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Bullionismus
Bullionismus (von englisch bullion ‚Münzbarren', ‚ungemünztes Edelmetall') ist eine im Zeitalter des Merkantilismus praktizierte Geldpolitik, die eine …
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Grundidee und Bedeutung
Bullionismus ist eine im Zeitalter des Merkantilismus praktizierte Geldpolitik. Ihr Ziel war es, durch Devisenbewirtschaftung – also staatliche Kontrolle des Zahlungsverkehrs mit dem Ausland – vor allem Gold und Silber im eigenen Land zu halten.
Unter den Bedingungen einer noch wenig entwickelten Warenproduktion betrachtete das sogenannte „Monetarsystem“ Geld als die ausschließliche gesellschaftlich anerkannte Form von Reichtum. Als international verwendbares „Weltgeld“ waren dabei besonders Gold und Silber wichtig. Das „Merkantilsystem“ bildete eine Variante dieses Monetarsystems.
Ziele und Maßnahmen
Die merkantilistische Wirtschaftspolitik sollte die Staatsmacht und den Staatswohlstand sichern und vergrößern. Wegen der politischen Zersplitterung herrschten wirtschaftliche Verhältnisse, die teilweise einer Kriegsökonomie entsprachen. Der Fernhandel wurde durch unterschiedliche Zollgebiete und durch die Stapelpolitik behindert. Stapelpolitik bedeutet, dass der Durchgangshandel gezielt über bestimmte Stapelplätze oder Stapelhäfen gelenkt wurde.
Als zentrales Ziel galt eine „aktive Handelsbilanz“: Ein Land sollte mehr ausführen als einführen und dadurch sein Machtpotenzial steigern. Verbote für die Ausfuhr von Geld und Edelmetallen sowie eine strikte Devisenbewirtschaftung sollten verhindern, dass Zahlungsmittel ins Ausland abflossen.
Thomas Milles (1550–1627), Zollbeamter in Sandwich, verteidigte 1601 in „The Custumers Apology: that is to say, A generall Answere to Informers of all Sortes“ die Stapelpolitik. Nach seiner Auffassung förderte sie gegenüber dem Monopol der Merchant Adventurers in London die Hafenstädte, die Handelsfreiheit und niedrige Preise.
Handelsbilanz und Zollpolitik
Gerard de Malynes (1586–1641) entwickelte nach dem Urteil Joseph Schumpeters eine für den Merkantilismus ungewöhnlich ausgearbeitete Theorie. Kein Autor des 17. Jahrhunderts habe den Devisenmechanismus klarer und vollständiger verstanden. Malynes beschäftigte sich jedoch besonders mit dessen damaligen Mängeln. In „A Treatise of the Canker of England’s Common Wealth“ führte er den Abfluss von Geld und Edelmetallen auf Nachteile der Engländer bei der Wechselkursbildung zurück. Edward Misselden widersprach ihm in „The Circle of Commerce: Or, the Ballance of Trade“: Ursache sei vielmehr die ungünstige Struktur der englischen Handelsbilanz gewesen.
Ein weiteres wichtiges Instrument war die Zollpolitik. Günstige Zölle erleichterten die Einfuhr von Rohstoffen und sollten damit die inländische Produktion fördern. Hohe Zölle erschwerten dagegen die Ausfuhr von Fertigwaren und Nahrungsmitteln. Dadurch sollte das Angebot im Inland steigen und die Preise sollten sinken. Man erwartete, dass niedrigere Nahrungsmittelkosten zu niedrigeren Löhnen und schließlich zu geringeren Produktionskosten führen würden.
In England wurde die Zollzersplitterung ab 1600 zunehmend durch eine einheitlichere Politik der königlichen Zentralgewalt und durch eine imperialistische Kolonialpolitik ersetzt. Die erste Navigationsakte von 1651 schrieb vor, dass sämtliche Export- und Importgüter ausschließlich mit englischen Schiffen transportiert werden durften. Dies sollte die Kontrolle erleichtern und die Dienstleistungsbilanz aktivieren. Freihändler wandten später ein, diese Politik verringere den Wettbewerb mit ausländischen Produkten und Produktionsmethoden und senke dadurch den allgemeinen Wohlstand.
Kritik am Merkantilsystem
Adam Smith und andere spätere Vertreter des Wirtschaftsliberalismus lehnten die merkantilistische Schutz- und Geldpolitik ab und werteten deren Vertreter und Theorien ab. Smith warf dem „Merkantilsystem“ insbesondere einen geldtheoretischen Irrtum vor: Es definiere den wirtschaftlichen Reichtum einer Nation durch die Menge des gehorteten Edelmetalls.
Bullionisten im frühen 19. Jahrhundert
Eine andere Bedeutung erhielt der Ausdruck „Bullionisten“ in der englischen Kontroverse um die Notenbankpolitik von etwa 1809, der sogenannten „Bullionist Controversy“. Als Bullionisten bezeichnete man die Anhänger David Ricardos. Ricardo erklärte Papiergeld zwar zur vollendeten Form des Geldes, vertrat aber zugleich die Auffassung, dass Zu- und Abflüsse von Edelmetallen einen absoluten Einfluss auf die kapitalistische Wirtschaft ausübten.
Nach Karl Marx wurden dabei paradoxerweise gerade diejenigen „Bullionisten“ oder „Goldbarrenmänner“ genannt, die im Anschluss an Ricardos Schrift „The high price of Bullion, a proof of the depreciation of Banknotes“ von 1809 Geld als bloßes Wertzeichen betrachteten.
Eine Gegenposition vertraten unter Berufung auf die Real-Bills-Doktrin Henry Boase, Nicholas Vansittart, Charles Bosanquet und Robert Torrens sowie zunächst auch James Mill. Die Real-Bills-Doktrin war die theoretische Grundlage ihrer abweichenden Auffassung zur Geld- und Notenpolitik. Henry Thornton nahm eine Zwischenposition ein. Ricardos Theorie wurde später zum „Fundamentalprinzip“ der Bankakte von Sir Robert Peel von 1844/1845.