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Zehn Plagen

Die zehn biblischen Plagen (hebr. מַכּוֹת Makōt) bezeichnen eine Reihe von Katastrophen, die nach der biblischen Erzählung etwa im 13. Jahrhundert v.

Inhalt5 Abschnitte
  1. 1. Biblische Erzählung und Bedeutung
  2. 2. Die zehn Plagen
  3. 3. Deutung der Erzählung
  4. 4. Naturwissenschaftliche Erklärungsversuche
  5. 5. Thera-Theorie und kulturelle Darstellungen

Biblische Erzählung und Bedeutung

Die zehn biblischen Plagen (hebräisch מַכּוֹת, Makōt) sind eine Folge von Katastrophen, die nach der Bibel etwa im 13. Jahrhundert v. Chr. Ägypten treffen. Sie stehen im 2. Buch Mose, dem Exodus. Nachdem Mose JHWH begegnet ist, werden Mose und Aaron nach Ägypten gesandt, um das Volk Israel aus der Sklaverei zu führen. Der Pharao verweigert die Freilassung. Auf jede Weigerung folgt eine weitere Plage; anschließend ziehen die Israeliten durch das Schilfmeer.

Historisch ist diese biblische Geschichte nicht belegt. In der Forschung wird dennoch untersucht, ob Naturereignisse, besonders Vulkanausbrüche, mögliche Auslöser der Erzählung gewesen sein könnten.

Die zehn Plagen

  1. Blut (דָּם, dām): Das Wasser, besonders der Nil, wird in Blut verwandelt und ist sieben Tage ungenießbar.

  2. Frösche (צְפַרְדֵּעִים, ṣəfardəʕīm): Frösche wimmeln im ganzen Land.

  3. Stechmücken (כִּנִּים, kinnim): Mücken plagen Menschen und Vieh.

  4. Stechfliegen (עָרֹב, ʕārov): Häuser und Land füllen sich mit „Geschmeiß“ oder Ungeziefer, wahrscheinlich Hundsfliegen.

  5. Viehpest (דֶּבֶר, dever): Pferde, Esel, Kamele, Rinder und Schafe werden von einer schweren Pest getroffen.

  6. Schwarze Blattern beziehungsweise Geschwüre (שְׁחִין אֲבַעְבֻּעֹת פֹּרֵחַ, šəḥīn ʔăvaʕəbuʕot porēaḥ): Menschen und Vieh bekommen Geschwüre mit Blasen.

  7. Hagel (בָּרָד, bārād): Hagel tötet Menschen und Vieh und zerstört Feldgewächse und Bäume.

  8. Heuschrecken (אַרְבֶּה, ʔarbeh): Wanderheuschrecken bedecken das Land und fressen das verbliebene Grün.

  9. Finsternis (חֹשֶׁךְ, ḥošex): Eine greifbar wirkende Dunkelheit dauert drei Tage.

  10. Tod aller Erstgeborenen (מֵת כָל־בְּכוֹר, mēt kōl-bəxōr): Die Erstgeborenen von Menschen und Vieh sterben, vom Sohn des Pharao bis zum Sohn einer Magd.

Deutung der Erzählung

Die Autoren beschreiben und dramatisieren natürliche Vorgänge und Erfahrungen, um den Auszug Israels aus Ägypten vor einem großartigen Hintergrund zu erzählen. Die Plagen sollen vermitteln, dass Gott Himmel und Erde in Bewegung setzt, damit der Exodus in das Gelobte Land möglich wird.

Naturwissenschaftliche Erklärungsversuche

Umstritten ist, ob viele einzelne Erfahrungen zu einem Schreckensszenario zusammengefasst wurden oder ob das Alte Testament eine schwere Katastrophe mit einer ökologischen Kettenreaktion beschreibt. Einige Forschungen halten es für realistisch, dass zumindest die ersten neun Plagen in der geschilderten Reihenfolge aufeinander folgen konnten.

