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Badische Revolution
Unter der Badischen Revolution von 1848/1849 versteht man den regionalen Ablauf der fast ganz Mitteleuropa erfassenden revolutionären Unruhen dieser Jahre …
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Gegenstand und politische Ziele
Die Badische Revolution von 1848/49 war der regionale Verlauf der revolutionären Unruhen, die damals große Teile Mitteleuropas und der Staaten des Deutschen Bundes erfassten. Sie war Teil der bürgerlich-liberalen Märzrevolution, wurde in Baden aber besonders stark von radikaldemokratischen und frühsozialistischen Kräften geprägt.
Ziel war vor allem die Errichtung einer badischen, im größeren Zusammenhang auch deutschen Republik. Grundlage sollte die Souveränität des Volkes sein, also die politische Herrschaft der Bürger und nicht der Fürsten. Damit richtete sich die Bewegung gegen die Fürstenherrschaft. In anderen Staaten des Deutschen Bundes setzte sich dagegen mehrheitlich das Modell einer konstitutionellen Monarchie mit einem Erbkaisertum durch.
Eine wichtige organisatorische Grundlage bildeten die vielerorts gegründeten Volksvereine. Zu den bekanntesten Vertretern der Revolution gehörten Friedrich Hecker, Gustav und Amalie Struve, Gottfried Kinkel, Georg und Emma Herwegh sowie Johann Philipp Becker. Auch Wilhelm Liebknecht, Friedrich Engels und Fritz und Mathilde Franziska Anneke beteiligten sich zeitweise an der Bewegung oder an den Kämpfen.
Die Revolution hatte drei Höhepunkte: den Heckeraufstand im April 1848, den Struve-Putsch im September 1848 und den bürgerkriegsähnlichen Aufstand ab Mai 1849 im Rahmen der Reichsverfassungskampagne. Sie endete am 23. Juli 1849 mit der Einnahme der Festung Rastatt durch Bundestruppen unter preußischer Führung.
Von den Volksforderungen zu den Aufständen 1848
Am 12. September 1847 stellte Friedrich Hecker auf der Offenburger Versammlung der entschiedenen Verfassungsfreunde die 13 „Forderungen des Volkes in Baden“ vor. Sie verlangten unter anderem Bürgerrechte, soziale Sicherheit und Gleichheit. Gustav Struve fasste zentrale Ziele in vier dringlichen Forderungen zusammen: Volksbewaffnung mit freien Offizierswahlen, unbedingte Pressefreiheit, Schwurgerichte nach englischem Vorbild und die sofortige Schaffung eines deutschen Parlaments.
Nach der Februarrevolution 1848 in Paris verstärkten sich die Unruhen. Die Mannheimer Volksversammlung vom 27. Februar nahm die 13 Forderungen wieder auf und richtete sie als Petition an die Zweite Kammer der Badischen Landstände. Am 1. März demonstrierten in Karlsruhe 20.000 Menschen vor dem Ständehaus. Gefordert wurden unter anderem die Beseitigung der Adelsprivilegien, die Befreiung der Bauern und die Aufhebung der Überreste des mittelalterlichen Feudalsystems. Am 2. März beschloss die Erste Kammer Gesetzesvorlagen zur Abschaffung der Reste des Feudalwesens, zur Vereidigung des Heeres auf die badische Verfassung und zur religiösen Gleichstellung nichtchristlicher Bekenntnisse.
Im April 1848 scheiterten mehrere revolutionäre Züge. Friedrich Hecker und Gustav Struve riefen am 12. April in Konstanz die Republik aus und riefen zu einer bewaffneten Erhebung auf. Der Heckerzug wird in der Übersicht mit dem Zeitraum 13. bis 20. April angegeben und wurde am 20. April im Gefecht auf der Scheideck bei Kandern von hessischen Truppen besiegt. Hecker floh zunächst in die Schweiz und später in die USA.
Weitere Züge waren der Sigel-Zug von Konstanz, der am 23. April bei Günterstal und am 24. April beim Sturm auf Freiburg unterlag, der Weißhaar-Zug, der am 20. April in Steinen endete, und der Herwegh-Zug. Herweghs 900 Mann starke „Deutsche Demokratische Legion“ wurde am 27. April bei Dossenbach von württembergischem Militär besiegt. Damit war die erste Phase beendet.
Am 21. September 1848 rief Gustav Struve in Lörrach erneut eine Republik aus. Sein Zug kam jedoch nur bis Staufen, wo badische Truppen die Aufständischen besiegten. Struve wurde wenige Tage später verhaftet. Gleichzeitig unterbrachen Revolutionäre bei Weinheim die Bahnstrecke Frankfurt am Main–Heidelberg, um den Einsatz hessischer Truppen gegen Struve zu erschweren. Ein Leerzug entgleiste, mehrere Eisenbahner wurden verletzt; anschließend wurde im Amtsbezirk Weinheim das Kriegsrecht verhängt.
Die Mai-Revolution und das Ende der Erhebung
Die zweite Phase begann 1849, nachdem die meisten Fürstenhäuser des Deutschen Bundes die Paulskirchenverfassung abgelehnt hatten. Die Reichsverfassungskampagne sollte ihre Anerkennung erzwingen. Am 9. Mai meuterten Soldaten der badischen Garnison in der Bundesfestung Rastatt und verbrüderten sich mit Teilen der revolutionären Bürgerwehr. Am 11. Mai kam es in Freiburg zur Verbrüderung der Republikaner mit dem 2. Badischen Infanterieregiment.
