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Bildungssystem in den Vereinigten Staaten

Das Bildungssystem in den Vereinigten Staaten umfasst alle Einrichtungen des Schul- und Hochschulbereichs. Es ist in die drei Bereiche Elementary (Primary) …

Inhalt5 Abschnitte
  1. 1. Aufbau und Steuerung des Bildungssystems
  2. 2. Schulpflicht und Schularten
  3. 3. Schulstufen und Unterrichtsorganisation
  4. 4. Leistung, Förderung und Schulleben
  5. 5. Berufsbildung, Qualität und Kritik

Aufbau und Steuerung des Bildungssystems

Das Bildungssystem der Vereinigten Staaten umfasst Schulen und Hochschulen. Es gliedert sich in Elementary (Primary) Schools, Secondary Education und Postsecondary Education. Die USA gaben 2017 rund 6,1 Prozent des BIP für Bildung aus; das bedeutete innerhalb der OECD Platz sechs. Für die tertiäre Bildung wurden 2,5 Prozent ausgegeben, einer der höchsten Werte.

2011 gab es rund 99.000 Schulen, darunter 23.000 High Schools mit bis zu 4.000 Schülern je Einzelschule. Etwa 3,3 Mio. Lehrkräfte unterrichteten etwa 50 Mio. Schüler. Wegen des Föderalismus entscheiden vor allem Bundesstaaten und lokale Schulbezirke über Schulen. Das seit 1980 bestehende Bildungsministerium der Vereinigten Staaten entwickelt vor allem finanzielle Förderprogramme und setzt Bundesgesetze zu Privatsphäre und Gleichberechtigung durch. Nationale Tests werden unter anderem durch das National Assessment of Educational Progress (NAEP) organisiert.

Die örtlich gewählten Bildungsräte, Boards of Education, legen im Schulbezirk Bildungsrichtlinien und Schulsteuern fest, stellen Personal ein und unterhalten Schulen. Die Bundesstaaten geben dabei Richtlinien vor und sind für Ausbildung und Zulassung der Lehrkräfte, die Certification, zuständig. Schulen werden durch lokale und bundesstaatliche School Tax sowie Zuschüsse des Bundesstaates finanziert. Viele werben zusätzlich Drittmittel durch Fundraising ein. Dadurch hängt die finanzielle Ausstattung vergleichsweise stark vom Steueraufkommen des jeweiligen Schulbezirks ab.

Schulpflicht und Schularten

Die Bildungspflicht, Compulsory School Attendance, wird von den Bundesstaaten geregelt. Sie beginnt je nach Staat mit fünf, sechs oder sieben Jahren und endet mit sechzehn, siebzehn oder achtzehn Jahren. Connecticut, New Mexico, Oklahoma, Virginia und der District of Columbia haben mit fünf bis achtzehn Jahren die längste Bildungspflicht. Unter bestimmten Bedingungen kann Schulbesuch durch Homeschooling, also Hausunterricht, oder sehr selten durch Unschooling, vom Kind geleitetes Lernen, ersetzt werden. Etwa 2 % der Eltern entscheiden sich dafür; 2009 erhielten etwa 1,5 Millionen Kinder Hausunterricht. Als Gründe nennt der Artikel religiöse Ansichten, besondere Bedürfnisse, Probleme wie Mobbing oder Drogen sowie lange Schulwege. Kritiker befürchten unter anderem fehlende soziale Kompetenzen, unzureichend ausgebildete Lehrende und die Förderung von Extremismus.

Amerikanische Schulen sind von der Grundschule an Ganztagsschulen: Unterricht beginnt und endet für alle Schüler einer Schule zur gleichen Zeit, und Schulen haben Kantinen für das Mittagessen. 2010 besuchten 87 % der Schüler staatliche Schulen. Sie werden aus Steuergeldern finanziert und sind grundsätzlich kostenlos. Rund 11 % besuchten Privatschulen, für die tuition, also Schulgeld, erhoben wird. Staatliche Schulen sind weltlich, Privatschulen können weltlich oder konfessionell sein; auch an Privatschulen sind Schulgebete nicht erlaubt. Charter Schools haben eine gemischte Finanzierung, auch durch Bildungsgutscheine, und beruhen auf der Idee eines Wettbewerbs zwischen Schulen.

