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Französischer Humanismus
Französischer Humanismus ist die Bezeichnung für den Renaissance-Humanismus in Frankreich. Er entstand unter dem Einfluss des italienischen Humanismus und …
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Begriff und Zielsetzung
Der französische Humanismus bezeichnet den Renaissance-Humanismus in Frankreich. Er entstand unter dem Einfluss des italienischen Humanismus, setzte sich aber zugleich mit traditionellen französischen Elementen auseinander. Die Humanisten verstanden sich als Vertreter einer literarischen Bildungsbewegung: Sie forderten die Orientierung an „klassischen“ Vorbildern der Antike und wollten das Bildungswesen vom vorherrschenden Einfluss der spätmittelalterlichen Scholastik befreien. Scholastik ist eine mittelalterliche Form des wissenschaftlichen Denkens und Lehrens, die stark an überlieferten Autoritäten und logischer Argumentation ausgerichtet war.
Kennzeichnend für den französischen Humanismus war auch ein nationalistischer Zug. Er zeigte sich früh in der Auseinandersetzung französischer Gelehrter mit italienischen Urteilen über die französische Kultur und später in der Aufwertung der französischen Sprache gegenüber dem Lateinischen.
Entwicklung und wichtige Vertreter
Francesco Petrarca (1304–1374), die Leitfigur des frühen italienischen Humanismus, lebte lange in Frankreich, beurteilte die französische Kultur jedoch abwertend. Er meinte, es gebe dort keine Redner und Dichter und daher keine Bildung im humanistischen Sinn. Französische Gelehrte reagierten heftig. In dieser Kontroverse wurden sowohl das Spannungsverhältnis zwischen französischen und italienischen Gelehrten als auch der nationale Charakter des französischen Humanismus sichtbar.
Obwohl es in Frankreich und bereits im Fränkischen Reich des Mittelalters Phasen intensiver Orientierung an der Antike gab – etwa die „Karolingische Renaissance“ und die „Renaissance des 12. Jahrhunderts“ –, setzte sich der Renaissance-Humanismus erst seit dem späten 14. Jahrhundert durch. Zu den frühen wichtigen Vertretern gehörten Nikolaus von Clamanges († 1437), der ab 1381 am Collège de Navarre Rhetorik lehrte, und Jean de Montreuil. Beide bewunderten Cicero und ahmten dessen Beredsamkeit nach.
Der Hundertjährige Krieg hemmte die Entwicklung. Nach dem Ende der Kämpfe blühte der Humanismus ab der Mitte des 15. Jahrhunderts auf. Guillaume Fichet richtete in Paris die erste Druckerei ein und veröffentlichte 1471 ein Rhetoriklehrbuch. Sein Schüler Robert Gaguin († 1501), Rhetorikprofessor an der Pariser Universität, setzte sich für den Ersatz mittelalterlicher Bildungsinhalte durch humanistische ein und schrieb die erste französische Geschichte aus humanistischer Sicht.
Italienische Humanisten in Paris gaben wichtige Anstöße. Publio Fausto Andrelini († 1518) lehrte Rhetorik an der Sorbonne, wurde Hofdichter Karls VIII. und verherrlichte dessen Italienfeldzug. Janos Laskaris († 1534), ein Herausgeber klassischer griechischer Literatur, zog 1496 für einige Jahre nach Paris und führte die neuplatonisch orientierte Strömung des italienischen Humanismus ein.
Jacques Lefèvre d’Étaples († 1536) förderte die Altertumswissenschaft durch Ausgaben, Übersetzungen und Kommentare zu Aristoteles. Außerdem war er ein führender Fachmann der humanistischen Bibelforschung, des Bibelhumanismus. Guillaume Budé (1468–1540), ein Schüler Laskaris’, erforschte die Überlieferung des römischen Rechts mit philologischen Methoden und verfasste eine wegweisende Untersuchung zum römischen Münzwesen. Als Gräzist und Organisator des Humanismus initiierte er das Collège Royal, das spätere Collège de France. Dieses wurde ein bedeutendes humanistisches Zentrum und stand der antihumanistischen Strömung konservativer Theologen an der Pariser Universität gegenüber.
Sprache, Nationalbewusstsein und Kunst
Budé verkündete wie viele französische Humanisten die Größe Frankreichs. Auch Jean Lemaire de Belges vertrat eine politisch und kulturell nationalistische Haltung. In „La concorde des deux langages“ (1511) erklärte er Französisch und Italienisch für gleichwertig. Nach humanistischen Maßstäben bedeutete dies eine Aufwertung des Französischen.
König Franz I. (Regierungszeit 1515–1547) galt als bedeutendster Förderer des französischen Humanismus. Mit dem Edikt von Villers-Cotterêts von 1539 verhalf er dem Französischen zum Durchbruch als Urkunden- und Verwaltungssprache Frankreichs. Das klassische Latein behielt zwar hohes Ansehen, doch Französisch gewann an Bedeutung und wurde auch für technische Beschreibungen verwendet. Joachim du Bellay verdeutlichte diese Entwicklung 1549 in „Deffence, et illustration de la langue francoise“.
In der bildenden Kunst strebten Künstler durch aufwändige und komplizierte Verzierungen nach größerer Eleganz. Architektur und Kunst standen, wie in Italien, stark unter dem Einfluss klassischer griechischer und römischer Motive und Themen. Die symbolische Bildsprache verband Anleihen aus Mythologie, klassischer Literatur und Christentum. Sfumato und Chiaroscuro dienten dazu, Räumlichkeit und Tiefe zu erzeugen.