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Bendlerblock
Dort befand sich das Zentrum der Widerstandsgruppe des Attentats vom 20. Juli 1944 rund um Generaloberst a. D. Ludwig Beck und Oberst i. G. Claus Schenk …
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Bedeutung und heutige Nutzung
Der Bendlerblock ist ein Gebäudekomplex im Berliner Ortsteil Tiergarten im Bezirk Mitte. Er liegt an der Stauffenbergstraße 18 (bis 1955 Bendlerstraße) und am Reichpietschufer 72–76. Seit 1914 wurde der Bau von verschiedenen militärischen Dienststellen genutzt; seit dem 2. September 1993 ist er zweiter Dienstsitz des Bundesministeriums der Verteidigung.
Besonders wichtig ist der Bendlerblock als Zentrum des militärischen Widerstands gegen den Nationalsozialismus. Während der NS-Zeit befanden sich dort unter anderem das Allgemeine Heeresamt und der Dienstsitz des Befehlshabers des Ersatzheeres im Oberkommando des Heeres. Im Ostflügel plante die Widerstandsgruppe um Ludwig Beck, Claus Schenk Graf von Stauffenberg und Friedrich Olbricht den Umsturzversuch vom 20. Juli 1944. Nach dem Scheitern des Attentats wurden mehrere Beteiligte im Innenhof erschossen. Heute erinnern dort ein Ehrenmal, Gedenktafeln und die Gedenkstätte Deutscher Widerstand an diese Ereignisse.
Der Bendlerblock wird außerdem für staatliche und militärische Zeremonien genutzt. Dort finden die meisten Großen Zapfenstreiche statt; 2025 wurde beispielsweise Olaf Scholz als Bundeskanzler mit einem Großen Zapfenstreich verabschiedet.
Entstehung und wechselnde militärische Nutzung
Die Grundstücke für den ältesten Teil gelangten im November 1909 durch einen Tausch mit der Berliner Hochbahngesellschaft in den Besitz des Fiskus. Die Hochbahngesellschaft hatte die Grundstücke ursprünglich für eine geplante, aber bis heute nicht verwirklichte Verlängerung der U-Bahn-Strecke Hauptstraße–Nollendorfplatz erworben. Im Gegenzug erhielt sie Grundstücke am Leipziger Platz, die später an den Wertheim-Konzern für den Bau des Kaufhauses Wertheim Leipziger Straße verkauft wurden.
Der älteste Gebäudeteil entstand von 1911 bis 1914 nach Plänen des Architekturbüros Reinhardt & Süßenguth. Das fünfgeschossige Gebäude verband neoklassizistische und neobarocke Stilelemente. Das Hauptgebäude am Landwehrkanal in der Königin-Augusta-Straße 38–42 war als Dienstsitz des Staatssekretärs des Reichsmarineamtes vorgesehen; bis 1916 war dies Großadmiral Alfred von Tirpitz. Die östliche Seite nutzte der Admiralstab der Kaiserlichen Marine, während im Ostflügel an der Bendlerstraße 14 das Marinekabinett untergebracht war. Dieses war Wilhelm II. als persönliches Sekretariat in Marineangelegenheiten unmittelbar unterstellt. Für den Marinestaatssekretär und den Chef des Marinekabinetts gab es Dienstwohnungen.
Nach dem Ersten Weltkrieg verlangte der Versailler Friedensvertrag von 1919 eine starke Verkleinerung der Streitkräfte und der militärischen Kommandobehörden. Reichswehr und Reichsmarine nutzten das Gebäude nun gemeinsam; die Luftstreitkräfte, einschließlich Marinefliegern und Marineluftschiffern, wurden vollständig aufgelöst. Reichswehrminister Gustav Noske bezog die frühere Dienstwohnung des Großadmirals, und General Walther Reinhardt übernahm die Räume der ehemaligen kaiserlichen Marinebehörde.
