Zum Inhalt springen
L

Wikipedia · einfach zusammengefasst · Stand

Altenglische Grammatik

Das Altenglische ist eine flektierende Sprache: Es werden bei Substantiven und Adjektiven die vier Kasus (Fälle) Nominativ, Genitiv, Dativ und Akkusativ und bei …

Inhalt6 Abschnitte
  1. 1. Grundzüge der altenglischen Grammatik
  2. 2. Kasus und ihre Funktionen
  3. 3. Substantive und Deklinationsklassen
  4. 4. Pronomen und Zahlwörter
  5. 5. Verbklassen und Formenbildung
  6. 6. Satzbau und Negation

Grundzüge der altenglischen Grammatik

Altenglisch ist eine flektierende Sprache und zeigt eine deutliche Verwandtschaft zu anderen westgermanischen Sprachen. Seine Grammatik ähnelt deshalb in wichtigen Punkten stärker dem Deutschen als dem heutigen Englisch. Substantive und Adjektive werden nach Kasus gebeugt; Verben unterscheiden im Singular drei Personen. Die Satzstellung ist deutlich freier als im Neuenglischen.

Wichtig ist die Silbenlänge: Nach langen Stammsilben fallen verschiedene Flexionsendungen weg. Eine Silbe ist lang, wenn sie einen langen Vokal oder Diphthong enthält oder auf mindestens einen Konsonanten auslautet. Bei Nominativ Singular von Substantiven und Adjektiven müssen es zwei Konsonanten sein, weil der zweite bei der Flexion zur Endung gehört.

Substantive haben Maskulinum, Femininum oder Neutrum sowie Singular und Plural. Bei Personalpronomen existiert zusätzlich der seltene Dual für genau zwei Personen oder Dinge, etwa wit „wir beide“ und git „ihr beide“.

Kasus und ihre Funktionen

Das Altenglische kennt Nominativ, Genitiv, Dativ und Akkusativ; der Instrumental ist nur noch teilweise als eigene Form erhalten. Die Verwendung ähnelt oft dem Deutschen.

Der Nominativ bezeichnet das Subjekt oder ein Prädikativum. Der Genitiv drückt Besitz aus, etwa Hæstenes wif „Hæstens Frau“. Er kann auch partitiv sein, wie an hiora „einer von ihnen“, Eigenschaften beschreiben oder nach bestimmten Verben und Adjektiven als Objektkasus stehen.

Der Dativ bezeichnet indirekte Objekte, zum Beispiel on he hi him eft ageaf „und er gab sie danach ihm zurück“. Er kann außerdem Besitz ausdrücken, adverbial stehen, etwa hwilum „zeitweise“, oder von bestimmten Adjektiven verlangt werden. Der Akkusativ steht beim direkten Objekt transitiver Verben.

Der Instrumental bezeichnet vor allem Art und Weise, Begleitung und Zeit, zum Beispiel hlutre mode „mit reinen Absichten“. Bei Substantiven wurde er meist durch den Dativ ersetzt, bei Adjektiven und Pronomen blieb er in der Deklination eher erhalten. Das Adverb hwȳ „warum“ ist ein alter Instrumental von hwæt „was?“.

Substantive und Deklinationsklassen

Die wichtigsten Klassen sind starke und schwache Deklinationen; daneben bestehen kleinere Restklassen. In der starken Deklination umfasst die a-Deklination Maskulina und Neutra, die ō-Deklination Feminina. Typische Formen sind maskulin stān – stānas „Stein – Steine“, neutrales scip – scipu „Schiff – Schiffe“ und feminin sorg – sorga „Sorge – Sorgen“. Im Genitiv Singular steht bei der a-Deklination beispielsweise -es, im Dativ Singular -e und im Dativ Plural -um.

Bei manchen starken Substantiven wechselt der Stammvokal: dæg „Tag“ hat im Plural dagas; æ wird vor a, o oder u zu a. Auf -h auslautende Wörter verlieren dieses vor vokalisch beginnenden Endungen; dabei kann sich der Vokal längen, etwa mearh – mēares. Bei scōh „Schuh“ werden Vokale zusammengezogen: der Genitiv Singular lautet scōs, nicht *scōes. Weitere Sonderformen betreffen zweisilbige Wörter sowie Stämme mit -w oder -ġ vor einer Endung.

Die schwache Deklination hat meist -an in den meisten Formen: nama „Name“ wird im Genitiv, Dativ und Akkusativ Singular naman; der Nominativ Plural lautet naman. Neutrum ēage „Auge“ und Femininum tunge „Zunge“ folgen entsprechenden Mustern.

