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Arbeitsmarktstatistik der Vereinigten Staaten
U-1 Prozentanteil der seit mindestens 15 Wochen Arbeitslosen an der zivilen Erwerbsbevölkerung. · U-2 Prozentanteil der Entlassenen an der zivilen …
Inhalt6 Abschnitte
- 1. Was ist die Arbeitsmarktstatistik der USA?
- 2. Wie die Zahlen erhoben werden
- 3. Bedeutung für die Finanzmärkte
- 4. Historische Entwicklung: Arbeitslosigkeit, Stille Reserve und Lebensmittelhilfe
- 5. Verlauf von Arbeitslosen- und Unterbeschäftigungsquote
- 6. Erwerbs- und Beschäftigungsquote sowie Unterschiede zwischen den Bundesstaaten
Was ist die Arbeitsmarktstatistik der USA?
Die Arbeitsmarktstatistik der Vereinigten Staaten gibt einen Überblick über die Entwicklung des US-Arbeitsmarktes. Sie umfasst Arbeitslosigkeit, Unterbeschäftigung, Erwerbsquote und Beschäftigungsquote und wird vom Bureau of Labor Statistics (BLS) berechnet. Eine zentrale Rolle spielen die alternativen Unterbeschäftigungsquoten (Alternative Measures of Labor Underutilization): Von 1976 bis 1993 gab es sieben Arbeitslosenquoten (U-1 bis U-7), die mehrfach revidiert wurden. Seit 1994 werden sechs Quoten (U-1 bis U-6) unterschieden, wobei U-3 die offizielle Arbeitslosenquote ist und U-6 die Quote der Unterbeschäftigung angibt. Die Quoten seit 1994 im Überblick: U-1 zählt Arbeitslose mit mindestens 15 Wochen Arbeitslosigkeit in Prozent der zivilen Erwerbspersonen. U-2 zählt Personen, die ihren Arbeitsplatz verloren haben, plus vorher befristet Beschäftigte. U-3 zählt alle Arbeitslosen (offizielle Quote). U-4 zählt zusätzlich die entmutigten Arbeitnehmer. U-5 zählt zusätzlich die instabil Beschäftigten. U-6 zählt zusätzlich Personen, die aus wirtschaftlichen Gründen nur eine Teilzeitstelle haben, wobei der Nenner um die instabil Beschäftigten erweitert wird. Die Erwerbsquote (Civilian Participation Rate) setzt das Civilian Labor Force Level (Arbeitskräfte, die dem Arbeitsmarkt zur Verfügung stehen) ins Verhältnis zur Civilian Noninstitutional Population (Bevölkerung im erwerbsfähigen Alter über 16 Jahren). Die Beschäftigungsquote (Civilian Employment-Population Ratio) ist das Verhältnis der Beschäftigten zur Bevölkerung im erwerbsfähigen Alter über 16 Jahren; sie ist gleich der Erwerbsquote, wenn keine Erwerbslosigkeit vorliegt.
Wie die Zahlen erhoben werden
Die Erhebungsmethode in den USA unterscheidet sich deutlich von europäischen Ländern: Während in Deutschland die Bundesagentur für Arbeit exakte Zahlen aller Arbeitslosengeld-Empfänger erheben kann, fragt das BLS in den USA repräsentative Telefonumfragen von 60.000 Haushalten ab (Household Data). Da es keine offiziellen Meldefristen gibt, werden die Arbeitslosenzahlen zusätzlich mit einem Modell der Neugeborenen und Gestorbenen ermittelt (Net Birth/Death Model). Als beschäftigt gilt, wer in der Erhebungswoche mindestens eine bezahlte Stunde gearbeitet hat, im eigenen Unternehmen arbeitete oder mindestens 15 Stunden unbezahlt im Familienbetrieb ausgeholfen hat; auch bei vorübergehender Abwesenheit wegen unbezahltem Urlaub, Krankheit, schlechtem Wetter oder Streik gilt die Person als beschäftigt. Jeder Beschäftigte wird nur einmal gezählt, auch bei zwei Arbeitsplätzen. In der breiteren Quote U-6 erfasst das BLS zusätzlich Teilzeitbeschäftigte, die einen Vollzeitarbeitsplatz suchen, die marginal und geringfügig Beschäftigten und die entmutigten Arbeitnehmer (discouraged workers). Marginal und geringfügig Beschäftigte gelten als verfügbar für eine Tätigkeit und suchten in den letzten 12 Monaten einen Arbeitsplatz; sie zählen nicht als arbeitslos, wenn sie sich in den letzten 4 Wochen nicht bemüht haben. Entmutigte Arbeitnehmer suchen nicht mehr nach Arbeit, weil sie glauben, dass keine Arbeitsplätze für sie erhältlich sind. Wer länger als einen Monat keinen Arbeitsplatz gesucht hat, fällt seit 1994 aus der Quote U-6 heraus und aus der offiziellen Quote U-3 komplett heraus. Solche Personen stuft das BLS als „not in labor force“ ein. Die Zahl dieser entmutigten Arbeitskräfte wächst in den USA.
