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Begrüßungsgeld
Das Begrüßungsgeld war eine Unterstützung, die in der Bundesrepublik Deutschland jedem einreisenden Bürger der Deutschen Demokratischen Republik sowie der …
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Begriff und ursprünglicher Zweck
Das Begrüßungsgeld war eine aus dem Bundeshaushalt finanzierte Unterstützung der Bundesrepublik Deutschland. Es stand jedem einreisenden Bürger der Deutschen Demokratischen Republik (DDR) zu; auch Bürger der damaligen Volksrepublik Polen konnten es erhalten, wenn sie eine deutsche Abstammung nachwiesen. Eingeführt wurde es 1970 mit 30 Deutschen Mark (DM), zunächst zweimal jährlich. Seit 1988 betrug es 100 DM, durfte dann aber nur einmal pro Person und Jahr beansprucht werden.
Anlass waren die stark begrenzten Reisemöglichkeiten aus der DDR nach dem Bau der Berliner Mauer am 13. August 1961. Besucher benötigten eine selten erteilte Ausreiseerlaubnis. Reiseerleichterungen, die sich aus den unter Willy Brandt ab 1969 geschlossenen Ostverträgen ergaben, ermöglichten besonders Rentnern Besuche in der Bundesrepublik. Sie durften jedoch nur 70 Mark der DDR mitnehmen. Das Begrüßungsgeld sollte deshalb die Einreise und den Aufenthalt im Westen erleichtern.
Bis 1984 erhielten jährlich etwa 40.000 bis 60.000 Besucher das Geld. Nach einer Ausweitung der Besuchsberechtigungen stieg die Zahl stark an und erreichte 1987 1,3 Millionen. Am 26. August 1987 beschloss die Bundesregierung die Erhöhung auf 100 DM und die Begrenzung auf eine jährliche Auszahlung. Damit sollte ausgeglichen werden, dass die DDR den für Reisende erlaubten Umtausch ab 1. Juli von 70 auf 15 Mark gesenkt hatte; diese konnten im Verhältnis 1:1 in DM getauscht werden. 1988 wurden insgesamt 260 Millionen DM ausgezahlt; derselbe Betrag war auch für 1989 vorgesehen.
Beantragung und Kontrolle
Beantragt wurde das Begrüßungsgeld in der Bundesrepublik gegen Vorlage von Personalausweis oder Reisepass bei Stadt- und Gemeindeverwaltungen. Ausgezahlt wurde es dort selbst oder bei örtlichen Banken und Sparkassen. Die Auszahlung wurde in den Ausweispapieren vermerkt, damit dieselbe Person das Geld nicht unzulässig mehrfach erhalten konnte.
Diese Kontrolle war jedoch umgehbar: Wer den Verlust eines Dokuments meldete und neue Ausweispapiere beantragte, konnte die Regelung umgehen.
Massenandrang nach der Grenzöffnung
Die Auszahlung war zunächst auf die wegen der eingeschränkten DDR-Reisefreiheit vergleichsweise kleinen Besucherzahlen ausgerichtet, wurde aber seit 1985 an die wachsende Zahl von Besuchern angepasst. Mit der Öffnung der innerdeutschen Grenze am 9. November 1989 konnten alle DDR-Bürger in die Bundesrepublik und nach West-Berlin reisen. Dadurch entstanden erhebliche logistische Probleme. Am ersten Montag nach der Maueröffnung warteten beispielsweise an Auszahlungsstellen in Berlin-Gesundbrunnen, am Moritzplatz und am Zoologischen Garten jeweils bis zu 10.000 Menschen; Verkehr, Polizei, Feuerwehr und Rettungsdienste waren betroffen.
Noch in der Nacht zum 10. November ordnete der Regierende Bürgermeister von Berlin, Walter Momper, an, dass Banken und Sparkassen das Geld auszahlen; manche Geschäftsstellen blieben dafür nachts geöffnet. Dieses Vorgehen übernahm in den folgenden Tagen die gesamte Bundesrepublik. Als Voraussetzung genügte praktisch die Vorlage eines Personalausweises oder Passes. Mehrfachauszahlungen waren nun kaum noch kontrollierbar; Einträge erfolgten im DDR-Personalausweis.
Bis zum 11. November besuchten mehr als drei Millionen DDR-Bewohner den Westen. Die DDR stellte vom 9. bis 13. November 4,5 Millionen Visa für Besuche in West-Berlin und der Bundesrepublik aus; bis zum 20. November kamen elf Millionen Besucher. Bayern zahlte zusätzlich 40 DM pro Person, ebenso leisteten einzelne Kommunen wie München Zuschläge. Dies beeinflusste das Reiseverhalten der DDR-Bürger vermutlich.
