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Bezirk Neukölln

Neukölln ist der achte Verwaltungsbezirk von Berlin. Am 31. Dezember 2025 hatte er 309.241 Einwohner, die aus 160 Nationen stammen. Der Bezirk zählt zu den …

Inhalt5 Abschnitte
  1. 1. Profil und räumliche Struktur
  2. 2. Historische Entwicklung und Bevölkerung
  3. 3. Bevölkerungsstruktur, Soziales und Wirtschaft
  4. 4. Verkehr, Verwaltung und Politik
  5. 5. Bildung, Kultur und Sport

Profil und räumliche Struktur

Neukölln ist der achte Verwaltungsbezirk Berlins. Er umfasst 44,93 km² und hatte am 31. Dezember 2025 insgesamt 309.241 Einwohner. Die Bevölkerungsdichte betrug 6.883 Einwohner pro km². Die Bevölkerung stammt aus 160 Nationen. Neukölln gehört damit zu den am dichtesten besiedelten innerstädtischen Gebieten Deutschlands. Die Bezirksverwaltung hat ihren Sitz in der Karl-Marx-Straße 83; Bezirksbürgermeister ist Martin Hikel (SPD).

Der Bezirk liegt im Süden Berlins zwischen Tempelhof-Schöneberg, Treptow-Köpenick und Friedrichshain-Kreuzberg. Im Süden grenzt er an Großziethen, Waßmannsdorf und Schönefeld im Land Brandenburg. Fünf Ortsteile gehören zum Bezirk: Neukölln, Britz, Buckow, Rudow und Gropiusstadt. Am 31. Dezember 2025 hatten sie folgende Einwohnerzahlen: Neukölln 163.184, Britz 43.895, Buckow 42.079, Rudow 42.944 und Gropiusstadt 39.521.

Naturräumlich liegt der größte Teil auf der Grundmoränenhochfläche des Teltow in 40–50 m ü. NHN. Kleinere Flächen gehören zum Berliner Urstromtal in 35–37 m ü. NHN. Die ungefähre Grenze zwischen beiden Naturräumen bilden Hasenheide, Karl-Marx-Straße und Buschkrugallee. Der Norden ist innerstädtisch dicht bebaut und vor allem durch Gründerzeit-Mietskasernen mit begrünten Hinterhöfen geprägt. Südlich der Ringbahn überwiegen Einfamilienhausgebiete, vorstädtische Siedlungen und Großsiedlungen.

Zu den historischen Dorfkernen gehören Rixdorf mit dem Böhmischen Dorf, Britz mit Gutshof und Schloss sowie Buckow mit der ältesten Feldsteinkirche Berlins. Die Hufeisensiedlung in Britz, ein Reformwohnungsbau der 1920er und 1930er Jahre mit etwa 1000 Wohnungen je Siedlungsteil, gehört seit 2008 zum UNESCO-Welterbe. Die Gropiusstadt wurde 1976 fertiggestellt und 2002 als eigener Ortsteil abgetrennt. Die High-Deck-Siedlung wurde in den 1970er und 1980er Jahren für rund 6000 Bewohner errichtet; ihre hochgelegten begrünten Wege sollten Fußgänger- und Autoverkehr trennen, erwiesen sich aber schnell als gescheitert.

Historische Entwicklung und Bevölkerung

Der historische Kern Neuköllns geht auf das 1360 erstmals erwähnte Richardsdorp zurück, das später Ricksdorf und schließlich Rixdorf genannt wurde. Der Ort gehörte zunächst dem Johanniterorden; daher verweist das Johanniterkreuz im Bezirkswappen auf die Gründungsgeschichte. 1737 erlaubte Friedrich Wilhelm I. die Ansiedlung böhmischer Exilanten, die wegen ihres evangelischen Glaubens vertrieben worden waren. Sie gründeten entlang der heutigen Richardstraße das Böhmisch-Rixdorf, das 1797 eine eigene Verwaltung erhielt.

