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SWR Big Band
Mit über 40 Konzerten pro Jahr deckt die SWR Big Band ein Spektrum von Jazz über Fusion bis hin zu Weltmusik und Pop ab. Die SWR Big Band mit Sängerin Fola Dada …
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Profil und Bedeutung
Die SWR Big Band ist die Big Band des Südwestrundfunks (SWR) in Stuttgart. Sie wurde 1951 von Erwin Lehn als „Südfunk-Tanzorchester“ gegründet und entwickelte sich von einem Rundfunk-Unterhaltungsorchester zu einem künstlerischen Ensemble. Heute spielt sie mehr als 40 Konzerte pro Jahr. Ihr musikalisches Spektrum reicht von Jazz und Fusion – einer Verbindung verschiedener Musikstile – bis zu Weltmusik und Pop.
Kennzeichnend ist die regelmäßige Zusammenarbeit mit renommierten Gastsolisten, Arrangeuren und wechselnden musikalischen Leitern. Arrangeure bearbeiten Musikstücke für die konkrete Besetzung eines Ensembles. Feste Bandsängerin ist Fola Dada, mit der die Band seit 2012 regelmäßig auftritt und zahlreiche Alben aufgenommen hat.
Vom Tanzorchester zur SWR Big Band
Der Süddeutsche Rundfunk wollte Anfang der 1950er Jahre ein Orchester für „gepflegte Tanzmusik“ aufbauen. Erwin Lehn übernahm am 1. April 1951 offiziell die Leitung. Die Musiker waren persönlich bei ihm angestellt, während der Sender den Etat bereitstellte. Lehn nahm neben Operettenklängen, kommerzieller Tanzmusik und „Gebrauchsmusik“ bewusst auch Jazz in das Repertoire auf. Das Orchester spielte bei öffentlichen Auftritten, Rundfunkübertragungen und Matineen.
1955 trat es beim Deutschen Jazzfestival in Frankfurt und in der Stuttgarter Konzert- und Sendereihe „Treffpunkt Jazz“ auf. Dort begleitete es unter anderem Lester Young, Stan Getz, Benny Goodman, Chet Baker und Miles Davis. Später folgten Auftritte im Pariser Palais de Chaillot und auf der Weltausstellung in Brüssel. Das 1956 veröffentlichte Album The German Jazz Hurricane trug dazu bei, dass das Ensemble noch in den 1950er Jahren „Kultstatus“ erreichte.
Bei den „Wochen der leichten Musik“ spielte das Orchester Uraufführungen, gehobene Unterhaltungsmusik und „leichte Sinfonik“; Jazz hatte dort nur eine untergeordnete Rolle. Eine enge Zusammenarbeit bestand mit Caterina Valente, mit der bereits 1953, vor ihrem großen Durchbruch, „Granada“ aufgenommen wurde. Bis in die 1980er Jahre war das Orchester samstagnachmittags in Unterhaltungssendungen des Süddeutschen Rundfunks zu hören und übernahm außerdem den musikalischen Teil zahlreicher Quizsendungen von Hans Rosenthal.
Neuorganisation und künstlerische Entwicklung
Ende der 1980er Jahre wurde der Jahresetat stark gekürzt: Statt ursprünglich 1,6 Millionen DM bot der Sender nur noch 800.000 DM an. Unter diesen Bedingungen beendete Erwin Lehn nach 40 Jahren Ende 1991 seine Arbeit. 1992 übernahmen die Trompeter Rudolf Reindl und Karl Farrent die organisatorische Verantwortung. Mit einem Stammkapital von 50.000 DM gründeten sie eine Betriebsgesellschaft. Diese sollte das Orchester betreiben, Tonträger für den Süddeutschen Rundfunk produzieren, an Konzerten mitwirken und Fernsehsendungen betreuen. Beide waren Geschäftsführer; seit 2012 führt Reindl die Gesellschaft allein.
Seit der Neuorganisation arbeitet die Formation mit wechselnden Dirigenten und musikalischen Leitern. Nach der Fusion des Süddeutschen Rundfunks (SDR) und des Südwestfunks (SWF) zum Südwestrundfunk (SWR) wurde die SDR-Bigband 1998 in SWR Big Band umbenannt. Sie setzte ältere Traditionen fort, etwa mit der Konzertreihe „Swing-Legenden“, in der sie Max Greger, Paul Kuhn, Bill Ramsey und Hugo Strasser begleitete. Gleichzeitig produzierte sie verstärkt CDs für den Plattenmarkt, darunter eine kommerziell erfolgreiche Tanzparty-Reihe mit Max Greger jr. und Klaus Wagenleiter.