Kosten, wirtschaftlicher Nutzen und Ablösung
In den ersten drei Wochen nach dem Mauerfall zahlte die Bundesrepublik Begrüßungsgeld an 18 Millionen Besucher. Bundeskanzler Helmut Kohl nannte gegenüber US-Präsident George Bush am 3. Dezember 1989 für die Zeit seit Grenzöffnung 1,8 Milliarden DM. Andere veröffentlichte Zahlen beruhen laut Artikel meist auf Schätzungen: Für den ab 1. Januar 1990 geltenden Devisenfonds wurden 1,4 Milliarden DM genannt, die sonst 1990 als Begrüßungsgeld erwartet worden wären; Rudolf Seiters rechnete am 20. November gegenüber Egon Krenz mit 1,6 Milliarden DM. Diese Zahlen widersprechen Kohls Angabe für die ersten drei Wochen. Wegen des auch im Dezember ungebrochenen Besucherstroms geht der Artikel insgesamt von etwa drei bis vier Milliarden DM für November und Dezember 1989 aus.
Das Geld hatte für DDR-Bürger einen größeren wirtschaftlichen Wert als ein bloßes Gastgeschenk. Bis 1987 mussten auf dem freien Markt durchschnittlich 4 Mark der DDR für 1 DM gezahlt werden, 1988 bereits 10 und nach der Grenzöffnung 20. Kohl erläuterte daher, dass ein Ehepaar mit drei Kindern 500 DM erhalten konnte: Nach einem Einkauf für 200 DM und dem Rücktausch von 300 DM zum Kurs 1:20 konnte es praktisch sechs Durchschnittsgehälter in Mark der DDR mit zurückbringen. In Befragungen der ersten Tage wurde angegeben, dass das Geld sofort für Lebensmittel wie Kaffee, Schokolade und Südfrüchte ausgegeben wurde.
Am Freitag, dem 29. Dezember 1989, endete die Zahlung. Sie wurde durch einen zwischen der Bundesrepublik und dem Ministerrat der DDR vereinbarten Devisenfonds ersetzt, in den beide Staaten einzahlten. Jeder DDR-Bürger konnte daraus 100 DDR-Mark im Verhältnis 1:1 und weitere 500 DDR-Mark im Verhältnis 1:5 in D-Mark tauschen, insgesamt also 200 D-Mark.
Politische Folgen und Rückzahlungen
Die politischen Folgen des Begrüßungsgeldes sind umstritten. Einerseits wurde behauptet, DDR-Bürger hätten ihre Ordnung gegen Geld verkauft. Andererseits wird hervorgehoben, dass bei gesellschaftlichen Übergängen Einkommen, Ersparnisse, Konsum, Handel und wirtschaftliches Wohlergehen besonders wichtig werden können. Nach der Grenzöffnung richteten sich Forderungen vieler Menschen zunehmend auf westdeutsche Lebensverhältnisse. Der Ruf „Wir sind das Volk“ wurde häufiger durch „Wir sind ein Volk“ ersetzt. Die Teilnehmerzahl der Montagsdemonstrationen in Leipzig sank von knapp 500.000 am 6. November auf etwa 150.000 Ende Dezember.
Der Wunsch nach wirtschaftlicher Verbesserung wurde zu einer wesentlichen Triebkraft in Richtung Wiedervereinigung, obwohl es im Dezember 1989 noch keine eindeutige Mehrheit dafür gab: Eine Befragung nannte 27 Prozent Zustimmung zur Wiedervereinigung und 89 Prozent Zustimmung zu Reformen der DDR. Nach einer anderen Befragung vom 17. Dezember wollten 73 Prozent eine souveräne DDR, 71 Prozent unterstützten den Sozialismus, aber 39 Prozent wünschten bereits ein westliches Wirtschaftssystem. Nachdem Kohl am 6. Februar 1990 den Ersatz der DDR-Mark durch die DM anbot, erhielten bei der Volkskammerwahl am 18. März 1990 wiedervereinigungsablehnende Parteien weniger als 25 Prozent der Stimmen; das Bündnis 90 erreichte 2,9 Prozent.
Die Bedeutung des Konsums knüpfte an Probleme der DDR-Politik an. Unter Erich Honecker stiegen Konsumausgaben stark und lagen fast doppelt so hoch wie Investitionskosten; die Zuschüsse zum Konsum versechsfachten sich von 1971 bis 1988. Dennoch vergrößerte sich der Abstand zum Westen, während die Vernachlässigung von Investitionen die Schulden erhöhte und später den Konsum einschränkte. Die Stasi nannte die Unzufriedenheit mit der Versorgungslage von Beginn an als Grund für Montagsdemonstrationen. Die DM wurde zum Symbol eines erhofften besseren Lebensstandards, etwa in der Parole „Kommt die D-Mark, bleiben wir - kommt sie nicht, geh'n wir zu ihr!“.
Rückzahlungen waren selten, aber möglich. 2014 konnte ein Bild-Reporter aus Stralsund die 1989 erhaltenen 100 DM, umgerechnet 51,13 Euro, an den Finanzsenat überweisen. Ein Rentner aus Berlin-Friedrichshain, der sich 1991 sechsmal Begrüßungsgeld abgeholt hatte, wurde zur Rückzahlung von 500 DM und zu einer Geldstrafe von 750 DM verurteilt.