Wikipedia · einfach zusammengefasst · Stand
Augusta Vindelicum
Der Gründer der Stadt: Kaiser Augustus Die römischen Provinzen im Alpenraum und das römische Straßennetz ca. 150 n. Chr. Wohl unter Kaiser Trajan (98–117 n. Chr …
Inhalt5 Abschnitte
Augusta Vindelicum als Provinzhauptstadt
Augusta Vindelicum (auch Augusta Vindelicorum) ist der römisch-antike Name der Stadt Augsburg. In der Antike wurde auch der Name Municipium Aelium Augustum (auch Aelia Augusta) verwendet. Wohl unter Kaiser Trajan (98–117 n. Chr.) wurde die Stadt zum Statthaltersitz der römischen Provinz Raetia erhoben; davor war Cambodunum (Kempten) die Hauptstadt der Provinz gewesen. Die Provinz Raetia war unter Kaiser Augustus von Rom erobert worden. Sie reichte vom Bodensee (Lacus Brigantinus) bis zum Inn (Aenus) und umfasste ursprünglich das heutige Gebiet von Schwaben mit dem Allgäu, Oberbayern westlich des Inns und Niederbayern südlich der Donau, Oberschwaben und Ost-Württemberg, Teile von Tirol westlich des Flusses Ziller, Vorarlberg und die Schweiz. Nach der Reichsreform unter Kaiser Diokletian und der Zweiteilung der Provinz umfasste die Raetia Secunda lediglich noch die heutigen bayerischen Regierungsbezirke Schwaben und Oberbayern sowie Teile von Tirol, während die Raetia prima mit der Hauptstadt Chur das südliche Rätien bildete.
Namensherkunft
Der erste Name Augusta (lateinisch „die Erhabene“) ist die weibliche Form von Augustus und wurde zu Ehren des Kaisers Augustus gewählt. Unter dessen Herrschaft fand im Jahre 15 v. Chr. der Eroberungsfeldzug nach Rätien statt, bei dem ein Militärlager als Keimzelle der späteren Stadt errichtet wurde. Die Feminisierung beruht darauf, dass das grammatische Geschlecht (Genus) von Städten in der lateinischen Sprache oft weiblich ist (vgl. Roma, Colonia Agrippina). Mehrere Gründungen dieser Zeit tragen den Namen Augusta, im deutschen Sprachraum etwa Augusta Raurica und Augusta Treverorum. Der Beiname Vindelicum ist der Genitiv Plural von Vindelici bzw. Vindelix (Nominativ Plural: Vindelices) und bezeichnet den keltischen Volksstamm der Vindeliker, der in diesem Teil Rätiens zwischen Wertach (lateinisch Virda) und Lech (lateinisch Licus) ansässig war. Die Namensform „Augusta Vindelicorum“ wurde erst im 16. Jahrhundert aus lateinischen Sprachregeln und einer Inschrift (gentes Vindelicorum quattuor) auf dem Tropaeum Alpium (La Turbie bei Monaco) abgeleitet; historisch belegbar ist ab dem späten 2. Jahrhundert nur die Form „Augusta Vindelicum“. Offiziell wurde die Provinzhauptstadt in der Regel als „municipium Aelium Augustum“ bezeichnet. Auf vielen zeitgenössischen Steindenkmälern ist die Kurzform „Aelia Augusta“ überliefert, die ab 150 n. Chr. zunehmend von „Augusta Vindelicum“ verdrängt wurde. Der Geograf Claudius Ptolemäus verwendete um 150 n. Chr. den griechischen Namen Αὐγούστα Οὐινδελικῶν (Augusta Vindelikon); diese Form findet sich u. a. auch auf der Tabula Peutingeriana, der mittelalterlichen Kopie einer spätantiken Straßenkarte.
Ansiedlung
Die ältesten Besiedlungsreste im heutigen Stadtteil Augsburg-Oberhausen datieren in die Jahre um 8/5 v. Chr. bis 6/9 n. Chr.; es handelte sich vielleicht um ein Militärlager, das eventuell bei einem Hochwasser vernichtet wurde. Um 5/15 n. Chr. wurde ein neues Lager auf der Augsburger Hochterrasse errichtet. Nordöstlich des heutigen Doms entstand ein Holz-Erde-Kastell (römisches Militärlager aus Holz und Erde) mit über 10 ha Innenfläche für eine ca. 3000 Mann starke gemischte Einheit. Hier entwickelte sich auch eine Zivilsiedlung (Kastellvicus), für die typische Streifenhäuser nachgewiesen wurden. Kastell und Zivilsiedlung wurden bei einem Brand um 70 n. Chr. zerstört. Das Lager wurde nicht wieder aufgebaut, doch bestand die Zivilsiedlung weiter und erlangte bald städtischen Charakter: Im Zentrum verdichtete sich die Bebauung, im Nordwesten entstanden neue Wohngebiete, und der Ort hatte schon damals einen regelmäßigen Stadtplan; nur im Norden und Westen verlief die Straßenführung eher unregelmäßig. In der Regierungszeit Kaiser Hadrians wurde die Stadt zum Municipium (römische Stadt mit eigenen Rechten) erhoben; ihre offizielle Bezeichnung lautete danach municipium Aelium Augustum, in Kurzform Aelia Augusta. Ab dieser Zeit wurden vermehrt Gebäude in Stein errichtet, und die Stadt erhielt eine Stadtmauer, die ein Gebiet von ca. 80 ha umfasste. Inschriften belegen vor allem eine Blütezeit im zweiten und frühen dritten Jahrhundert. In der Spätantike war die Stadt, ungleich vielen anderen Orten, in vollem Umfang weiter besiedelt; selbst am Übergang zum fünften Jahrhundert wurden hier noch repräsentative Gebäude errichtet.