Anders als im deutschen System gibt es keine vertikale Differenzierung in Schulformen für unterschiedlich begabte Kinder. Gleichaltrige besuchen grundsätzlich dieselbe Schulstufe. Kinder mit besonderem Förderbedarf können in allgemeinen Schulen integrativ in Regelklassen oder in Kleingruppen von speziell qualifizierten Fachlehrern unterstützt werden. Angebote wie Leseförderung, Sprachtherapie und ESOL (English for Speakers of Other Languages) hängen vom Budget des Schulbezirks ab.

Schulstufen und Unterrichtsorganisation

Die Elementary School, auch Primary School oder Grade School, ist die Grundstufe. Sie reicht je nach Schulbezirk vom amerikanischen Kindergarten bis zur vierten, fünften oder sechsten Klasse, ohne Middle School oder Junior High School teilweise bis zur achten Klasse. Sie entspricht in der ISCED der Stufe 0 für den Kindergarten und Level 1 für die Primarbildung. Der amerikanische Kindergarten ist eine zum Schulsystem gehörende Vorschule: Kinder beginnen gewöhnlich mit vier oder fünf Jahren. Day Care, Nursery School und Pre-school liegen davor; sie entsprechen eher dem Kindergarten im deutschsprachigen Raum. pK oder preK bezeichnet solche Programme vor dem amerikanischen Kindergarten.

Grundschulklassen haben etwa 18–24 Kinder. Der Klassenlehrer führt für jedes Kind eine Akte und wird teils durch Teacher Assistants unterstützt; in inklusiven Klassen können zusätzliche Fachkräfte tätig sein. Fachlehrer unterrichten Sport, Kunst und Musik, in höheren Klassen zum Teil Naturwissenschaften. Der etwa sechsstündige Schultag enthält ein kostenpflichtiges Mittagessen, beginnt mit dem Treuegelöbnis und umfasst meist eine Mittagspause. Freie Spielzeiten, Centers, gibt es besonders im Kindergarten und oft in Klasse 1; ab etwa Klasse 3 gibt es teils Study Hall für Hausaufgaben oder das Lesen von Bibliotheksbüchern. Alphabetisierung beginnt im Alter von 5 Jahren, Leseförderung hat besondere Bedeutung. Fremdsprachen werden außerhalb von Metropolen meist nicht angeboten, Instrumentalunterricht dagegen früh.

Auf die Elementary School folgen je nach Bezirk Junior High School oder zunehmend Middle School. Beide umfassen meist die Klassen 7 bis 9, gelegentlich zusätzlich Klasse 6 oder 10. In Junior High Schools arbeiten Fachabteilungen weitgehend unabhängig; in Middle Schools arbeiten Fachlehrer enger zusammen und bilden auch interdisziplinäre Einheiten. Die High School oder Senior High umfasst meist die Jahrgangsstufen 9 bis 12, endet mit dem High School Diploma und unterrichtet ausschließlich im Kurssystem, nicht im Klassenverband. Bereits ab der Grundschule werden Klassen jährlich neu zusammengesetzt. In der Middle School soll dies vor allem möglichst homogene Gruppen nach Begabung bilden; an Junior High School und High School gibt es keine festen Klassenverbände mehr, sondern Kurse und Ansprechlehrer.

Leistung, Förderung und Schulleben

An vielen Schulen werden Buchstabennoten verwendet: A = >90 % (sehr gut), B = >80 % (gut), C = >70 % (befriedigend), D = >60 % (bestanden), F = <60 % (nicht bestanden). F bedeutet normalerweise durchgefallen; Plus und Minus können die Noten weiter abstufen. Die Note E wird nicht vergeben. Teilweise werden Leistungen stattdessen als Prozentwerte angegeben. Die Versetzung (Graduation) erfolgt nach erfolgreichem Abschluss des Programms meist ohne weitere Prüfung. Nicht erfolgreiche Schüler können in der Sommerzeit summer school besuchen. Für ein Universitätsstudium müssen alle Schüler eine Hochschulaufnahmeprüfung bestehen. Häufig werden außerdem Advanced-Placement-Prüfungen abgelegt; AP courses sind Leistungskurse, die deutschen Leistungskursen entsprechen und sie teils überschreiten.