Als mögliche Erklärung für rotes Wasser werden rote Tiden genannt: Algen, etwa der Gattung Alexandrum, können Giftstoffe bilden, Fischsterben und Muschelvergiftungen auslösen. Extremes Hochwasser, Dürre sowie Sinkstoffe aus abessinischen Seen könnten den Nil ebenfalls rot färben und ihn zu einem Seuchenherd gemacht haben. Mikroorganismen im Nil können Fischsterben und Stressreaktionen bei Fröschen auslösen. Frösche könnten dann ans Land geflohen und dort durch Hitze und Austrocknung verendet sein.

Wenn Fische und Amphibien fehlen, werden Stechmückenlarven weniger natürlich reguliert. Mücken können sich dann im Nil stark vermehren. Hundsfliegen und Dasselfliegen werden als mögliche Schwarm-Insekten genannt. Insektenbefall und offene Stichwunden könnten Viehpest übertragen; Menschen könnten ebenfalls betroffen sein und Geschwüre entwickeln. Hagel wird sowohl mit durch Asche und Schwefel veränderten Wettersystemen als auch mit winterlichem Hagelschlag in Ägypten erklärt. Heuschrecken sind im Orient keine Seltenheit und könnten sich nach dem Rückgang von Fischen und Amphibien stärker vermehren. Als Ursachen der Finsternis werden Vulkanasche, Glutwind, Sandsturm oder Heuschreckenschwärme genannt.

Für den Tod der Erstgeborenen stellten John S. Marr und Curtis Malloy Mitte der 1990er Jahre eine Ernährungshypothese auf. Feuchtes Getreide, das wegen geringer Sonneneinstrahlung nicht trocknete, könnte in Krügen Schimmelpilze wie Aspergillus flavus, Stachybotrys atra oder Mutterkorn gebildet haben. Deren toxische Stoffwechselprodukte, makrozyklische Trichothecene, könnten eine tödliche Immunantwort ausgelöst haben. Weil Erstgeborene die erste und größte Mahlzeit erhalten hätten, wären sie besonders betroffen gewesen. Die Israeliten wären wegen Hygieneregeln beim Passahmahl, darunter ungesäuertem Brot, kaum bis gar nicht betroffen gewesen.

Thera-Theorie und kulturelle Darstellungen

Als mögliche gemeinsame Ursache wird der Ausbruch des Vulkans Thera auf Santorin im 17. oder 16. Jahrhundert v. Chr. diskutiert. Die Datierung ist unterschiedlich; neuere ^14C-Datierungen sprechen für 1620 bis 1600 v. Chr. Eine 2006 veröffentlichte Radiokohlenstoffdatierung eines 2002 in einer Bimsschicht gefundenen Olivenbaumastes ergab 1613 v. Chr. ± 13 Jahre. Bims und anderes Auswurfmaterial wurden damals über den östlichen Mittelmeerraum verteilt.

Die angenommene Kette lautet: Roter Bimsstaub färbt und verdirbt Wasser; Frösche verlassen den Fluss; tote Tiere begünstigen Stechmücken und Fliegen; verdorbenes Wasser oder Insekten führen zu Viehpest und Geschwüren. Asche und Schwefel könnten Wetter und Hagel beeinflusst, Vulkanasche die Finsternis verursacht haben. Für die letzte Plage wird eine Mutterkornvergiftung des Getreides vermutet. Weitere Ursachen bleiben möglich; unter anderem werden ägyptische Tempelinschriften zu Seevölkerinvasionen um 1200 v. Chr. herangezogen.

Die Plagen wurden vielfach künstlerisch verarbeitet, etwa in Georg Friedrich Händels Oratorium Israel in Egypt und in Jakob Steinhardts Holzschnittfolge Die zehn Plagen von 1921. Auch Filme wie Die Mumie, The Reaping und Exodus: Götter und Könige greifen sie auf; dabei erscheinen sie teils in anderer Reihenfolge oder mit naturwissenschaftlichen Erklärungen. Das Lied „Creeping Death“ von Metallica nennt die erste, sechste, siebte, neunte und zehnte Plage.

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