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Britisch-französische Beziehungen

Die britisch-französischen Beziehungen gehen auf das Frühmittelalter zurück und können als eine der ältesten und wichtigsten bilateralen Beziehungen der …

Inhalt6 Abschnitte
  1. 1. Grundlagen und Bedeutung
  2. 2. Von der Antike bis zum Hundertjährigen Krieg
  3. 3. Globale Rivalität und politische Annäherung
  4. 4. Kultur, Sprache, Bildung und Sport
  5. 5. Sicherheit und militärische Zusammenarbeit
  6. 6. Wirtschaft, Reisen und diplomatische Beziehungen

Grundlagen und Bedeutung

Die britisch-französischen Beziehungen zählen zu den ältesten und wichtigsten bilateralen Beziehungen der Welt. Frankreich und Großbritannien waren vom Mittelalter bis in die frühe Neuzeit häufig Rivalen, näherten sich jedoch im 19. Jahrhundert an. Mit der Entente cordiale von 1904 wurden sie militärische Partner. Sie kämpften im Ersten und Zweiten Weltkrieg gemeinsam, gehörten nach 1945 zu den Schlüsselstaaten der westlichen Allianz und sind Mitglieder der Vereinten Nationen und der NATO.

Heute verbinden beide Staaten enge politische, militärische, wirtschaftliche und kulturelle Beziehungen. Der Eurotunnel stellt eine direkte Verbindung zwischen Großbritannien, Frankreich und dem europäischen Festland her. Spannungen bestehen dennoch, besonders seit dem britischen EU-Austritt bei Fragen des Handels, der Fischereirechte und der Migration über den Ärmelkanal.

Von der Antike bis zum Hundertjährigen Krieg

Teile der Britischen Inseln und das Gebiet des heutigen Frankreich gehörten zum Römischen Reich und standen durch Handel und andere Kontakte miteinander in Verbindung. Nach dem Untergang des Weströmischen Reiches nahmen diese Beziehungen stark ab. In Britannien siedelten unter anderem Jüten, Angeln und Sachsen; in Frankreich entstanden durch die Verbindung von Galliern und germanischen Gruppen wie den Salfranken die fränkischen Königreiche.

Einen Wendepunkt bildete die normannische Eroberung Englands von 1066. Der normannische Herzog Wilhelm der Eroberer wurde König von England. Die neue Oberschicht sprach über Jahrhunderte Französisch, führte ihr Verwaltungssystem ein und prägte die englische Sprache und Gesellschaft. Laut Artikel sind bis zu 45 Prozent aller englischen Wörter französischen Ursprungs.

Durch die Heirat Heinrichs II. von England mit Eleonore von Aquitanien im Jahr 1152 gelangten große französische Gebiete unter den Einfluss der englischen Monarchie. Ab 1154 regierte das französischstämmige Haus Plantagenet England. Auf dem Höhepunkt des angevinischen Reiches standen ganz England und ein Drittel Frankreichs unter seiner Kontrolle. Unter Richard Löwenherz, Johann Ohneland und Heinrich III. gingen jedoch fast alle französischen Gebiete an Philipp II. von Frankreich verloren.

Frankreich und Schottland schlossen 1295 die Auld Alliance: Beide sollten einander gegen englische Angriffe unterstützen. Sie wurde erst 1560 durch den Vertrag von Edinburgh aufgelöst.

Der Hundertjährige Krieg begann 1337, nachdem Edward III. Anspruch auf die französische Krone erhoben hatte, und endete 1453 mit einem französischen Sieg. England kontrollierte zeitweise große Teile Frankreichs. Jeanne d’Arc trug 1429 zum französischen Sieg bei der Belagerung von Orléans bei. Schließlich blieben den Engländern nur Calais, das sie 1558 ebenfalls verloren. Der Krieg stärkte die nationalen Identitäten und begründete die traditionelle Rivalität beider Länder. Englische Monarchen führten den Titel „König von Frankreich“ dennoch bis 1800 weiter.

Globale Rivalität und politische Annäherung

Nach der Entdeckung Amerikas 1492 wurden beide Länder Kolonialmächte und setzten ihre Rivalität weltweit fort. Die Englische Reformation verstärkte im 16. Jahrhundert zusätzlich den religiösen und kulturellen Gegensatz. Mit dem Act of Union von 1707 wurden England einschließlich Wales und Schottland zum Königreich Großbritannien vereinigt. Großbritannien kämpfte im Spanischen Erbfolgekrieg von 1702 bis 1713 und im Österreichischen Erbfolgekrieg von 1740 bis 1748 gegen Frankreich.

