Wikipedia · einfach zusammengefasst · Stand
Association internationale du Congo
war eine Vereinigung, die am 17. November 1879 vom belgischen König Leopold II. aus dem Komitee zur Erforschung des oberen Kongo gegründet wurde. Die …
Inhalt5 Abschnitte
Die A.I.C. im Überblick
Die Association internationale du Congo (deutsch: Internationale Kongo-Gesellschaft, abgekürzt A.I.C.) war eine Vereinigung, die am 17. November 1879 vom belgischen König Leopold II. aus dem Komitee zur Erforschung des oberen Kongo gegründet wurde. Sie bestand bis 1885; ihre Strukturen wurden vom Kongo-Freistaat übernommen. Vorsitzender der Vereinigung war Maximilien Strauch; Francis de Winton war vom 22. April 1884 bis zum 1. Juli 1885 ihr erster Generaladministrator (höchster Verwaltungsbeamter im Kongo-Geschäftsfeld der Vereinigung). Die A.I.C. trat formal nur als private Vereinigung auf. Dahinter stand der geheime Plan Leopolds II., im Kongobecken einen eigenen Staat zu gründen. Die Vereinigung verfolgte sowohl philanthropische (wohltätige) als auch kommerzielle (auf Handel gerichtete) Ziele. In wenigen Jahren erreichte sie nacheinander: den Erwerb von Gebieten durch Verträge mit örtlichen Häuptlingen, die Anerkennung durch die USA und das Deutsche Reich im Jahr 1884, die Anerkennung als souveräner (eigener, unabhängiger) Staat auf der Berliner Konferenz am 23. Februar 1885 und schließlich 1885 die Umwandlung in den Freistaat Kongo.
Leopold II. und die Anfänge der Kongo-Pläne
Kolonialismus, also der Erwerb von Kolonien, war in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts fester Bestandteil der Außenpolitik der meisten europäischen Länder. Vor allem Küstengebiete Afrikas, Asiens und im Indischen Ozean gerieten unter europäischen Einfluss. Das Landesinnere Afrikas war noch größtenteils unerforscht und nicht besetzt und rückte deshalb in den Fokus des Interesses. Leopold II. (1835–1909), damals noch Herzog von Brabant, war von dieser Kolonisierungsbewegung stark inspiriert. Er vertrat die Auffassung, auch Belgien müsse Kolonialgebiete erwerben, um Bestand und Ansehen des kleinen, von europäischen Großmächten umgebenen Landes zu sichern. 1860 überreichte er Premierminister Walthère Frère-Orban eine Marmortafel mit der Inschrift „Il faut à la Belgique une colonie“ („Belgien braucht eine Kolonie“). Am 12. September 1876, inzwischen König der Belgier, berief Leopold II. eine internationale geografische Konferenz nach Brüssel ein. Vertreten waren das Deutsche Reich, Frankreich, Österreich-Ungarn, Italien, Großbritannien, Russland und Belgien. Ziel war, die Erschließung des Inneren des afrikanischen Kontinents voranzutreiben. In seiner Eröffnungsrede betonte Leopold II. humanitäre und wissenschaftliche Ziele: Die Sklaverei in der afrikanischen Bevölkerung solle unterbunden und weiteren zivilisatorischen Zielen gedient werden; es gelte, „den einzigen Teil unseres Erdballs, in den die Zivilisation noch nicht vorgedrungen ist, für diese zu öffnen“. Die Konferenz führte zur Gründung der Internationalen Vereinigung zur Erforschung und Zivilisation Zentralafrikas, die als Internationale Afrika-Gesellschaft (A.I.A.) bekannt wurde. Sie sollte den afrikanischen Kontinent erforschen und später für den internationalen Handel öffnen. Sie verfügte über eine Internationale Kommission unter Vorsitz des Königs, ein Exekutivkomitee und Nationalkomitees. Leopold II. fasste daraufhin den Plan, im Kongobecken einen Staat zu gründen. Er schickte zwei Delegierte, Jules Greindl und Henry Shelton Sanford, an den Entdecker und Journalisten Henry Morton Stanley, um ihn um seine Dienste zu bitten. Stanley lehnte zunächst ab und hoffte, für Großbritannien oder die USA tätig werden zu können, erhielt aber von beiden Staaten keine Anfrage. Bei ihrem ersten Treffen im Juni 1878 einigten sich die beiden: Stanley sollte vor Ort die Gebiete des Kongo erwerben, indem er Vereinbarungen mit örtlichen Häuptlingen traf und Land kaufte; Leopold übernahm die formelle Planung und stellte einen Teil der benötigten finanziellen Mittel bereit. Unter Vorsitz der A.I.A. wurden von 1877 bis 1886 insgesamt fünf belgische Expeditionen in den Kongo unternommen. Nach ihrer zweiten Sitzung wurde am 25. November 1878 das Komitee zur Erforschung des oberen Kongo (Comité d'études du Haut-Congo, CEHC) gegründet. Seine Ziele waren zunächst rein kommerzieller Natur, doch stand auch diese Gründung ganz im Zeichen des – vorerst noch geheimen – Plans einer Staatsgründung im Kongo. 1879 fusionierten die Internationale Afrika-Gesellschaft, die nur einmal zusammengetreten war, und das Komitee zur Erforschung des oberen Kongo zur Association internationale du Congo. Mit der A.I.C. verfolgte Leopold II. nun sowohl die philanthropischen als auch die kommerziellen Ziele der Vorgängerorganisationen.