Bedeutung für die Finanzmärkte
Die Arbeitsmarktberichte des BLS werden an den Aktienmärkten als fundamentaler Indikator beachtet und gewöhnlich als nachlaufend (Spätindikator) betrachtet. Die Finanzmärkte reagieren sensibel auf unerwartete Veränderungen. Wöchentliche Berichte erscheinen jeden Donnerstag um 14:30 Uhr MEZ, monatliche Berichte am ersten Freitag im Monat ebenfalls um 14:30 Uhr MEZ. Die Arbeitslosigkeit korreliert eng mit dem Verbrauchervertrauen, das die Konsumneigung der Privathaushalte misst. Das Verbrauchervertrauen gilt als zentraler Indikator für die Konsumausgaben, die etwa zwei Drittel der US-Wirtschaftsleistung ausmachen. Wichtige Konsumklima-Indizes sind der Consumer Confidence Index des Conference Boards und der University of Michigan Consumer Sentiment Index von Thomson Reuters und der University of Michigan.
Historische Entwicklung: Arbeitslosigkeit, Stille Reserve und Lebensmittelhilfe
Die US-Arbeitslosenquote lag jahrelang niedriger als in vielen europäischen Ländern: 2007 betrug die offizielle Quote U-3 im Jahresdurchschnitt 4,6 Prozent. Im Zuge der Finanzkrise stieg sie 2010 auf durchschnittlich 9,6 Prozent, den höchsten Stand seit 1983. Zählt man entmutigte Arbeitnehmer sowie Teilzeitbeschäftigte mit Vollzeitwunsch hinzu (U-6), lag die Arbeitslosigkeit 2010 bei 16,7 Prozent, auf dem Niveau der Großen Depression der 1930er Jahre. Die Erwerbsquote stieg seit 1964 kontinuierlich (Ausnahmen 1975 und 1993) und erreichte zwischen 1997 und 2000 mit jeweils 67,1 Prozent ein Allzeithoch; 2012 fiel sie auf durchschnittlich 63,7 Prozent, den tiefsten Stand seit 1979. Die Beschäftigungsquote sank vom Höchststand 64,4 Prozent im Jahr 2000 auf 58,4 Prozent 2011 (Niveau von 1983) und lag 2012 bei 58,6 Prozent. Im August 2012 erreichte die verdeckte Arbeitslosigkeit ein 31-Jahres-Hoch: Erwerbsquote 63,5 Prozent (tiefst seit September 1981), offizielle Quote U-3 8,1 Prozent, U-6 14,7 Prozent. Der Artikel verweist darauf, dass aktuelle Zahlen und die Arbeitslosigkeit während der COVID-19-Pandemie fehlen. Die Stille Reserve umfasst alle arbeitsfähigen Personen ab 16 Jahren, die dem Arbeitsmarkt nicht mehr zur Verfügung stehen; sie zählen bei der offiziellen Arbeitslosenquote nicht mit. Von 2002 bis 2012 stieg die Bevölkerung im arbeitsfähigen Alter um 25,7 Millionen auf 243,3 Millionen, die Arbeitskräfte aber nur um 10,1 Millionen auf 155,0 Millionen. Die Zahl der Nicht verfügbaren wuchs seit 2002 um 15,6 Millionen auf 88,3 Millionen (2012, Allzeithoch). Zwischen 2008 und 2011 stieg die arbeitsfähige Bevölkerung um 5,8 Millionen, die Arbeitskräfte sanken um 0,7 Millionen, und 6,5 Millionen verschwanden in die Stille Reserve. Zwischen 2009 und 2012 stieg die Stille Reserve erstmals seit 1945 schneller als die arbeitsfähige Bevölkerung; im Mai 2018 betrug sie 95,5 Millionen. Beispiele aus der Tabelle: 2007 waren es 78,743 Millionen in der Stillen Reserve bei 7,078 Millionen Arbeitslosen; 2020 stiegen die Arbeitslosen sprunghaft auf 12,947 Millionen und die Stille Reserve auf 99,587 Millionen; 2023 lag die Stille Reserve bei 99,826 Millionen. Zur Lebensmittelhilfe: In den meisten Bundesstaaten wird nach 26 Wochen kein Arbeitslosengeld mehr gezahlt; danach gibt es Lebensmittelmarken (Food Stamps) über das Supplemental Nutrition Assistance Program (SNAP). Im Haushaltsjahr 2011 bezogen durchschnittlich 44,7 Millionen Amerikaner (14,5 Prozent der Bevölkerung) Lebensmittelhilfen über spezielle Kreditkarten, 2001 waren es noch 17,3 Millionen (6,1 Prozent); die Kosten 2011 betrugen 75,3 Milliarden US-Dollar. Beantragen können arbeitsfähige US-Staatsbürger zwischen 16 und 60 Jahren, die nicht mehr als 2.000 US-Dollar Haushaltsvermögen besitzen und nachweislich Arbeit suchen; Erwachsene ohne Kinder erhalten generell nur maximal drei Monate Unterstützung, entmutigte Arbeitnehmer haben keinen Anspruch. Im September 2012 erreichte die Zahl der Bezieher ein Allzeithoch von 47,7 Millionen (15,3 Prozent der Bevölkerung, 20,0 Prozent der privaten Haushalte). 2013 lag sie bei 47,636 Millionen (Kosten 79,859 Mrd. USD), 2019 bei 35,702 Millionen, 2020 wieder bei 39,884 Millionen (79,118 Mrd. USD).