Eine Delegiertenkonferenz der badischen Volksvereine in Freiburg stimmte am 12. und 13. Mai nicht für die sofortige Ausrufung der Republik. Die Offenburger Volksversammlung beschloss am 13. Mai jedoch ein 16-Punkte-Programm, darunter die unbedingte Anerkennung der Reichsverfassung und die Bildung einer neuen, weiterhin großherzoglichen Regierung unter Lorenz Brentano. Großherzog Leopold floh in der Nacht vom 13. zum 14. Mai von Karlsruhe nach Koblenz. Eine Exekutivkommission unter Brentano übernahm zunächst die Regierungsgeschäfte; am 1. Juni wurde eine provisorische demokratische Regierung gebildet.
Die Aufständischen organisierten eine Volkswehr. Am 3. Juni wurde eine konstituierende Landesversammlung gewählt, die nur vom 10. bis 30. Juni tätig war. Im Juni drangen Bundestruppen unter Eduard von Peucker sowie preußische und hessische Truppen in Baden ein. Der polnische Revolutionär Ludwik Mierosławski wurde General der Revolutionsarmee.
Zunächst erzielten die badischen Truppen am 15. und 16. Juni Erfolge bei Mannheim, Käferthal, Ladenburg und Hirschhorn. Nach dem Übergang des Ersten preußischen Korps über den Rhein und dem Sieg bei Waghäusel am 21. und 22. Juni mussten sie sich jedoch zurückziehen. Am 25. Juni deckte Beckers Volkswehr bei Durlach den Rückzug auf die Murglinie. Die Revolutionsregierung floh nach Freiburg, während preußische Truppen Karlsruhe besetzten.
Nach Brentanos Rücktritt am 28. Juni bildete Amand Goegg mit Werner eine „provisorische Regierung von Baden mit diktatorischer Gewalt“. Am 29. und 30. Juni wurden die revolutionären Linien an der Mur durchbrochen; auch das Gefecht in Gernsbach endete mit einer Niederlage. Revolutionäre Einheiten zogen sich nach Südbaden und in die Festung Rastatt zurück. Etwa 4.000 Mann bildeten am 1. Juli in Freiburg ein letztes Aufgebot, doch am 7. Juli rückten Truppen kampflos in Freiburg ein. Der Rückzug der badischen Revolutionsarmee in die Schweiz war am 12. Juli beendet. Nach dreiwöchiger Einschließung kapitulierte Rastatt am 23. Juli 1849.
Niederlage, Strafverfolgung und Erinnerung
Nach dem Scheitern wurde die badische Armee aufgelöst und später unter preußischer Führung neu aufgebaut. Viele Revolutionäre flohen ins Exil, darunter Gustav Struve, Lorenz Brentano, Carl Schurz und Friedrich Engels. Andere wurden verhaftet und vor preußisch-badische Stand- oder Kriegsgerichte gestellt. In den Kasematten von Rastatt brach unter den Gefangenen Typhus aus. Baden blieb bis 1851 von der preußischen Armee besetzt.
Vom 27. Juli bis 27. Oktober 1849 waren in Mannheim, Rastatt und Freiburg Gerichte tätig. Insgesamt wurden 27 Todesurteile vollstreckt; vier weitere Todesurteile wurden nicht vollzogen. In Rastatt wurden 19 Revolutionäre erschossen, darunter Gustav Tiedemann, der letzte Festungskommandant. In Freiburg wurden Johann Maximilian Dortu, Friedrich Neff und Gebhard Kromer hingerichtet. In Mannheim wurden fünf Todesurteile vollstreckt. Otto von Corvin und Theodor Mögling wurden begnadigt; ihre Todesstrafen wurden in Zuchthausstrafen umgewandelt. Zusätzlich verhängte das Mannheimer Standgericht in 15 weiteren Verfahren jeweils zehn Jahre Zuchthaus.
Es kam außerdem zu Verhaftungen und Geldstrafen. Etwa 80.000 Badener, also 5 % der Bevölkerung, wanderten aus, vor allem nach Amerika. Diese Auswanderer werden als Forty-Eighters oder „Achtundvierziger“ bezeichnet.
Großherzog Friedrich I. erließ drei Gnadenakte. Am 9. Juli 1857 wurden Personen mit höchstens acht Jahren Freiheitsstrafe begnadigt, am 1. Dezember 1860 wurde dies auf höchstens zwölf Jahre ausgeweitet. Am 7. August 1862 erfolgte eine allgemeine Begnadigung; ihre Umsetzung blieb zunächst unklar. Gustav Struve bezeichnete die Auslegung vom 26. Januar 1863 als „Scheinamnestie“ und „Demütigung“.
Heute erinnern unter anderem Grabmale für die hingerichteten Revolutionäre, ein Bild-Zyklus von Johannes Grützke in Konstanz und seit 1998 die Wanderrouten „Deutsche Revolution in Baden 1848/49“ an die Ereignisse. Für die Helfer bei der Niederschlagung stiftete Großherzog Leopold die Militär-Gedächtnis-Medaille von 1849.