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Bernhard Schlink
Bernhard Schlink (* 6. Juli 1944 in Großdornberg, heute Bielefeld) ist ein deutscher Jurist, emeritierter Hochschullehrer und Schriftsteller.
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Kernprofil
Bernhard Schlink, geboren am 6. Juli 1944 in Großdornberg, heute Bielefeld, ist ein deutscher Jurist, emeritierter Hochschullehrer und Schriftsteller. Besonders bekannt wurde er durch seinen Roman Der Vorleser, der ein internationaler Bestseller wurde und häufig im Schulunterricht gelesen wird.
Schlink wuchs nach einem Umzug der Familie in Heidelberg auf und besuchte dort das Kurfürst-Friedrich-Gymnasium. Sein Vater Edmund Schlink war Theologieprofessor, seine Mutter Irmgard Oswald war ebenfalls Theologin. Schlink pendelt zwischen Wohnsitzen in New York und Berlin, hat eine US-amerikanische Lebensgefährtin und einen erwachsenen Sohn aus geschiedener Ehe. Er ist Mitglied der SPD.
Juristische Laufbahn
Schlink studierte Jura an der Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg und an der Freien Universität Berlin. Er arbeitete als wissenschaftlicher Assistent an mehreren Universitäten, unter anderem in Heidelberg in einer Arbeitsgruppe zu Recht und Mathematik. Dort und bei Forschungsaufenthalten in den USA beschäftigte er sich mit künstlicher Intelligenz im Recht, unter anderem an der Stanford University und am MIT.
1975 wurde er in Heidelberg zum Dr. jur. promoviert. Seine Dissertation trug den Titel Abwägung im Verfassungsrecht und erschien 1976. 1981 habilitierte er sich in Freiburg im Breisgau mit einer Arbeit über Die Amtshilfe. Ein Beitrag zu einer Lehre von der Gewaltenteilung in der Verwaltung, die 1982 erschien.
Von 1982 bis 1991 war Schlink Professor für Öffentliches Recht an der Universität Bonn. Danach lehrte er 1991 bis 1992 an der Universität Frankfurt am Main Öffentliches Recht, Sozialrecht und Rechtsphilosophie. 1990 kam er als Gastprofessor und 1992 als Professor für Öffentliches Recht und Rechtsphilosophie an die Humboldt-Universität zu Berlin. Von 1994 bis 2013 lehrte er außerdem an der Benjamin N. Cardozo School of Law in New York vergleichendes Verfassungsrecht, europäisches Recht und Recht und Literatur. 2009 wurde er emeritiert; sein Nachfolger wurde Christoph Möllers.
Von 1988 bis 2006 war Schlink Richter am Verfassungsgerichtshof für das Land Nordrhein-Westfalen in Münster. Außerdem beriet er 1990 die Arbeitsgruppe des Runden Tisches Neue Verfassung der DDR. Als Verfahrensbevollmächtigter und Gutachter war er vor dem Bundesverfassungsgericht und vor Verfassungsgerichten der Länder tätig, etwa in Verfahren zur nordrhein-westfälischen Gemeinschaftsschule, zur ersten gesamtdeutschen Bundestagswahl, zum Schwangerschaftsabbruch und 2005 zur Auflösung des Bundestags durch Bundespräsident Köhler.
Literarisches Werk
Schlinks schriftstellerische Arbeit begann im Bereich des Kriminalromans. 1987 schrieb er zusammen mit Walter Popp Selbs Justiz. Die Hauptfigur ist der 68-jährige Privatdetektiv Gerhard Selb, dessen Ermittlungen ihn in seine eigene Vergangenheit als Staatsanwalt während der Zeit des Nationalsozialismus führen. Der Roman wurde 1991 unter dem Titel Der Tod kam als Freund verfilmt.
Danach veröffentlichte Schlink ohne Co-Autoren weitere Kriminalromane. Die gordische Schleife erhielt 1989 den Friedrich-Glauser-Preis. Mit Selbs Betrug, ausgezeichnet mit dem Deutschen Krimipreis, und Selbs Mord schloss er die Trilogie um Gerhard Selb ab. Die Selb-Romane verbinden Kriminalhandlung mit politischer Gegenwart und deutscher Vergangenheit. Schlink selbst sah beim Schreiben von Kriminalromanen eine Nähe zur juristischen Arbeit: Zuerst werde ein Problem entfaltet, dann gelöst.