Während des Kapp-Putsches im März 1920 verweigerte Generalmajor Hans von Seeckt als Chef des Truppenamtes die Niederschlagung des Berliner Aufstands. Ihm wird die Aussage „Truppe schießt nicht auf Truppe“ zugeschrieben. Die Regierung floh daraufhin vorübergehend nach Stuttgart. Gustav Noske wurde anschließend entlassen; 1920 zog Otto Geßler als Reichswehrminister in das Gebäude ein, während von Seeckt Chef der Heeresleitung wurde.
Auf Nachbargrundstücken, die bereits 1926 erworben worden waren, entstanden bis 1938 nach Entwürfen von Wilhelm Kreis weitere An- und Neubauten. In dieser Zeit setzte sich die Bezeichnung „Bendlerblock“ durch, obwohl sie nie offiziell eingeführt wurde. Im Hauptgebäude waren Teile der Seekriegsleitung im Oberkommando der Kriegsmarine und große Teile des Amtes Ausland/Abwehr im Oberkommando der Wehrmacht unter Admiral Wilhelm Canaris untergebracht. Den Hauptteil an der Bendlerstraße nutzte das Allgemeine Heeresamt im Oberkommando des Heeres. Dort wirkten unter anderem General Friedrich Fromm und ab 1940 General Friedrich Olbricht. Außerdem befand sich dort der Dienstsitz des Oberbefehlshabers des Heeres, zunächst unter Walther von Brauchitsch; nachdem Hitler im Dezember 1941 selbst den Oberbefehl übernommen hatte, endete diese Funktion für Brauchitsch.
In den letzten Tagen der Schlacht um Berlin diente der Bendlerblock General Helmuth Weidling als Gefechtsstand. Am 2. Mai 1945 wurde er von Soldaten der Roten Armee besetzt. Nach der Beseitigung der Kriegsschäden waren dort ab den 1950er Jahren verschiedene Dienststellen und Bundesbehörden untergebracht, darunter der Bundesdisziplinarhof und das Bundesaufsichtsamt für das Kreditwesen. Nach dem Hauptstadtbeschluss des Deutschen Bundestages zur Verlegung von Bundestag und Bundesregierung nach Berlin übernahm das Verteidigungsministerium den Bendlerblock 1993 als zweiten Dienstsitz.
Der Bendlerblock als Zentrum des Widerstands
Im Amt Ausland/Abwehr, dem deutschen militärischen Auslandsgeheimdienst, entstand im Bendlerblock eine frühe militärische Widerstandszentrale. Eine Gruppe um General Hans Oster plante 1938 den Sturz des NS-Regimes. Sie wollte Hitler daran hindern, in der Sudetenkrise militärisch gegen die Tschechoslowakei vorzugehen. Nachdem die europäischen Mächte im Münchner Abkommen dem Anschluss des Sudetenlandes an das Deutsche Reich zugestimmt hatten, konnte der Plan nicht mehr ausgeführt werden. Bis zur Entmachtung der Abwehr durch die Gestapo im Jahr 1943 blieb sie eine wichtige Stelle des militärischen Widerstands.
Anfang der 1940er Jahre arbeitete im Ostflügel eine weitere Gruppe um General Friedrich Olbricht an einem Umsturzplan. Sie veränderte den Wehrmachtsplan „Walküre“ so, dass nach Hitlers Tod wichtige staatliche und militärische Funktionen sofort durch Angehörige des Widerstands besetzt werden sollten. Der Plan sollte somit nicht nur der inneren Sicherung dienen, sondern den Übergang zu einer neuen politischen Führung ermöglichen.
Claus Schenk Graf von Stauffenberg konnte als Chef des Stabes unter dem Befehlshaber des Ersatzheeres, Generaloberst Friedrich Fromm, an den Lagebesprechungen in Hitlers Führerhauptquartier Wolfsschanze teilnehmen. Am 20. Juli 1944 führte er dort das Attentat auf Hitler aus. Da er nicht wusste, dass der Anschlag gescheitert war, kehrte er nach Berlin zurück. Die Widerstandsgruppe im Bendlerblock versuchte vergeblich, den Walküre-Plan umzusetzen.
