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Binomischer Lehrsatz

Der binomische Lehrsatz ist ein Satz der Mathematik, der es in seiner einfachsten Form ermöglicht, die Potenzen. ( x + y ) n , n ∈ N {\displaystyle …

Inhalt5 Abschnitte
  1. 1. Grundform des binomischen Lehrsatzes
  2. 2. Binomialkoeffizienten und Gültigkeit
  3. 3. Typische Entwicklungen
  4. 4. Binomische Reihe
  5. 5. Anwendungen in Trigonometrie und Analysis

Grundform des binomischen Lehrsatzes

Der binomische Lehrsatz beschreibt, wie sich die Potenz (x+y)ⁿ als Polynom n-ten Grades in den Variablen x und y darstellen lässt. Für alle Elemente x und y eines kommutativen unitären Rings und alle natürlichen Zahlen n ∈ ℕ₀ gilt:

(x+y)ⁿ = ∑ₖ₌₀ⁿ (n über k) xⁿ⁻ᵏ yᵏ.

Insbesondere gilt die Formel für reelle oder komplexe Zahlen x und y; dabei wird 0⁰ = 1 vereinbart. Jeder Summand besteht aus einem Binomialkoeffizienten, einer Potenz von x und einer Potenz von y. Die Exponenten von x und y addieren sich stets zu n.

Binomialkoeffizienten und Gültigkeit

Die Koeffizienten der Entwicklung heißen Binomialkoeffizienten. Sie werden definiert durch

(n über k) = n·(n−1)·…·(n−k+1) / (1·2·…·k) = n! / ((n−k)!·k!).

Dabei bezeichnet n! = 1·2·…·n die Fakultät von n. Die Ausdrücke (n über k)xⁿ⁻ᵏyᵏ sind als Skalarmultiplikation der ganzen Zahl (n über k) mit dem Ringelement xⁿ⁻ᵏyᵏ aufzufassen; der Ring wird dabei als ℤ-Modul verwendet.

Der Lehrsatz gilt auch in beliebigen unitären Ringen, wenn x und y miteinander kommutieren, also x·y = y·x. Die Existenz einer Eins im Ring ist nicht erforderlich, wenn man die Formel als

(x+y)ⁿ = xⁿ + (∑ₖ₌₁ⁿ⁻¹ (n über k)xⁿ⁻ᵏyᵏ) + yⁿ

schreibt. Für mehr als zwei Summanden wird das Multinomialtheorem verwendet. Ein Beweis ist durch vollständige Induktion möglich. Außerdem liefert die kombinatorische Bedeutung der Binomialkoeffizienten einen Abzählbeweis; für ein konkretes n kann die Formel durch Ausmultiplizieren überprüft werden. Für n = 2 erhält man die erste binomische Formel.

Typische Entwicklungen

Für die ersten Exponenten ergeben sich:

(x+y)⁰ = 1

(x+y)¹ = x+y

(x+y)² = x²+2xy+y²

(x+y)³ = x³+3x²y+3xy²+y³

(x+y)⁴ = x⁴+4x³y+6x²y²+4xy³+y⁴

Setzt man −y anstelle von y ein, erhält man beispielsweise

(x−y)³ = x³−3x²y+3xy²−y³.

Bei komplexen Zahlen kann die Entwicklung von (a+ib)ⁿ nach geraden und ungeraden Potenzen von i getrennt werden. Mit i als imaginärer Einheit gilt:

(a+ib)ⁿ = ∑ₖ₌₀ⁿ (n über k)aⁿ⁻ᵏbᵏiᵏ = ∑ₖ gerade (n über k)(−1)ᵏᐟ²aⁿ⁻ᵏbᵏ + i∑ₖ ungerade (n über k)(−1)⁽ᵏ⁻¹⁾ᐟ²aⁿ⁻ᵏbᵏ.

Der erste Summand liefert den Realteil, der zweite den Imaginärteil.

Binomische Reihe

Der binomische Lehrsatz kann auf beliebige reelle oder komplexe Exponenten α erweitert werden. Mit verallgemeinerten Binomialkoeffizienten gilt:

(x+y)ᵅ = xᵅ(1+y/x)ᵅ = xᵅ∑ₖ₌₀∞ (α über k)(y/x)ᵏ = ∑ₖ₌₀∞ (α über k)xᵅ⁻ᵏyᵏ.

Diese unendliche Reihe heißt binomische Reihe. Sie konvergiert für x,y ∈ ℝ mit x > 0 und |y/x| < 1. Ist α ∈ ℕ, geht die Reihe in den binomischen Lehrsatz für natürliche Exponenten über. In diesem Fall bricht sie nach endlich vielen Gliedern ab und gilt deshalb für alle x,y ∈ ℂ.

Anwendungen in Trigonometrie und Analysis

Zusammen mit dem Satz von de Moivre liefert der binomische Lehrsatz Mehrwinkelformeln für Sinus und Kosinus. Der Satz von de Moivre lautet:

cos(nx)+i sin(nx) = (cos x+i sin x)ⁿ.

Durch die binomische Entwicklung und die Trennung von Realteil und Imaginärteil erhält man Formeln für cos(nx) und sin(nx). Für n = 2 gilt:

(cos x+i sin x)² = (cos²x−sin²x)+i(2cos x sin x),

also

cos(2x) = cos²x−sin²x,

sin(2x) = 2cos x sin x.

Allgemein gilt:

cos(nx) = ∑ₖ gerade (−1)ᵏᐟ²(n über k)cosⁿ⁻ᵏx sinᵏx,

sin(nx) = ∑ₖ ungerade (−1)⁽ᵏ⁻¹⁾ᐟ²(n über k)cosⁿ⁻ᵏx sinᵏx.

Eine weitere Anwendung betrifft die Zahl e. Sie kann als Grenzwert definiert werden:

e = limₙ→∞ (1+1/n)ⁿ.

Die binomische Entwicklung führt auf den k-ten Summanden

(n über k)·1/nᵏ = 1/k! · n(n−1)(n−2)·…·(n−k+1)/nᵏ.

Für n gegen unendlich nähert sich der rationale Faktor 1. Daher gilt

limₙ→∞ (n über k)·1/nᵏ = 1/k!

und damit

e = ∑ₖ₌₀∞ 1/k! = 1/0! + 1/1! + 1/2! + 1/3! + … .

Da jeder Ausdruck der Binomialentwicklung eine monoton wachsende Funktion von n ist, folgt aus dem Satz der monotonen Konvergenz für Reihen, dass die Summe dieser unendlichen Reihe gleich e ist.

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