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Armin Wolf (Journalist)
Armin Wolf (* 19. August 1966 in Innsbruck) ist ein österreichischer Journalist und Fernsehmoderator. Seit 2002 ist er Moderator des Nachrichtenjournals …
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Überblick
Armin Wolf (geboren am 19. August 1966 in Innsbruck) ist ein österreichischer Journalist und Fernsehmoderator. Seit dem 18. Juli 2002 moderiert er das Nachrichtenjournal Zeit im Bild 2 (ZiB 2) des öffentlich-rechtlichen ORF, seit 2010 ist er zusätzlich stellvertretender Chefredakteur der ORF-Fernsehinformation. Die ZiB 2 ist das Nachrichtenflaggschiff des österreichischen Fernsehens, womit Wolf zu den bekanntesten Politik-Journalisten des Landes gehört. Er ist für seine kritischen Live-Interviews mit Politikern bekannt, wird dafür geachtet und vielfach ausgezeichnet – ist dafür aber auch gefürchtet und wiederholt scharf kritisiert worden. 2017 zählte das englischsprachige Politik-Magazin Politico Europe ihn auf Platz 11 einer Liste von 28 Persönlichkeiten, die die höchste Wahrscheinlichkeit aufweisen, Europa im Jahr 2018 zu gestalten. Wolf war mehrfach Ziel von Morddrohungen und Verleumdungen, vor allem aus dem rechtsradikalen Spektrum.
Ausbildung und Werdegang
Armin Wolf ist der Sohn einer Lebensmittelverkäuferin und eines Hausmeisters, der Betriebsrat und christlicher Gewerkschafter war. In Innsbruck absolvierte er eine kaufmännische Ausbildung an einer Handelsakademie und unternahm dort als Mitbegründer einer Schülerzeitung erste journalistische Schreibversuche. Als Schüler war er im Vorstand der Schülerunion und Mitglied der JVP; mit 18 Jahren trat er aus, weil er die Parteimitgliedschaft nicht mit seiner Arbeit als Politik-Berichterstatter vereinbaren konnte. Nach eigenen Angaben war dieses Engagement wichtig für die Entwicklung seines Politikverständnisses: Über die JVP konnte er Sitzungen der Tiroler ÖVP besuchen und lernte, wie Politik an der Basis funktioniert. Mit der Schülervertretung nahm er an Rhetorik-Schulungen und Schreibworkshops teil und konnte Anmerkungen zum Lehrplan der Handelsschulen einbringen, die auch umgesetzt wurden. Seine journalistische Laufbahn begann 1985 unmittelbar nach der Matura als freier Mitarbeiter in der Hörfunk-Redaktion des Tiroler Landesstudios des ORF. 1988 wechselte er nach Wien zum Radiosender Ö1, wo er sieben Jahre als außenpolitischer Journalist arbeitete, unter anderem 1991/1992 als USA-Korrespondent in Washington, D.C. 1995 wechselte er zum Fernsehen als Redakteur der ZiB 2 und leitete von 1998 bis 2001 die Redaktion der ZiB 3, die er auch mitentwickelt hat. Nebenberuflich studierte er Politikwissenschaft (mit Soziologie, Pädagogik, Zeitgeschichte und Medienkunde als Nebenfach) und schloss im Dezember 1999 an der Universität Wien mit der Magisterarbeit „Der Sieg ist das Bild“. Die Inszenierung von Politik in der Mediengesellschaft ab. 2005 promovierte er an der Universität Innsbruck mit einer Dissertation über prominente Quereinsteiger in der Politik, die 2007 unter dem Titel „Image-Politik. Prominente Quereinsteiger als Testimonials der Politik“ veröffentlicht wurde. 2010 beendete er während einer neunmonatigen Bildungskarenz mit Stipendium ein Executive-MBA-Studium an der Berlin School of Creative Leadership mit einer Arbeit über junges Publikum und politische Information („News kind of comes to me…“). Wolf war zudem Lehrbeauftragter an den Universitäten Innsbruck und Wien mit Vorlesungen über Politische Kommunikation und Journalismus. Seit dem 18. Juli 2002 präsentiert Wolf die ZiB 2, zunächst alternierend mit Ingrid Thurnher, später mit Marie-Claire Zimmermann, von 2010 bis 2021 mit Lou Lorenz-Dittlbacher, seit 2022 mit Margit Laufer und seit 2019 mit Martin Thür. Von 2002 bis 2005 moderierte er zusätzlich die Diskussionssendung „Offen gesagt“, 2005 und 2012 leitete er die traditionellen Sommergespräche mit den Vorsitzenden der Parlamentsparteien. Eine Szene aus dem Gespräch mit Heinz-Christian Strache 2005 wurde zum Youtube-Klassiker: Als Strache 2012 in seinem Facebook-Auftritt behauptete, Wolf habe ihn 2005 mit einer Unwahrheit konfrontiert, lieferte Wolf in seinem Weblog den Gegenbeweis, worauf Strache am nächsten Tag halbherzig auf Facebook entschuldigte. Im Jahr 2023 bezog Wolf vom ORF ein Brutto-Jahresgehalt in Höhe von 252.780 Euro.
