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Bibelhumanismus
Der so genannte Bibelhumanismus war eine Unterart des Renaissance-Humanismus. ... Durch die Rückbesinnung auf die antiken Werte kam es den Humanisten des 15. und …
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Begriff und Grundidee
Der sogenannte Bibelhumanismus war eine Unterart des Renaissance-Humanismus im 15. und 16. Jahrhundert. Sein Kern war die Rückkehr zu den ältesten verfügbaren Quellen der Bibel. Nach der humanistischen Losung „ad fontes“ („zu den Quellen“) sollten die antiken hebräischen und griechischen Texte möglichst zuverlässig in neuere Sprachen übertragen werden.
Auch die theologische Auslegung und die philosophische Auseinandersetzung mit der Bibel sollten sich möglichst unmittelbar auf diese antiken Quellen stützen. Damit stellte sich die Bewegung gegen überkommene scholastische Ideale der Kirche und rief kirchlichen Widerstand hervor.
Sprachen und Textarbeit
Die genaue Kenntnis der biblischen Originalsprachen war für den Bibelhumanismus besonders wichtig. Mehrere deutsche Theologen wurden deshalb zu Hebraisten, also zu Gelehrten, die sich intensiv mit der hebräischen Sprache und Grammatik beschäftigten. Johannes Reuchlin, Sebastian Münster und Johann Böschenstein verfassten Abhandlungen über hebräische Akzente und Rechtschreibung.
Bedeutung für die Reformation
Der Bibelhumanismus brachte zahlreiche bedeutende Persönlichkeiten hervor und hatte einen großen Anteil am Zustandekommen der von Martin Luther ausgehenden Reformation. Zu der Bewegung gehörten neben Luther und Philipp Melanchthon auch Erasmus von Rotterdam.
Erasmus veröffentlichte 1516 in Basel das Neue Testament im griechischen Grundtext zusammen mit einer neuen lateinischen Übersetzung. Diese Ausgabe wurde zur Grundlage für die meisten Übersetzungen in die Landessprachen Europas im 16. Jahrhundert. Erasmus wollte erreichen, dass Männer und Frauen die Bibel in ihrer eigenen Sprache lesen konnten.
Erasmus und die Reformation
Erasmus legte den Schwerpunkt seiner Religionsauffassung auf ethisch-moralische Fragen. Das zeigte sich besonders 1502 in seinem Werk „Enchiridion militis Christiani“ („Handbuch des christlichen Streiters“).
Anfangs stand er der Reformation offen gegenüber, weil auch er eine Reform der Kirche für notwendig hielt. Später wandte er sich jedoch von Luther und der Wittenberger Reformation ab. Gründe waren die unvereinbaren Gegensätze zur Römisch-katholischen Kirche und Streitfragen über das Papsttum und die Freiheit des Willens. Luther bezeichnete den Papst als „Antichristen“. Die Haltung zur römischen Kirche war außerdem eine Ursache für Erasmus’ Streit mit Ulrich von Hutten.