike Werke sind sonst nur in mittelalterlichen Kodizes erhalten; Papyrusfunde können ihre Überlieferung bis in die Antike zurückverfolgen und gegebenenfalls Korrekturen ermöglichen. Bis 2014 wurden knapp 130 neutestamentliche Passagen und Fragmente auf Papyrus entdeckt. Einzelne Funde ergänzen auch verlorene Werke: Menanders Komödie Dyskolos wurde 1958 durch einen Papyruskodex bekannt, und Aristoteles’ Athenaion politeia ist ausschließlich durch Pap. 131 im British Museum überliefert. Außerdem sind zahlreiche Amts-, Alltags-, Rechts- und Geschäftsdokumente erhalten.

Außerhalb Ägyptens sind die Herculanensischen Papyri bedeutsam: etwa 1800 verkohlte Rollen aus der Privatbibliothek der Villa dei Papiri bei Herculaneum. Der Vesuvausbruch von 79 n. Chr. konservierte sie. Technische Verfahren, darunter radiologische Untersuchungen, machen sie zunehmend lesbar und erlauben ihre Edition.

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