Anerkennung durch USA und Deutsches Reich
Die A.I.C. war im Grunde nur eine private Vereinigung. Leopold II. übte keine offizielle Macht aus, sondern agierte nur über Mittelsmänner. Trotzdem verfügte die A.I.C. bis 1883 in Afrika formal über alle wesentlichen Elemente für die Schaffung eines souveränen Staates: ein Territorium, eine Bevölkerung und eine Regierung. Es fehlte lediglich die Anerkennung im Sinne des Völkerrechts (des Rechts zwischen Staaten). Strauch vertrat die Idee, dass die Vereinigung von einem großen Staat anerkannt werden müsse, wobei er an die Vereinigten Staaten dachte. Am 27. November 1883 reiste der US-Botschafter Henry Shelton Sanford mit einem persönlichen Brief des Königs an Präsident Chester A. Arthur in die USA. Darin wurde angedeutet, die Vereinigung sei nur mit dem Ziel gegründet worden, dem Sklavenhandel ein Ende zu setzen und den Freihandel zu etablieren. Am 10. April 1884 wurde der amerikanische Präsident vom Senat ermächtigt, „die Flagge der Internationalen Assoziation des Kongo als gleichwertig mit der einer befreundeten Regierung anzuerkennen“. Am 22. April 1884 wurde eine Vereinbarung mit den USA geschlossen; in einem Austausch von Erklärungen wurde niedergeschrieben, die US-Regierung bekunde „ihr Mitgefühl und ihre Zustimmung für die menschlichen Zwecke und die Großzügigkeit der A.I.C.“, vertrete die Interessen der in der Region ansässigen freien Staaten und befehle den US-Beamten an Land wie auf See, die Flagge der Internationalen Vereinigung wie die einer befreundeten Regierung anzuerkennen. Für die Amerikaner war allerdings klar, dass die A.I.C. verschwinden würde, sobald die freien Staaten in der Lage wären, sich selbst zu regieren. Der Plan Leopolds II. war dagegen, dass die Vereinigung an die Stelle der regionalen Staaten treten sollte. Am 8. November 1884 erkannte das Deutsche Reich die Souveränität der Internationalen Vereinigung ebenfalls an.
Die Berliner Konferenz von 1884/85
Leopold II. gelang es, Frankreich und das Deutsche Reich davon zu überzeugen, dass gemeinsames Handeln in Afrika auch in ihrem Interesse sei. Andere europäische Mächte teilten seine Sorge, dass ihre weitläufigen Gebietsansprüche von den anderen Staaten nicht anerkannt werden könnten. Gemeinsames Ziel der Teilnehmer war es daher, ihre bisherigen und zukünftigen Eroberungen völkerrechtlich abzusichern sowie freien Handel und freie Schifffahrt auf den Flüssen Kongo und Niger festzuschreiben. Auf Einladung von Reichskanzler Otto von Bismarck nahmen ab dem 15. November 1884 die USA, das Osmanische Reich, Österreich-Ungarn, Belgien, Dänemark, Frankreich, Großbritannien, Italien, die Niederlande, Portugal, Russland, Spanien und Schweden-Norwegen (bis 1905 Personalunion) an dem Treffen teil. Die Konferenz endete am 26. Februar 1885 mit der Unterzeichnung der Kongoakte. Die USA ratifizierten den Vertrag im Nachhinein aus innenpolitischen Gründen jedoch nicht. Für Leopold II. war die Konferenz ein großer Triumph: Der A.I.C. wurde die Hoheit über das Kongobecken bestätigt, das rohstoffreichste Gebiet Afrikas. Das Gebiet ging dadurch nicht in den Besitz einer Großmacht über. Stattdessen fungierte es als Puffer zwischen den gegenläufigen britischen, französischen und portugiesischen Territorialansprüchen und wurde zur Freihandelszone mit Zugang für ausländische Unternehmen erklärt. Portugal trat von seinen Forderungen bezüglich der Kongomündung zurück; ein entsprechender Vertrag wurde am 14. Februar 1885 unter starkem Druck Frankreichs, Großbritanniens und Deutschlands mit dem Land unterzeichnet. Am 23. Februar 1885 erkannte die Konferenz die A.I.C. schließlich auch als souveränen Staat an – eine Premiere für eine derartige Organisation.
Vom Ende der A.I.C. zum Freistaat Kongo
Im April 1885 erlaubte das belgische Parlament dem König schließlich, „den von der Internationalen Vereinigung in Afrika gegründeten Staat“ zu leiten. Damit war der Plan Leopolds aufgegangen, und die Fassade der A.I.C. wurde überflüssig. Am 29. Mai 1885 wurde die Association Internationale du Congo per Regierungserlass in den „État indépendant du Congo“ (Freistaat Kongo) umgewandelt.