Zu weiteren Klassen gehören athematische Substantive mit Vokalwechsel, etwa fōt – fēt „Fuß – Füße“, bōc – bēc „Buch – Bücher“ und gōs – gēs „Gans – Gänse“. Die u-Deklination zeigt beispielsweise sunu – suna „Sohn – Söhne“. Verwandtschaftsnamen wie fæder, brōðor, mōdor, sweostor und dohtor haben eigene Formen. Neutra mit -r- im Plural bilden etwa lamb – lambru „Lamm – Lämmer“.

Im Neuenglischen sind im Wesentlichen Nominativ-Akkusativ Singular, Nominativ-Akkusativ Plural und bei einigen Wörtern der Genitiv Singular geblieben. Die verschiedenen Deklinationsklassen sind fast verschwunden; Ausnahmen sind etwa child-children, goose-geese und ox-oxen.

Pronomen und Zahlwörter

Die meisten Pronomen werden nach Kasus, Numerus und Genus gebeugt; im Plural haben sie meist eine gemeinsame Form für alle Geschlechter. Die Personalpronomen der ersten und zweiten Person bewahren den Dual: 1. Person ic „ich“, wit „wir beide“, wē „wir“; 2. Person þū „du“, git „ihr beide“, gē „ihr“.

In der dritten Person unterscheiden sich im Singular hē „er“, hit „es“ und hēo „sie“. Beispiele für Formen sind Genitiv his, his, hire; Dativ him, him, hire; Akkusativ hine, hit, hīe. Formen wie ēower, ūre und mīn entsprechen in ihrer Entwicklung den neuenglischen Wörtern your, our und mine.

Grundzahlen sind unter anderem ān „1“, tū „2“, þrēo „3“, fēower „4“, fīf „5“, twēntig „20“, hund beziehungsweise hundred oder hundtēontig „100“ und þūsend „1000“. Die Ordinalzahlen lauten beispielsweise forma beziehungsweise formest(a) für „erste“, ōþer für „zweite“, þridda für „dritte“ und fēorþa für „vierte“. Für die Ordnungszahlen zu hund, hundred und þūsend gibt es keine eigenständigen Formen; sie werden umschrieben.

Verbklassen und Formenbildung

Altenglische Verben werden in starke und schwache Verben gegliedert. Es gibt nur Präsens und Präteritum: Das Präsens kann Gegenwart und Zukunft ausdrücken, ein selbständiges Futur existiert nicht.

Starke Verben bilden Präteritum und Partizip Präteritum durch Ablaut, also Wechsel des Stammvokals. Sie besitzen vier Stammformen: Die erste bildet Präsens, Infinitiv und Präsenspartizip; die zweite die 1. und 3. Person Präteritum Indikativ; die dritte die übrigen Präteritalformen; die vierte das Partizip Präteritum. Bei rīdan „reiten“ lauten die Formen beispielsweise rīdan, ic rād, wē ridon und (ġe-)riden. Das Präfix ġe- beziehungsweise selten ġi- verleiht meist eine perfektivierende Bedeutung und steht besonders bei Partizipien ohne anderes Präfix; dort ist seine Funktion als Bedeutungsträger oder bloßer Flexionsmarker nicht immer eindeutig.

Die starken Verben werden nach ihrer Vokalfolge in sieben Ablautreihen eingeteilt. Klasse I hat ī – ā – i – i, Klasse II ēo/ū – ēa – u – o, Klasse IV e – æ – ǣ – o, Klasse V e – æ – ǣ – e und Klasse VI a – ō – ō – a. Klasse III wird nach der konsonantischen Umgebung weiter unterteilt; Klasse VII ist unregelmäßig und hat in zweiter und dritter Stammform ē oder ēo. In der 2. und 3. Person Singular Präsens kann i-Umlaut auftreten, etwa helpan – þū hilpst; dies ist kein Ablaut.

Schwache Verben bilden Präteritum und Partizip mit einem dentalhaltigen Element. Beispiele sind swebban – swefede – swefed, hǣlan – hǣlde – hǣled und sīðian – sīðode – sīðod. Präteritopräsentia bilden ihr Präsens wie ein starkes Präteritum, ihr Präteritum aber wie schwache Verben. Dazu gehören cunnan, magan, sculan, witan, āgan, dugan, durran, munan, þurfan und mōtan. Bei ihnen sind die 1. und 3. Person Singular Präsens gleich, etwa ic cann und hē cann.

