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Banca Monte dei Paschi di Siena
Die Banca Monte dei Paschi di Siena (MPS) ist ein italienisches Kreditinstitut mit Sitz in Siena. Sie wurde 1472 gegründet und gilt als die älteste …
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Überblick und Bedeutung
Die Banca Monte dei Paschi di Siena S.p.A. (MPS) ist ein italienisches Kreditinstitut mit Sitz in Siena in der Toskana. Sie wurde 1472 gegründet und gilt als die älteste noch existierende Bank der Welt. Ihre Zentrale befindet sich im historischen Palazzo Salimbeni. Die Bank ist eine Società per azioni und wird an der Borsa Italiana gehandelt; zunächst war sie im Leitindex FTSE MIB vertreten, später im FTSE Italia Mid Cap.
MPS ist wegen ihrer Systemrelevanz direkt durch die Europäische Zentralbank (EZB) im Rahmen des Single Supervisory Mechanism (SSM) beaufsichtigt. Das bedeutet, dass die EZB die zentrale Bankenaufsicht für das Institut ausübt. Neben dem Bankgeschäft besitzt MPS bedeutende Kunstsammlungen vom 14. bis zum 19. Jahrhundert, besonders Werke der sienesischen Schule. Der Palazzo Salimbeni gilt deshalb auch als bedeutendes Museum Sienas.
Für 2025 werden eine Bilanzsumme von 241,64 Milliarden Euro, operative Erträge von 4,96 Milliarden Euro und ein Nettogewinn von 2,72 Milliarden Euro angegeben. Die Bank beschäftigte 22.079 Menschen und betrieb 1.549 Geschäftsstellen. Vorstand ist Nicola Maione, Unternehmensleiter ist Luigi Lovaglio. Die ISIN der Aktie lautet IT0005508921, der BIC PASCITMMXXX.
Geschichtliche Entwicklung und Krise
MPS entstand 1472 in Siena als Monte di Pietà unter dem Namen Monte Pio. Ihre ursprüngliche Aufgabe war die Vergabe von Kleinkrediten gegen Zinsen, die niedriger als die damals üblichen Zinsen waren. Nach einer Reform von 1568 wurden die Statuten 1624 erneut geändert; in diesem Jahr erhielt die Bank auch ihren heutigen Namen. Großherzog Ferdinand II. sicherte sie durch staatliche Einnahmen aus den Domänenweiden in der Maremma, den sogenannten Paschi. Danach dehnte sie ihre Tätigkeit über Siena hinaus in die Toskana aus.
Die künstlerische Ausstattung des Palazzo Salimbeni wurde seit dem 15. Jahrhundert ausgebaut. Die Bank erwarb gezielt Werke der sienesischen Schule aus dem 14. und 15. Jahrhundert und setzte diese Tradition später im neu gestalteten Centro Direzionale fort. Damit verband sie ihr Bankgeschäft mit der Unterstützung des künstlerischen und kulturellen Erbes Sienas.
Nach der Gründung des Königreichs Italien wurde MPS zu einem der Finanzierungsgrundlagen für Staatsausgaben und begann mit der Vergabe von Bodenkrediten (credito fondiario). Zwischen 1907 und 1930 entstanden Filialen in Empoli, Florenz, Perugia, Neapel und Rom. Außerdem unterstützte die Bank die Gründung der Banca Toscana. Durch die legge bancaria von 1936 wurde sie zu einem „Istituto di credito di diritto pubblico“. Die legge Amato von 1990 ermöglichte solchen Instituten unter anderem eine Änderung ihrer Rechtsform.
Nach dem Zweiten Weltkrieg expandierte MPS in die Finanzzentren New York, Singapur, Frankfurt und London. Zwischen 1990 und 1994 stieg sie als erste italienische Bank in das Banken-Versicherungsgeschäft ein und gründete MontePaschi Vita. Sie erwarb außerdem das Istituto Nazionale per il Credito Agrario (INCA) und 1992 Mediocredito Toscano. Diese mittel- und langfristigen Kreditbereiche wurden in der MPS Banca per l’Impresa zusammengeführt, die Beteiligungen an Banken in Belgien, der Schweiz und Frankreich erwarb.
Am 8. August 1995 wurden die Fondazione Monte dei Paschi di Siena und die Banca Monte dei Paschi di Siena S.p.A. gegründet. Die Banca war für Bank- und Versicherungsgeschäfte zuständig. Die Stiftung übernahm wohltätige, wissenschaftliche, Bildungs-, Gesundheits- und Kunstprojekte, vor allem in Siena und der gleichnamigen Provinz. 1999 ging MPS an die Mailänder Börse. Von 2000 bis 2005 kaufte sie mehrere regional verankerte Kreditinstitute, darunter die Banca Agricola Mantovana. 2007 erwarb sie 55 % der auf kleine und mittlere Unternehmen spezialisierten Biverbanca. 2008 folgte die Übernahme der Banca Antonveneta; dabei wurden Schmiergelder gezahlt.
