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Geographike Hyphegesis

Die Geographike Hyphegesis (altgriechisch Γεωγραφικὴ Ὑφήγησις, wörtlich „Geographische Anleitung“) ist ein um das Jahr 150 erstellter Atlas von Claudius …

Inhalt5 Abschnitte
  1. 1. Werk, Zweck und Grundprinzip
  2. 2. Koordinaten und Umfang
  3. 3. Grenzen der Überlieferung und Auswertung
  4. 4. Entzerrung von Orten in Germania magna
  5. 5. Klimata und wichtige Ausgaben

Werk, Zweck und Grundprinzip

Die Geographike Hyphegesis (wörtlich „Geographische Anleitung“) ist ein um das Jahr 150 entstandener Atlas des Claudius Ptolemäus. Sie beschreibt die damals bekannte Welt und beruht teilweise auf älteren Quellen, unter anderem auf Arbeiten von Marinos von Tyros und Hanno dem Seefahrer. Ihre Bedeutung liegt darin, dass sie der erste bekannte historische Versuch ist, Teile der als Kugel erkannten Erde mit einer Kartenprojektion auf einer Karte darzustellen.

Ptolemäus verband einen theoretischen Vorspann mit neuen Methoden zur Projektion einer Weltkarte, einem Ortskatalog und einem Kartenatlas. Das Werk entstand um 150 n. Chr. in Alexandria. Es enthält eine Weltkarte und 26 Länderkarten. Seine Angaben sollten es ermöglichen, aus Zahlenwerten Karten zu zeichnen; tatsächlich sind viele Daten jedoch fehlerhaft oder schwer zu deuten.

Koordinaten und Umfang

Die Geographike Hyphegesis verzeichnet etwa 8000 Orte, topographische Punkte und Gebiete. Für etwa 6300 davon nennt sie Koordinaten in einem einheitlichen System; in der Beschreibung des Werks durch die Berner Forschungsstelle ist von etwa 6400 durch Koordinaten bestimmten Orten und insgesamt etwa 13.000 Koordinatenangaben die Rede.

Der Breitengrad wird vom Äquator aus gezählt. Der Nullmeridian liegt bei den Kanarischen Inseln. Die Zahlenwerte stehen im Milesischen System. Ptolemäus setzte den Erdumfang mit 180.000 Stadien an und ging damit von einem etwas zu geringen Erdumfang aus. Die Kartenprojektion ist ein Verfahren, mit dem die kugelförmige Erde auf einer ebenen Karte dargestellt wird.

Grenzen der Überlieferung und Auswertung

Die antiken Koordinaten stehen bei modernen Deutungen in einem zunächst unerklärlichen Widerspruch zu den von Ptolemäus vorgeschlagenen Kartenprojektionen, darunter der quadratischen Plattkarte. Als Grundmaß verwendete Ptolemäus wahrscheinlich das damals übliche Stadion, das ziemlich genau ein Fünftel Kilometer beträgt. Möglich ist aber auch, dass er viele Orte aus älteren oder zeitgenössischen Karten übernahm, die andere Maßeinheiten nutzten.

Zusätzliche Unsicherheit entstand durch seine Arbeitsweise: Ortsangaben beruhten auf Reiseberichten Dritter, insbesondere von Fernhändlern. Das Werk ist außerdem nur in einer Kopie aus dem Spätmittelalter erhalten. Unterschiedlich zuverlässige Berichte, die Umrechnung von Entfernungen in Grade, Wüstungen und Umbenennungen von Siedlungen sowie mögliche Abschreibfehler in mittelalterlichen Skriptorien erschweren die Identifikation. Besonders Orte außerhalb des antiken Römerreichs lassen sich oft nicht eindeutig heutigen Orten zuordnen.

