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Bezirk Altona

Der Bezirk Altona ist der westlichste der sieben Bezirke der Freien und Hansestadt Hamburg. Er ist großenteils identisch mit der bis 1938 selbständigen …

Inhalt6 Abschnitte
  1. 1. Überblick und räumliche Gliederung
  2. 2. Von der Siedlung zur bedeutenden Stadt
  3. 3. Industrialisierung, Wachstum und Eingemeindungen
  4. 4. Weimarer Republik, NS-Zeit und Wiederaufbau
  5. 5. Politik und Wappen
  6. 6. Kultur, Grünflächen und Infrastruktur

Überblick und räumliche Gliederung

Altona ist der westlichste der sieben Bezirke der Freien und Hansestadt Hamburg. Große Teile entsprechen der bis 1938 selbständigen Stadt Altona; Eidelstedt und Stellingen-Langenfelde gehören heute jedoch zum Bezirk Eimsbüttel, außerdem wurde die Grenze zu St. Pauli verändert. Der Bezirk umfasst 77,4 km² und hatte am 31. Dezember 2024 281.136 Einwohner, entsprechend 3.632 Einwohnern je km².

Im Süden und Osten grenzt Altona an Hamburg-Mitte, im Nordosten an Eimsbüttel und im Norden und Westen an Schleswig-Holstein. Im Südwesten bildet die Elbmitte einschließlich der unbewohnten Insel Neßsand die Grenze zu Niedersachsen.

Die 14 Stadtteile lassen sich nach Bebauung und Bevölkerungsdichte in drei Gruppen einteilen: Die östlichen, dicht bebauten Stadtteile Altona-Altstadt, Altona-Nord, Ottensen und Sternschanze bilden im Wesentlichen den alten Stadtkern und erreichen 10.500 bis 13.000 Einwohner je km². Die nördlichen Stadtteile Bahrenfeld, Groß Flottbek, Iserbrook, Lurup und Osdorf weisen gemischte Bebauung und 2.800 bis 5.800 Einwohner je km² auf. Die westlichen Elbvororte Blankenese, Nienstedten, Othmarschen und Rissen sowie das teilweise ländliche Sülldorf sind mit Einzelhäusern und Villen geprägt und erreichen 980 bis 2.700 Einwohner je km².

Die Landschaft besteht aus drei ungefähr 15 km langen, parallel zur Elbe verlaufenden Streifen: dem schmalen, nicht eingedeichten Elbstrand, dem eiszeitlich geformten Hochufer und der landeinwärts gelegenen flachen Geest. Das Hochufer erreicht in Blankenese bei Falkenstein, Bismarckstein und Süllberg etwa 90 m. Die Geest wird im Nordwesten teilweise landwirtschaftlich genutzt; mit dem Klövensteen besitzt sie auch ein größeres Waldgebiet.

Von der Siedlung zur bedeutenden Stadt

Altona wurde 1537 erstmals urkundlich erwähnt, damals als „Altena“ und als Krugwirtschaft des Fischers Joachim vom Lohe. Um den Krug entwickelte sich eine Fischer- und Handwerkersiedlung, die von den Grafen von Holstein-Pinneberg gefördert wurde. Die Vermutung, der Name bedeute aus Hamburger Sicht „all to nah“, ist nur eine mögliche Erklärung.

Zwischen Hamburg und Altona entstanden früh Konflikte über Grenzen, Weiderechte, Münzen, Zünfte, Religion und die Elbnutzung. Ein 1591 ausgebrochener Grenzstreit endete erst 1740 durch einen Vergleich. Gleichzeitig zeichnete sich Altona durch größere religiöse Toleranz als Hamburg aus: Reformierte und Mennoniten erhielten 1601 freie Religionsausübung, die katholische Gemeinde 1658 Glaubensfreiheit. Auch Juden, Hugenotten, unzünftige Handwerker und andere andernorts benachteiligte Gruppen fanden Aufnahme. Diese Offenheit förderte Wirtschaft und Kultur, darunter Altonas Entwicklung zu einem wichtigen Pressestandort.

Nach dem Übergang an den dänischen König 1640 blieb Altona bis 1806 Teil des Heiligen Römischen Reiches und ab 1815 des Deutschen Bundes, wurde aber bis 1864 dänisch verwaltet. König Friedrich III. verlieh Altona am 23. August 1664 Stadtrechte mit Zoll-, Stapel- und Gewerbefreiheiten sowie eigener Gerichtshoheit. Das Christianeum geht auf eine 1683 gegründete Lateinschule zurück.

Im Januar 1713 ließ der schwedische General Stenbock während des Großen Nordischen Krieges etwa 60 % der Gebäude niederbrennen. Unter Oberpräsident Christian Detlev von Reventlow wurde die Stadt wiederaufgebaut. Die Zeit bis zur Kontinentalsperre von 1807 gilt als Altonas „goldene Epoche“. Die Bevölkerung stieg von rund 12.000 im Jahr 1710 auf rund 24.000 im Jahr 1803; damit war Altona nach Kopenhagen die zweitgrößte Stadt des dänischen Gesamtstaates. Im 18. Jahrhundert wurde die Stadt zu einem norddeutschen Zentrum der Aufklärung. Bedeutende Bauten dieser Zeit sind die Palmaille und die 1742/43 errichtete Hauptkirche St. Trinitatis.

