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Phrasierung
Phrasierung bezeichnet die Gestaltung der Töne innerhalb einer musikalischen Phrase hinsichtlich Lautstärke, Rhythmik, Artikulation und Pausensetzung.
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Grundidee der Phrasierung
Phrasierung ist die Gestaltung der Töne innerhalb einer musikalischen Phrase. Sie betrifft Lautstärke, Rhythmik, Artikulation und Pausensetzung. Sie macht hörbar, wie eine Tonfolge gegliedert ist.
Wie in der Sprache durch Stimmhebung und -senkung sowie durch kurze und lange Silben entstehen in der Musik unterschiedliche Gewichtungen. Töne haben nicht alle den gleichen Rang. Melodische, rhythmische oder harmonische Schwerpunkte erzeugen oft ein „Stark-Schwach“-Muster. Dadurch lassen sich Tongruppen, also Motive, voneinander abgrenzen; die Phrasierung kennzeichnet die daraus entstehenden Phrasen für die Hörenden.
Riemanns Gliederungslehre
Hugo Riemann untersuchte Ende des 19. Jahrhunderts systematisch den musikalischen Vortrag. Er gliederte musikalische Gedanken in Taktmotive mit Schwerpunkt auf der ersten betonten Zählzeit, Taktgruppen aus zusammengefassten Taktmotiven, Halbsätze aus vier Taktmotiven und Perioden. Eine Periode besteht aus zwei Halbsätzen: Vorder- und Nachsatz.
Als Phrase bezeichnete Riemann Glieder, die im Sinn der Symmetrie selbständig einander gegenübergestellt werden können. Jede Phrase hat eine eigene dynamische Gestaltung.
Zur Abgrenzung von Motiven und Phrasen nannte Riemann unter anderem Längen auf einem schweren Taktteil und Pausen nach Noten auf schwerem Taktteil; harmonische Besonderheiten sind dabei Ausnahmen. Weitere Merkmale sind Figurationen, die von einem Schwerpunkt zum nächsten führen und neue Anfänge verlangen, Anfänge auf schwerer Zeit (Volltakt) sowie weibliche Endungen. Bei einer weiblichen Endung geht das Motiv über den Ton hinaus, mit dem eine Schlusswirkung verbunden wird, etwa bei einer Vorhaltsdissonanz.
Riemanns Lehre geht im Wesentlichen von auftaktigen Modellen aus; dies wurde kritisiert. Von den zusätzlichen Zeichen, die er mit dem Pianisten C. Fuchs zur Anzeige der Phrasengliederung entwickelte, setzte sich im allgemeinen Gebrauch nur der Phrasierungsbogen durch.
Entwicklung der Auffassung
1898 wandte sich Friedrich Kullak entschieden gegen das auftaktige Prinzip von Riemanns Phrasierungslehre. Zunehmend wurden Urtextausgaben ohne Zusätze von Herausgebern zur Grundlage für Interpretation und Analyse von Musikwerken aller Epochen.
Zu Beginn des 20. Jahrhunderts entfernte sich die kompositorische Entwicklung deutlich von klassischer Metrik und Periodenbildung; außerdem wurde die Rhythmik wesentlich komplexer. Deshalb ist diese Musik nicht mehr im Sinne Riemanns zu phrasieren.
Phrasierung im Jazz
Im Jazz prägt die Phrasierung sowohl den Personalstil einzelner Musiker als auch den Stil von Epochen. Allgemeine Gesetzmäßigkeiten gelten als bekannt, lassen aber Raum für eigene Interpretation. Wichtig ist besonders das Timing, also die Platzierung der Töne im Verhältnis zum Beat.
Bei der Swing-Phrasierung werden auf Achtel-Ebene gerade, also binäre Achtel notiert. Ausgeführt werden sie triolisch, also ternär: In der gängigen Notenschrift spielt man die erste und die letzte Triole einer Achteltriolengruppe. Der Groove entsteht jedoch meist erst durch ein flexibles und dynamisches Gestalten der Achtellängen. Würden alle Töne stets exakt gleich gespielt, klänge die Musik statisch. Verschiedene Musiker können dieselbe notierte Melodie daher unterschiedlich spielen.
Im Swing wird die dritte Triole häufig etwas zu früh gespielt. Dadurch kann der Eindruck fast gerader Achtel entstehen; vor einem ternären Stück heißt dies duolisch. Ganz gerade Achtel entstehen aber nicht, sodass ein eigentümliches, nicht notierbares Musikgefühl bleibt.
Auch Akzente sind wichtig: Im Jazz werden Töne oft auf unbetonten Zählzeiten betont. Dies wird mit Synkope verglichen und steht im Gegensatz zur typischen Betonung der Marschmusik, ohne im Jazz durchgängig zu gelten. Als Beispiel werden die Soli von Charlie Parker genannt, der durch wiederholtes Spielen von Themen und Stücken Improvisationen entwickelte, die später eigene Stücke wurden.