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Arbeiterbewegung in den Vereinigten Staaten
Dabei ist in ihrer Geschichte eine vorindustrielle Phase etwa bis 1840 mit Manufakturarbeitern und Handwerkern von der eigentlichen Industrialisierung zu …
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Gegenstand und frühe Voraussetzungen
Die Arbeiterbewegung in den Vereinigten Staaten umfasst organisierte Zusammenschlüsse zur Verteidigung und Verbesserung von Arbeiterrechten. Ihre Geschichte gliedert sich in eine vorindustrielle Phase bis etwa 1840, die vor allem Manufakturarbeiter und Handwerker prägten, und die eigentliche Industrialisierung mit Gewerkschaften und Arbeiterparteien für Fabrikarbeiter. Kennzeichnend sind die geringe Ausprägung sozialistischer Bewegungen und das Fehlen politischer Richtungsgewerkschaften.
Um 1750 war ungefähr die Hälfte der Bevölkerung der nordamerikanischen britischen Kolonien abhängig beschäftigt. Dazu gehörten einerseits männliche Weiße, die als Sträflinge, Zwangsarbeiter oder Schuldner aus dem angelsächsischen Mutterland kamen und später freie Bürger wurden, andererseits rechtlose Sklaven. In Carolina waren 1708 von etwa 9.580 Einwohnern, darunter rund 1.400 Indigene, ungefähr 4.100 Sklaven. Wegen Arbeitskräftemangels verdienten freie Arbeiter vergleichsweise gut: In Neuengland das Dreifache eines Arbeiters in England und das Sechsfache eines Arbeiters in Schweden oder Dänemark. Aufstiegschancen und rechtliche Gleichstellung der Iren mit anderen „Weißen“ erschwerten eine dauerhafte Interessenorganisation.
Am Ende der Kolonialzeit bestand trotz demokratischer Verfassung eine Ständegesellschaft. Kaufleute und Pflanzer konnten allein Institutionen gründen; für abhängig Beschäftigte gehörten Sklaverei, Zwangsarbeit und ein Verbot gemeinsamer Zusammenschlüsse zur Lebenswelt. Der erste Streik ereignete sich 1763 in Charleston, South Carolina: Freie afroamerikanische Schornsteinfeger streikten. Während des Unabhängigkeitskriegs entstanden berufsbezogene Vereine zur gegenseitigen Hilfe oder „Box-Clubs“, etwa die 1767 gegründete Friendly Society of Tradesmen and House Carpenters in New York. Nach der Unabhängigkeit förderten Versammlungs- und Petitionsrecht, Pressefreiheit, ein ordentliches Gerichtsverfahren und das Wahlrecht für als „weiß“ geltende Männer erste Streiks: Schuster und Drucker streikten 1785 und 1786 in Philadelphia.
Die Land Ordinance von 1784/85 und die Northwest Ordinance von 1787 stellten westlich der Appalachen preiswertes Land bereit. Zusammen mit einer Bildungsoffensive bot der Zug nach Westen vielen Arbeitern eine Ausweichmöglichkeit bei drohender Verarmung; zugleich wurde der Staat zunehmend arbeiter- und gewerkschaftsfeindlich.
Industrialisierung und frühe Organisationen
Mit Industrialisierung und market revolution entstand eine Schicht von Fabrikarbeitern, das Proletariat. Kapital konzentrierte sich bei einer kleinen Bevölkerungsschicht; sozialen und rechtlichen Schutz gab es kaum. Samuel Slater brachte um 1789 Pläne der britischen „Spinning Jenny“ mit, Eli Whitney entwickelte 1793 eine Baumwollentkörnungsmaschine. 1810 arbeiteten in 87 Textilfabriken Pennsylvanias etwa 500 Männer sowie über 3.500 Frauen und Kinder. Die Eisenproduktion stieg von 55.000 t im Jahr 1810 auf 180.000 t im Jahr 1830. Nach dem Ende von Embargos und Kriegskonjunktur konnte die US-Industrie jedoch oft nicht mit britischen Billigwaren konkurrieren; 1819 kam es zur ersten Wirtschaftskrise. Die Bevölkerung wuchs von 4 Millionen 1790 auf 10 Millionen 1820, 17 Millionen 1840 und 31,5 Millionen zu Beginn des Bürgerkriegs.
Die Krise führte zu Gewerkschaften und Arbeiterparteien. 1824 gab es organisierte Arbeitsniederlegungen in Slaters Textilfabrik, 1825 entstand mit den United Tailoresses of New York eine stabile weibliche Gewerkschaft. Die 1828 in Philadelphia gegründete Workingmen’s Party und ihre Schwesterorganisation von 1829 in New York verlangten zunächst unter anderem Erbschaftsteuer, Vergesellschaftung von Banken und Fabriken sowie ein Verbot von Landbesitz. Später forderten sie öffentliche Bildung, Abschaffung der Schuldnerhaft, Sicherung von Löhnen, gerechtere Steuern und Zugang von Nicht-Eigentümern zu öffentlichen Ämtern. 1832 verlangte die Association of the Working People in New Castle bereits das Frauenwahlrecht. Zwischen 1828 und 1834 entstanden Workingmen’s Parties in 61 Städten; sie zerfielen aber durch innere Konflikte und weil etablierte Parteien Forderungen aufnahmen. Mit der Jacksonian Democracy erhielten männliche Arbeiter schrittweise mehr Wahlrechte.
