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Buddhismus in der Mongolei
Der Buddhismus in der Mongolei ist ein tibetisch geprägter Buddhismus (siehe auch Lamaismus), vornehmlich der Gelug-Schule. Das Gandan-Kloster ist das …
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Grundzüge und Bedeutung
Der Buddhismus in der Mongolei ist tibetisch geprägt und gehört vor allem zur Gelug-Schule. Das Gandan-Kloster ist das zentrale buddhistische Heiligtum des Landes. Der mongolische Buddhismus verbindet Mahayana- und tantrische Elemente mit Einflüssen des vorbuddhistischen Bön sowie mit Formen der Volksreligion. Sein allgemeines Ziel ist die individuelle Erlösung vom Leiden und vom Kreislauf der ewigen Wiedergeburt.
Der Buddhismus ist seit dem 13. Jahrhundert unter Mongolen nachweisbar, auch wenn die Mehrheit damals noch anderen Religionen folgte. Seit dem 16. Jahrhundert wurde die Bevölkerung zunehmend buddhistisch. Nach schwerer Unterdrückung in der kommunistischen Zeit und der fast vollständigen Zerstörung der buddhistischen Kultur in den 1930er Jahren begann ab 1990 eine Wiederbelebung. Heute gilt der Buddhismus als eine der wichtigsten Säulen mongolischer Identität.
Lehren, Rituale und Klosterordnung
Der tibetische Buddhismus kennt ein polytheistisches Pantheon, also eine Vielzahl von Gottheiten. Dazu gehören buddhistische Gottheiten, untergeordnete Gottheiten, bekehrte und verwandelte Dämonen, Wandergeister und heilige Menschen. Diese Vielfalt spiegelt die Volksreligionen der Gebiete wider, in denen sich der Buddhismus ausbreitete.
Der Tantrismus brachte geheime Meditationstechniken sowie Heiligenbilder, Sprüche und Gesten hervor. Rituale können unterschiedlich gedeutet werden: Ein Hirte kann ein Ritual als direkten Exorzismus von Krankheitsdämonen verstehen, ein älterer Mönch dagegen als Symbol widerstreitender Tendenzen eines meditierenden Asketen.
Der mongolische Buddhismus verband Volkszeremonien und Heilungsrituale mit der Geheimlehre der Klosterelite. Die Gelug-Schule betonte Klosterdisziplin, Logik und förmliche Diskussion als Wege zur Aufklärung. Sie verknüpfte die Lehre der Reinkarnation mit der tantrischen Vorstellung, dass der Buddhazustand schon zu Lebzeiten erreicht werden könne. Als Khutukhtu, tibetisch Trülku, wurden Führer verehrt, denen Buddhawesen und die Reinkarnation früherer Führer zugeschrieben wurden. Sie besaßen weltliche Macht und leiteten Lamas. Laien unterstützten die Mönche und erhielten dafür religiöse Verdienste, Glaubensunterricht sowie Dienste beim Heilen, Weissagen und bei Bestattungen.
Etablierung und Blütezeit
Zur Zeit Dschingis Khans im 13. Jahrhundert folgte die Mehrheit der Mongolen dem Tengrismus, einem schamanischen Glaubenssystem mit Ahnenverehrung und der Verehrung des Himmels als übergreifendem Kosmos. Ein kleinerer Teil, besonders Keraiten und Naimanen, war nestorianisch-christlich. Der Buddhismus etablierte sich dennoch dauerhaft, ohne zunächst alle Schichten zu erfassen.
Die Vorstellung, der Buddhismus sei im Mongolenreich eingeführt, danach vollständig verschwunden und erst im 16. Jahrhundert erneut eingeführt worden, wurde 1963 von Henry Serruys widerlegt. Klaus Sagaster nannte den Begriff „zweite Bekehrung der Mongolen“ „falsch und eindeutig politisch tendenziös“. Die Geschichtswissenschaft ist sich jedoch einig, dass das 16. Jahrhundert eine entscheidende Wende brachte.
1578 schloss Altan Khan ein Bündnis mit dem Oberhaupt der Gelug-Schule. Altan erhielt religiöse Legitimation für seine imperialen Ansprüche und stellte die Schule unter Schutz; er verlieh ihrem tibetischen Führer den Titel Dalai Lama. Im folgenden Jahrhundert verbreitete sich die Gelug-Tradition, und Klöster entstanden an Handelswegen, Migrationsrouten und Sommerweiden. Mönche übernahmen im Konflikt mit dem Schamanismus unter anderem die Rollen von Heilern, Wahrsagern und Abgabenempfängern.
Klöster wurden reich und mächtig, teils auch weltliche Behörden. 1921 gab es ungefähr 113.000 Mönche in etwa 700 größeren und 1000 kleineren Klöstern; dies entsprach etwa einem Drittel der männlichen Bevölkerung. Etwa 250.000 Menschen, mehr als ein Drittel der Gesamtbevölkerung, lebten in klösterlich verwalteten Gebieten oder arbeiteten in Klöstern. Nach dem Ende der chinesischen Vorherrschaft 1911 entstand eine schwach zentralisierte Theokratie unter Jebtsundamba Khutukhtu in Yihe Huree, dem späteren Ulaanbaatar. Anfang des 20. Jahrhunderts bestanden in der Äußeren Mongolei 583 Klöster und Tempelkomplexe; die meisten Städte entstanden nahe Klöstern.