Bei der Vereinigung der beiden selbstständigen Gemeinden 1873 hatte Rixdorf 8000 Einwohner. 1899 wurde es als größtes Dorf Preußens ein eigener Stadtkreis. Die Einwohnerzahl stieg von 80.000 auf über 237.000 im Jahr 1910. 1912 wurde Rixdorf in Neukölln umbenannt, weil der Ort damals als Hochburg „schlechter Sitten“ galt. Britz wurde 1305 erstmals erwähnt und hatte 1920 mehr als 13.000 Einwohner. Buckow entstand 1230 als Angerdorf und erhielt 1913 eine Straßenbahnverbindung nach Berlin. Rudow wurde 1373 erstmals erwähnt und bewahrte bis 1920 weitgehend seinen dörflichen Charakter.

Am 1. Oktober 1920 wurde die Stadt Neukölln zusammen mit Britz, Buckow und Rudow nach Groß-Berlin eingemeindet. Sie bildete zunächst den 14. Verwaltungsbezirk. Von 1945 bis 1990 gehörte Neukölln zum Amerikanischen Sektor. 1987 erhielt der Bezirk den Europapreis für seine Bemühungen um europäische Integration; am 23. September 2008 wurde er als „Ort der Vielfalt“ ausgezeichnet.

Die Bevölkerungsentwicklung verlief nicht gleichmäßig: 1920 lebten 279.732 Menschen im Bezirk, 1933 waren es 315.632 und 1946 nur noch 274.560. 1990 wurden 307.217 Einwohner gezählt, 2018 330.786 und 2021 327.100. Für 2022 nennt die Tabelle 306.537, für 2024 307.113 und für 2025 309.241. Ab 2022 beruhen die Angaben auf dem Zensus 2022; für ältere Angaben ab 1991 werden teilweise Daten des Einwohnermelderegisters verwendet. Deshalb sind die Reihen nicht vollständig mit der Bevölkerungsfortschreibung des Amtes für Statistik Berlin-Brandenburg vergleichbar.

Bevölkerungsstruktur, Soziales und Wirtschaft

Für den 31. Dezember 2024 weist die Strukturtabelle 329.488 Einwohner aus. Davon waren 164.886 männlich (50,0 %) und 164.602 weiblich (50,0 %). 18,1 % waren unter 20 Jahre alt, 32,0 % zwischen 20 und unter 40, 32,5 % zwischen 40 und unter 65 und 17,4 % mindestens 65 Jahre alt. 48,6 % waren Deutsche ohne Migrationshintergrund, 22,9 % Deutsche mit Migrationshintergrund und 28,5 % Ausländer. 82,2 % lebten in einfachen Wohnlagen oder in Wohnlagen ohne Angabe, 17,8 % in mittleren Wohnlagen; gute Wohnlagen wurden mit 0,0 % angegeben. 11,8 % waren evangelisch und 7,2 % römisch-katholisch, während 81,0 % sonstigen oder keiner Religion angehörten. Das Durchschnittsalter lag bei 41,9 Jahren, gegenüber 42,8 Jahren im Berliner Durchschnitt. Die unterschiedlichen Gesamtzahlen zwischen dieser Tabelle und der Bevölkerungsangabe für 2025 werden im Artikel durch unterschiedliche statistische Grundlagen und Stichtage erkennbar.

Seit 1999 weist der Berliner Senat Teile Neuköllns als Gebiete mit besonderem Entwicklungsbedarf aus. 2001 lagen neun der damals 17 Berliner Gebiete in Neukölln, darunter die Rollbergsiedlung, die High-Deck-Siedlung, Gropiusstadt/Lipschitzallee, Schillerpromenade und Körnerpark. Für die integrative Entwicklung wurde Quartiersmanagement eingerichtet; 2016 wurden dafür rund sechs Millionen Euro ausgegeben. Als soziale Probleme nennt der Artikel unter anderem hohe Arbeitslosigkeit, schlechte Bildung und eine überdurchschnittliche Zahl jugendlicher Schulabbrecher. Seit 2004 unterstützt das Projekt Stadtteilmütter die Integration. 2008 erhielt Berlin dafür den Metropolis Award. Gleichzeitig setzte im Norden seit etwa 2007 Gentrifizierung, also eine Aufwertung von Stadtteilen mit veränderten Bewohnerstrukturen und steigenden Mieten, ein. Die Armutsquote wird mit 29 % angegeben; 2023 war in Neukölln der erste und damals einzige Armutsbeauftragte Deutschlands tätig.

