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Antoine de Saint-Exupéry
Antoine Marie Jean-Baptiste Roger de Saint-Exupéry (* 29. Juni 1900 in Lyon; † 31. Juli 1944 nahe der Île de Riou bei Marseille) war ein französischer …
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Schriftsteller und Berufspilot
Antoine Marie Jean-Baptiste Roger de Saint-Exupéry (* 29. Juni 1900 in Lyon; † 31. Juli 1944 nahe der Île de Riou bei Marseille) war ein französischer Schriftsteller und Pilot. Er verstand sich selbst vor allem als Berufspilot, war aber schon zu Lebzeiten ein erfolgreicher Autor. Seine Erfahrungen aus Flugpost, Aufklärungsflügen, Notlandungen und Krieg prägen viele seiner Texte. Sein bekanntestes Werk ist die märchenhafte Erzählung Der kleine Prinz, die mit über 140 Millionen verkauften Exemplaren zu den erfolgreichsten Büchern der Welt gehört und weltweit in über 618 Sprachen und Dialekte übersetzt wurde.
Weg zum Fliegen und Schreiben
Saint-Exupéry wuchs nach dem frühen Tod seines Vaters 1904 mit vier Geschwistern in Lyon und auf Familiengütern in Südfrankreich auf. Einen ersten Flug erlebte er im Juli 1912 in Ambérieu-en-Bugey; er war davon fasziniert. Nach dem Baccalauréat 1917 scheiterte sein Versuch, an der École navale Marineoffizier zu werden. Von 1920 bis 1921 studierte er Architektur in Paris ohne Abschluss.
Während des Wehrdienstes von 1921 bis 1923 wurde er in Straßburg zum Flugzeugmechaniker ausgebildet. Die Pilotenausbildung erhielt er durch private Flugstunden. 1925 veröffentlichte er die Novelle L’Aviateur. Ab 1926 arbeitete er bei der Luftfrachtgesellschaft Latécoère und flog zunächst auf den Strecken Toulouse–Casablanca und Casablanca–Dakar. Als Leiter des Zwischenlandeflugplatzes Cabo Juby in Spanisch-Marokko rettete er mehrfach in der Wüste notgelandete Kollegen. Für die Rettung von insgesamt 14 Piloten erhielt er 1930 den Chevalier de la Légion d'Honneur. Aus dieser Zeit entstand der Roman Courrier Sud (1928).
Erfolge, Reisen und zentrale Werke
1929 baute Saint-Exupéry in Argentinien Flugpost- und Luftfrachtlinien auf. Die gefährlichen Nachtflüge verarbeitete er in Vol de nuit (Nachtflug, Dezember 1930), einem Roman über den tödlichen letzten Flug eines Piloten. Das Buch erhielt den Prix Femina und brachte ihm den literarischen Durchbruch.
1931 heiratete er die salvadorianische Malerin Consuelo Suncín Sandoval. Ab 1934 arbeitete er bei Air France als Flieger, Werbebeauftragter, Journalist und Autor. Für Paris-Soir berichtete er 1935 aus Moskau und 1937 aus dem Spanien des Bürgerkriegs, den er von republikanischer Seite schilderte. Am 29. Dezember 1935 stürzte er beim Rekordversuch Paris–Saigon 200 Kilometer vor Kairo ab. Er und sein Mechaniker Prévot wurden nach einem fünftägigen Marsch durch die Wüste von einer Karawane gerettet. Bei einem Rekordflugversuch von New York City nach Feuerland verunglückte er im Februar 1938 in Guatemala schwer.
Während seiner Genesung stellte er Terre des hommes (1939; Wind, Sand und Sterne, auch Die Erde des Menschen) zusammen. Die Texte betonen Kameradschaft, Pflichterfüllung, Idealismus, Solidarität und Menschlichkeit. Das Werk erhielt den Grand Prix du Roman de l’Académie française; auch die englische Übersetzung Wind, Sand and Stars war erfolgreich und preisgekrönt.
Krieg und Der kleine Prinz
Nach Ausbruch des Zweiten Weltkriegs im September 1939 wurde Saint-Exupéry eingezogen. Zunächst bildete er Piloten aus, später flog er für ein Aufklärungsgeschwader und erlebte im Mai und Juni 1940 den deutschen Angriff auf Nordostfrankreich. Nach dem Waffenstillstand vom 25. Juni 1940 reiste er Ende 1940 über Marokko und Portugal in die USA.
Dort schrieb er Pilote de guerre (1942; Flug nach Arras), das seine Kriegserlebnisse verarbeitet. Das Buch wurde zunächst auch in Frankreich veröffentlicht, später jedoch von den deutschen Zensoren auf den Index gesetzt und im Untergrund weiterverbreitet. Anfang 1943 erschienen Lettre à un otage und Le petit prince. Der fiktive Brief Lettre à un otage ruft Franzosen weltweit zur Solidarität mit dem von deutschen Truppen besetzten Frankreich auf.
Le petit prince erzählt von einem in der Wüste notgelandeten Piloten und einem kleinen Jungen, der von einem Asteroiden auf die Erde gelangt ist. Der Text verbindet reale und surreale Elemente. Er setzt sich mit dem bedrückten Frankreich, dem utilitaristisch denkenden Amerika und dem schlechten Gewissen des Autors gegenüber seiner in Frankreich zurückgelassenen Frau auseinander; sie erscheint als die „Rose“ des kleinen Prinzen. Ab Mai 1943 flog Saint-Exupéry wieder Aufklärungsmissionen, obwohl seine Fähigkeiten nach der Pause nachgelassen hatten und er wegen Alter und Verletzungen zunächst ausgemustert worden war.
Letzte Mission und ungeklärte Ursache
Am 31. Juli 1944 startete Saint-Exupéry morgens von Bastia auf Korsika zu seinem planmäßig letzten Aufklärungsflug Richtung Grenoble. Er flog eine Lockheed F-5, die Aufklärerversion der zweimotorigen Lockheed P-38 Lightning, mit der Registriernummer 42-68223, und kehrte nicht zurück.
Die Ursache blieb nicht eindeutig geklärt. Als Möglichkeiten galten Abschuss, technischer Defekt, Suizid wegen seiner schweren Depression oder ein bewusstes Abweichen vom Kurs, um bessere Aufklärungsergebnisse zu erzielen. 1998 wurde sein Silberarmband östlich der Île de Riou gefunden. Wrackteile wurden 2000 nahe der Insel geortet, 2003 geborgen und 2004 anhand der Nummer „2734“ im Turbolader eindeutig identifiziert. Der Fundort lag weit westlich der vorgegebenen Route.
Nach Recherchen von Luc Vanrell und Jacques Pradel soll der deutsche Jagdflieger Horst Rippert die Maschine abgeschossen haben. Ein offizieller Abschussbericht fehlt jedoch, weil Berichte seiner Einheit ab Juni 1944 verloren gingen; auch eine später angefertigte Karteikarte nennt für diesen Tag keinen Abschuss. Deshalb bleibt diese Erklärung unsicher.