Seit 2018 ist der schwedische Jazzmusiker Magnus Lindgren der erste Artist in Residence, also ein längerfristig mit dem Ensemble verbundener Gastkünstler. Das Programm fördert den Austausch zwischen Kulturen und neue Projekte, darunter die TV-Produktion Lights On mit Larry Carlton sowie die Alben Transitions und Bird Lives. Zum 70-jährigen Bestehen leitete Lindgren 2022 das Konzert „Das Heimspiel“ mit Gästen wie Till Brönner, Fools Garden, Max Mutzke, Onita Boone, Joo Kraus und John Beasley.
Besetzung, Kooperationen und Bildungsarbeit
Die aktuelle Instrumentalbesetzung umfasst fünf Saxophone, fünf Trompeten, vier Posaunen, Piano, Gitarren, Bass und Schlagzeug. Genannt werden unter anderem Klaus Graf, Ulrich Wangenheim, Andi Maile, Max Treutner und Christoph Beck an den Saxophonen, Antoine Colin, Nemanja Jovanovic, Karl Farrent, Martin Auer und Rudolf Reindl an den Trompeten sowie Marc Godfroid, Jürgen Neudert, Ian Cumming und Georg Maus an den Posaunen. Volker Engelberth spielt Piano, Christoph Neuhaus und Frank Kuruc Gitarre, Decebal Badila Bass und Guido Jöris Schlagzeug. Bis zum Stand 2026 ist die instrumentale Stammbesetzung ein reines Männerensemble.
Zu den früheren Mitgliedern gehörten Musiker wie Horst Jankowski, Charly Antolini, Ernst Mosch, Peter Herbolzheimer, Ack van Rooyen und Klaus Weiss. Regelmäßige Gastsolisten sind oder waren unter anderem Toshiko Akiyoshi, Bob Mintzer, Gregory Porter, Chris Potter, Melissa Aldana, Paula Morelenbaum, Paul Carrack, Fola Dada, Joo Kraus und Max Mutzke. Als Arrangeure arbeiteten beispielsweise Callum Au, Chris Walden, Ivan Lins, Maria Schneider, Joe Gallardo, Ralf Schmid und Torsten Maaß mit der Band.
Neben ihrer künstlerischen Arbeit betreibt die SWR Big Band Nachwuchsförderung und Musikvermittlung. Seit 2010 bietet sie Workshops und Konzerte für Schul-Bigbands in Schulen und im SWR-Studio an. Gemeinsam mit dem Bund Deutscher Blasmusikverbände veranstaltet sie regelmäßig das Big Band Boot Camp.
Aufnahmen, Filme und Auszeichnungen
Die Diskografie dokumentiert die Entwicklung unter drei Namen. Als Südfunk-Tanzorchester beziehungsweise Erwin Lehn & His Stuttgart Radio Orchestra erschienen unter anderem The German Jazz Hurricane (1956) und Made in Germany (1965). Aus der Zeit als SDR Big Band stammen beispielsweise Tanzparty 1 (1992) und A Fresh Taste of the Blues (1996). Als SWR Big Band veröffentlichte das Ensemble zahlreiche internationale Kooperationen, darunter Jazz Matinee mit Slide Hampton (2001), Bossarenova mit Paula Morelenbaum und Ralf Schmid (2009), Hommage à Eberhard Weber (2015), Lights On mit Larry Carlton (2017), Bird Lives mit Magnus Lindgren und John Beasley (2021), Transitions (2021), Soul Encounter mit Ola Onabulé (2022) und It Is What It Is mit Joe Gallardo (2024).
Die Band wurde 2003, 2010 und 2023 mehrfach für die Grammy Awards nominiert, unter anderem in der Kategorie Best Large Ensemble. Bossarenova gelangte 2011 als Album der ersten deutschen Band auf die Longlist des „Prêmio da Música Brasileira“, des bedeutendsten brasilianischen Musikpreises. Für Public Jazz Lounge erhielt die SWR Big Band 2015 den German Jazz Award Gold. „Das Heimspiel“ wurde 2022 als Beste Rundfunkproduktion des Jahres für den Deutschen Jazzpreis nominiert. 2023 gewann der Arrangeur John Beasley einen Grammy für das beste Instrumental- oder A-cappella-Arrangement: ausgezeichnet wurde „Scrapple from the Apple“ aus dem Album Bird Lives.
Auch an Filmen war das Ensemble beteiligt. Es erscheint im Dokumentarfilm Jazzfieber – The Story of German Jazz von Reinhard Kungel, spielte die gesamte Filmmusik zu Mackie Messer – Brechts Dreigroschenfilm (2018) und steuerte für Ich bin dein Mensch (2021) die Filmmusik „Putting On The Ritz“ bei.