Zum Inhalt springen
L

Wikipedia · einfach zusammengefasst · Stand

Buddhistische Literatur

Buddhistische Literatur umfasst die religiösen Schriften des Buddhismus. Von Siddhartha Gautama selbst gibt es keine Schriften. Ob er schreiben konnte, …

Inhalt5 Abschnitte
  1. 1. Überlieferung und Entstehung der Schriften
  2. 2. Kanon und Pali-Überlieferung
  3. 3. Mahayana-Sutras und Zen-Texte
  4. 4. Tibetische und weitere buddhistische Texte
  5. 5. Texte in westlichen Sprachen und literarische Bearbeitungen

Überlieferung und Entstehung der Schriften

Buddhistische Literatur umfasst die religiösen Schriften des Buddhismus. Von Siddhartha Gautama selbst sind keine Schriften überliefert; auch ob er schreiben konnte, ist unbekannt. Seine Lehrreden wurden zunächst über Jahrhunderte auswendig gelernt und mündlich weitergegeben. Versform und inhaltliche Wiederholungen erleichterten diese Überlieferung. Während der Regenzeit rezitierten sesshafte Mönche die Sutras voreinander und glichen die Texte ab. Die frühe Weitergabe beruhte damit auf Gedächtnistechniken. Die ersten buddhistischen Schriften entstanden erst um 100 v. Chr., etwa 400 Jahre nach dem Tod Siddhartha Gautamas.

Kanon und Pali-Überlieferung

Die ersten drei Buddhistischen Konzile legten den buddhistischen Kanon zunächst mündlich fest; erst später wurde er niedergeschrieben. Beim ersten Konzil um 480 v. Chr. bestimmte man Sutras und Vinaya-Regeln, also das Regelwerk für Mönche und Nonnen. Die Überlieferung soll auf Pali erfolgt sein. Dies ist nicht gesichert, weil unklar ist, ob Pali jemals gesprochene Sprache oder nur Schriftsprache war.

Beim zweiten Konzil um 383 v. Chr. wurden Sutra-Texte überarbeitet. Teilweise wurde Buddha dadurch als allwissend dargestellt; die Änderungen seien jedoch an Stil, Wortwahl und logischen Unstimmigkeiten erkennbar. Beim dritten Konzil um 244 v. Chr. kamen umfangreiche scholastische Werke hinzu: das Abhidamma. Ordensregeln, Lehrgespräche und scholastische Werke heißen zusammen Tipitaka, „Dreikorb“.

Etwa 80 v. Chr. schrieb man im Felsen-Kloster Aluvihara, 3 km nördlich von Matale auf Sri Lanka, erste Texte nieder. Der Pali-Kanon, auch Tripitaka genannt, ist Grundlage des Theravada und besteht aus Suttapitaka, Abhidhamma und Vinaya-Pitaka. Die Suttapitaka enthalten Buddhas Lehrreden. Das Abhidhamma, die „höhere Lehre“, analysiert, ordnet und systematisiert Lehren Buddhas und seiner Hauptschüler als buddhistische Philosophie und Psychologie. Das Vinaya-Pitaka enthält die klösterlichen Regeln, besonders Patimokkha und Khandakas („Kapitel“). Die Pali-Überlieferung gilt bis heute als ältestes vollständig erhaltenes Schriftgut des Buddhismus.

Mahayana-Sutras und Zen-Texte

Grundlegende Texte des Mahayana, zu dem auch Vajrayana, Zen und Chan zählen, wurden ursprünglich häufig in Sanskrit verfasst. Viele sind nur in chinesischen oder tibetischen Übersetzungen erhalten und werden daher auch dem „Sanskrit-Kanon“ zugerechnet.

Zu den wichtigen Mahayana-Sutras gehört das um 100 n. u. Z. verfasste Diamant-Sutra. Es ist Teil der Prajnaparamita-Sutras, der Sutras der „vollkommenen Weisheit“, und verbreitete sich früh in vielen asiatischen Ländern. Das Lotos-Sutra gilt im Mahayana als höchste Lehre, die direkt zur Erleuchtung führen soll. Das kurze Herz-Sutra ist wegen seiner Prägnanz in Ostasien beliebt und verbreitet. Im Vimalakirti-Sutra ist ein Haushälter statt Buddha oder eines transzendenten Bodhisattvas die Hauptfigur; er verkörpert das Ideal eines Laienanhängers des Mahayana. Das apokryphe Ullambana-Sutra ist wegen der Themen Kindesliebe und Ahnenverehrung besonders in China, Vietnam und Japan beliebt.

Wichtige Zen-Grundlagentexte sind unter anderem Xinxinming, Huangbo Chuan Xin Fa Yao, Linji Lu und das Plattform-Sutra. Dieses wird auch „Sutra des Sechsten Patriarchen“ genannt, gilt als Werk Huinengs, beschreibt dessen Leben und Lehrmethode und ist Grundlage der Südlichen Schule. Es ist der einzige Zen-Text, der die Bezeichnung Sutra verwendet. Kōans sind im Chan und Zen sehr kurze Anekdoten oder Sinnsprüche über lehrhafte Handlungen oder pointierte Aussagen von Zen-Meistern. Das Wumenguan („Die torlose Schranke“) enthält 48 klassische Kōans; das Biyan Lu ist eine klassische Sammlung von 100 Kōans. Dōgens Schatzkammer des Wahren Dharma-Auges ist das wichtigste Werk des japanischen Sōtō-Zen.