Die Schuleingangsuntersuchungen von 2010 zeigten gesundheitliche und entwicklungsbezogene Belastungen: Jedes sechste Kind war übergewichtig, jedes fünfte hatte Karies und wuchs in einem Raucher-Haushalt auf, zwei Drittel waren in ihrer Entwicklung auffällig. Ein Viertel hatte Vorsorgeuntersuchungen nur unvollständig besucht. 2010 startete die Neuköllner Präventionskette als kommunale integrierte Strategie der Gesundheitsförderung; seit dem Gesundheitsbericht 2016 zeichnete sich eine Verbesserung ab.

Neukölln ist ein bedeutender Industrie- und Gewerbestandort. 2020 gab es mehr als 12.000 Betriebe mit über 60.000 sozialversicherungspflichtigen Arbeitsplätzen. Hinzu kamen ein wachsender Dienstleistungssektor, Gastronomie sowie Kultur- und Kreativwirtschaft. Das Estrel-Hotel ist mit 1125 Zimmern Deutschlands größtes und umsatzstärkstes Hotel (2025); der Estrel Tower ist mit 176 Metern Berlins höchstes Haus. Biotronik stellt medizintechnische Produkte her und erzielte 2023 rund 400 Millionen Euro Umsatz. ASML betreibt in Neukölln einen Produktions-, Forschungs- und Entwicklungsstandort mit über 1.500 Beschäftigten.

Verkehr, Verwaltung und Politik

Durch Neukölln verlaufen die Autobahnen A 100 und A 113. 2025 wurde die A 100 in Richtung Treptow-Köpenick verlängert; der 16. Bauabschnitt führt entlang der Ringbahn zwischen den Anschlussstellen Neukölln und Am Treptower Park. Geplant ist außerdem die Radschnellverbindung Y-Trasse. Zum öffentlichen Personennahverkehr gehören die Berliner Ringbahn, die Bahnstrecke Berlin-Neukölln–Berlin-Baumschulenweg sowie die S-Bahn-Linien S41, S42, S45, S46 und S47 und die U-Bahn-Linien U7 und U8. Schiffsverkehr ist auf Landwehrkanal, Neuköllner Schifffahrtskanal und Teltowkanal möglich. Der Flughafen Berlin Brandenburg liegt in der angrenzenden Gemeinde Schönefeld; Rudow ist etwa zwei Kilometer Luftlinie von den Terminals entfernt.

Bei der Wahl zur Bezirksverordnetenversammlung am 12. Februar 2023 lag die Wahlbeteiligung bei 52,2 %. Die Stimmenanteile betrugen CDU 27,2 %, SPD 24,1 %, Grüne 17,1 %, Linke 14,4 %, AfD 7,5 %, Tierschutz 2,7 %, FDP 2,6 %, PARTEI 1,7 % und Sonstige 2,7 %. Die BVV hatte 55 Sitze: CDU 17, SPD 15, Grüne 10, Linke 9, AfD 3 und Sonstige 1. Im Jahr 2024 trat ein AfD-Bezirksverordneter aus seiner Fraktion aus.

Das Bezirksamt bestand 2026 aus Bezirksbürgermeister Martin Hikel (SPD), dem stellvertretenden Bezirksbürgermeister Gerrit Kringel (CDU) sowie Bezirksstadträten von CDU, SPD, Bündnis 90/Die Grünen und Die Linke. Die Geschäftsbereiche umfassten unter anderem Bürgerdienste, Ordnung, Soziales und Gesundheit, Bildung, Kultur und Sport, Stadtentwicklung, Umwelt und Verkehr sowie Jugend. Bei der Abgeordnetenhauswahl 2023 waren in drei Wahlkreisen im Norden die Grünen und in drei Wahlkreisen im Süden CDU beziehungsweise ein SPD-Direktkandidat besonders stark. Für Bundestagswahlen bildet Neukölln den Wahlkreis 81 Berlin-Neukölln; seit 2025 ist Ferat Koçak (Die Linke) direkt gewählter Wahlkreisabgeordneter.