Interviewstil, Lob und Kritik
Wolf ist für Live-Interviews bekannt, in denen er sich von Studiogästen nicht mit Nullaussagen, Worthülsen und Ausflüchten abspeisen lässt und die gleiche Frage notfalls auch dreimal stellt. Michael Frank beschrieb ihn 2008 in der Süddeutschen Zeitung als Moderator, der „mit bissigem Witz und inquisitorischer Fragetechnik die Hohlheiten der Politik abklopft“. Hans-Peter Siebenhaar nannte ihn 2017 im Handelsblatt „die journalistische Ikone des ORF“; Politico Europe schrieb, Wolf habe sich zu „einem der fähigsten (und gefürchtetsten) politischen Journalisten Europas“ etabliert. Wolf war seit 2009 auf Twitter aktiv und hatte dort viele Follower; 2012 sagte er, ein Redakteur ohne Twitter-Account sei „so wie ein Journalist ohne Handy“, und wurde von Christian Ortner ironisch als „spirituelles Oberhaupt der Wiener Twitteria“ bezeichnet. Kritisierte Interviews und Vorfälle: • Susanne Winter (2015): Nachdem die FPÖ die Nationalratsabgeordnete wegen ihrer Zustimmung zu einem antisemitischen Posting über „zionistische Geldjuden“ ausgeschlossen hatte, konfrontierte Wolf sie im ZiB-2-Studio mit diesem und weiteren „Verschwörungstheorien“ ihrer Facebookseite und forderte mit der Frage „Was hat jemand wie Sie im Parlament verloren?“ zur Mandatsniederlegung auf. Es gab viel Zustimmung, aber auch Kritik: Die SPÖ-Abgeordnete Daniela Holzinger nannte die Interviewführung „niveaulos“ und bestritt „neutralem Journalismus“; der frühere Grünen-Europaabgeordnete Johannes Voggenhuber sprach von „Lynchjustiz“ und einer „lustvoll inszenierten medialen Hinrichtung“. Wolf verwahrte sich dagegen und wies zurück, Winter je als „Schmarotzerin“ tituliert zu haben. Der ZiB-Redakteursvertreter Dieter Bornemann verteidigte ihn: Journalisten seien keine bloßen Stichwortgeber, harte Fragen seien selbstverständlich erlaubt. • Reinhold Mitterlehner (2017): In der Anmoderation eines ZiB-2-Beitrags vom 9. Mai 2017 über den ÖVP-Vizekanzler ließ Wolf für elf Sekunden den Filmtitel „Django – Die Totengräber warten schon“ einblenden („Django“ war Mitterlehners von ihm selbst öffentlich gemachter Spitzname). Mitterlehner trat tags darauf zurück und machte Wolf wegen der Anmoderation mitverantwortlich. Der Medienpsychologe Peter Vitouch, Mitglied im ORF-Publikumsrat, warf Wolf in der Ö1-Diskussionssendung „Punkt eins“ am 19. Mai 2017 „destruktiven Journalismus“ vor; mit Körpersprache und Stimmlage vermittele er, dass Politiker bei ihm unter „Generalverdacht“ stünden. • Weitere Kritiker: Der Medienunternehmer Christian W. Mucha warf Wolf 2017 „überheblichen Journalismus“ und „Parteilichkeit“ vor. Der frühere Leiter des Salzburger ORF-Landesstudios Roland Brunhofer warf dem ORF vor, spätabends „politisches Verhör“ zu betreiben. Der stellvertretende ORF-Direktor Thomas Prantner meinte 2017 gegenüber profil, es sei „unzumutbar für einen öffentlich-rechtlichen Rundfunk“, wenn das TV-Studio „wie ein Verhörraum oder eine Anklagebank wirkt“. • Verteidiger: Cathrin Kahlweit (Süddeutsche Zeitung) und Meret Baumann (Neue Zürcher Zeitung) sahen in Wolf ein „Aushängeschild“ des ORF; die Kritik an ihm rühre daher, dass er den Parteien, die Einfluss auf den ORF haben, „zu kritisch – und zu hartnäckig“ frage bzw. dass diese den ORF verstärkt unter ihre Kontrolle bringen wollten. Der ORF-Redakteursrat widersprach Prantner und erinnerte an Zeiten, „als Journalisten ihre Fragen erst bei Politikern einreichen mussten“. Der Falter-Chefredakteur Armin Thurnher schrieb 2017, „Wolf den ORF rettet, indem er exemplarisch tut, was ein demokratisches Publikum braucht: Er stellt Fragen, die den Mächtigen nicht angenehm sind“. Wolf selbst erklärte bei der Verleihung des Axel-Corti-Preises im Juni 2017 die Kritik mit dem Bestreben der im ORF-Stiftungsrat vertretenen Parteien, den ORF umzugestalten: „Es müssen nämlich nicht Politiker und Parteien mit dem ORF zufrieden sein, sondern unser Publikum muss zufrieden sein.