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Ungarische Revolution 1848/1849

Die Revolution im Königreich Ungarn entwickelte sich jedoch zu einem Unabhängigkeitskrieg gegen die Vorherrschaft der österreichischen Habsburger. Zahlreiche …

Inhalt6 Abschnitte
  1. 1. Überblick und Bedeutung
  2. 2. Politische Voraussetzungen
  3. 3. Beginn und Reformen
  4. 4. Verlauf des Unabhängigkeitskriegs
  5. 5. Niederlage und Folgen
  6. 6. Schlachten, weitere Akteure und Revolutionsfahnen

Überblick und Bedeutung

Die Ungarische Revolution 1848/1849 war ein Aufstand im europäischen Revolutionsjahr 1848 und Teil der Aufstände in der Habsburgermonarchie. Im Königreich Ungarn entwickelte sie sich zu einem Unabhängigkeitskrieg gegen die Vorherrschaft der österreichischen Habsburger. Ziel der ungarischen Reformkräfte war zunächst ein demokratischer und autonomer Staat mit eigener Regierung und Verfassung; im Verlauf des Krieges wurde die vollständige Unabhängigkeit von Österreich gefordert.

Zu den wichtigsten Akteuren gehörten Lajos Kossuth, István Széchenyi, Lajos Batthyány, Sándor Petőfi, Artúr Görgey und Józef Bem. Der Revolutionsbeginn am 15. März ist heute einer der drei Staatsfeiertage Ungarns.

Politische Voraussetzungen

Der Ungarische Landtag in Pressburg war 1825 erneut gebildet worden, vor allem zur Beratung der Staatsfinanzen. Innerhalb des Parlaments entstand eine Liberale Partei. Sie strebte Reformen der ungarischen Gesellschaftsordnung an und wandte sich gegen die zentralistischen und absolutistischen Bestrebungen der Wiener Regierung. Diese Epoche wird als Reformzeit bezeichnet.

Die Liberalen beriefen sich zwar auf die Interessen der Landbevölkerung, gehörten aber überwiegend dem Adel an und hatten kein Interesse an der vollständigen Aufhebung der feudalen Ordnung und der Frondienste. Graf István Széchenyi war eine Leitfigur des neuen Liberalismus. Er versuchte, die Wiener Regierung für Reformen zu gewinnen, galt dem Staatsmann Metternich jedoch als rebellischer Geist. Széchenyi war dem wachsenden ungarischen Nationalgefühl schließlich zu vorsichtig und zu regierungstreu.

Lajos Batthyány wurde 1847 zum Vorsitzenden der Reformer gewählt. Er kämpfte für die Autonomierechte Ungarns, eine selbstständige Regierung und eine Verfassung. Er war ein gemäßigter Reformer und lehnte ein gewaltsames Vorgehen ab. Lajos Kossuth führte im Parlament den Kleinadel an. Wegen der Vervielfältigung verbotener Berichte aus dem Landtag und den Munizipien wurde er wegen Hochverrats angeklagt und am 5. Mai 1837 zu vier Jahren Festungshaft verurteilt. Nach seiner Begnadigung gab er ab 1841 die nationalliberale Zeitung Pesti Hírlap heraus. Während der Revolution radikalisierte er sich bis zur Forderung nach vollständiger Unabhängigkeit Ungarns. In einer Rede vom 3. März 1848 forderte er die konstitutionelle Umwandlung der Monarchie und Verfassungen für die österreichischen Länder.

Beginn und Reformen

Die Revolution begann am 15. März 1848 mit Massendemonstrationen in Pest und Buda. Die Demonstranten zwangen den kaiserlichen Gouverneur, die zwölf Forderungen der ungarischen Revolutionäre anzunehmen. Zu diesen gehörten Pressefreiheit, die Aufhebung der Zensur und die Abschaffung des Frondienstes.

