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Homoioteleuton
Unter einem Homoioteleuton wird die Wiederholung derselben Wortendung in aufeinanderfolgenden Wörtern verstanden. Im Gegensatz zum Reim kann es sich dabei auch …
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Definition und Abgrenzung
Ein Homoioteleuton, auch Homöoteleuton genannt, ist eine rhetorische Figur aus der Gruppe der Klangfiguren. Dabei wird dieselbe Wortendung in aufeinanderfolgenden Wörtern wiederholt. Die Endungen müssen nicht betont sein. Deshalb unterscheidet sich das Homoioteleuton vom Reim: Die englischen Wörter „rapidly“ und „quickly“ haben ähnliche Endungen, reimen sich aber nicht.
Das Homoioteleuton kann den Klang und die formale Gestaltung einer Aussage prägen. Eine besondere Form ist das Homoioptoton. Dabei bestehen die wiederholten Endungen aus Flexionsformen, also gebeugten Wortformen, im gleichen Kasus.
Ursprung und historische Einordnung
Das Homoioteleuton wurde zuerst von Aristoteles in seiner Rhetorik beschrieben. Er definierte es als zwei aufeinanderfolgende Verszeilen, die mit Wörtern mit identischen Endungen enden. Als Beispiel führte er an:
„ᾦήϑησαν αὐτὸν παιδίον τετοκέναι, ἀλλ' αὐτοῦ αἴτιον γεγονέναι“
Transkribiert lautet die Stelle: „ôiêthêsan auton paidion tetokenai, all' autu aition gegonenai“.
Das Homoioteleuton wird als eine mögliche Quelle der Entstehung des Endreims diskutiert. Der Endreim tritt nach dem Ausklang der Klassizität in der Spätantike plötzlich auf, wurde schnell beliebter und beherrschte anschließend etwa ein gutes Jahrtausend lang die europäische Dichtung. Dagegen wird eingewandt, dass das Homoioteleuton in der älteren Literatur der Mittelmeerwelt nur ein kurioses literaturkundliches Sammlerstück gewesen sei. Ab Beginn des Frühmittelalters erschien es jedoch in den keltischen Literaturen Irlands und Wales sowie besonders in den germanischen Literaturen des althochdeutschen Sprachraums als formales Hauptkennmal poetischer Struktur.
Ein Beispiel für das Homoioptoton lautet: „cui (sc. Pompeio) se hic (sc. Milo) tradidisset praesertim omnia audienti, magna metuenti, multa suspicanti, nonnnulla credenti.“
Beispiele und typische Wirkungen
Beispiele aus verschiedenen Sprachen sind:
- Hebräisch: „Tohuwabohu“
- Englisch: „The waters rose rapidly, and I dove under quickly.“
- Englisch: „He is esteemed eloquent which can invent wittily, remember perfectly, dispose orderly, figure diversly [sic], pronounce aptly, confirm strongly, and conclude directly.“
- Französisch: „liberté, egalité, fraternité“
- Lateinisch: „diligere formam, neglegere famam“ und „Urbi et orbi“
- Lateinisch: „veni, vidi, vici“; diese Verbindung ist zugleich ein Beispiel für Alliteration, Klimax, asyndetische Aufzählung und Homoioteleuton.
Im Deutschen finden sich unter anderem „mitgegangen, mitgefangen, mitgehangen“, „trau, schau, wem“, „klein, aber fein“, „rund und gesund“, „Sommer und Winter“, „Auf Hitze folgen Blitze“ und „Ratz fatz“. Auch „… und verschlang die kleine fade Made ohne Gnade. Schade!“ aus Heinz Erhardts „Die Made“ nutzt die wiederkehrenden Endungen. Weitere Beispiele sind „Ihm ist, als ob es tausend Stäbe gäbe …“ aus Rainer Maria Rilkes „Der Panther“, „Erklärbär“, „Anne Kaffeekanne“, „Kacke-Attacke“ sowie „Auf Hitze folgen Blitze“.