Verfolgung und begrenzte Freiheiten
Nach der Revolution von 1921 herrschte zunächst eine nominell kommunistische Partei, die anfangs nicht offen antireligiös war. Jebtsundamba Khutukhtu blieb bis 1924 offizielles Staatsoberhaupt; auch Lamas wie Dogsomyn Bodoo und hohe Wiedergeburten wie Jalkhanz Khutagt Damdinbadsar gehörten zur politischen Führung. Klöster behielten zunächst ihren starken Einfluss, ihr Bildungs- und Gesundheitsmonopol sowie einen großen Teil des Vermögens.
1928–1932 wurden Klöster mit existenzbedrohenden Steuern belastet und ihre Viehherden verstaatlicht. Die Maßnahmen lösten blutige Aufstände aus. 1932 griffen in den Aimags Chöwsgöl und Uws sowjetische Rote Armee und NKWD ein; die Anführer wurden exekutiert. Danach durften Mönche wieder dem Sangha beitreten und Konfiskierungen endeten, doch für hohe Lamas blieben Steuern hoch und eine Altersgrenze erschwerte den Eintritt ins Mönchstum. 1934 zählte die Partei 843 buddhistische Zentren und ungefähr 3000 Tempel; für 1935 gab sie den Mönchsanteil mit 48 % der erwachsenen männlichen Bevölkerung an.
1937 wurden im Zusammenhang mit Stalins Großem Terror fast alle Klöster geschlossen und zerstört. 30.000 Menschen wurden verfolgt und getötet, darunter 18.000 Lamas; die übrigen Mönche mussten sich säkularisieren. Als Vorwand diente die behauptete Zusammenarbeit mit Japan gegen die Mongolische Volksrepublik.
1944 wurde das Gandan-Kloster wiedereröffnet und blieb lange das einzige tatsächlich genutzte Kloster. Religion war sonst praktisch verboten. In den 1970er Jahren ließ die Repression etwas nach; 1970 entstand eine geistliche Akademie, die heutige „Buddhistische Öndör Gegeen Zanabazar-Universität“.
Demokratisierung und Wiederbelebung
Am 9. März 1990 trat das gesamte Politbüro der Mongolischen Volkspartei zurück; die Demokratisierung begann. Die Regierung hatte bereits im Februar der Restaurierung bedeutender Klöster wie Erdene-Dsuu, Amarbayasgalant und Schanch Chiid zugestimmt. Die Verfassung von 1992 garantierte Religionsfreiheit. Seit 1993 ist der Buddhismus als vorherrschende Religion anerkannt und erhält staatliche Unterstützung. Daneben entstanden durch Religionsfreiheit und christliche Mission viele Kirchen; manche Mongolen betrachten Schamanismus als einzige wirklich mongolische Religion und lehnen Buddhismus ab.
Tibetische Mönche aus dem indischen Exil prägten die Wiederbelebung. Bakula Rinpoche unterstützte junge Mongolen beim Studium in den tibetischen Klöstern Gomang und Sera sowie am Buddhist Studies Institute in Dharamsala. Gurudeva Rinpoche, ein Anhänger des Shugden-Glaubens, half bei Tempeleröffnungen und verbreitete diesen Glauben nach seiner Ankunft 1991. Ab 1996 wurden auch historische monastische Schulen in der Mongolei wiederbelebt. 1996 gab es etwa 2000 Mönche in 155 registrierten Klöstern, 1998 bereits 3000 Mönche in etwa 200 Klöstern. 2001 wurde erstmals Mongolisch statt Tibetisch als liturgische Sprache in einem Kloster verwendet.
Verheiratete Mönche
Ein großer Teil der heutigen mongolischen Mönche ist verheiratet. Als Gründe nennt der Artikel eine lange Tradition verheirateter Mönche besonders unter nomadischen Gruppen, die schwierige wirtschaftliche Lage alleinstehender Personen in der Nomadengesellschaft und eine prä-buddhistische Sexualmoral, die der Buddhismus nicht vollständig überwunden habe.
1921 soll etwa ein Drittel der männlichen Bevölkerung Mönche gewesen sein. Nur ein Drittel dieser Mönche lebte dauerhaft und zölibatär im Kloster; etwa die Hälfte von ihnen lebte in Urga, dem heutigen Ulaanbaatar. Die kommunistische Politik bestrafte unverheiratete Mongolen, während viele Mönche ihr Ordensleben ohnehin aufgeben mussten und Familien gründeten. Bei der Wiederbelebung seit Beginn der 1990er Jahre waren frühere Mönche wichtig; fast alle Überlebenden hatten inzwischen geheiratet und Familien gegründet.