Unregelmäßig sind besonders dōn „tun“, gān „gehen“, willan „wollen“ und das suppletive Verb „sein“. „Sein“ setzt sich aus drei Wurzeln zusammen: sēon, bēon und wesan; *eran ist zusätzlich belegt. Die Präsensformen von wesan werden fast nie verwendet, während bēon normalerweise Zukunft ausdrückt. Das neuenglische be übernimmt Präsensformen aus sēon und *eran, Vergangenheitsformen aus wesan, Präsenskonjunktiv aus bēon, Vergangenheitskonjunktiv aus wesan sowie Infinitiv, Imperativ und Partizip aus bēon.

Satzbau und Negation

Im Altenglischen ist die Reihenfolge der Satzglieder freier als im heutigen Englisch, weil Kasusendungen anzeigen, was Subjekt und Objekt ist. Daher bedeuten sowohl Se dogca bāt þone guman als auch Þone guman bāt se dogca „Der Hund beißt den Mann“.

Trotz dieser Freiheit besteht eine Tendenz zur V2-Stellung im Hauptsatz und zur Verbletztstellung im Nebensatz, ähnlich wie im Deutschen. Ein Hauptsatz lautet Þā becōm hē tō Westseaxan „Dann kam er zu den Westsachsen“. Ein Relativsatz mit Verb am Ende ist sumne dǣl þæs mēoses þe hēo mid beweaxen wæs „ein Teil des Mooses, mit dem es überwachsen war“.

Negation wird durch ne vor dem Verb ausgedrückt und kann durch weitere negative Satzbestandteile ergänzt werden: þēr nān wīfman ǣr ne cōm bedeutet „wohin keine Frau zuvor gekommen war“.

Der Stil altenglischer Texte wird unterschiedlich beurteilt. Ältere Forschung nahm eher parataktischen Stil an, also die Reihung von Hauptsätzen. Aktuelle Forschung weist darauf hin, dass einleitende Adverbien wie þā und þǣr auch als unterordnende Konjunktionen „wenn“ und „wo“ gedeutet werden können. Eine eindeutige Einordnung als parataktisch oder hypotaktisch bleibt deshalb offen.

Weiterlesen

Altenglisch Altenglisch, auch Angelsächsisch (Eigenbezeichnung: Ænglisc /'æŋ.glɪʃ/, Englisc) oder altenglische Sprache, ist die älteste schriftlich bezeugte Sprachstufe … Modernes Englisch Modernes Englisch oder Neuenglisch (engl. Modern English, auch New English) ist eine Sprachstufe des Englischen, die je nach Definition um das Jahr 1700 … Flexion In der Grammatik bezeichnet Flexion (lateinisch flexio ‚Biegung'), deutsch auch Beugung oder (österreichisch) Biegung, eine Änderung in der Form eines … Nominativ Fall oder Wer-Fall genannt. Im Sprachvergleich erscheint der Nominativ meist als Teil eines Kasussystems, das man auch Nominativ-Akkusativ-System nennt und … Genitiv Substantivgruppen, die von einem anderen Substantiv abhängen. Beispiele im Standarddeutschen sind: „das Haus des Nachbarn“, „der Klang einer fernen Glocke“. Dativ Für den Dativ wird im Deutschen die Frage Wem? benutzt, er heißt in der deutschen Schulgrammatik daher auch Wem-Fall. Beispiel: Ich gebe der Frau einen … Akkusativ In vielen deutschen Grammatiken wird eine traditionelle Anordnung der Fälle verwendet, in der der Akkusativ dann als 4. Fall bezeichnet wird. In der … Instrumentalis Instrumentalis oder Instrumental – dt. auch Womit-Fall – bezeichnet in der Sprachwissenschaft einen grammatischen Fall oder Kasus, dessen Namen von seiner … Pronomen Artikel = Begleiter“ & „Pronomen stehen für Nomen (das Kind – es, Monas Tasche – ihre Tasche …).“ ↑ Pons (Peter Hoffmann, Volker Losch): Gewusst wie … Deutsche Grammatik Ebenfalls kann in einzelnen Fällen mit der Endung -ig aus einem Adverb ein Adjektiv abgeleitet werden: allein – alleinig, ehemals – ehemalig. Abgeleitete … Subjekt (Grammatik) das finite Verb im Satz muss mit den Merkmalen des Subjekts übereinstimmen (Kongruenz in Person und Numerus); und es ist die hierarchisch höchste Ergänzung … Prädikativum Ein Prädikativum (oder Prädikativ) ist in der Grammatik ein Satzteil, der eine Eigenschaft angibt und diese auf das Subjekt oder das Objekt des Satzes …