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Andalusische Kadenz

Andalusische Kadenz (spanisch cadencia andaluza), gelegentlich auch als Spanische Kadenz bezeichnet, ist der Oberbegriff für harmonische, meist vier- bis …

Inhalt4 Abschnitte
  1. 1. Grundidee und Klangbild
  2. 2. Harmonische Deutung im phrygischen Modus
  3. 3. Ganzschluss oder phrygischer Halbschluss
  4. 4. Verwendung in Pop- und Rockmusik

Grundidee und Klangbild

Die Andalusische Kadenz (spanisch cadencia andaluza), gelegentlich Spanische Kadenz, bezeichnet harmonische, meist vier- bis achttaktige Akkord-Klischees der spanischen, besonders andalusischen Unterhaltungs- und Volksmusik sowie des Flamenco. Sie werden als Ostinato, also als fortlaufend wiederholtes musikalisches Muster, oder für Kadenzen im modo de mi verwendet; dieser entspricht im System der Kirchentonarten dem phrygischen Modus. Geläufige Formen kommen auch in Rock- und Popmusik vor.

Eine elementare Form beruht auf einem absteigenden Tetrachord im Bass, also vier abwärts führenden Tönen. In der volkstümlichen Praxis werden diese als Grundtöne von Moll- und Durakkorden harmonisiert. Charakteristisch sind eine mixturartige Stimmführung und offene Quintparallelen; bei in der Oktave verdoppelten Basstönen entstehen auch Oktavparallelen. Dieses Klangbild dürfte mit der Grifftechnik der Gitarre zusammenhängen.

Der Lamentobass ist eine kompositionsgeschichtlich bedeutsame kunstmusikalische Ausarbeitung eines absteigenden Tetrachords. Er meint jedoch meist nicht die Andalusische Kadenz im eigentlichen Sinn, sondern Bassmodelle mit phrygischem Halbschluss.

Harmonische Deutung im phrygischen Modus

Im für populäre spanische Musik charakteristischen modo de mi wird die Andalusische Kadenz meist als schlussfähiges Akkordmodell verstanden. Die Finalis, also der Schlusston beziehungsweise Schlussakkord des Modus, wird dabei als Dur-Akkord harmonisiert. Das entspricht der Picardischen Terz, einem bereits im 16. Jahrhundert gebräuchlichen Dur-Schlussklang.

Stufentheoretisch lautet das Modell iv-III-II-I; in e-Phrygisch ist dies Am-G-F-E. Die Funktionstheorie des Dur-Moll-Systems beschreibt es weniger eindeutig: IV kann als s (Moll-Subdominante), III als tP (Durparallele des Tonika-Mollakkords) und I als T (verdurte Tonika) gelten. Die II. Stufe sollte jedoch nicht als sG verstanden werden, sondern als für die spanische Musik stilbildende „phrygische Dominante“. Dafür bietet sich das Sigel D an. Ihre dominantische Funktion zeigt sich auch daran, dass sie häufig als vierstimmiger Akkord mit hinzugefügter, oft erhöhter Sexte erscheint.

Ganzschluss oder phrygischer Halbschluss

Das Modell kann entgegen seiner bevorzugten spanischen Verwendung auch als tonaler Halbschluss auf der Dominante gedeutet werden. Dann lautet die Stufenfolge i-bVII-bVI-V: Sie beginnt auf der Tonika einer Molltonart und endet auf deren Dominante. Funktionstheoretisch können die mittleren Akkorde als dP, die Parallele der vermollten Dominante, und als tG, der Gegenklang der Tonika, gedeutet werden.

Welche Deutung zutrifft, ergibt sich meist aus dem Kontext. In Kompositionen mit Dur-Moll-Tonalität ist die Kadenz meist halbschlüssig: Der letzte Akkord hat Dominantfunktion und führt zum Anfangsakkord zurück. In modaler Musik, besonders mit Flamenco-Elementen, überwiegt dagegen die ganzschlüssige Formel. Nur bei dieser Verwendung ist die Bezeichnung „Andalusische Kadenz“ terminologisch gerechtfertigt.

Verwendung in Pop- und Rockmusik

In spanischer Popularmusik erscheint die Kadenz vielfach als dominierende, ostinate Akkordprogression oder als Formteil, etwa in Todo tiene su fin (1969) von Módulo beziehungsweise im Refrain von The Ketchup Song von Las Ketchup. In angloamerikanisch beeinflusster Musik können vier Formen unterschieden werden:

  • Als dominantes Strukturmerkmal mit jeweils achttaktigem Ostinato: Dicke von Marius Müller-Westernhagen, In the Year 2525 von Zager & Evans, der 1. und 3. Teil von April von Deep Purple, The burning Red von Machine Head sowie die Strophen und instrumentalen Zwischenspiele von One More Cup of Coffee (Valley Below) von Bob Dylan.
  • Als untergeordnetes Strukturprinzip mit phrygischem Halbschluss: die Strophe von Don’t Let Me Be Misunderstood, die erste und zweite Strophenzeile von Sultans of Swing von den Dire Straits sowie der Beginn des Flötensolos von Nights In White Satin von Moody Blues.
  • Als kurzes stilistisches Zitat: Innuendo von Queen verwendet in zwei instrumentalen Zwischenspielen dreimal eine Andalusische Kadenz, zunächst mit Flamencogitarre, dann als E-Gitarren-Solo.
  • Zweitaktige Quartfallmotive ohne Kadenzwirkung, die im Prinzip nicht mehr unter den Begriff fallen, finden sich in Hit the Road Jack von Percy Mayfield und Ice Cream Man von Tom Waits; beide sind Quartfall-Ostinati mit phrygischer Halbschlusswendung.

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