Der Individuals with Disabilities Education Act gilt international als vorbildlich. Der Americans with Disabilities Act (ADA) von 1990 wird als Zeichen für den gesetzgeberischen Willen zum sozialen Modell bei Behinderung beschrieben. Hochbegabte können Klassen überspringen oder, in finanzstarken Bezirken, am Educational Enrichment teilnehmen. Nach dem ersten Schuljahr kann ein Schulpsychologe auf Empfehlung des Klassenlehrers und Wunsch der Eltern einen Intelligenztest durchführen. Qualifizierte Kinder erhalten stundenweise Projektunterricht in Kleingruppen und Sonderübungen, besonders in Mathematik und Englisch. Ab der Middle School gibt es Honor-Kurse; an der High School können Honors-Schüler Punkte erwerben, mit denen sie am College Grundlagenkurse überspringen. Teilweise kann statt des High School Diploma das anspruchsvollere International Baccalaureate erworben werden.

Schuluniformen sind unüblich, doch viele Schulen haben einen dress code. Einige, besonders private Schulen, nutzen Uniformen unter anderem zur Verbesserung der Disziplin oder gegen Neid, Mobbing und Konkurrenz wegen Markenkleidung. Die meisten Kinder fahren mit dem Schulbus. Das 1970 eingeführte Crosstown School Bussing sollte die Isolierung afro-amerikanischer Kinder in rein afro-amerikanischen Schulen vermeiden, wurde aber schrittweise durch andere Maßnahmen ersetzt. Die Schulwahl ist heute auch im staatlichen System frei. Schüler können ab dem Kindergarten an Science Fairs, Kunstwettbewerben und ähnlichen Angeboten teilnehmen; viele Schulen haben Chöre, Instrumentalensembles und Orchester. PTOs und PTAs koordinieren Interessen von Lehrern und Erziehungsberechtigten und organisieren mit der Schulleitung Fundraisers für zusätzliche Unterrichtsmittel.

Berufsbildung, Qualität und Kritik

Praktische Berufsausbildung heißt Vocational Training, ist jedoch nur punktuell vorhanden und wenig angesehen. Die berufliche Erstausbildung erfolgt an Community Colleges oder Vocational Institutions. Dort können Associate‘s Degrees, Bachelor oder Certificate of Competency erworben werden. Erfolgreich abgeschlossene Module einer berufsbildenden High School können angerechnet werden. Registered Apprenticeships sind betriebliche Ausbildungen während der Arbeit oder über Gewerkschaften und Berufsverbände. Sie dauern ein bis sechs Jahre; der schulische Teil findet je nach Bundesstaat, Branche und Unternehmen etwa an Community Colleges, Schulen oder in Kursräumen von Unternehmen statt. Meist endet das Programm mit einer Abschlussprüfung. Das Certificate of Completion of Apprenticeship kann je nach Fach und Bundesstaat die Selbständigkeit ermöglichen. Die Programme werden beim Office of Apprenticeship des Arbeitsministeriums oder bei akkreditierten State Apprenticeship Agencies registriert. „Vocational Education“ soll durch „Career Technical Education“ (CTE) ersetzt werden.

Unabhängige Organisationen wie die Northwest Association of Colleges and Universities oder die Northcentral Association of Secondary Schools prüfen Bildungseinrichtungen und vergeben oder verweigern Akkreditierungen. Der seit Januar 2002 geltende No Child Left Behind Act (NCLB, Public Law 107–110) schreibt für öffentliche Schulen regelmäßige Tests des Lernerfolgs vor und förderte unter anderem Charter Schools. Das Programm betrifft auch Grund-, Junior-High- und Middle Schools, ist aber stark umstritten. Insbesondere Eltern mit hohem Bildungsniveau befürchten eine unzureichende Förderung begabter Kinder an staatlichen Schulen.

Im internationalen Vergleich werden die Leistungen oft als unterdurchschnittlich beschrieben. In PISA 2003 erreichten 15-Jährige unter 38 Staaten Platz 24 in Mathematik, Platz 19 in Naturwissenschaften, Platz 12 im Lesen und Platz 26 bei Problemlösungsfähigkeiten; 2015 hatten sich die Ergebnisse nicht wesentlich geändert. Die Dropout Rate, also der Anteil der 16- bis 24-Jährigen ohne Schulbesuch und ohne High-School-Abschluss oder gleichwertigen Nachweis wie den General Educational Development Test, sank laut National Center for Education Statistics stetig und lag 2018 bei 5,3 Prozent. Schon seit den 1980er Jahren äußerten Wirtschaftsführer Bedenken über die Gesamtqualität des Systems, unter anderem in Nation at Risk (1983).

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