Verlauf von Arbeitslosen- und Unterbeschäftigungsquote
Die saisonbereinigte Arbeitslosenquote wird seit 1890 jährlich und seit 1971 monatlich gemessen. Wichtige Stationen: In der Weltwirtschaftskrise erreichte sie 1933 mit 24,9 Prozent den Höchststand der historischen Reihe; während des Zweiten Weltkriegs fiel sie auf 1,2 Prozent (1944). Nach dem Krieg lag sie meist zwischen 3 und 6 Prozent, stieg in den Rezessionen 1975 auf 8,5 Prozent und 1982 auf 9,7 Prozent (monatlich Ende 1982 bis 10,8 Prozent). In den späten 1990er Jahren sank sie auf 4,0 Prozent (2000). Nach 2008 stieg sie von 5,8 Prozent (2008) auf 9,3 Prozent (2009) und 9,6 Prozent (2010), dann sank sie bis 3,9 Prozent (2018) und 3,7 Prozent (2019). In der COVID-19-Pandemie stieg sie 2020 im April auf 14,8 Prozent (Jahresdurchschnitt 8,1 Prozent). Ab 2021 normalisierte sich die Quote: Jahresdurchschnitt 2021: 5,3 Prozent, 2022: 3,6 Prozent, 2023: 3,6 Prozent. Die Unterbeschäftigungsquote U-6 (bis 1994 als U-7) wird seit 1980 gemessen: 1982 betrug sie 15,3 Prozent, 2000 nur 7,0 Prozent. Nach der Finanzkrise stieg sie auf 16,7 Prozent (2010, monatlich bis 17,2 Prozent im Oktober 2009) und sank bis 2019 auf 7,2 Prozent. 2020 sprang sie im April auf 22,9 Prozent (Jahresdurchschnitt 13,7 Prozent), 2022 lag sie bei 6,9 Prozent und 2023 bei 6,9 Prozent.
Erwerbs- und Beschäftigungsquote sowie Unterschiede zwischen den Bundesstaaten
Die saisonbereinigte Erwerbsquote wird seit 1940 (Alter über 14 Jahre) und seit 1947 (Alter über 16 Jahre) gemessen. Sie stieg von 55,7 Prozent (1940) über 60,2 Prozent (1971) und 66,5 Prozent (1990) bis zum Allzeithoch von 67,1 Prozent in den Jahren 1997 bis 2000. Danach sank sie langsam auf 66,0 Prozent (2007) und 62,9 Prozent (2014); 2020 fiel sie auf 57,2 Prozent im Jahresdurchschnitt (April 2020: 60,2 Prozent). Seit 2021 stieg sie wieder auf 62,2 Prozent (2022) und 62,6 Prozent (2023). Die Beschäftigungsquote (Anteil der Beschäftigten an der Bevölkerung über 16 Jahren) stieg von 47,6 Prozent (1940) über 56,6 Prozent (1971) bis 64,4 Prozent (2000, Jahreshöchststand). Nach der Finanzkrise sank sie auf 58,5 Prozent (2010) und erholte sich bis 60,8 Prozent (2019); im April 2020 brach sie auf 51,3 Prozent ein (Jahresdurchschnitt 56,8 Prozent), stieg aber 2022 wieder auf 60,0 Prozent. Die Arbeitslosenquote unterscheidet sich stark zwischen den Bundesstaaten (Stand Oktober 2018): Die niedrigsten Quoten hatten Hawaii (2,3 %), Iowa (2,4 %) und New Hampshire (2,6 %); weitere niedrige Quoten hatten Idaho, Minnesota, Nebraska, North Dakota und Vermont (je 2,8 %). Die höchsten Quoten hatten West Virginia (5,2 %), der District of Columbia (5,6 %) und Alaska (6,4 %); auch Louisiana (5,0 %) und Arizona bzw. Mississippi (je 4,7 %) lagen über dem Durchschnitt.