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Bodo Nischan
Sein Schwerpunkt war die Geschichte der Konfessionalisierung im Heiligen Römischen Reich in der Frühen Neuzeit. ... In seiner Schulbildung zeigte sich sein Talent …
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Historiker der Konfessionalisierung
Bodo Nischan (3. Mai 1939 in Berlin–21. Oktober 2001 in Greenville, North Carolina) war ein deutsch-amerikanischer Historiker. Sein Forschungsschwerpunkt war die Konfessionalisierung im Heiligen Römischen Reich während der Frühen Neuzeit. Darunter werden die Ausbildung und Festigung unterschiedlicher christlicher Konfessionen sowie ihre Auswirkungen auf Politik, Gesellschaft und Kultur verstanden. Besonders untersuchte Nischan die lange vernachlässigte zweite Hälfte des 16. Jahrhunderts und die konfessionellen Auseinandersetzungen des 16. und 17. Jahrhunderts.
Kindheit und Ausbildung
Nischan wuchs als Kriegskind während des Zweiten Weltkriegs auf. Er erlebte Bombenangriffe und floh mit seinen Eltern und seinem 1945 geborenen Bruder Hans-Ulrich vor den näher rückenden Truppen der Roten Armee. In der Schule zeigte er Begabung für Naturwissenschaften, Geschichte und Sprachen, besonders für Französisch.
1956 emigrierte die Familie nach New Haven im US-Bundesstaat Connecticut. Dort besuchte Nischan ein Jahr lang die High School und schloss sie ab. An der Yale University belegte er zunächst vor allem ingenieurwissenschaftliche Kurse und ließ sich während seiner ersten beiden Sommersemesterferien bei einem Linsenmacher ausbilden. Nach zwei Jahren wechselte er zu den Geisteswissenschaften und erwarb 1961 den Bachelor of Arts.
Danach studierte er drei Jahre am lutherischen theologischen Seminar in Philadelphia. Dort lernte er Latein und Altgriechisch und beschäftigte sich mit den zentralen theologischen und politischen Fragen des 16. Jahrhunderts. 1965 erhielt er den Bachelor of Divinity. Seine Dissertation über Renaissance- und Reformationsgeschichte schrieb er an der University of Pennsylvania; 1971 schloss er sie ab.
Lehre und akademische Tätigkeit
1969 begann Nischan seine Lehrtätigkeit an der East Carolina University in Greenville, North Carolina. 1977 wurde er dort als herausragender Dozent für Studierende vor dem ersten Hochschulabschluss ausgezeichnet. Er betreute elf Doktorarbeiten aus den Renaissance- und Reformationsstudien.
Nischan entwickelte außerdem das Lehrprogramm seiner Universität für Mittelalter- und Renaissance-Studien und stellte Verbindungen zur Universität Ferrara her. 1998 leitete er für ein Jahr die Geschichtsfakultät. Damit wirkte er nicht nur als Forscher, sondern auch am Aufbau akademischer Studienangebote und an der Ausbildung des wissenschaftlichen Nachwuchses mit.
Forschung und Hauptwerk
Nischan veröffentlichte zahlreiche Aufsätze, unter anderem im The Sixteenth Century Journal. Einige davon wurden 1999 im Band Lutherans and Calvinists in the Age of Confessionalism gesammelt. Als sein wichtigster Forschungsbeitrag gilt die 1994 erschienene Monographie Prince, People and Confession: The Second Reformation in Brandenburg.
Das Buch untersucht die Folgen der Konversion des brandenburgischen Kurfürsten Johann Sigismund. Es leistete einen wichtigen Beitrag zum Verständnis der calvinistischen sogenannten Zweiten Reformation innerhalb der Konfessionalisierung. Die archivalischen Vorarbeiten, besonders in Merseburg, waren durch die deutsche Teilung erschwert.
Nischan rückte kulturelle sowie rituell-liturgische Aspekte der konfessionellen Konflikte in den Mittelpunkt. „Rituell-liturgisch“ bezeichnet dabei Formen und Abläufe des Gottesdienstes und anderer religiöser Handlungen. Diese Dimensionen waren in der Forschung zuvor wenig beachtet worden. Ein geplantes Buch über die Geschichte verschiedener Frömmigkeitsformen konnte Nischan nicht mehr abschließen. Ein Verzeichnis seiner Veröffentlichungen erschien in der 2004 zu seinen Ehren veröffentlichten Gedenkschrift Confessionalization in Europe.
Familie, Tod und Erinnerung
1968 heiratete Nischan Gerda, die er im Jahr zuvor während ihrer kurzen Tätigkeit als Austauschkraft des deutschen Konsulats in Philadelphia kennengelernt hatte. Das Paar hatte einen Sohn. Im April 2001 wurde bei Nischan ein Gehirntumor diagnostiziert. Er starb am 21. Oktober 2001 und wurde auf dem Pinewood Cemetery in Greenville bestattet.
Die Society for Reformation Research widmete ihm im Oktober 2001 ihre Plenumssitzung und stiftete den Bodo Nischan Award for Scholarship, Civility, and Service. Im ersten Jahr erhielt Charles Nauert diesen Preis. Nischans Fakultät ernannte ihn posthum zum „Distinguished Professor of History“ des Jahres 2002; die Joyner Library seiner Universität benannte zudem ein Schreibstipendium nach ihm. 2002 erschien ein von drei Universitätskollegen herausgegebener Gedenkband mit Aufsätzen zur Konfessionalisierung im europäischen Vergleich.