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Falsett
Falsett (von gleichbedeutend italienisch falsetto für eine „höhere, durch Zusammenpressen der Stellknorpel erreichte Stimmlage“) oder Falsettstimme ist die …
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Definition und Funktionsweise
Falsett oder Falsettstimme bezeichnet ein Gesangsregister und damit eine besondere Form der Benutzung der menschlichen Stimme. Im weiteren Sinne meint der Begriff die landläufig als Kopfstimme bezeichnete, um etwa eine Oktave höher liegende männliche Sprech- oder Gesangsstimme. Die Bezeichnung „Fistelstimme“ wird dafür manchmal verwendet, gilt hier jedoch als falsch.
Beim Falsett schwingen die Stimmbänder nicht vollständig, sondern hauptsächlich an ihren Rändern. Dadurch entsteht ein weicher, grundtöniger Klang. Im engeren musikalischen Sinn gehört auch die klangliche Beimischung von Brust- und Kopfstimme zur Falsetttechnik. Diese Verstärkung der Randschwingungsstimme in tieferen Lagen ermöglicht es Countertenören, den Übergang zu tieferen Tönen dynamisch auszugleichen. Beim Jodeln ist der ständige Wechsel zwischen Normalstimme und Falsett kennzeichnend.
Eine historische Definition von Johann Gottfried Walther aus dem Musicalischen Lexikon von 1732 beschreibt Falsett bei erwachsenen Sängern als das Singen von Alt- oder Diskantlage anstelle der gewöhnlichen Bass- oder Tenorstimme durch Zusammenzwingen und Dringen des Halses. Deshalb wurde es damals auch als „unnatürliche Stimme“ bezeichnet.
Historische Entwicklung
Hohe Stimmlagen wurden bereits in der Spätantike geschätzt. Um den Stimmbruch bei Knaben zu verhindern, wurden manche von ihnen vor Beginn der Pubertät kastriert.
Bis ins Barock war die Falsettstimme eine von mehreren Möglichkeiten, Männer in Sopran- und Altlage singen zu lassen. Der Artikel berichtet, dass der persische Musiker Ziryab (Abu Hassan Ali ben Nafi) diese Gesangstechnik im 9. Jahrhundert in Córdoba mit der andalusischen Musik bekannt gemacht haben soll. Von dort sei sie durch Trobadore in Europa verbreitet worden. Spanische Falsettisten, die „Spagnioletti“ genannt wurden, sangen im Vatikan.
Mit der Entstehung der Oper ab Ende des 16. Jahrhunderts wurden hohe männliche Partien zunehmend von Knaben oder Kastraten übernommen. Dadurch verlor das Falsett in der Oper zunächst an Bedeutung.
Falsett in der klassischen Musik
In der nachbarocken Oper wurde Falsett nur noch gelegentlich als komischer Effekt verlangt. Erst im 20. Jahrhundert gewann es wieder größere Bedeutung. Die Wiederentdeckung der Barockoper führte dazu, dass immer mehr Countertenöre auftraten und frühere Kastratenrollen übernahmen. Daraufhin begannen Komponisten erneut, gezielt für Falsettisten zu schreiben.
Zu den im Artikel genannten Komponisten gehören Benjamin Britten, Hans Werner Henze, Georg Friedrich Haas, Gavin Bryars und Klaus Huber. Beispiele sind Oberon in Benjamin Brittens A Midsummer Night’s Dream beim Aldeburgh Festival 1960, Henzes L’Upupa oder Der Triumph der Sohnesliebe in Salzburg 2003, Haas’ Die schöne Wunde in Bregenz 2003, Bryars’ G in Mainz 2002 und Hubers Schwarzerde in Basel 2001.
Die Rollen für Falsettisten werden häufig als Rollen von „Zwischenwesen“ charakterisiert. Damit hebt der Artikel ihre besondere Stellung zwischen verschiedenen Stimm- und Geschlechtsvorstellungen hervor, ohne sie auf eine gewöhnliche Frauen- oder Männerstimme zu reduzieren.
Rock, Pop und Metal
Seit den Anfängen des Blues wird Falsett in zahlreichen Richtungen der populären Musik als Stilmittel eingesetzt. Im Doo-Wop dienten Falsettsänger im Rahmen der Close Harmony dazu, mehrstimmige Harmonien zu vervollständigen. In der vokalen Surfmusik wurde diese Technik besonders häufig verwendet; als bekanntestes Beispiel nennt der Artikel Brian Wilson von The Beach Boys.
Manche Sänger nutzten Falsett nur in einzelnen Liedern oder Liedabschnitten. Bruce Springsteen sang 1999 das Abspannlied Lift Me Up für den Film Limbo vollständig im Falsett. Neil Young und Axl Rose verwendeten Falsett in einzelnen Songs oder Teilen davon. Überwiegend im Falsett wurden außerdem Emotional Rescue von Mick Jagger, Kiss von Prince und Debra von Beck gesungen.
