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Bernoullische Ungleichung

In der Mathematik versteht man unter der bernoullischen Ungleichung eine einfache, aber wichtige Ungleichung, mit der sich eine Potenzfunktion nach unten …

Inhalt5 Abschnitte
  1. 1. Kernaussage
  2. 2. Beweis durch Induktion
  3. 3. Verallgemeinerungen
  4. 4. Grenzwerte und Exponentialfunktion
  5. 5. Abschätzen von Potenzen

Kernaussage

Die bernoullische Ungleichung ist eine wichtige Abschätzung für Potenzen: Sie ersetzt die Potenzfunktion von unten durch eine einfache lineare Funktion. Für jede reelle Zahl x ≥ −1 und jede ganze Zahl n ≥ 0 gilt

(1+x)^n ≥ 1+nx.

Anschaulich liegt der Graph von f(x)=(1+x)^n für x ≥ −1 oberhalb oder auf dem Graphen von g(x)=1+n·x. Die Ungleichung ist nach Jakob I Bernoulli benannt.

Beweis durch Induktion

Vollständige Induktion zeigt die Aussage für alle n ∈ ℕ₀. Beim Induktionsanfang n=0 gilt

(1+x)^0=1 ≥ 1=1+0x.

Als Induktionsvoraussetzung nehme man (1+x)^n ≥ 1+nx an. Da x ≥ −1 und damit 1+x ≥ 0 ist, darf mit 1+x multipliziert werden:

(1+x)^(n+1)=(1+x)^n(1+x) ≥ (1+nx)(1+x) =1+x+nx+nx² ≥ 1+x+nx=1+(n+1)x.

Damit folgt die Ungleichung für alle n ∈ ℕ₀. Für x ≥ 0 ergibt sich sie auch aus dem binomischen Lehrsatz: In (1+x)^n=1+nx+ n(n−1)/2·x²+… sind alle weiteren Terme nicht negativ.

Verallgemeinerungen

Für x>−1, x≠0 und natürliche Zahlen n ≥ 2 gilt die strikte Form

(1+x)^n > 1+nx.

Für reelle Exponenten r gilt bei x>−1:

(1+x)^r ≥ 1+rx, wenn r ≥ 1 oder r ≤ 0; (1+x)^r ≤ 1+rx, wenn 0 ≤ r ≤ 1.

Bei unterschiedlichen Faktoren gilt

∏ᵢ₌₁ⁿ(1+xᵢ) > 1+∑ᵢ₌₁ⁿxᵢ,

falls für alle i entweder −1<xᵢ<0 gilt oder xᵢ>0 gilt und n ≥ 2. Mit uᵢ:=−xᵢ und 0 ≤ uᵢ ≤ 1 erhält man die Weierstraß-Produkt-Ungleichung

∏ᵢ₌₁ⁿ(1−uᵢ) ≥ 1−∑ᵢ₌₁ⁿuᵢ.

Grenzwerte und Exponentialfunktion

Für a ≥ 1 lässt sich zeigen:

limₙ→∞ ⁿ√a=1.

Dazu wird ⁿ√a=1+xₙ mit xₙ ≥ 0 gesetzt. Aus a=(1+xₙ)^n ≥ 1+nxₙ folgt

(a−1)/n ≥ xₙ ≥ 0.

Weil (a−1)/n gegen 0 geht, gilt auch xₙ→0 und daher ⁿ√a→1.

Für festes x ∈ ℝ ist x/n für hinreichend großes n mindestens −1. Daher gilt

(1+x/n)^n ≥ 1+x.

Mit e^x=limₙ→∞(1+x/n)^n folgt die wichtige Abschätzung

1+x ≤ e^x für alle x ∈ ℝ.

Abschätzen von Potenzen

Die Ungleichung hilft beim Nachweis, dass q^n gegen 0 konvergiert, wenn 0<q<1. Für ein vorgegebenes ε>0 soll ein N ∈ ℕ mit q^N<ε gefunden werden. Äquivalent dazu ist

(1/q)^N > 1/ε.

Setzt man 1+x=1/q, dann ist x>0 und die Bernoulli-Ungleichung liefert

(1/q)^N=(1+x)^N ≥ 1+N·x.

Es genügt also, N so zu wählen, dass 1+N·x>1/ε. Die Existenz eines solchen N folgt aus dem archimedischen Axiom. So wird kein Logarithmus benötigt. Außerdem kann mit einer Abschätzung durch die Bernoulli-Ungleichung die Ungleichung vom arithmetischen und geometrischen Mittel per vollständiger Induktion bewiesen werden; beide Ungleichungen sind äquivalent.

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