“ • Niki Lauda (2017): Wolf hatte Lauda vor einem ZiB-Interview gebeten, seine Kappe mit dem Sponsorenlogo des Glücksspielkonzerns Novomatic abzunehmen (in der ZiB gilt ein strenges Werbeverbot). Lauda attackierte ihn daraufhin scharf als „Deppen“ und warf ihm mangelnde Fairness vor. Wolf bestritt dies: Es sei eine höfliche Bitte gewesen; Lauda habe abgelehnt, das Thema sei damit erledigt gewesen, und das Interview sei völlig problemlos verlaufen. • Strache-Prozess (2018): Heinz-Christian Strache, damals Vizekanzler und FPÖ-Obmann, teilte am 13. Februar 2018 auf Facebook ein Bild von Wolf mit dem Text „Es gibt einen Ort, wo Lügen und Fake News zu Nachrichten werden“. Der ORF unter Generaldirektor Alexander Wrabetz wertete dies als Verleumdung und Diskreditierung seiner 800 Journalisten und klagte gegen Strache – sowie gegen Facebook, das den Beitrag nicht löschte. Wolf klagte ebenfalls und einigte sich am 13. März 2018 außergerichtlich mit Strache: Dieser verpflichtete sich zur Unterlassung, entschuldigte sich per Inserat in der Kronen Zeitung und auf Facebook, zahlte eine 10.000-Euro-Entschädigung und zog die Aussage „als unwahr“ zurück. Wolf spendete die Entschädigung an das Dokumentationsarchiv des österreichischen Widerstandes. • Vilimsky-Interview (2019): Im April 2019 konfrontierte Wolf den FPÖ-Politiker Harald Vilimsky mit einem Cartoon des Jugendverbands der steirischen FPÖ (Slogan „Tradition schlägt Migration“), der ein junges, weißhäutiges Paar umringt von grauen, hässlich grinsenden Figuren mit langen Nasen zeigte, welche muslimische Personen lächerlich machen – und stellte ihn einer Karikatur aus dem nationalsozialistischen Hetzblatt „Der Stürmer“ gegenüber. Vilimsky verteidigte die Darstellung und sagte im Live-Interview, der Vergleich sei „etwas, das nicht ohne Folgen bleiben kann“; in einem Boulevardblatt legte er Wolfs Rücktritt nahe. Medien und Journalisten-Verbände werteten dies als Drohung gegen die freie Presse und versuchte Einflussnahme. Die Gewerkschaftsvorsitzende Barbara Teiber nannte die Attacken einzelner FPÖ-Politiker auf ORF-Journalisten „verheerend und demokratiepolitisch höchst bedenklich“. Kommentator Rainer Stadler (NZZ) kritisierte den allzu leichtfertig gezogenen Nazi-Vergleich, während Stephan Löwenstein (FAZ) das beanstandete Plakat „tatsächlich schlimm, schlimmer noch als das Braunauer ‚Rattengedicht‘“ nannte. Hasskampagne und Klage gegen X: Wolf war mehrfach von Morddrohungen und Verleumdungen betroffen; für die FPÖ war er Zielscheibe einer Hasskampagne gegen den ORF. Auf der Plattform X verbreitete ein Troll laufend strafrechtlich relevanten Inhalt über ihn. Nachdem X sich weigerte, die Daten herauszugeben, und Rechtshilfeersuchen an irische und US-Justizbehörden erfolglos blieben, zeigte Wolf im Oktober 2025 mit Unterstützung der Medienanwältin Maria Windhager die Plattform wegen Begünstigung an. Da es sich um ein Offizialdelikt handelt, muss die Staatsanwaltschaft nun aktiv werden.