Tiny Tim wurde in den 1960er und 1970er Jahren für seinen Falsettgesang bekannt. Sein auffälliges Auftreten, das extreme Falsett und die Begleitung durch eine Ukulele bildeten dabei eine charakteristische Kombination. Ende der 1970er Jahre erzielten die Bee Gees mit dreistimmigem Falsettgesang große kommerzielle Erfolge während der Diskowelle.
Im Heavy Metal entstanden im Zuge der etwa 1980 von Großbritannien ausgehenden Welle in Europa und den USA zahlreiche Bands mit Falsettgesang. Besonders bekannt ist Rob Halford, der von 1976 bis 1990 mit Judas Priest zahlreiche Falsettgesänge aufnahm, darunter Painkiller. Weitere im Artikel genannte Sänger sind Bruce Dickinson, Ian Gillan, Tobias Sammet, Michael Kiske, Harry Conklin, Tim „Ripper“ Owens, King Diamond und Eric Adams. Im Power Metal gilt Falsettgesang insbesondere bei Hammerfall und Iced Earth als wichtig. Bei Knorkator sang Stumpen (Gero Ivers) in einigen Liedern sehr hohes, klassisch ausgebildetes Falsett, das ungewöhnlich klar klingt und von manchen Zuhörern zunächst für eine weibliche Stimme gehalten wurde.
Besondere Anwendungen der Stimme
Fish, von 1979 bis 1988 Sänger der Gruppe Marillion, und Freddie Mercury setzten Falsett ein, um Lieder von extremer Tiefe bis zu extremen Höhen zu singen. Mercury sang auch vollständige Lieder im Falsett. Obwohl er von Natur aus Bariton war, konnte er die verschiedenen Register seiner 3½-Oktaven-Stimme vielfältig abschattieren. Er konnte nicht nur das tiefe F korrekt intonieren, sondern seiner Stimme auch das passende Timbre eines Bass-Baritons geben. Im extrem hohen Falsett-Register klingt sein b″ laut Artikel ebenfalls überzeugend. Martyn Jacques, Sänger und Kopf von The Tiger Lillies, singt nahezu ausschließlich im Falsett.
Falsett wird außerdem in der gesprochenen Stimme verwendet, wenn Männer eine Frauenstimme nachahmen wollen. Genannte Beispiele sind Tony Curtis und Jack Lemmon in Manche mögen’s heiß, Terry Jones als Brians Mutter in Das Leben des Brian, Dustin Hoffman in Tootsie, Robin Williams in Mrs. Doubtfire – Das stachelige Kindermädchen und Martin Lawrence in Big Mamas Haus. Megan Mullally nutzte Falsett für die Darstellung der Figur Karen Walker in Will & Grace.
In der religiösen Musik der Sufis tragen männliche Sänger poetische Lieder über verehrte Sufi-Heilige im Falsett vor. Dies gilt als Form der Hingabe an Gott. Falsettgesang kommt im pakistanischen Qawwali vor, unter anderem in Liedern von Nusrat Fateh Ali Khan. Im Süden Pakistans wird die religiöse Versform Sur überwiegend im Falsett gesungen; die Sänger begleiten sich dabei auf der Langhalslaute Tanburo.
Falsett bei Blechblasinstrumenten
Bei Blechblasinstrumenten bezeichnet Falsett den Spielraum zur Kontrolle der Tonhöhe eines Naturtones. Im mittleren und hohen Register reicht dieser Spielraum vor allem zur Korrektur der Intonation. In der Tiefe kann der Ton deutlich stärker abgesenkt werden. Nach Anthony Baines wäre ein konventionelles System mit drei Ventilen ohne dieses Phänomen in seiner Entwicklung stark eingeschränkt, weil die für tiefe Töne nötigen Ventilkombinationen sonst zu hohe Töne erzeugen würden.
Beim zweiten Naturton lässt sich die Tonhöhe durch entspannte Lippen („loose-lipping“) und einen besonderen, schlurfenden Ansatz bis zu einer Quarte oder mehr absenken. So entstehen künstliche Töne, die in der gewöhnlichen Oberton-Theorie nicht vorkommen. Arthur H. Benade erklärt diese Töne damit, dass ein Rohr auch bei anderen bevorzugten Resonanzen als den Naturtönen schwingen kann.
Die Frequenzen der Naturtöne sind ganzzahlige Vielfache der Grundfrequenz. Daneben gibt es Resonanzen bei ganzzahligen Brüchen dieser Naturtöne. In der Höhe haben diese Resonanzen nur geringe praktische Bedeutung, weil die Naturtöne dort eng beieinanderliegen. In der Tiefe können sie jedoch die Lücke zwischen dem ersten und zweiten Naturton ausfüllen. Die so erzeugten Töne sind allerdings von geringerer Qualität. Noch das 1913 erstmals erschienene Deutsche Fremdwörterbuch führte als erste Bedeutung von Falsett die „falschen Töne“ bei Blechblasinstrumenten an; heutige Lexika verzeichnen dieses Phänomen laut Artikel nicht mehr.