Noch in der Nacht zum 21. Juli wurden General Friedrich Olbricht, Oberst Claus von Stauffenberg, Oberst Albrecht Ritter Mertz von Quirnheim und Stauffenbergs Adjutant, Oberleutnant Werner von Haeften, auf Befehl Fromms im Innenhof erschossen. Generaloberst a. D. Ludwig Beck wurde kurz zuvor von Fromm zur Selbsttötung gezwungen. Fromm selbst wurde als Mitwisser des Umsturzplans einen Tag später verhaftet, zum Tode verurteilt und am 12. März 1945 hingerichtet.
Erinnerungsort und Gedenkstätte
Zum Gedenken an die Widerstandskämpfer des 20. Juli 1944 wurde in den 1950er Jahren im Innenhof ein Ehrenmal geschaffen. Nach der Grundsteinlegung 1952 enthüllte der Regierende Bürgermeister von Berlin, Ernst Reuter, am 20. Juli 1953 eine von Richard Scheibe geschaffene Bronzefigur. Sie zeigt einen jungen Mann mit gebundenen Händen. Eine von Edwin Redslob entworfene Inschrift erinnert an Widerstand, Opfer und die „Umkehr“ für „Freiheit, Recht und Ehre“.
1955 wurde die Bendlerstraße in Stauffenbergstraße umbenannt. Am 20. Juli 1960 wurde eine Gedenktafel mit den Namen der 1944 im Bendlerblock erschossenen Offiziere enthüllt: Ludwig Beck, Friedrich Olbricht, Claus Graf Schenk von Stauffenberg, Albrecht Ritter Mertz von Quirnheim und Werner von Haeften. Nach der Umgestaltung des Hofes durch Erich Reusch im Jahr 1980 wurde am Hofzugang eine weitere Inschrift angebracht. Sie bezeichnet den Bendlerblock als den Ort, an dem Deutsche den Versuch organisierten, am 20. Juli 1944 die nationalsozialistische Unrechtsherrschaft zu stürzen.
1968 eröffnete auf Beschluss des Berliner Senats eine erste Ausstellung über den Widerstand gegen den Nationalsozialismus. Der Historiker Peter Steinbach erweiterte sie ab 1983 im Auftrag des Regierenden Bürgermeisters Richard von Weizsäcker. Die heutige Gedenkstätte Deutscher Widerstand mit der Dauerausstellung „Widerstand gegen den Nationalsozialismus“ befindet sich in den Räumen, in denen der Umsturz geplant wurde.
Die Wahl des Bendlerblocks als zweiter Dienstsitz des Verteidigungsministeriums im Jahr 1993 wird mit seiner Bedeutung als Widerstandsort verbunden. Damit unterstreicht die Bundeswehr ihre Verpflichtung auf den militärischen Widerstand gegen das NS-Regime sowie auf rechtsstaatliche Grundsätze und die Würde des Menschen. Seit 1999 findet dort am 20. Juli ein öffentliches Gelöbnis statt. Bis 2007 wurde es jährlich im Bendlerblock abgehalten; seit 2012 wechselt der Veranstaltungsort jährlich mit dem Platz der Republik vor dem Reichstagsgebäude. Die Veranstaltung wurde wiederholt durch Gegenveranstaltungen kritisiert oder gestört.
Weitere Gedenkstätte und filmische Nutzung
Am östlichen Rand der Hildebrandstraße befindet sich auf dem Gelände des Bendlerblocks eine zentrale Gedenkstätte für die Gefallenen der Bundeswehr. Das Denkmal wurde von dem Architekten Andreas Meck entworfen und am 8. September 2009 durch Bundespräsident Horst Köhler eingeweiht.
Der Ehrenhof als Filmkulisse
Der Ehrenhof des Bendlerblocks wurde mehrfach als Drehort genutzt. Jo Baier drehte dort 2004 den Fernsehfilm „Stauffenberg“ mit Sebastian Koch. Eine Szene stellt die Erschießung der Widerstandskämpfer des 20. Juli 1944 am Originalschauplatz nach.
Im September und Oktober 2007 nutzte Bryan Singer den Ehrenhof für den Kinofilm „Operation Walküre – Das Stauffenberg-Attentat“. Die Rolle des Obersten i. G. Stauffenberg spielte Tom Cruise.