Gewerkschaften bestanden länger, weil sie vor allem betriebliche Ziele verfolgten. 1836 waren 300.000 Arbeiter organisiert, gegenüber 26.500 im Jahr 1833. Wichtige Ziele waren die Legalisierung von Arbeiteraktionen, die weiterhin als Verschwörung strafbar sein konnten, und der 10-Stunden-Tag. Ein erfolgreicher Streik von 20.000 Mitgliedern der Traders Union of the City and County of Philadelphia löste eine Streikwelle aus. Nach 1842 waren Gewerkschaften durch Gerichtsbeschluss legal, Streiks galten aber weiter als Verschwörung. Die Einwanderung der 1840er Jahre – 3 Millionen Menschen, darunter zu 70 % Iren und Deutsche – verschärfte Lohndruck und Konflikte. Der allgemeine 10-Stunden-Tag wurde 1842 in New Hampshire und 1848 in Pennsylvania erkämpft, zunächst jedoch teils durch erzwungene „freiwillige“ Mehrarbeit umgangen. Nach der Krise von 1857 gingen die meisten Gewerkschaften ein.
Lowell und Manayunk als unterschiedliche Arbeitswelten
Lowell in Massachusetts galt als positives Industriezentrum. Die Einwohnerzahl stieg von etwa 200 zu Beginn der 1820er Jahre auf 33.000 dreißig Jahre später. Die „Lowell mill girls“ waren meist unverheiratete Farmertöchter, die bis zur Heirat in Fabriken arbeiteten und in werkseigenen Wohnheimen lebten. Sie verdienten 40 bis 80 Cent täglich; männliche Wärter, Aufseher und Mechaniker 85 Cent bis 2 Dollar pro Tag. Die Fabrik bot gemäß der angeführten Arbeiterinnenbeschreibung Aufseher, Krankenhausversorgung, Vorträge sowie religiöse Bildungsangebote, was als patriarchale Fürsorge erscheint.
Als 1834 die Löhne wegen fallender Gewinne um 15 % sanken und 1836 durch höhere Kosten für Kost und Logis faktisch um weitere 12,5 % gekürzt wurden, streikten 1.500 junge Frauen erfolglos. Ihre Gewerkschaft wurde dennoch von den Philadelphia Journeymen Cigar Makers begrüßt und unterstützt. 1836 waren nur 4 % der Arbeiterinnen Einwanderinnen; bis 1860 stieg ihr Anteil auf über 60 %.
Manayunk in Pennsylvania hieß wegen seiner Textilindustrie das „Manchester Amerikas“ und hatte Anfang der 1830er Jahre acht große Fabriken. 1837 arbeiteten Kinder bis neun Jahre für 75 Cent je zwei Wochen, Kinder ab neun Jahren für ½ bis 1 Dollar wöchentlich, Frauen für 2 Dollar und Männer für 7,50 Dollar pro Woche bei einem 13-Stunden-Tag. Frauen wurde die Hälfte ihres Lohns für Unterkunft, Mahlzeiten und Heizung abgezogen; zudem hielt man am monatlichen Zahltag bis zur Hälfte des Lohns zurück. Nach einer 20-prozentigen Lohnkürzung streikten vor allem Frauen. Im Mai 1834 erhielten sie 5 % mehr Lohn, was gegenüber dem ursprünglichen Lohn weiterhin eine Kürzung bedeutete.
Der irische Einwanderer John Ferral gründete 1835 mit anderen Gewerkschaftsvertretern die National Traders Union, die erste bundesweite Arbeiterorganisation. Sie organisierte in Philadelphia den ersten Generalstreik der US-Geschichte für den allgemeinen 10-Stunden-Tag und siegte dort. Bis Ende 1835 hatten die meisten Fachhandwerker einen Normalarbeitstag von zehn statt zwölf Stunden; auch für andere Arbeiter sank die Arbeitszeit.
Gewerkschaften, Reformen und politische Strömungen bis 1945
Nach dem Bürgerkrieg und der Großen Depression ab 1873 verschwanden viele neue Gewerkschaften. Im industrialisierten Gilded Age nahmen Konflikte über Lohn, Arbeitszeit und Arbeitsschutz zu. Die Knights of Labor hielten 1878 ihren ersten nationalen Kongress ab und erreichten in den 1880er Jahren 700.000 Mitglieder. Frauen und Schwarze waren zugelassen. Die Organisation forderte Achtstundentag, Verbot der Kinderarbeit sowie Verstaatlichung von Eisenbahnen und Telegrafengesellschaften, lehnte Streiks aber ab. Beim Eisenbahnerstreik von 1877 setzte Präsident Hayes Bundestruppen ein; es gab über hundert Tote. Nach dem Bombenanschlag auf dem Haymarket in Chicago 1886, bei dem sieben Polizisten starben, wandte sich die öffentliche Meinung gegen die Arbeiterbewegung. August Spies und drei weitere Männer wurden 1887 hingerichtet.
