Zum Inhalt springen
L

Wikipedia · einfach zusammengefasst · Stand

Bildungsgeschichte der Vereinigten Staaten

Die Bildungsgeschichte der Vereinigten Staaten reicht von der Kolonialzeit im 17. Jahrhundert bis ins 21. Jahrhundert. Sie erklärt viele Eigenheiten im …

Inhalt5 Abschnitte
  1. 1. Grundzüge und koloniale Anfänge
  2. 2. Schulreformen vor dem Bürgerkrieg
  3. 3. Ausbau nach dem Bürgerkrieg
  4. 4. Bildung im Kalten Krieg
  5. 5. Reformen und Ungleichheit im 21. Jahrhundert

Grundzüge und koloniale Anfänge

Die Bildungsgeschichte der Vereinigten Staaten reicht von der Kolonialzeit im 17. Jahrhundert bis ins 21. Jahrhundert. Sie erklärt zentrale Eigenheiten des heutigen Bildungssystems: die puritanisch-konfessionellen Anfänge, die große Vielfalt zwischen den einzelnen Staaten, den Einfluss von Immigration und die Bedeutung der Rassenfrage. Die USA gelten heute als führende Wissenschaftsnation, etwa bei Hochschulrankings und Nobelpreisen; zugleich wird das Schulsystem im Artikel als eher mittelmäßig beschrieben, teilweise sogar antiwissenschaftlich, etwa im Zusammenhang mit Kreationismus. Neben staatlichen Schulen gibt es viele private Schulen, oft mit religiöser Ausrichtung, darunter jüdische und zunehmend muslimische Schulen.

Als älteste Schulen auf dem Gebiet der heutigen USA nennt der Artikel die Collegiate School in New York City, deren Gründung umstritten auf 1628 datiert wird, die Boston Latin School von 1635 und das Harvard College von 1636 in Boston. Diese Einrichtungen orientierten sich an niederländischen und englischen Grammar Schools. Ihr Ziel war vor allem, Nachwuchs für geistliche Berufe auszubilden; deshalb standen alte Sprachen und Religion im Mittelpunkt. Die puritanische Ausrichtung vieler Einwanderer förderte Elementarbildung, weil Kinder und Erwachsene die Bibel lesen können sollten. Das früheste Schulgesetz entstand 1642 in Massachusetts, das sogenannte The Olde Deluder Law, und sah eine private Pflichtfinanzierung vor. In Neuengland war die Alphabetisierung sehr hoch.

Weitere frühe Schulgründungen waren die Roxbury Latin School von 1645, die Cambridge Latin School von 1648, die Hopkins School von 1660 in New Haven, die William Penn Charter School und die Friends Select School in Philadelphia, beide von 1689. Für höhere Studien entstanden private Colleges wie das College of William & Mary in Virginia 1693, die King William’s School in Maryland 1694, das Yale College 1701, das College of New Jersey, heute Princeton, 1746, King’s College in New York City, heute Columbia, 1784, und die Germantown Academy für deutsche Immigranten in Philadelphia 1759. Benjamin Franklin schlug 1749 in seinen Proposals Relating to the Education of Youth in Pensilvania eine allgemeine Schulbildung vor, allerdings noch ohne öffentliche Steuerfinanzierung. Thomas Jeffersons Vorschlag von 1779 für öffentliche Finanzierung in Virginia fand noch keine Zustimmung.

In den Südstaaten setzten Pflanzerfamilien stärker auf private Hauslehrer und gaben der öffentlichen Bildung wenig Geld. In Maryland betrieben Jesuiten Schulen. Die erste Mädchenoberschule war die Catholic Ursuline Academy in New Orleans von 1727; sie nahm auch afroamerikanische und Indianermädchen auf. Die älteste staatliche Universität der USA ist die 1785 in Athens gegründete University of Georgia, die aber erst 1804 erste Abschlüsse vergeben konnte.

Schulreformen vor dem Bürgerkrieg

Der Census von 1840 zeigte, dass etwa 55 % der 3,68 Mio. Kinder zwischen fünf und fünfzehn Jahren Grundschulen oder Akademien besuchten. Viele Familien waren weiterhin auf das Einkommen aus Kinderarbeit angewiesen. Für Afroamerikaner war der Schulbesuch meist besonders schwierig.

Im 19. Jahrhundert entstanden neue Schulformen. Der erste Kindergarten der USA wurde 1854 in Watertown, Wisconsin, durch eine deutsche Mutter eröffnet. Die erste High School des Landes war die 1821 gegründete Boston English High School. Sie unterschied sich von traditionellen Schulen wie der Boston Latin School, weil sie nicht nur alte Sprachen, Geschichte und Religion lehrte, sondern auch Englisch, Geografie, Navigation, Naturwissenschaften und moderne Fremdsprachen. Der Schulleiter George B. Emerson gründete 1823 parallel eine erste High School für Mädchen. Wegen des steigenden Bedarfs an Lehrerinnen folgte 1852 die Boston Girl’s High and Normal School. In Philadelphia entstand 1838 die Central High School, die ab 1849 auch Collegeabschlüsse verlieh, und in New York City 1847 die Free Academy of the City of New York.

