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Barmherzige Brüder vom hl. Johannes von Gott

Die Barmherzigen Brüder vom heiligen Johannes von Gott, eigentlich Hospitalorden des heiligen Johannes von Gott, lateinisch Ordo Hospitalarius Sancti …

Inhalt5 Abschnitte
  1. 1. Orden und Auftrag
  2. 2. Entstehung und weltweite Organisation
  3. 3. Ordensprovinz Europa Mitte
  4. 4. Einrichtungen und Arbeit in Bayern
  5. 5. Österreichische Standorte

Orden und Auftrag

Die Barmherzigen Brüder vom heiligen Johannes von Gott heißen eigentlich Hospitalorden des heiligen Johannes von Gott (lateinisch Ordo Hospitalarius Sancti Johannis de Deo, Ordenskürzel OH). Sie sind eine katholische Ordensgemeinschaft und ein Krankenpflegeorden; als Ordensvater gilt der heilige Johannes von Gott.

Die Brüder sind meist Laien. Neben den drei Ordensgelübden Armut, Gehorsam und Ehelosigkeit legen sie das besondere Gelübde der Hospitalität ab. Hospitalität bedeutet hier „Gastfreundschaft“ und prägt den Dienst an kranken, alten, behinderten und hilfsbedürftigen Menschen.

Entstehung und weltweite Organisation

Johannes von Gott gründete 1539 in Granada sein erstes „Spital“. 1547 eröffnete er mit Hilfe des Erzbischofs Pedro Guerrero ein Spital am südlichen Hang des Alhambra-Hügels, an der Cuesta de Gomérez. Sein Nachfolger Antón Martín gründete 1552 weitere Spitäler in Granada und anschließend in Madrid. Papst Pius V. erkannte die Hospitalbrüder 1571 an und gab ihnen die Regel des heiligen Augustinus.

Dem Orden gehörten 2020 weltweit 1045 Brüder an. Er ist in 17 Provinzen gegliedert und unterhält 562 Einrichtungen in 55 Ländern auf allen fünf Kontinenten. Das Generalat, also die zentrale Ordensleitung, befindet sich in Rom. Generalprior ist seit 2024 Pascal Ahodegnon.

Der Orden arbeitet in der Kranken- und Altenpflege, Behindertenhilfe und Obdachlosenfürsorge. In den letzten Jahren wurden außerdem Hospizarbeit und Palliativmedizin ausgebaut. Palliativmedizin dient der Betreuung schwer kranker Menschen, besonders der Linderung belastender Beschwerden.

Ordensprovinz Europa Mitte

Die Ordensprovinz Europa Mitte entstand im September 2025 durch den Zusammenschluss der früheren Provinzen Bayern und Österreich; ihr Provinzialat hat seinen Sitz in Wien. Sie umfasst Standorte in Bayern, Hessen, Österreich, Tschechien, Ungarn und der Slowakei.

Dort betreiben die Barmherzigen Brüder mit fast 25.000 Mitarbeitenden Krankenhäuser und weitere Sozial- und Gesundheitseinrichtungen. Dazu zählen Alten- und Pflegeheime, Lebenswelten für Menschen mit Behinderungen, eine Therapiestation für Drogenkranke, Hospize sowie Kur- und Wellnesseinrichtungen. Es gibt mehr als 5.900 Krankenhausbetten und über 800 Betreuungsplätze für ältere Menschen. Fast 4.000 Menschen mit Behinderungen werden betreut; annähernd 1.000 Menschen werden in Sozial- und Gesundheitsberufen ausgebildet.

Einrichtungen und Arbeit in Bayern

Die bayerischen Verbund-Krankenhäuser in München, Regensburg, Schwandorf und Straubing versorgen nach eigenen Angaben jährlich etwa 110.000 stationäre und 200.000 ambulante Patienten und beschäftigen mehr als 6.500 Menschen. Die bayerische Ordensprovinz beschäftigte als Körperschaft des öffentlichen Rechts in ihren Tochtergesellschaften rund 8.500 Mitarbeitende.

Zum Krankenhausverbund gehören sechs kirchliche Kliniken: das Krankenhaus Barmherzige Brüder in München, das Krankenhaus St. Barbara in Schwandorf, das Klinikum St. Elisabeth Straubing sowie in Regensburg das Krankenhaus Barmherzige Brüder, das Paul Gerhardt Haus und die Klinik St. Hedwig. Im Krankenhausbereich gibt es insgesamt 2.150 Planbetten. Fünf Medizinische Versorgungszentren und zwei Servicegesellschaften unterstützen die Versorgung.

Wichtige Entwicklungsschritte waren die Eröffnung der Krankenhäuser in München 1916 und Regensburg 1930, die Integration der Klinik St. Hedwig 2001 sowie des Krankenhauses St. Barbara Schwandorf 2010. Die Behindertenhilfe begleitet an verschiedenen Standorten in Bayern 3.000 erwachsene Menschen mit geistiger und/oder psychischer Erkrankung und Behinderung sowie Menschen im Autismus-Spektrum. Das 2004 gegründete Johannes-Hospiz in München hat zwölf Betten für schwerstkranke und sterbende Menschen in der letzten Lebensphase.

Österreichische Standorte

1603 wurde in Feldsberg, dem heutigen Valtice in Tschechien, das erste Spital nördlich der Alpen und zugleich das erste in der Habsburgermonarchie gegründet. Das Krankenhaus in Wien-Leopoldstadt gründete Frater Gabriel Ferrara aus Mailand 1614; seit 1625 durfte es eine Apotheke führen. Krankenhaus und Apotheke bestehen weiter.

In Graz entstand 1615 ein Krankenhaus mit zwölf Betten. Ebenfalls 1615 erhielt der Orden das Recht auf eine eigene öffentliche Apotheke, die später „Zum Granatapfel“ hieß. Das Grazer Krankenhaus wurde im Zweiten Weltkrieg Lazarett, grundlegend zerstört und ab 1945/46 wieder aufgebaut. In Linz wurde 1757 ein Konventhospital gegründet, das 1789 in die Herrengasse verlegt wurde.

Der Orden unterhält in Österreich unter anderem die Krankenhäuser Eisenstadt, Graz, Linz, Salzburg, St. Veit an der Glan und Wien sowie das Krankenhaus der Elisabethinen in Klagenfurt. Zur österreichischen Provinz gehört außerdem das Krankenhaus der Barmherzigen Brüder Bratislava in der Slowakei. 2008 wurde beim Wiener Krankenhaus der Johannes-von-Gott-Platz benannt; die Anschrift lautet seitdem Johannes von Gott-Platz 1.

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