Wikipedia · einfach zusammengefasst · Stand
Halbschluss
Halbschluss bezeichnet in der Musiktheorie seit der Mitte des 19. Jahrhunderts meist ein Abschnittsende, dessen Schlussklang ein Akkord der fünften Stufe …
Inhalt5 Abschnitte
Definition und Wirkung
Ein Halbschluss ist in der Musiktheorie meist das Ende eines Abschnitts, bei dem der Schlussklang die fünfte Stufe, also die Dominante, der an dieser Stelle geltenden Tonart ist. Diese heute übliche Bedeutung besteht seit der Mitte des 19. Jahrhunderts. Die Dominante erzeugt keine vollständige Ruhe, sondern eine Spannung, die häufig nach einer Fortsetzung oder nach der Tonika, der ersten Stufe der Tonart, verlangt.
Ob ein Halbschluss zwingend mit einem Dominantdreiklang in Grundstellung enden muss, ist umstritten. Diskutiert wird, ob auch Umkehrungen des Dominantdreiklangs sowie Dominantseptakkorde, gegebenenfalls ebenfalls in Umkehrung, dazugehören. Solche Schlüsse kommen besonders in Musik des 18. und frühen 19. Jahrhunderts vor, sind aber deutlich seltener und deshalb weniger typisch als der Schluss auf dem Dominantdreiklang in Grundstellung.
Formale Verwendung
Halbschlüsse können Abschnitte unterschiedlicher Größe abschließen. Sie stehen zum Beispiel innerhalb eines Themas am Ende eines Vordersatzes, am Ende eines ganzen Themas, einer Überleitung oder Bridge, eines Mittelteils oder einer Durchführung sowie einer Einleitung oder eines Intros.
In mehrsätzigen Werken kann ein Halbschluss auch einen Kopf- oder Mittelsatz beenden. Seine Funktion hängt somit nicht nur von der Harmonie, sondern auch von der formalen Stelle im Werk ab.
Beispiel in G-Dur und D-Dur
Im Menuett von Christian Petzold, das früher Johann Sebastian Bach als BWV Anh. 114 zugeschrieben wurde, finden sich Halbschlüsse in den Takten 8, 20 und 28.
Takt 24 ist dagegen kein Halbschluss der Haupttonart G-Dur: Zuvor wurde nach D-Dur, der Oberquinttonart, moduliert. Der Dur-Dreiklang auf d ist am Ende dieses Abschnitts die Tonika von D-Dur und bildet damit einen Ganzschluss. Erst das c am Ende von Takt 24 macht diesen Klang zur Dominante von G-Dur.
Besondere Arten und ältere Einteilung
Beim phrygischen Halbschluss wird der Grundton der Dominante in der Bassstimme durch einen abwärts gerichteten Schritt einer kleinen Sekunde erreicht. Dieser Schritt heißt auch halbtönige Tenorklausel. Ein Beispiel ist das Ende des Hauptthemas im ersten Satz von Wolfgang Amadeus Mozarts 40. Sinfonie KV 550.
Ein plagaler Halbschluss ist der seltene Fall, dass die Stufenfolge I–IV im musikalischen Zusammenhang als Halbschluss wirkt. Otto Tiersch bezeichnete ihn 1874 so; ein Beispiel steht in Takt 4 des Liedes Auld Lang Syne.
Heinrich Christoph Koch unterschied genauer nach der formalen Ebene: In seinem Versuch einer Anleitung zur Composition nannte er nur das halbschlüssige Ende eines vollständigen Satzes eines mehrsätzigen Werks „Halbcadenz“. Andere Halbschlüsse hießen bei ihm „Quintabsatz“; „Absatz“ meinte sowohl die Schlusswendung als auch den dadurch abgeschlossenen Abschnitt. Später verwendete Koch „Halbcadenz“ auch für Abschnitte mit einer oder mehreren untergeordneten Kadenzen. Die allgemeine Definition als Schluss auf der Dominante rückt diese formale Unterscheidung in den Hintergrund.
Frühere Beschreibung
In der zweiten Hälfte des 17. und der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts beschrieb man bestimmte Halbschlusstypen als ein Stehenbleiben auf der Pänultima, also dem vorletzten Klang einer Kadenz. Wolfgang Caspar Printz sprach 1676 von clausulae dissectae: Die Ultima, der letzte Klang der Klausel, erscheine dabei gleichsam als „weggeschnitten“.
Johann Philipp Kirnberger verwendete 1771 die Bezeichnung „halbe Cadenz“. Nach ihm versetzt sie das Gehör in eine „nicht völlige Ruhe“, weil man auf der Dominante „nicht ganz ruhen“ könne.