Familie und Privatleben
Armin Wolf lebt mit seiner Frau Euke Frank (geboren 1967), der ehemaligen Chefredakteurin der Zeitschrift Woman, und seinen beiden Stiefkindern in Wien. Von 2001 bis 2004 war er mit der ORF-Moderatorin Birgit Fenderl verheiratet. Er ist ein Urenkel des Bergsteigers und Kirchenrechtlers Viktor Wolf von Glanvell (1871–1905).
Preise und Ehrungen
Wolf wurde unter anderem ausgezeichnet mit: • Österreichischer Journalist des Jahres: 2004, 2018 und 2020; 2024 Journalist des Jahres in der Kategorie Innenpolitik. • Goldene Romy als „Beliebtester Moderator“: 2006, 2007 und 2012; 2019 zusätzlich Romy in der Kategorie Information. • 2005: Concordia-Preis für Pressefreiheit. • 2006: Robert-Hochner-Preis. • 2007: Prof. Claus Gatterer-Preis. • 2008: Ehrenbürger der Universität Innsbruck. • 2016: Sonderpreis des Hanns-Joachim-Friedrichs-Preises. • 2017: Leuchtturm-Preis des Netzwerk Recherche und Axel-Corti-Preis. • 2018: Grimme-Preis „Besondere Ehrung“ des Deutschen Volkshochschul-Verbandes (DVV). • 2019: Preis für die Freiheit und Zukunft der Medien sowie Europäischer Journalist des Jahres. • 2023: Goldenes Buch des Hauptverbandes des Österreichischen Buchhandels für mehr als 15.000 verkaufte Exemplare von „Der Professor und der Wolf. Das 1x1 der österreichischen Politik“.
Bücher und Veröffentlichungen
Zu Wolfs eigenen Schriften und Büchern gehören: • „Der Sieg ist das Bild“. Die Inszenierung von Politik in der Mediengesellschaft (Magisterarbeit an der Universität Wien, Dezember 1999). • „Image-Politik. Prominente Quereinsteiger als Testimonials der Politik“ (Nomos, Baden-Baden 2007; zugleich Dissertation an der Universität Innsbruck 2005). • „Promi-Politik. Prominente Quereinsteiger im Porträt“ (mit Euke Frank, Czernin, Wien 2006). • „Wozu brauchen wir noch Journalisten?“ (Picus, Wien 2012). • „Der Professor und der Wolf: Das 1 x 1 der österreichischen Politik“ (mit Peter Filzmaier, Christian Brandstätter Verlag, Wien 2023). • „Praktischer Journalismus. Ein Lehrbuch für den Berufseinstieg und alle, die wissen wollen, wie Medien arbeiten“ (als Herausgeber mit Ingrid Brodnig, Florian Klenk und Gabi Waldner, Falter Verlag, Wien 2024). Dazu kommen ein MBA-Thesis der Berlin School of Creative Leadership (Berlin 2010) sowie Buchbeiträge, darunter ein Text über prominente Quereinsteiger im „Österreichischen Jahrbuch für Politik 2004“ (2005) und „Danke für das Gespräch!“. Das Interview als (gefährdete) Form politischer Kommunikation im Sammelband „Mediendemokratie Österreich“ (2006). Unter „Sonstige“ listet der Artikel unter anderem seine Rede zur Verleihung des Robert-Hochner-Preises (17. Mai 2006), den Kommentar „Noch nicht alles perfekt im ORF“ im Der Standard (2007) und seine Dankesrede „Politiker glücklich zu machen ist nicht unser Job“ anlässlich der Verleihung des Corti-Preises (Juni 2017).