Industrialisierung, Wachstum und Eingemeindungen

Die Napoleonische Kontinentalsperre beendete Altonas wirtschaftliche Blüte zunächst abrupt, weil die Elbblockade Handel, Schifffahrt und Exportgewerbe schwer traf. Im weiteren 19. Jahrhundert wuchs die Stadt jedoch durch Hafen, Industrie und Eisenbahn erneut. Seit 1664 besaß Altona den ersten Freihafen Nordeuropas. Bürgermeister Carl Heinrich Behn plante eine Norderweiterung, während die 1833 eröffnete Altona-Kieler Chaussee und eine Pferdeomnibuslinie nach Hamburg ab 1839 die Verkehrsverbindungen verbesserten.

1844 nahm die Eisenbahn zwischen Altona und Kiel den Betrieb auf. Es folgten 1866 die Hamburg-Altonaer Verbindungsbahn und 1867 die Strecke nach Blankenese. Hafen und Bahnhof wurden zunächst über eine „Schiefe Ebene“, ab 1876 über die Hafenbahn mit dem sogenannten Schellfischtunnel verbunden. Der 1895 weiter nördlich eröffnete Hauptbahnhof ermöglichte neue Verkehrsflächen und Straßenverbindungen. Das frühere Empfangsgebäude wurde ab 1898 als Rathaus genutzt; auf dem ehemaligen Bahngelände entstand der heutige Platz der Republik.

Nach dem Deutsch-Dänischen Krieg von 1864 wurde Holstein zunächst von Preußen und Österreich verwaltet. 1867 kam Schleswig-Holstein als preußische Provinz zu Preußen und 1871 zum Deutschen Reich. Besonders Ottensen entwickelte sich zu einem Industriezentrum mit Glashütten, Tabak-, Metall-, Maschinenbau-, Lebensmittel- und Fischverarbeitungsbetrieben. 1913 war Altona Deutschlands größter Anlandeplatz und Industriestandort für Fisch.

Industrialisierung, Zuwanderung und Eingemeindungen ließen die Bevölkerung stark wachsen: von 40.626 Einwohnern 1855 über 84.097 im Jahr 1875 auf 143.249 im Jahr 1890. Ottensen und Neumühlen wurden 1889 eingegliedert, Bahrenfeld, Oevelgönne und Othmarschen 1890. Im Jahr 1927 folgten unter anderem Blankenese, Groß und Klein Flottbek, Nienstedten, Rissen, Osdorf, Iserbrook, Sülldorf, Lurup, Eidelstedt und Stellingen-Langenfelde. Dadurch verdoppelte sich die Stadtfläche. Mit 241.970 Einwohnern im Jahr 1933 war Altona eine Großstadt. Durch das Groß-Hamburg-Gesetz kam sie am 1. April 1937 zum Land Hamburg und wurde am 1. April 1938 in die Hansestadt Hamburg eingemeindet.

Weimarer Republik, NS-Zeit und Wiederaufbau

In den 1920er Jahren wurde Altona unter Oberbürgermeister Max Brauer und Bausenator Gustav Oelsner umfassend modernisiert. Die Stadt gründete 1922 die Siedlungs-Aktiengesellschaft Altona (SAGA), plante neue Wohngebiete und Grüngürtel und betrieb wichtige Versorgungsunternehmen selbst. Der Altonaer Volkspark, ursprünglich 125 ha groß, wurde zu einem bedeutenden Erholungsgebiet. 1925 entstand die Verkehrs-Aktiengesellschaft Altona; im selben Jahr begann zwischen Altona und Dresden Europas erste regelmäßige Wasserfluglinie.

Der „Altonaer Blutsonntag“ vom 17. Juli 1932 entstand bei einem SA-Propagandamarsch durch Altona-Altstadt. Er führte zum sogenannten Preußenschlag, der staatsstreichartigen Absetzung der preußischen Regierung unter Otto Braun durch Reichskanzler Franz von Papen. Nach der nationalsozialistischen Machtübernahme wurden Karl Wolff, Bruno Tesch, August Lütgens und Walter Möller wegen angeblicher Taten während des Blutsonntags zum Tode verurteilt und 1933 hingerichtet; die Urteile wurden 1992 aufgehoben. Im Januar 1933 verlasen 21 Pastoren das Altonaer Bekenntnis, ein wichtiges Dokument des kirchlichen Widerstands und eine Gründungsurkunde der Bekennenden Kirche.

Die NS-Herrschaft verfolgte politische Gegner und vernichtete das jüdische Leben. Mitte der 1920er Jahre lebten rund 2.400 Menschen jüdischen Glaubens in Altona, etwa 1,3 % der Bevölkerung. Während der „Polenaktion“ wurden am 28. Oktober 1938 mehr als 800 Juden vom Altonaer Bahnhof nach Polen deportiert. Mehrere Denkmäler erinnern heute an die Opfer.

