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Animal Farm (Oper)
Animal Farm ist eine Oper in zwei Akten, neun Szenen und einem Epilog von Alexander Raskatow (Musik) mit einem Libretto von Ian Burton und Alexander …
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Überblick
Animal Farm ist eine englischsprachige Oper von Alexander Raskatow nach George Orwells Fabel Farm der Tiere. Das Libretto schrieben Ian Burton und Raskatow. Das Werk umfasst zwei Akte, neun Szenen und einen Epilog, dauert etwa zwei Stunden und wurde am 3. März 2023 an der De Nationale Opera in Amsterdam uraufgeführt.
Die Oper zeigt, wie Tiere sich gegen ihre menschlichen Besitzer erheben, um Gleichheit zu schaffen, und wie die führenden Schweine daraus schrittweise eine Diktatur machen. Anders als Orwells Vorlage spielt die Inszenierung in einem Schlachthof. Die Unterdrückungsmechanismen kehren nach der Revolution wieder: Angst, Propaganda und die Veränderung von Regeln sichern den Schweinen ihre Macht.
Revolution und Machtübernahme
Der betrunkene Farmer Mr Jones vernachlässigt die Farm. Der alte Eber Old Major erklärt den Tieren, dass Menschen sie ausnutzen und schließlich töten werden. Er fordert die Tiere zur Revolte auf und nennt Regeln: Kein Tier soll Kleidung tragen, im Haus oder Bett schlafen, Tabak rauchen, Alkohol trinken, Geld besitzen, Handel treiben oder ein anderes Tier töten. Alle Tiere seien gleich.
Die Tiere vertreiben Mr und Mrs Jones, nennen den Hof „Animalfarm“ und schreiben die Gebote an die Scheunenwand. Ihr Leitsatz lautet: „Vier Beine gut, zwei Beine schlecht“. Die Schweine Snowball und Napoleon übernehmen die Führung. Als der Esel Benjamin nach der Milch fragt, erklärt Squealer, die Schweine müssten sie trinken, sonst könne Jones zurückkehren.
Mit Hilfe seines Nachbarn Pilkington greift Jones an, wird jedoch zurückgeschlagen; ein Schaf stirbt. Napoleon zeichnet Boxer und danach sich selbst als Tierhelden „Erster Klasse“ aus. Die Stute Mollie folgt Pilkington auf dessen Hof.
Snowball will eine Windmühle bauen, die Strom erzeugen und Arbeit erleichtern soll. Napoleon setzt dagegen auf Waffen und Verteidigung. Seine Anhänger verdrängen Snowball, der flieht. Napoleon übernimmt als Vorsitzender eines Schweinekomitees die alleinige Macht, erklärt Snowball zum Verbrecher und lässt nun selbst die Windmühle bauen. Er erlaubt außerdem Handel mit Pilkington, obwohl dies zuvor verboten war. Squealer und Blacky bestreiten oder verdrehen die früheren Regeln. Die Schweine ziehen ins Farmhaus und schlafen in Betten. Als ein Blitz die Windmühle zerstört, macht Napoleon Snowball verantwortlich und verurteilt ihn in Abwesenheit zum Tod.
Terror und Ende der Gleichheit
Snowball wird auf der Flucht aufgespürt und hingerichtet. Blacky behauptet, er habe von Anfang an für Pilkington spioniert. Napoleon lässt Schauprozesse veranstalten: Ziegen, Kühe und Schafe legen immer absurdere Geständnisse ab und werden getötet. Boxer und Clover erkennen darin einen Verrat an ihren Idealen. Ihre Hymne „Beasts of Farmland“ wird durch ein Sonderdekret verboten.
Squealer vergewaltigt und ermordet die Schweineschauspielerin Pigetta. Zugleich werden die Gebote verändert: Aus dem Verbot, ein Tier zu töten, wird „Kein Tier soll ein anderes grundlos töten“. Damit werden die Hinrichtungen als gerechtfertigt dargestellt. Squealer lobt Napoleons Weisheit, und der Poet Minimus trägt mit Hennen und Enten ein Loblied auf ihn vor.