Nach weiteren Aufständen im gesamten Königreich riefen die ungarischen Reformkräfte eine neue Regierung mit Lajos Batthyány als Premierminister aus. Diese verabschiedete die April- oder Märzgesetze. Sie sollten einen demokratischen Staat in Ungarn schaffen. Die ungarische Regierung sollte außerdem die vollständige Hoheit über die Verwendung aller in Ungarn erhobenen Steuern und den Oberbefehl über die ungarischen Regimenter der k.k. Armee erhalten.

Der Konflikt mit Kroatien verschärfte die Lage. Kroatien war ein Nebenland des Königreichs Ungarn, und die Zuständigkeiten der beiden Landtage waren umstritten. Die seit den 1840er Jahren zunehmende Magyarisierungspolitik, also die Gleichsetzung Ungarns mit der ungarischen Nationalität und Sprache, bedrohte nach Darstellung des Artikels viele Kroaten. Die ungarische Regierung bot den Habsburgern im Sommer 1848 ungarische Truppen für den Einsatz in Oberitalien an und erwartete dafür Unterstützung gegen den habsburgtreuen, aber antiungarisch gesinnten kroatischen Ban Josip Jelačić. Ende August verlangte Wien jedoch, die Pläne für eine eigene ungarische Armee einzustellen. Jelačić begann anschließend ohne offiziellen Befehl militärische Aktionen gegen die ungarische Regierung.

Im September machten die ungarischen Radikalen angesichts eines Dreifrontenkriegs gegen Jelačić, im Banat und in Siebenbürgen politischen Druck. Österreich hatte die ungarische Regierung zunächst wegen der gleichzeitigen Revolution in Wien akzeptiert. Nach der Niederschlagung der Wiener Revolution und der Thronbesteigung Franz Josephs I. am 2. Dezember 1848 verweigerte Wien jedoch die Anerkennung. Als Feldmarschall Graf Lamberg am 25. September den Oberbefehl über alle Truppen in Ungarn erhielt und wenige Tage später ermordet wurde, ordnete der kaiserliche Hof die Auflösung des ungarischen Parlaments und der Regierung an. Jelačić wurde Lambergs Nachfolger. Der Krieg zwischen Österreich und Ungarn begann offiziell am 3. Oktober 1848.

Verlauf des Unabhängigkeitskriegs

Jelačić konnte auf die Mehrheit der kroatischen, serbischen, slowakischen und rumänischen Landbevölkerung zählen. Auf ungarischer Seite kämpften viele Juden, die eine Verbesserung ihrer rechtlichen Stellung erwarteten, sowie zahlreiche polnische, österreichische und italienische Freiwillige.

Die k.u. Landwehr hielt Jelačićs kroatische Truppen im September 1848 bei Pákozd vor dem geplanten Vormarsch auf Pest auf und schloss einen kurzfristigen Waffenstillstand. Dadurch konnte Jelačić seine Truppen nach Wien führen. Der dortige Oktoberaufstand richtete sich gegen eine Kaserne, deren Garnison Jelačić gegen Ungarn verstärken sollte. Nach dem kaiserlichen Sieg bei Schwechat am 30. Oktober und der Rückeroberung Wiens sandte die kaiserliche Armee 70.000 Mann unter General Windischgrätz nach Ungarn. Ende Dezember musste die ungarische Regierung Pest verlassen; Windischgrätz rückte in Budapest ein und bezog Winterquartier.

Im März in Siebenbürgen und im April 1849 erlitt die kaiserliche Armee schwere Niederlagen, unter anderem bei Isaszeg und Nagy-Sarlo. Sie zog sich Ende April auf die Waag-Linie zurück. Die Ungarn unter Artúr Görgey stoppten ihren Vormarsch im Raum der Festung Komorn, obwohl die österreichische Armee noch nicht vollständig geschlagen war. Sie kehrten nach Pest zurück und belagerten Ofen (Buda erfolgreich). Józef Bem brachte bereits ganz Siebenbürgen unter seine Kontrolle. Windischgrätz wurde zunächst durch Welden und ab Mitte Mai durch Julius von Haynau ersetzt.

