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Brian Barry
Barry lehrte an mindestens 13 renommierten Universitäten in Nordamerika und Europa, darunter dem Europäischen Hochschulinstitut und an der London School of …
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Person und Bedeutung
Brian Michael Barry (7. August 1936–10. März 2009) war ein britischer linksliberaler politischer Philosoph. Im Mittelpunkt seiner Arbeit standen politische Theorie, Gerechtigkeit, Demokratie und die Frage, ob besondere Rechte für kulturelle oder religiöse Gruppen mit einer liberalen und egalitären Gesellschaft vereinbar sind.
Barry lehrte an mindestens 13 angesehenen Universitäten in Nordamerika und Europa, darunter am Europäischen Hochschulinstitut und an der London School of Economics. Ab 1998 hatte er die Lieber-Professur für Politische Philosophie an der Columbia University inne. Er war Mitglied der American Academy of Arts and Sciences und der British Academy.
Leben und intellektuelle Einflüsse
Barry wurde am 7. August 1936 im Redhill County Hospital in Edgware geboren, das heute zum London Borough of Barnet in Nord-London gehört. Er war der einzige Sohn von Doris Rose, einer Hausfrau, und James Frederick Barry (1910–1975), der zunächst als Sekretär für einen Emailliertechniksingenieur und später als Versicherungsmakler arbeitete. Barry verbrachte seine ersten Lebensjahre in London, den größten Teil seiner Kindheit jedoch in Southampton. Bereits an der Grammar School beschäftigte er sich mit dem liberalen Philosophen John Stuart Mill, der ihn in seiner Jugend stark beeinflusste. Seine akademische Ausbildung erhielt Barry an der University of Oxford.
Nach seiner Promotion ging er mit einem Rockefeller-Stipendium als Postdoktorand an die Harvard University. Dort wollte er vor allem John Rawls kennenlernen, der damals am Massachusetts Institute of Technology lehrte. Rawls beeindruckte ihn jedoch nicht besonders. Stärkere Anregungen erhielt Barry von Edward Banfield und Thomas Schelling, deren ökonomische beziehungsweise spieltheoretische Ansätze zur Untersuchung von Politik sein Interesse weckten. Seine ersten Lehrstellen hatte er an der University of Birmingham und anschließend an der Keele University. Barry starb am 10. März 2009 im Vereinigten Königreich an einem Herzinfarkt.
Kritik am Multikulturalismus
Barry setzte sich wiederholt kritisch mit multikulturalistischen Ansätzen innerhalb der politischen Linken auseinander. Er warf ihnen vor, eine Politik des „Divide et impera“, also des Teilens und Herrschens, zu begünstigen.
In „Culture & Equality: An Egalitarian Critique of Multiculturalism“ vertrat er die These, dass Gruppenrechte die Gesellschaft spalten und die liberale Rechtsordnung schwächen können. Mit „Gruppenrechten“ sind Rechte gemeint, die nicht einzelnen Menschen, sondern bestimmten kulturellen oder religiösen Gemeinschaften zugesprochen werden. Dazu zählt beispielsweise das Recht religiöser Gruppen, ihre inneren Angelegenheiten selbst zu regeln. Barry kritisierte außerdem Ausnahmen von allgemeinen Rechtsnormen, wenn sie zugunsten bestimmter Minderheitsgruppen gewährt werden.
Seine Begründung lautete, dass die liberale Rechtsordnung auf gleichen Individualrechten beruhe, also auf Rechten jedes einzelnen Menschen, und nicht auf besonderen Rechten von Gruppen. Multikulturalistische Politik neige nach seiner Auffassung dazu, kulturelle Gruppen voneinander abzuschotten, ihre Grenzen zu verfestigen und dadurch gesellschaftliche Trennungen zu verstärken. Zur Untersuchung dieser Probleme verwendete Barry Fallstudien, unter anderem über Sikhs in Großbritannien und Kanada sowie über Amish in den USA.
Wichtige Schriften
Barrys Veröffentlichungen behandeln politische Argumentation, Demokratie, Macht, Liberalismus und verschiedene Theorien der Gerechtigkeit. Zu seinen ausgewählten Schriften gehören:
- „Political Argument“ (1965; 2. Auflage 1990)
- „Sociologists, Economists and Democracy“ (1970)
- „The Liberal Theory of Justice“ (1973)
- „Theories of Justice“ (Berkeley, 1989)
- „Democracy, Power, and Justice: Essays in Political Theory“ (Oxford, 1989)
- „Justice as Impartiality“ (1995)
- „Culture & Equality: An Egalitarian Critique of Multiculturalism“ (Harvard University Press, 2002)
- „Why Social Justice Matters“ (Polity, 2005)