Pilkington sprengt die Windmühle, weil Napoleon ihm unbrauchbares Holz verkauft hat. Die Tiere schlagen den Angriff unter Verlusten zurück: Eine Kuh, drei Schafe und zwei Gänse sterben. Napoleon feiert dennoch einen Sieg und lässt Alkohol ausschenken. Das Gebot lautet nun: „Kein Tier soll im Übermaß Alkohol trinken“.
Boxer bricht wegen der Arbeit zusammen. Squealer verspricht ein Krankenhaus, doch die Sanitäter arbeiten tatsächlich für einen Abdecker. Boxers angebliche letzte Worte sollen gewesen sein: „Lang lebe Napoleon! Napoleon hat immer recht!“ Am Schluss bleibt von allen Regeln nur: „Alle Tiere sind gleich, aber manche sind gleicher als die anderen!“
Figuren, musikalische Gestaltung und Orchester
Mehrere Figuren sind historischen Vorbildern zugeordnet: Old Major erinnert an Karl Marx und Wladimir Iljitsch Lenin, Napoleon an Josef Stalin, Snowball an Leo Trotzki. Squealer verbindet Merkmale von Lawrenti Beria und Wjatscheslaw Molotow und steht für Propaganda. Der Chor verkörpert die manipulierbare Menge. Boxer und Clover bleiben der Ideologie loyal, Benjamin zweifelt, bleibt aber abseits; Muriel erkennt Widersprüche zwischen Ideologie und Wirklichkeit.
Raskatow ergänzte Zitate von Stalin, Trotzki, Nikolai Bucharin und Beria. Snowballs Ermordung verweist auf eine historische Begebenheit; Squealers Gewalt gegen Pigetta bezieht sich auf Berias Machtmissbrauch gegenüber Frauen.
Die Musik folgt einem „Skalpell-Stil“: kurze melodische Linien, scharfe Kontraste und ein starkes Gewicht auf Rhythmus. Raskatow wollte mit Melodie und Rhythmus die „vergessene Syntax der ‚alten‘ Opern“ wiederbeleben. Die 21 Solorollen bilden ein „vokales Orchester“: Jede Figur hat eine eigene musikalische Identität, und tierlautähnliche Verfremdungseffekte nutzen die ganze menschliche Stimmbandbreite. Für Satire, Ironie und Polemik verwendet die Oper „atmosphärische Zitate“ aus Dmitri Schostakowitschs Lady Macbeth von Mzensk.
Das große Orchester enthält Holz- und Blechbläser, Streicher, zwei Harfen, Celesta, Klavier, Zymbal, E-Gitarre und E-Bass sowie ein besonders vielfältiges Schlagzeug. Dazu gehören unter anderem Kuhglocken, Ratschen, Sirenen, Amboss, Waterphone, Steeldrums und Metronom. Zur Aktzahl gibt es eine abweichende Angabe: Das Programmheft der Nationale Oper Amsterdam nennt drei Akte, die Website und die Wiener Folgeaufführung zwei.
Entstehung und Aufführungen
Die Oper entstand im Auftrag der Nationale Oper Amsterdam, der Wiener Staatsoper, des Teatro Massimo Palermo und der Finnischen Nationaloper. Die Idee einer Opernfassung hatte der Regisseur Damiano Michieletto. Das Werk ist Irina Antonowna Schostakowitsch, der Witwe Dmitri Schostakowitschs, gewidmet.
Bei der Uraufführung am 3. März 2023 führte Bassim Akiki das Netherlands Chamber Orchestra, den Chor der Dutch National Opera und den Nieuw Amsterdams Jeugdkoor. Michieletto inszenierte, Paolo Fantin schuf die Bühne, Klaus Bruns die Kostüme. Die Produktion wurde sehr positiv aufgenommen; die Folgeaufführungen waren ausverkauft. Bei den International Opera Awards 2023 erhielt sie die Auszeichnung „Uraufführung des Jahres“.
Ab dem 28. Februar 2024 zeigte die Wiener Staatsoper eine leicht überarbeitete Fassung unter Alexander Soddy. Änderungen betrafen vor allem Generalpausen, Tempi und kleine Kürzungen zur Fokussierung der Handlung. Anders als in Amsterdam wurden die Sänger in Wien nicht elektronisch verstärkt. Eine Videoaufnahme vom 2. März 2024 aus der Wiener Staatsoper wurde im Radio Österreich 1 übertragen und als Videostream bereitgestellt.