Für viele Schwarze gab es statt freiem Schulzugang eine berufliche Zwangslehre, die Forced apprenticeship. Sie wurde erst 1919 abgeschafft. Damit zeigt der Artikel, dass Bildungschancen stark von sozialer Lage und Hautfarbe abhingen.

Eine wichtige Reformfigur war Horace Mann. Der Rechtsanwalt wurde ab 1837 im neu geschaffenen Education Board zum Schulreformer von Massachusetts. Er vertrat das Konzept einer freien, steuerfinanzierten und nicht an eine bestimmte Kirche gebundenen Bildung. Diese Idee erhielt viel Unterstützung, stieß aber bei privaten und christlichen sectarian Schulen auf Widerstand. Mann sprach als erster von einem Bürgerrecht auf Bildung. Bildung sollte nicht nur Wissen vermitteln, sondern auch zur Wahrnehmung von Bürgerpflichten befähigen. 1839 gründete er in Massachusetts eine Normalschule zur Lehrerausbildung, die später zur Framingham State University wurde. Normalschulen waren Einrichtungen zur Ausbildung von Lehrkräften. Dort wurden vor allem Frauen aufgenommen, die als besonders geeignete Lehrkräfte galten; der Artikel nennt dies Feminisierung. Die erste Normalschule der USA war bereits 1823 in Concord, Vermont, von Samuel Read Hall gegründet worden.

Ausbau nach dem Bürgerkrieg

Nach dem Bürgerkrieg entwickelten sich mehrere Prozesse gleichzeitig: Die allgemeine Schulpflicht wurde faktisch bis in untere soziale Schichten durchgesetzt, Afroamerikaner wurden schrittweise in das Bildungssystem integriert, die höhere Frauenbildung wurde gestärkt, und höhere Bildung über High Schools und Colleges weitete sich aus.

Zwischen 1880 und 1910 wurden High Schools zu allgemeinbildenden Schulen, die nicht zwingend nur auf ein akademisches College vorbereiteten. Der Anteil der 14- bis 17-Jährigen, die eine High School besuchten, stieg von 7 % auf 32 % im Jahr 1920. Um 1900 hatten erst 34 Staaten eine Schulpflicht, davon vier im Süden. Um 1910 besuchten 72 % der Kinder eine Schule, meist eine einräumige Kleinschule. Nach dem Ersten Weltkrieg 1918 bestand überall eine allgemeine Schulpflicht, auch für Schwarze.

Der Morrill Act von 1862 forderte die Bundesstaaten auf, vom Bund zugeteilten Landbesitz zur Einrichtung von Colleges zu nutzen. Diese Land-grant-Universities sollten besonders Agrarwirtschaft, Ingenieurwesen und Militärwesen fördern. Zusätzlich gründeten private Stifter neue Universitäten, etwa die Vanderbilt University 1875 und die Stanford University 1891. Die Studentenzahlen verdoppelten sich alle 15 Jahre.

Für Schwarze blieben Hochschulen und Universitäten lange verschlossen, obwohl sie für theologische Ausbildung und Lehrerausbildung gebraucht wurden. Frühe Öffnungen gab es in Pennsylvania: 1837 die heutige Cheyney University und 1854 die Lincoln University in Chester County. In Washington D. C. eröffnete Myrtilla Miner 1851 die Normal School for Coloured Girls zur Ausbildung von Lehrerinnen. Ebenfalls in Washington D. C. bestand seit 1867 die private Howard University. Die spätere öffentliche Alabama State University wurde 1867 von ehemaligen Sklaven gegründet. Booker T. Washington entwickelte ab 1881 an der Tuskegee University in Alabama eine berufsbildende Schule für Schwarze. Der Kompromiss von Atlanta von 1895 verband Berufsbildung mit dem Verzicht auf Universitätsbildung. 1903 stellte die Gruppe Talented Tenth um W. E. B. Du Bois dies infrage und forderte freien Zugang für Afroamerikaner; Du Bois war 1895 als erster Schwarzer in Harvard promoviert worden. Die American Negro Academy bestand von 1897 bis 1928 und erleichterte schwarzen Studenten den Weg zum regulären Studium.