Bei der „Operation Gomorrha“ im Juli 1943 zerstörten alliierte Luftangriffe große Teile der dicht besiedelten Altstadt, das historische Zentrum, den Fischmarkt und die Hauptkirche St. Trinitatis. Nach 1945 entstanden neue Straßen, Freiflächen, Hochhäuser und Wohnblöcke, um den Wohnungsmangel zu lindern. Die großflächige Sanierung beseitigte weitere historische Bausubstanz; besonders umstritten war der Abriss des Backstein-Hauptbahnhofs in den 1970er Jahren. Andere Projekte, darunter ein Autobahnzubringer durch Ottensen, wurden verhindert. St. Trinitatis wurde in einer Verbindung aus historischer Außenform und moderner Innenausstattung wiederaufgebaut und erhielt 1970 den Hamburger Architekturpreis.

Seit den 1990er Jahren wandelten sich ehemalige Industrieflächen am Elbufer zu Büro-, Gastronomie- und Freizeitstandorten. Dieser Übergang von Industrie zu Dienstleistungen prägte auch Ottensen und Bahrenfeld. Zugleich blieb Altona sozial sehr unterschiedlich: Wohlhabende Elbvororte stehen einkommensschwächeren innerstädtischen Quartieren gegenüber.

Politik und Wappen

Altona wird durch eine Bezirksversammlung politisch vertreten. Bei der Bezirkswahl 2024 betrug die Wahlbeteiligung 68,1 %. Von insgesamt 51 Sitzen erhielten die Grünen 14, die SPD 11, die CDU 9, die Linke 7, die FDP 4 sowie Volt und AfD jeweils 3. Bezirksamtsleiter ist Sebastian Kloth. Für die Wahl zur Hamburgischen Bürgerschaft ist der Bezirk in die Wahlkreise Altona und Blankenese geteilt.

Das Wappen zeigt in Rot über einem blauen Schildfuß ein silbernes, schwarz gefugtes Stadttor mit geöffneten Torflügeln und drei sechseckigen Spitztürmen; der mittlere Turm ist etwas höher. Rot und Silber stehen für Holstein, Blau für die Elbe. Entgegen einer verbreiteten Deutung symbolisierte das offene Tor ursprünglich nicht Weltoffenheit und Toleranz, sondern die Hoheit des Landesherrn und dessen Recht auf jederzeitigen Zutritt. Das historische Wappen wurde zuletzt 1904 vom preußischen König genehmigt. Der Bezirk verwendet heute eine abgeleitete Form mit Fallgatter und ovalem Schild.

Kultur, Grünflächen und Infrastruktur

Zu den bekanntesten Orten gehören der Altonaer Fischmarkt mit der restaurierten Fischauktionshalle, der Elbuferabschnitt bis Övelgönne und der Elbuferwanderweg Richtung Blankenese und Wedel. Die 1887 eröffnete Köhlbrandtreppe verband einst die Wohnviertel der Oberstadt mit Hafenbetrieben und Fähranlegern. Am Rathaus beginnt die Elbchaussee; daneben bietet der Altonaer Balkon einen weiten Blick über den Hafen. Der Museumshafen Oevelgönne bewahrt historische Schiffe.

Der 1900 eingeweihte Stuhlmannbrunnen zeigt zwei Zentauren im Kampf um einen Fisch und versinnbildlicht die Konkurrenz zwischen Altona und Hamburg. Weitere bedeutende Bauten sind die neugotische St.-Petri-Kirche sowie Wohnhäuser von Christian Frederik Hansen und die Wohn- und Zweckbauten Gustav Oelsners. Zu den wichtigen Grün- und Schutzgebieten zählen der Altonaer Volkspark, der Jenischpark mit dem Naturschutzgebiet Flottbektal, der Loki-Schmidt-Garten, die Elbhangparks sowie Schnaakenmoor und Wittenbergen.

Regelmäßige Großveranstaltungen sind das zweiwöchige Kulturfest altonale im Juni, die Cyclassics im August und der Hamburg-Marathon im April. Theater und Kulturorte umfassen unter anderem das Altonaer Theater, das Allee-Theater, die Neue Flora, das monsun theater, Thalia in der Gaußstraße und die Fabrik.

Der Bahnhof Hamburg-Altona war jahrzehntelang ein wichtiger Knoten des deutschen Fernverkehrs und Ausgangs- oder Endpunkt zahlreicher Verbindungen nach Süden und Skandinavien. Durch den Bezirk führen die Autobahn A 7, die Bundesstraße B 4 in Nord-Süd-Richtung und die B 431 in Ost-West-Richtung. S-Bahn, zahlreiche Buslinien und Elbfähren erschließen den Bezirk; Fähren legen unter anderem am Fischmarkt, am Dockland, in Neumühlen/Övelgönne, Teufelsbrück und Blankenese an. Mehrere Fernradwege durchqueren Altona, darunter der Elberadweg, der Nordseeküstenradweg und Hamburg–Bremen. Seit 2018 gilt auf Abschnitten der Max-Brauer-Allee und der Stresemannstraße ein Dieselfahrverbot für Fahrzeuge mit den Abgasnormen fünf und schlechter.

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