Die Übernahme Antonvenetas für 17 Milliarden Euro und weitere riskante beziehungsweise fragwürdige Geschäfte führten während der globalen Finanzkrise zu schweren finanziellen Problemen. Um einen Bankrott abzuwenden, erhielt MPS vier Milliarden Euro Staatshilfen. Zusätzlich nahm sie ein staatliches Rettungsdarlehen von 4,1 Milliarden Euro auf. Dieses konnte in eine staatliche Beteiligung umgewandelt werden, wenn bis 2014 keine Kapitalerhöhung von drei Milliarden Euro gelang. Die Aktionäre stimmten der Kapitalerhöhung im Januar 2014 zu; die Stiftung wollte ihre Beteiligung zunächst verkaufen oder verringern.
Die Zahl der Beschäftigten sank von 31.170 im Jahr 2011 über 30.265 im Jahr 2012, 28.417 im Jahr 2013 und 25.961 im Jahr 2014 auf 25.731 im Jahr 2015. Mitte 2016 beliefen sich die faulen Kredite auf 47 Milliarden Euro. Am 16. Dezember 2016 wies MPS nur noch 10,6 Milliarden Euro liquide Mittel aus. Eine Kapitalerhöhung über fünf Milliarden Euro scheiterte am 22. Dezember; nur zwei Milliarden Euro konnten aufgebracht werden. Die EZB ermittelte am 26. Dezember einen Kapitalbedarf von 8,8 Milliarden Euro. Die italienische Regierung stützte die Bank daraufhin zum dritten Mal. Mit Genehmigung der EU-Kommission und der EZB wurde das Institut über den Fondo Atlante gerettet, auch weil viele Privatanleger Aktien oder Anleihen der Bank hielten.
Im August 2017 wurden neue Aktien ausgegeben, und ab dem 25. Oktober 2017 durfte die Aktie wieder an der Börse gehandelt werden. Die EZB erklärte MPS erneut für solvent. Für eine Rückkehr zur Rentabilität bis 2021 waren die Schließung von 600 der damals 2.000 Filialen und der Abbau jeder fünften Stelle vorgesehen. Ein Verkauf an UniCredit scheiterte im Oktober 2021.
Konzernstruktur und Beteiligungen
Die Montepaschi-Gruppe ist ein diversifizierter Finanzkonzern. Seit der Übernahme der Mediobanca-Gruppe im September 2025 umfasst das operative Geschäft das klassische Privat- und Firmenkundengeschäft, Investment Banking und digitale Finanzdienstleistungen. Im September 2025 erwarb MPS eine Mehrheitsbeteiligung an Mediobanca; im Februar 2026 wurde die vollständige Integration eingeleitet. Dadurch gelangte auch Mediobancas strategische Beteiligung von rund 13,1 % am größten italienischen Versicherungskonzern Assicurazioni Generali in den Konsolidierungskreis der MPS-Gruppe.
Wichtige Tochtergesellschaften sind:
- Banca Widiba S.p.A. (100 %): eine konzerneigene Digitalbank mit einem Netzwerk von Finanzberatern.
- Mediobanca S.p.A. (86,3 %): ein Institut für Investment Banking und Wealth Management, das seit September 2025 konsolidiert wird.
- MPS Fiduciaria S.p.A. (100 %): ein Dienstleister für treuhänderische Vermögensverwaltung.
- Monte Paschi Banque S.A. (100 %): die französische Tochtergesellschaft mit Sitz in Paris.
- SelmaBipiemme Leasing S.p.A.: ein Unternehmen für Mobilien- und Immobilienleasing.
Zu den Beteiligungen gehört Assicurazioni Generali S.p.A. als strategische Minderbeteiligung. Cirene Finance S.r.l. wird zu 60 % gehalten und ist eine Zweckgesellschaft für Verbriefungstransaktionen, also für Asset-Backed Securities.
Eigentümer und aktuelle Entwicklung
Im März 2024 lag die Beteiligung des italienischen Staates über das Ministerium für Wirtschaft und Finanzen bei rund 26,7 %. Im November 2024 verkaufte der Staat weitere 15 %. Für März 2026 werden folgende Anteilseigner angegeben:
- Delfin Sarl: 17,533 %
- Caltagirone Group: 10,262 %
- BlackRock: 4,898 %
- Italienischer Staat über das Ministerium für Wirtschaft und Finanzen: 4,863 %
- Banco BPM: 3,741 %
- Streubesitz: 58,70 %
Nach der Krise wurde MPS wieder solventer. Die staatliche Unterstützung und die Umstrukturierung führten zu einer Verkleinerung des Filialnetzes und der Belegschaft. Der geplante Verkauf an UniCredit kam jedoch nicht zustande. Mit der Mehrheitsbeteiligung und der anschließenden Integration von Mediobanca veränderte sich die Gruppe erneut und erweiterte ihren Schwerpunkt um Investment Banking und Wealth Management.