Im Siebenjährigen Krieg von 1756 bis 1763 ging es um globale Vorherrschaft. Frankreich verlor große Kolonialgebiete in Nordamerika und Indien an Großbritannien, das zur führenden Weltmacht aufstieg. Frankreich unterstützte daraufhin die Dreizehn Kolonien im Amerikanischen Unabhängigkeitskrieg von 1775 bis 1783. Seine Kriegsschulden und die Kosten des Flottenaufbaus trugen zu der Finanzkrise bei, die der Französischen Revolution von 1789 vorausging.

Nach anfänglicher britischer Sympathie führte der Versuch des revolutionären Frankreichs, die Revolution in Europa zu verbreiten, zu neuen Kriegen. 1798 unterstützten französische Truppen einen Aufstand in Irland, der von Großbritannien niedergeschlagen wurde. Unter Napoleon verhängte Frankreich eine Handelsblockade gegen Großbritannien; die Briten förderten antifranzösische Kräfte in Europa. Im Juni 1815 besiegten britische, preußische und niederländische Truppen Napoleon bei Waterloo. Nach dem Wiener Kongress von 1815 wurde Großbritannien zur führenden Finanz-, Militär- und Kolonialmacht.

Im 19. Jahrhundert näherten sich beide Staaten an. Sie kämpften gemeinsam im Krimkrieg von 1853 bis 1856 gegen Russland und im Zweiten Opiumkrieg gegen China, konkurrierten später jedoch im Wettlauf um Afrika. Der Aufstieg Deutschlands und Russlands förderte schließlich ihre Zusammenarbeit. Die Entente cordiale von 1904 sollte Deutschland eindämmen; 1907 kam Russland hinzu, wodurch die Triple Entente entstand.

Im Ersten Weltkrieg kämpften Briten und Franzosen gemeinsam gegen die Mittelmächte. Ab 1917 koordinierte der Alliierte Oberste Kriegsrat ihre Kriegführung. Nach 1918 arbeiteten sie beim Vertrag von Versailles zusammen, konnten sich jedoch nicht auf eine wirksame gemeinsame Sicherheitsordnung einigen. Beide verteidigten ihre Kolonialreiche und verfolgten gegenüber Adolf Hitler nach 1933 eine Appeasement-Politik, also eine Politik der Zugeständnisse zur Vermeidung eines Krieges.

Nach der deutschen Besetzung Frankreichs 1940 scheiterte der Plan einer französisch-britischen Union. Charles de Gaulle organisierte in London die Forces françaises libres. Bei der Operation Catapult versenkten die Briten die französische Flotte in Algerien, damit sie nicht Deutschland zufiel; dabei starben über 1000 Franzosen, und Frankreich nahm den Angriff als Verrat wahr. 1944 beteiligten sich britische Soldaten an der Invasion der Normandie und damit an der Befreiung Frankreichs. Beide Staaten wurden 1945 Mitglieder der Vereinten Nationen und 1949 der NATO. Ihr gemeinsamer Versuch, kolonialen Einfluss zu bewahren, scheiterte 1956 in der Sueskrise am Widerstand der USA und der Sowjetunion.

Charles de Gaulle blockierte in den 1960er Jahren mehrfach den britischen Beitritt zu den Europäischen Gemeinschaften, unter anderem wegen der engen britisch-amerikanischen „Special relationship“. Nach seinem Rücktritt 1969 verbesserten sich die Beziehungen; 1973 trat Großbritannien den Europäischen Gemeinschaften bei. Der 1994 eröffnete Eurotunnel verstärkte den Austausch. Neue Spannungen entstanden 2003 durch die britische Beteiligung am Irakkrieg sowie nach dem Referendum von 2016 und dem folgenden EU-Austritt des Vereinigten Königreichs.

Kultur, Sprache, Bildung und Sport

Die gegenseitige Rivalität prägte zunächst die nationalen Identitäten und förderte die Abgrenzung. Seit dem 19. Jahrhundert nahm die Wertschätzung der jeweils anderen Kultur zu. Fußball und Rugby gelangten von Großbritannien nach Frankreich, während französische Küche und Lebensart in Großbritannien an Ansehen gewannen.