Nach mehreren Siegen proklamierte Kossuth am 13. April 1849 die vollständige Unabhängigkeit Ungarns vom Habsburger Reich. Er ließ sich als Reichsverweser bestätigen und regierte mit diktatorischer Allmacht. Kaiser Franz Joseph bat daraufhin Zar Nikolaus I., den sogenannten „Gendarm Europas“, um militärische Hilfe. Ab Mitte Mai drangen russische Armeen unter Fürst Iwan Paskewitsch und Lüders aus Galizien und der Walachei in Nordungarn und Siebenbürgen ein. Im Juni standen auf ungarischem Boden zusammen mehr als 250.000 russische und österreichische Soldaten; damit waren sie doppelt so stark wie die ungarische Armee.

Nachdem Hilferufe an andere europäische Mächte erfolglos geblieben waren, dankte Kossuth am 11. August 1849 zugunsten Görgeys ab. Görgey kapitulierte am 13. August in Világos gegenüber den Russen unter General Rüdiger, die die Kriegsgefangenen an Österreich übergaben. Die Garnison von Komorn unter Georg Klapka kapitulierte erst Anfang Oktober. Haynau blieb anschließend einige Monate kaiserlicher Statthalter von Ungarn.

Niederlage und Folgen

Nach dem Krieg von 1848–49 gingen große Teile Ungarns in einen „passiven Widerstand“ über. Erzherzog Albrecht von Habsburg wurde Statthalter des Königreichs Ungarn und unterdrückte Unabhängigkeits- und Autonomiebestrebungen.

Haynau befahl im Einverständnis mit dem Kaiser die Hinrichtung der 13 Befehlshaber der ungarischen Armee in Arad. Am selben Tag wurde der frühere Premierminister Lajos Batthyány in Pest hingerichtet. Lajos Kossuth musste ins Exil. In den Vereinigten Staaten wurde er von der Öffentlichkeit und Außenminister Daniel Webster begeistert empfangen, was zu Spannungen zwischen den USA und Österreich führte. Später lebte er in Istanbul und Turin.

Als entscheidender politischer Fehler Kossuths wird im Artikel seine Konfrontation mit den ethnischen Minderheiten Ungarns bezeichnet. Zugleich machte er die Idee einer multiethnischen Konföderation der Donaustaaten bekannt, die Auseinandersetzungen zwischen den Ethnien verhindern sollte. Viele seiner Gefährten im Exil und andere Unterstützer der Revolution, die sogenannten „Forty-Eighters“ oder „48er“, blieben in den Vereinigten Staaten und kämpften im Amerikanischen Bürgerkrieg auf Seiten der Unionisten.

Schlachten, weitere Akteure und Revolutionsfahnen

Zu den im Artikel genannten Schlachten gehören: Pákozd bei Pákozd/Sukoró am 29. September 1848, Schwechat am 30. Oktober 1848, Mór am 30. Dezember 1848, Kápolna am 26./27. Februar 1849, Isaszeg am 6. April 1849, die erste Schlacht bei Komorn am 26. April 1849, Pered am 20.–21. Juni 1849, die zweite und dritte Schlacht bei Komorn am 2. beziehungsweise 11. Juli 1849, die zweite Schlacht bei Waitzen am 15.–17. Juli 1849, Segesvár am 31. Juli 1849, Szőreg am 5. August 1849 und Temesvár am 9. August 1849.

Genannt werden außerdem die Belagerungen von Arad (1848–1849), Ofen (1849), Deva (1848–1849), Esseg (1848–1849), Karlsburg (1848–1849), Komorn (1849), der Festung Leopoldov (1848–1849), Peterwardein (1848–1849) und Temeswar (1849). Weitere Persönlichkeiten der Revolution waren Henryk Dembiński, Józef Wysocki und Sándor Rózsa.

Nach der Niederlage bei Világos 1849 brachte die siegreiche zaristische Armee die ungarischen Revolutionsfahnen nach Russland. Dort blieben sie beinahe ein Jahrhundert. 1940 schlug die Sowjetunion dem Horthy-Regime vor, die Fahnen gegen den inhaftierten kommunistischen Führer Mátyás Rákosi einzutauschen. Dieser Austausch wurde durchgeführt.

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