Im 20. Jahrhundert prägten Reformpädagogen viele Schulen. John Dewey wollte eine demokratische Schule schaffen und „Demokratie als Lebensform“ lehren. William Heard Kilpatrick entwickelte die Projektmethode. An der Laboratory School in Chicago wurden Ideen der Progressive Education erprobt: Motivation sollte Zwang ersetzen, Wahlmöglichkeiten sollten Interessen fördern. Helen Parkhurst entwickelte nach 1900 den Daltonplan in Zusammenarbeit mit Maria Montessori. Aus deutscher Sicht führten manche dieser Reformen zu sehr niedrigen fachlichen Ansprüchen. An der Columbia University wurde das Teachers College mit Dewey zu einem Zentrum der Reformbewegung. Dagegen verteidigte Robert M. Hutchins an der University of Chicago höhere Bildungsansprüche, besonders in The Higher Learning in America von 1936. Europäische, teils zwangsweise emigrierte Wissenschaftler stärkten die US-Hochschulen, besonders in Atomphysik, Psychologie und Soziologie.

Bildung im Kalten Krieg

Nach 1945 wurde Bildung in den USA auch als Wettbewerb mit der Sowjetunion verstanden. Präsident Truman leitete dies mit einer neuen Kommission für höhere Bildung unter George F. Zook ein. Besonders stark wirkte der Sputnikschock von 1957: Präsident Eisenhower reagierte mit einem Bildungsprogramm, das eine vermeintliche Technologielücke und Defizite in Naturwissenschaften schließen sollte. Präsident Kennedy eröffnete das Bildungsfernsehen.

In den 1950er und 1960er Jahren entwickelte sich die Erziehungswissenschaft in den USA zur führenden der Welt. Entscheidend waren ihre empirische Ausrichtung und die enge Verbindung mit Psychologie und Soziologie. Genannt werden Robert F. Mager und Benjamin Bloom mit dem Begriff Lernziel, Robert Gagné mit Nine Events of Instruction von 1965, Jerome Bruner mit entdeckendem Lernen, Robert J. Havighurst mit Entwicklungsaufgaben, Ulric Neisser mit kognitivem Lernen und Richard M. Shiffrin mit Forschung zum Gedächtnis. Der Kalte Krieg begründete höhere Ausgaben für Forschung und Entwicklung, auch aus militärischen Gründen und aus nationalem Prestige, etwa im Weltraumprogramm der NASA. Austauschprogramme machten Hochschulen internationaler.

Für Kinder mit Handicap gab es wissenschaftliches Interesse, unter anderem im umstrittenen Milwaukee-Projekt. Für sozial benachteiligte Kinder in Vorschulen wurde unter Präsident Johnson das Project Follow Through gestartet, das bis 1995 lief. Ein großes Bildungshindernis blieb die Rassentrennung nach dem Grundsatz Separate but equal, besonders in den Südstaaten; offiziell endete sie 1964.

Gleichzeitig wuchs die soziale Distanz durch private Elitehochschulen mit scharfer Auswahl und Studiengebühren, auch wenn es Stipendien gab. Seit den 1950er Jahren bilden acht Universitäten im Nordosten die Ivy League. Daneben gelten unter anderem Stanford University, Caltech und University of Chicago als Elite. Für staatliche Spitzenuniversitäten gibt es die Liste der Public Ivy. Auch private High Schools erzeugen durch Tuition, also Schulgebühren, soziale Abschottung.

Seit den 1970er Jahren kritisierten viele die Lernergebnisse staatlicher Schulen. Der Bericht A Nation at Risk von 1983 löste eine Gegenbewegung aus, die ein Kerncurriculum mit klaren Zielen forderte. Der Bericht formulierte drastisch: „Wenn eine feindliche Macht versucht hätte, uns die mittelmäßige Bildungsleistung aufzuzwingen, die heute existiert, dann hätten wir dies als kriegerischen Angriff empfunden.“ An dieser Debatte waren Republikaner und Demokraten beteiligt, unter anderem Eric Donald Hirsch und Diane Ravitch. Die Zusammenfassung nationaler Zuständigkeiten im Bildungsministerium der Vereinigten Staaten 1980 war zunächst umstritten; Republikaner sahen darin unnötigen Zentralismus.

Reformen und Ungleichheit im 21. Jahrhundert

Im 21. Jahrhundert blieb das US-Bildungssystem von Reformversuchen, Leistungsdebatten und sozialer Ungleichheit geprägt. Präsident Obamas Bildungsminister Arne Duncan begann 2009 mit Race to the Top eine Reform. Sie sollte Bundesstaaten dazu bringen, sich an den besten Bildungssystemen der Welt zu orientieren. Dazu gehörte die Einführung des Common Core, also gemeinsamer Qualitätsstandards und Unterrichtsinhalte. Gefördert wurden Bundesstaaten, die nationale Qualitätsstandards umsetzen, Inhalte übernehmen und an Tests teilnehmen wollten, mit denen Schulen und Lehrkräfte bewertet wurden. 45 Bundesstaaten machten mit.