Die Ptolemaios-Forschungsstelle der Universität Bern unter Alfred Stückelberger erarbeitete eine Neuausgabe: die Textausgabe von 2006, einen Ergänzungsband von 2009 und eine Faksimile-Ausgabe von 2017. Erstmals enthält diese Ausgabe eine vollständige deutsche Übersetzung. Sie wertete durchgehend den um 1300 entstandenen Codex Seragliensis GI 57 aus, eine 1927 im Topkapipalast in Istanbul gefundene bedeutende Kartenhandschrift. Die Forschenden prüften die oft fehlerhaft und uneinheitlich überlieferten Koordinaten anhand der erhaltenen Karten auf Plausibilität. Florian Mittenhuber zeichnete den gesamten Kartensatz in Anlehnung an die Handschriften neu. Die Ausgabe von 2017 enthält gegenüber Nobbe (1843/45) weit über 1000 Änderungen am griechischen Text. Die Berner Forschenden betonen jedoch, dass sich Verzerrungen wegen ihrer unterschiedlichen Ursachen nicht einfach großflächig korrigieren lassen.

Entzerrung von Orten in Germania magna

Orte innerhalb des historischen Römerreichs können teilweise örtlich zugeordnet werden; Argentoratum lag beispielsweise an der Stelle des heutigen Straßburg. Außerhalb des Reichs gelingt dies nur ausnahmsweise. Ein Projekt des Instituts für Geodäsie und Geoinformationstechnik der Technischen Universität Berlin unter Dieter Lelgemann untersuchte unter anderem die Koordinaten im zweiten und dritten Buch.

Für die Germania magna in Buch 2, Kapitel 11 übertrug das Team antike Angaben mit Referenzpunkten CCAA, Weichselmündung und Bonn in das moderne geografische Koordinatensystem. Dabei wurden gemeinsame geodätische Mess- oder Verzerrungsfehler rechnerisch entfernt; dies heißt Entzerrung. Die entzerrten Angaben erreichen für einzelne Orte teilweise 10 bis 20 km beziehungsweise 5′ bis 10′ Genauigkeit. Die Zuordnungen sind jedoch nicht unumstritten: Der Artikel nennt etwa Locoritum, das Langenprozelten zugeordnet wird, obwohl Langenprozelten 23,6 km beziehungsweise 13′ nördlich des umgerechneten Orts Marktheidenfeld liegt und die genannten Genauigkeitskriterien nicht erfüllt. Neustadt am Main erfülle dagegen 5 von 6 Kriterien.

Die Ergebnisse teilen die Orte in vier Gruppen ein. Die ersten drei Gruppen enthalten Orte mit systematisch entzerrbaren Koordinaten: sichere, wahrscheinliche und unsichere Lagen. Die vierte Gruppe hat nicht systematisierbare Fehler und blieb unberücksichtigt. Beispiele für sichere Lagen sind Kalisia bei Kalisz, Kalamantia bei Komárno und Askibourgion bei Moers. Als wahrscheinlich gelten Amisia bei Fritzlar, Ortsteil Geismar, Luppia bei Bernburg und Ebourodounon bei Brünn. Unsicher sind unter anderem Phabiranum bei Bremerhaven, Leuphana bei Hitzacker und Treva bei Bad Oldesloe. Wegen der Völkerwanderung darf ein heutiger zugeordneter Ort nicht einfach als siedlungsgeschichtliche Fortsetzung des antiken Orts gelten.

Klimata und wichtige Ausgaben

Ptolemäus fasste Orte der Germania magna gleicher Entfernung zwischen Pol und Äquator zu „Klimaten“ zusammen. „Klima“ bedeutet hier nicht eine moderne Klimazone, sondern einen Landstrich, dessen Teile den gleichen Neigungswinkel der einfallenden Sonnenstrahlen gegen den Horizont und damit dieselbe „Breite“ haben. Die Einteilung könnte auf Vermessungen der römischen Armee für die Feldzüge in Germanien zwischen 14 v. Chr. und 16 n. Chr. zurückgehen, die von römischen Garnisonen am Rhein ausgingen; offenbar hatte Ptolemäus darauf Zugriff.

Zu den genannten Ausgaben und Übersetzungen gehören die griechisch-deutsche Ausgabe Handbuch der Geographie von Alfred Stückelberger und Gerd Graßhoff (Basel 2006), die griechische Textausgabe Claudii Ptolemaei Geographia von Karl Friedrich August Nobbe (Leipzig 1843 und 1845), die englische Übersetzung der theoretischen Kapitel von John Lennart Berggren und Alexander Jones (2000) sowie Edward Luther Stevensons englische Übersetzung The Geography (1932; Nachdruck 1991), die im Artikel als sehr fehlerhaft bezeichnet wird.

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