Der 1995 erschienene Roman Der Vorleser war Schlinks erster Nichtkriminalroman und wurde sein größter internationaler Erfolg. Er behandelt den Umgang der Nachkriegsgeneration mit der Elterngeneration und deren NS-Verbrechen. Das Buch wurde in über fünfzig Sprachen übersetzt. In der amerikanischen Übersetzung erreichte erstmals ein deutsches Buch Platz 1 der Bestsellerliste der New York Times. Der Vorleser erhielt unter anderem den Hans-Fallada-Preis 1998, den italienischen Literaturpreis Grinzane Cavour 1997 und den Prix Laure Bataillon 1997. 2008 wurde der Roman von Stephen Daldry verfilmt.
Auch spätere Werke wurden Bestseller, darunter Die Heimkehr (2006), Die Frau auf der Treppe (2014), Olga (2018) und die Erzählsammlung Abschiedsfarben (2020). In Die Enkelin, erschienen im Oktober 2021, geht es unter anderem um das schwierige Verhältnis zwischen Ost- und Westdeutschland. Wiederkehrende Themen in Schlinks Büchern sind Recht und Gerechtigkeit. Besonders deutlich wird das in den Selb-Romanen und in Der Vorleser, wo gefragt wird, wie über Taten geurteilt werden kann, die unter einem anderen Rechtssystem begangen wurden. Das Buch bleibt in seiner Position offen, was auch Kritik auslöste.
Wichtige Veröffentlichungen
Zu Schlinks juristischen Lehr- und Fachbüchern gehören Grundrechte. Staatsrecht II, verfasst mit Bodo Pieroth, sowie Polizei- und Ordnungsrecht mit Versammlungsrecht, verfasst mit Bodo Pieroth und Michael Kniesel. Beide Werke wurden später von anderen Autoren fortgeführt.
Seine belletristischen Werke erschienen sämtlich im Diogenes Verlag in Zürich. Zu den wichtigsten Romanen und Erzählungen zählen Selbs Justiz (1987, mit Walter Popp), Die gordische Schleife (1988), Selbs Betrug (1992), Der Vorleser (1995), Liebesfluchten (2000), Selbs Mord (2001), Die Heimkehr (2006), Das Wochenende (2008), Sommerlügen (2010), Die Frau auf der Treppe (2014), Olga (2018), Abschiedsfarben (2020), Die Enkelin (2021) und Das späte Leben (2023).
Außerdem veröffentlichte Schlink Essays, unter anderem Heimat als Utopie (2000), Vergewisserungen – Über Politik, Recht, Schreiben und Glauben (2005), Vergangenheitsschuld. Beiträge zu einem deutschen Thema (2007), Gedanken über das Schreiben (2011), Erkundungen. Zu Geschichte, Moral, Recht und Glauben (2015) und Gerechtigkeit (2026). 2021 erschien sein Theaterstück 20. Juli: Ein Zeitstück.
Auszeichnungen und Bearbeitungen
Schlink erhielt zahlreiche Auszeichnungen. Dazu zählen der Friedrich-Glauser-Preis 1989 für Die gordische Schleife, der Deutsche Krimi Preis 1993 für Selbs Betrug, mehrere Preise für Der Vorleser, der WELT-Literaturpreis 1999 für sein literarisches Werk, das Bundesverdienstkreuz I. Klasse 2004, der Park-Kyung-ni-Literaturpreis 2014 und der Max-Friedlaender-Preis 2023.
Mehrere seiner Werke wurden für andere Medien bearbeitet. Selbs Justiz wurde 1994 als Hörspiel des Bayerischen Rundfunks produziert und 1991 unter dem Titel Der Tod kam als Freund verfilmt. Der Vorleser wurde 2008 als The Reader verfilmt. Ebenfalls 2008 entstand Der Andere nach einer Erzählung aus Liebesfluchten, und 2013 wurde Das Wochenende verfilmt. Viele seiner belletristischen Werke erschienen außerdem als Hörbücher, darunter Der Vorleser, Selbs Betrug, Die Heimkehr, Die Frau auf der Treppe, Olga, Abschiedsfarben, Die Enkelin und Das späte Leben.