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Picardische Terz
Unter picardischer Terz versteht man in der Musik die große Dur-Terz im Tonika-Schlussakkord eines Abschnitts, der eigentlich in Moll steht.
Inhalt3 Abschnitte
Begriff und musikalische Wirkung
Eine picardische Terz ist die große Dur-Terz im Schlussakkord auf der Tonika, also dem Grundakkord einer Tonart, wenn ein musikalischer Abschnitt eigentlich in Moll steht. Statt eines Moll-Dreiklangs endet der Abschnitt somit mit einem Dur-Dreiklang. Bei einer a-Moll-Vollkadenz lautet der Schlussakkord beispielsweise A-Dur mit der großen Terz cis statt A-Moll mit c.
Bis zur Renaissance galt der Molldreiklang als Dissonanz; Zarlino erläutert dies 1558. Ein vollkommener Durakkord am Schluss wurde deshalb als Aufhellung verstanden. Nach Hermann von Helmholtz wirkt der Durakkord am Ende eines Satzes in Moll wie eine „plötzliche und unerwartete Aufhellung“ des trüben Mollcharakters und kann „erheiternd, aufklärend und versöhnend“ erscheinen.
Akustische Erklärung und Stimmungen
Als Erklärung wird angeführt: Ein reiner Durakkord erzeugt Differenztöne, die bereits im Akkord enthalten sind. Ein Mollakkord erzeugt dagegen auch akkordfremde Differenztöne.
Die Größe der Intervalle hängt von der Stimmung ab und wird in Cent angegeben. Die große Terz a–cis' beziehungsweise c'–e' beträgt rein und mitteltönig jeweils 386 Cent, gleichstufig 400 Cent. Die kleine Terz a–c' beziehungsweise cis'–e' beträgt rein 316, mitteltönig 310 und gleichstufig 300 Cent. Die Quinte a–e' beträgt rein 702, mitteltönig 697 und gleichstufig 700 Cent.
Gebrauch und spätere Entwicklung
Die picardische Terz blieb bis ins Barock eine Konvention. Bei Johann Sebastian Bach enden viele Choräle und Orgeltoccaten in Moll noch mit einem Durakkord. Teilweise finden sich aber auch Mollschlüsse, zum Beispiel in der Toccata und Fuge d-Moll BWV 565. Nach dem Barock wurden Dur-Schlüsse in Mollkompositionen seltener und galten als ungewöhnliches Ausdrucksmittel; zu Mozarts Zeiten war der Mollschluss in Molltonarten bereits üblich.
Zeitlich parallel dazu wurden mitteltönige durch wohltemperierte Stimmungen abgelöst. Ob die Einführung wohltemperierter Stimmungen die Aufgabe des Dur-Schlussakkords verursachte, ist jedoch umstritten.