Tibetische und weitere buddhistische Texte

Erste englische Übersetzungen tibetisch-buddhistischer Schriften gab Walter Yeeling Evans-Wentz 1926 nach einer Reise durch Tibet heraus; die Überlieferung erhielt er von Lāma Kazi Dawa-Samdup. Dazu zählen eine erste Übersetzung des Tibetischen Totenbuchs und die Lebensgeschichte des Yogis Milarepa. Weitere frühe Übersetzungen und Darstellungen tibetisch-buddhistischer Lehren stammen von Alexandra David-Néel.

In allen buddhistischen Schulen werden Mantren verwendet. Ein Mantra ist in der Meditation eine kurze Wortfolge, die wiederholt rezitiert wird – flüsternd, singend oder gedanklich. Daneben gibt es Sinnsprüche, Bekenntnisse, Gelübde, Anrufungen und Widmungen. Das Bodhisattva-Gelübde besitzt besonders im japanischen Zen und im tibetischen Mahayana Bedeutung.

Texte in westlichen Sprachen und literarische Bearbeitungen

Zu frühen deutschsprachigen Vermittlungen gehören Hermann Oldenbergs Buddha, sein Leben, seine Lehre, seine Gemeinde sowie die deutsche Übersetzung von Henry Steel Olcotts Buddhist Catechism: Der Buddhistische Katechismus erschien 1887; Friedrich Zimmermanns Herausgabe von 1888 war ein wichtiger Schritt für den deutschen Buddhismus.

Vom Buddhismus inspirierte Werke sind Arthur Schopenhauers Die Welt als Wille und Vorstellung von 1819 mit Anmerkungen zu Vedanta und Buddhismus sowie Texte Carl Gustav Jungs über Buddhismus, das Tibetische Totenbuch und seine Indienreise. Der Roman Die Reise nach Westen von Wu Cheng’en verbindet chinesische Volkssagen, Legenden sowie buddhistische und daoistische Themen mit der Reise eines Mönchs nach Indien, um heilige Schriften nach China zu bringen. Er gehört nicht zu den Mahayana-Schriften, wurde aber von bestimmten buddhistischen und daoistischen Schulen der Ming- und Qing-Dynastie vereinnahmt. Hermann Hesses Siddhartha. Eine indische Dichtung ist an buddhistische und hinduistische Überlieferungen angelehnt.

Weiterlesen

Buddhismus → Hauptartikel: Vier Edle Wahrheiten und Edler Achtfacher Pfad. Dharma (Sanskrit) bzw. Dhamma (Pali) bezeichnet im Buddhismus im Wesentlichen zweierlei: Die … Siddhartha Gautama ALTERNATIVNAMEN, Buddha ; KURZBESCHREIBUNG, Religionsstifter ; GEBURTSDATUM, um 563 v. Chr. ; GEBURTSORT, Lumbini, im heutigen Nepal. Buddha Ein Buddha hat, auch wenn er zugleich eine menschliche Existenz führt, Nirvana verwirklicht und ist damit nach buddhistischer Überzeugung nicht mehr an den … Buddhistischer Kanon Der Pali-Kanon ist der einzige vollständig in einer indischen Sprache erhaltene Kanon. ... Tipitaka, der Pali-Kanon des Theravāda-Buddhismus in deutscher Sprache … Kloster Ein Kloster ist eine bauliche Anlage, die von einer religiösen Lebensgemeinschaft (Ordensgemeinschaft) genutzt wird oder wurde. Christliche Klöster, denen … Pali-Kanon Der Pali-Kanon ist eine frühe zusammenhängend überlieferte Sammlung von Ordensregeln, Lehrreden (Sutta) des Buddha Siddhartha Gautama und Abhandlungen über … Theravada Der Theravāda (Pali: Schule der Ältesten) ist die älteste noch existierende Schultradition des Buddhismus. Er führt seinen Ursprung auf jene Mönchsgemeinde … Mahayana Die Einteilung des Buddhismus hauptsächlich in Hinayana und Mahayana ist eine Konzeption, die dem Mahayana entstammt. Die Nicht-Mahayana Schulen sehen sich … Vajrayana Zentrale Elemente sind die Guru-Schüler-Beziehung, komplexe Rituale und Einweihungen, mit denen Lehren, Praktiken und Befugnisse übertragen werden. ... In … Zen Die zentrale Praxis des Zen-Buddhismus ist die Meditation. Zentrales Anliegen ist die Erfahrung des gegenwärtigen Augenblicks und des gegenwärtigen Bewusstseins … Buddhismus in Tibet Die Entwicklung des Buddhismus in Tibet bzw. im Hochland von Tibet geht auf erste Kontakte im 5. Jahrhundert n. Chr. zurück. Zur offiziellen Einführung des … Meditation Meditation ist ein zentrales Element in verschiedenen Religionen, insbesondere dem Buddhismus, wie auch im Hinduismus, Konfuzianismus und Christentum. Seit dem …