Englisch verbindet germanische Grundlagen mit starken Einflüssen der romanischen Langues d’oïl, die nach der normannischen Eroberung von der Oberschicht gesprochen wurden. Der königliche Wahlspruch lautet weiterhin „Dieu et mon droit“ („Gott und mein Recht“). Über 40 Prozent der Wörter des modernen Englisch sind laut Artikel französischen Ursprungs. Umgekehrt enthält das Französische zahlreiche Anglizismen; diese Sprachmischung wird „Franglais“ genannt. Französisch ist die in britischen Schulen am häufigsten unterrichtete erste Fremdsprache, Englisch die entsprechende Fremdsprache in Frankreich. Nach einem Bericht der Europäischen Kommission von 2006 konnten sich 23 % der Einwohner des Vereinigten Königreichs auf Französisch und 39 % der Franzosen auf Englisch unterhalten. Auf den Kanalinseln sprechen einige Menschen noch Normannisch; Französisch besitzt dort offiziellen Status.

Das Entente-Cordiale-Stipendienprogramm wurde am 30. Oktober 1995 von Premierminister John Major und Präsident Jacques Chirac gegründet. Großbritannien ist neben Belgien das zweitbeliebteste Ziel französischer Auslandsstudenten; mehr als 14.000 Briten studieren in Frankreich.

Besonders im Rugby besteht eine ausgeprägte Rivalität: England und Frankreich treten jährlich im Six Nations-Turnier gegeneinander an. Auch im Fußball gibt es zahlreiche Begegnungen. Viele französische Spieler wirkten in der 1992 gegründeten Premier League; Arsène Wenger prägte als langjähriger Trainer des FC Arsenal den englischen Fußball. Zugleich ist die britische Küche in Frankreich häufig Gegenstand von Spott.

Sicherheit und militärische Zusammenarbeit

Frankreich und Großbritannien kämpften in beiden Weltkriegen gemeinsam und arbeiteten nach 1945 unter anderem während der Sueskrise, des Falklandkriegs und des Kriegs in Afghanistan zusammen. Beide gehören der NATO an und besitzen Atomwaffen.

Am 2. November 2010 unterzeichneten sie zwei Verteidigungsverträge. Vorgesehen waren die gemeinsame Nutzung von Flugzeugträgern, eine gemeinsame Eingreiftruppe mit 10.000 Soldaten, ein gemeinsames nukleares Simulationszentrum in Frankreich, ein nukleares Forschungszentrum im Vereinigten Königreich, die gemeinsame Nutzung von Luftbetankungsflugzeugen und eine gemeinsame Ausbildung. Beide Staaten intervenierten auch gemeinsam im libyschen Bürgerkrieg. 2025 beschlossen sie, bei Verteidigung und nuklearer Abschreckung noch enger zusammenzuarbeiten.

Wirtschaft, Reisen und diplomatische Beziehungen

Wegen ihrer geografischen Nähe und wirtschaftlichen Bedeutung sind beide Länder wichtige Handels- und Investitionspartner. 2021 entfielen etwa 5 Prozent des britischen Außenhandels auf Frankreich. Das kumulierte gegenseitige Investitionsvolumen lag bei mehr als 150 Milliarden Pfund. Zu den bedeutenden Gemeinschaftsprojekten gehören der Eurotunnel und das Überschallflugzeug Concorde.

Der Tourismus ist umfangreich: Nach Schätzung des britischen Foreign and Commonwealth Office besuchen jährlich 17 Millionen britische Staatsbürger Frankreich, also fast ein Drittel der britischen Bevölkerung. 2019 stellten Franzosen mit knapp 3,6 Millionen Personen beziehungsweise 9 % der Besucher die zweitgrößte ausländische Besuchergruppe im Vereinigten Königreich. Ihre Ausgaben lagen bei 1,4 Milliarden Pfund beziehungsweise 5 % und damit ebenfalls an zweiter Stelle.

Der Eurotunnel ermöglicht Straßen- und Zugverkehr; hinzu kommen zahlreiche Fähr- und Flugverbindungen. Seit dem britischen EU-Austritt haben längere Wartezeiten und zusätzlicher bürokratischer Aufwand den Handels- und Personenverkehr erschwert.

Frankreich unterhält eine Botschaft in London und ein Generalkonsulat in Edinburgh. Das Vereinigte Königreich besitzt eine Botschaft in Paris sowie Konsulate in Bordeaux und Marseille.

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