Trotzdem schnitten US-Schüler in der Pisa-Studie 2018 erneut nur mäßig ab. Auch das National Assessment of Educational Progress, das regelmäßig Lernerfolge von Viert- und Achtklässlern erfasst, zeigte keine nennenswerten Fortschritte.

Der Artikel betont weiterhin starke Unterschiede zwischen etablierten privaten Schulen und öffentlichen Schulen. Öffentliche Schulen werden demnach häufig von Afroamerikanern, Immigranten und sozial Benachteiligten besucht. Viele Schüler der Ivy League kommen aus privaten Schulen wie der Phillips Exeter Academy in New Hampshire, der Phillips Academy Andover in Massachusetts, The Lawrenceville School in New Jersey oder der Harvard-Westlake School in Los Angeles. Nur wenige öffentliche Magnetschulen oder seit den 1990er Jahren Charter Schools können mithalten, etwa die Stuyvesant High School in New York City, die Bronx High School of Science in New York City, die im Artikel mit den meisten Nobelpreisträgern verbunden wird, oder die Thomas Jefferson High School for Science and Technology in Virginia.

George Walker Bush jr. startete 2002 No Child left behind!. Nach der Finanzkrise 2008 kam es jedoch in fast allen Bundesstaaten zu Budgetkürzungen an Schulen. Als erfolgreich nennt der Artikel staatliche Schulen in Massachusetts, New Jersey und Connecticut. In Virginia wird das Schulsystem stark von guten privaten Schulen geprägt. Minnesota erreicht gute Werte in vorschulischer Bildung und Inklusion.

Donald Trumps Bildungsministerin Betsy DeVos setzte auf den Ausbau privater Institute, besonders Charter Schools, und auf Bildungsgutscheine. Dieses Wachstum ging oft auf Kosten öffentlicher Schulen. Präsident Bidens Bildungsminister Miguel Cardona sollte eine Wende einleiten, konnte aber keine großen Erfolge vorweisen. Linda McMahon wurde 2025 Bildungsministerin des wiedergewählten Trump und setzte erneut auf Bildungsgutscheine. Der Präsident will laut Artikel das Bildungsministerium abschaffen und die meisten Mitarbeiter entlassen.

Weiterlesen

Geschichte der Dreizehn Kolonien 1650 bis 1700: Konsolidierung und Ausdehnung · 1700 bis 1763: Kampf mit Frankreich um die Vorherrschaft · 1763 bis 1783: die Amerikanische Revolution. Bildungssystem in den Vereinigten Staaten Das Bildungssystem in den Vereinigten Staaten umfasst alle Einrichtungen des Schul- und Hochschulbereichs. Es ist in die drei Bereiche Elementary (Primary) … Einwanderung Pendler, Touristen und andere Kurzzeitaufenthalte fallen nicht unter die Definition von Migration, saisonale Arbeitsmigration wird manchmal mit einbezogen. Vereinigte Staaten Vereinigte Staaten ; Amtssprache · Englisch ; Hauptstadt · Washington, D.C. ; Staats- und Regierungsform · föderale präsidentielle konstitutionelle Republik. Kreationismus Kreationismus (von lateinisch creatio „Schöpfung“) bezeichnet die religiöse Auffassung, dass das Universum, das Leben und der Mensch buchstäblich so … Juden in den Vereinigten Staaten Je nach Zählart leben also die meisten Juden weltweit entweder in den Vereinigten Staaten oder in Israel. Außerdem leben ungefähr 130.000 jüdische Israelis in … Harvard University Die Harvard University (kurz Harvard) ist eine amerikanische Privatuniversität in Cambridge im Großraum Boston in Massachusetts. Sie gilt als eine der … Massachusetts Massachusetts (offiziell Commonwealth of Massachusetts) ist ein Bundesstaat im Nordosten der Vereinigten Staaten von Amerika und Teil der Region Neuengland. Neuengland Die Region Neuengland umfasst die heutigen sechs Bundesstaaten Connecticut, New Hampshire, Maine, Massachusetts, Rhode Island und Vermont. Südwestlich schließen … Quäkertum Das Quäkertum ist eine religiöse Gemeinschaft mit christlichen Wurzeln im England der 1650er Jahre. Als Gründer gilt George Fox, aber auch Margaret Fell, … Thomas Jefferson Die von der Philadelphia Convention ausgearbeitete Verfassung gefiel ihm im Großen und Ganzen sehr (besonders das System der Checks and Balances). Er … New Orleans Sie wurde 1718 gegründet und ist ein Industriezentrum mit einem bedeutenden Hafen am Mississippi River. Die Stadt ist bekannt für ihre lokale kreolische Küche …