Das Wappen enthält einen silbernen Abendmahlskelch, einen roten brandenburgischen Adler und ein silbernes Johanniterkreuz. Der Kelch erinnert an die böhmischen Exulanten, der Adler an die Mark Brandenburg und das Kreuz an den Johanniterorden. Die dreitürmige Mauerkrone mit Berliner Wappenschild wurde am 1. Januar 2001 im Zuge der Bezirksreform ergänzt. Städtepartnerschaften bestehen unter anderem mit Anderlecht, Boulogne-Billancourt, Zaanstad, Hammersmith and Fulham, Bat Jam, Marino, Ústí nad Orlicí, Puschkin, Prag 5 und Izmir-Çiğli sowie mit Wetzlar, Köln und Leonberg. Für Polizei und Feuerwehr sind die Direktionen 5 und teilweise 4 der Polizei Berlin, die Bundespolizeiinspektion Berlin-Ostbahnhof und der Einsatzbereich 5 der Berliner Feuerwehr zuständig.

Bildung, Kultur und Sport

Zum Bildungsangebot gehören unter anderem das Albert-Einstein-Gymnasium, das Ernst-Abbe-Gymnasium, das Albrecht Dürer Gymnasium, das Albert-Schweitzer Gymnasium, das Leonardo-da-Vinci-Gymnasium, die Gemeinschaftsschule auf dem Campus Rütli und die Fritz-Karsen-Schule. Die Bezirkszentralbibliothek ist die Helene-Nathan-Bibliothek. Hochschul- und Ausbildungsangebote bieten die CODE University of Applied Sciences, die Berlin School of Business and Innovation, die SRH University Berlin und die Filmarche. Als Forschungseinrichtung wird das Institut für Ludologie genannt.

Wichtige Kulturorte und Veranstaltungen sind die Neuköllner Maientage, die Neue Welt, die Neuköllner Oper, die Galerie im Körnerpark, die Galerie im Saalbau, das Museum im Böhmischen Dorf, das Museum Neukölln, das Ramones Museum und das Kindl-Zentrum für zeitgenössische Kunst. Zu den bedeutenden Bauwerken zählen Schloss Britz, Böhmisch-Rixdorf, die Britzer Mühle, der Comenius-Garten und die Schmiede am Richardplatz. Theater- und Kinostandorte sind unter anderem Saalbau Neukölln, Theater im Keller, Cineplex Neukölln Arcaden und IL-Kino.

Das Festival 48 Stunden Neukölln ist ein spartenübergreifendes Kunstfestival der freien Berliner Kunstszene. Es umfasst unter anderem Performance, Malerei, Fotografie, Skulptur, Installationen, Tanz, Theater und Musik. Neukölln ist außerdem Gegenstand verschiedener Musikstücke, Filme und Serien, darunter 4 Blocks und Sonne und Beton.

Zu den wichtigsten Grünanlagen gehören Britzer Garten, Carl-Weder-Park, Gutspark Britz, Körnerpark, Lessinghöhe, Rudower Fließ, Schulenburgpark und Volkspark Hasenheide. Sportlich bekannt sind das neoklassizistische Stadtbad Neukölln, der TuS Neukölln 1865, die Tanzformation Dance Deluxe des TSV Rudow, die SG Neukölln Berlin im Schwimmsport und die Boxabteilung der Neuköllner Sportfreunde. Tasmania Berlin ist der einzige Neuköllner Fußballverein, der bisher in der Bundesliga spielte; seit dem Aufstieg 2018/2019 tritt der Verein in der fünftklassigen Oberliga Nordost an. Der TSV Rudow spielt in der sechstklassigen Berlin-Liga. Die Turngemeinde in Berlin (TiB) ist der älteste noch existierende Sportverein Berlins.

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