Römerstraßen
Augusta Vindelicum war Kreuzungspunkt wichtiger Römerstraßen. Die wichtigsten Verbindungen im Überblick: - Via Claudia Augusta: Sie hatte bei Ostiglia Anschluss an das Straßennetz nach Rom und verlief über Verona, Meran, den Reschenpass und Landeck über Füssen nach Augusta Vindelicum und weiter zum Limes (befestigte Grenzanlage des Römischen Reiches) bei Donauwörth. Die Straße wurde unter Drusus begonnen und zur Zeit des Kaisers Claudius im 1. Jahrhundert vollendet. - Verbindung zur Legionsstadt Mainz: Im ersten nachchristlichen Jahrhundert führte dieser Weg entweder über die Allgäustraße nach Bregenz und dann über Basel und Straßburg oder etwas kürzer über Günzburg auf der Donausüdstraße nach Kastell Hüfingen und von dort weiter über Basel nach Mainz. - Im Jahre 74 schuf die Legio VIII Augusta unter dem Kommando von Gnaeus Pinarius Cornelius Clemens eine Verbindung von Tuttlingen durch das Kinzigtal nach Argentoratum (Straßburg) mit Anschluss nach Mogontiacum (Mainz); dies verkürzte die Strecke von Augsburg nach Argentoratum und Mainz ganz wesentlich. - Um die etwa 15 Jahre später gebaute, noch wesentlich kürzere römische Fernstraße von Augsburg über Günzburg und Cannstatt nach Mainz militärisch zu sichern, wurde der Obergermanisch-Raetische Limes eingerichtet. - Allgäustraße: Sie verlief von Augsburg über den Septimerpass nach Oberitalien, über Cambodunum (Kempten) und Brigantium, das heutige Bregenz am Bodensee. - Via Julia: Sie verband Augsburg (Augusta Vindelicum) mit Salzburg (Iuvavum). - Via Raetia: Unter Kaiser Septimius Severus wurde sie befestigt und nach und nach zur mit Wagen befahrbaren Straße ausgebaut. Sie führte von Verona über Sterzing, den Brenner, Innsbruck und den Seefelder Sattel nach Augusta Vindelicum und ließ als kürzere Verbindung die Via Claudia Augusta in den Hintergrund treten.
Ausgrabungen
Diverse Ausgrabungen liefern ein relativ gutes Bild der antiken Stadt. Sie war von einer Mauer umgeben, die in etwa einen Halbkreis mit einem Durchmesser von 600 m bildete. Im Süden scheint sich die Stadt auch außerhalb der Stadtmauer ausgebreitet zu haben. Im Zentrum waren die Straßen nach einem Schachbrettmuster angelegt; für die Stadtbereiche im Norden und Westen ist dies jedoch nicht belegt. Es gab zahlreiche Steingebäude, wobei es aber auch viele in Fachwerkbauweise gab. Von der Bebauung konnten ein Forum (zentraler Platz der Stadt) und eine Thermenanlage (römisches Badehaus) angegraben werden. Zahlreiche Fundstücke aus dem römischen Augsburg wurden früher im Römischen Museum in der ehemaligen Dominikanerkirche präsentiert. Im Stadtgebiet sind nur noch wenige Reste der ehemaligen Provinzhauptstadt zu erkennen. Entlang der „Römermauer“ am Dom wurden Kopien einiger Steindenkmäler aufgestellt, deren Originale meist ins Römische Museum verbracht wurden. Einige originale Inschriftenplatten und Grabmäler aus der Sammlung des Humanisten Konrad Peutinger (1465–1547) sind im Innenhof und der Tordurchfahrt des Peutingerhauses frei zugänglich. Bei neueren Ausgrabungen auf einem ehemaligen Firmengelände wurden im Jahr 2021 römische Funde mit einem Gesamtgewicht von mehr als 400 kg geborgen, u. a. rund 800 Münzen, Waffen, Werkzeuge und Gefäße. Sie belegen, dass Augsburg der älteste Militärstützpunkt im heutigen Bayern ist. An einer etwa 200 Meter entfernten Fundstelle wurde der Silberschatz von Augsburg mit rund 5000 silbernen Denaren aus dem 1. und 2. Jahrhundert entdeckt.