Die 1881 von Samuel Gompers mitgegründete American Federation of Labor (AFL) übernahm eine pragmatische Gewerkschaftspolitik und setzte Streiks ein, schloss jedoch Ungelernte, Frauen sowie Schwarze, Asiaten und Latinos weitgehend aus. Um 1900 hatte sie etwa 1 Million Mitglieder in 40 Branchenorganisationen bei rund 30 Millionen Beschäftigten. Deshalb gründeten Textilarbeiterinnen 1903 die Women’s Trade Union League. Die radikalere Industrial Workers of the World (IWW) entstand 1905 und bemühte sich um Frauen und Schwarze. Eugene V. Debs gründete 1901 die Sozialistische Partei Amerikas; bei der Präsidentschaftswahl 1912 erreichte sie knapp 6 %, verlor aber wegen ihres Pazifismus ab 1915 an Bedeutung. 1920 hatten Gewerkschaften 5 Millionen Mitglieder bei 40 Millionen Beschäftigten.
Die Weltwirtschaftskrise ab 1929 verschärfte die Not; bis 1945 verdoppelte sich die Zahl der Gewerkschaftsmitglieder auf 15 Millionen. Der New Deal brachte ab 1933 Mindestlohn, das Recht auf überbetriebliche Organisation durch den National Labor Relations Act beziehungsweise Wagner Act von 1935 und Tarifrecht durch den Fair Labor Standards Act von 1938. Von der 1935 eingeführten Sozialversicherung gegen Arbeitslosigkeit und Altersarmut waren Hausangestellte und Landarbeiter auf Wunsch der Südstaaten ausgeschlossen; eine Krankenversicherung gab es noch nicht. Der Wagner Act wurde 1947 durch das arbeitgeberfreundliche Taft-Hartley-Gesetz de facto aufgehoben. Ebenfalls 1935 entstand unter John L. Lewis der CIO als Bund von Industriegewerkschaften für un- und angelernte Arbeiter; ihm traten auch Frauen und Afroamerikaner bei.
Seit dem Kalten Krieg und heutige Lage
In der McCarthy-Zeit standen linke Gewerkschafter unter Kommunismusverdacht. Das Taft-Hartley-Gesetz verlangte von Gewerkschaftern eine antikommunistische Erklärung. 1955 schlossen sich AFL und CIO zur AFL-CIO unter George Meany zusammen. Seit 1970, als Gewerkschaften noch ein Fünftel der Arbeitnehmer vertraten, sinkt ihr Organisationsgrad. Deindustrialisierung in Kohle-, Stahl- und später Autoregionen wie Detroit entfremdete Teile der Arbeiterschaft von traditionellen Organisationen. Eine nennenswerte sozialistische Bewegung entstand auch mit New Left und Studentenrevolte 1968 nicht; die seit 1973 bestehende Sozialistische Partei der USA blieb eine Splitterpartei.
Seit 1990 verlieren Industriegewerkschaften besonders an Bedeutung. Die größten Einzelgewerkschaften vertreten öffentlichen Dienst und Lehrer sowie Transport- und andere Dienstleistungen. Im privaten Sektor liegt der Organisationsgrad unter 9 %, und 85 Prozent aller Beschäftigten arbeiten ohne Tarifvertrag. Viele Industriestandorte wurden aus dem frost-belt in gewerkschaftsfreie Regionen des sun-belt verlagert. Politisch bestehen kleinere sozialistische oder ökosozialistische Gruppen; Bernie Sanders vertrat als demokratischer Senator aus Vermont sozialdemokratische und arbeitnehmernahe Positionen und wurde von den Democratic Socialists of America unterstützt. Alexandria Ocasio-Cortez und Rashida Tlaib gehören ebenfalls dazu.
In den frühen 2020er Jahren gab es eine kleine Trendwende, vor allem in Großstädten und bei Dienstleistungsunternehmen wie Amazon und Starbucks, wo mehrere Gewerkschaftsgründungen gelangen. Präsident Biden bezeichnete sich selbst als „Gewerkschaftsmann“. Der Artikel weist zugleich darauf hin, dass die Darstellung zur Gegenwart ausgebaut werden müsse.
Die Geschichtsschreibung begann akademisch im Ersten Weltkrieg mit John R. Commons an der University of Wisconsin-Madison; seine vierbändige History of Labor erschien bis 1935. Die seit den 1950er Jahren entwickelte new labor history untersucht stärker die Erfahrungen von Arbeitern, Frauen und Minderheiten sowie Kulturgeschichte der unteren Schichten. Heute stehen häufig Gewerkschaften in der Deindustrialisierung und ihre Wechselwirkungen mit der globalisierten Wirtschaft im Mittelpunkt.