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Titanic (Schiff)

Die RMS Titanic (englisch [taɪˈtænɪk]) war ein britischer Passagierdampfer der Reederei White Star Line. Bei ihrer Fertigstellung im Frühjahr 1912 war sie …

Inhalt5 Abschnitte
  1. 1. Einordnung und Bau
  2. 2. Größe, Antrieb und Ausstattung
  3. 3. Reise, Klassen und Besatzung
  4. 4. Eisberg, Untergang und Rettung
  5. 5. Folgen, Untersuchungen und Wrack

Einordnung und Bau

Die RMS Titanic war ein britischer Passagierdampfer der White Star Line, gebaut von Harland & Wolff in Belfast. RMS bedeutet Royal Mail Ship („königliches Postschiff“); das Schiff beförderte neben Passagieren und Fracht auch Post. Sie gehörte mit Olympic und Britannic zur Olympic-Klasse und war bei ihrer Fertigstellung im Frühjahr 1912 das größte Schiff der Welt.

Die Titanic war für den Transatlantik-Liniendienst von Southampton nach New York bestimmt. Ocean Liner waren Schiffe für die regelmäßige, zielgerichtete Überfahrt zwischen Europa und Nordamerika, nicht für Kreuzfahrten. Die White Star Line setzte vor allem auf Größe, Komfort und Luxus, nicht auf einen Wettbewerb um die höchste Geschwindigkeit. Die drei Schiffe der Olympic-Klasse kosteten zusammen mehr als die übrige Flotte der Reederei wert war.

Bestellt wurde die Titanic am 1. August 1908, ihr Kiel wurde am 31. März 1909 gelegt. Der Stapellauf erfolgte am 31. Mai 1911 um 12:13 Uhr; beim Bau kamen acht Menschen ums Leben, 21 wurden schwer verletzt. Nach Testfahrten am 2. April 1912 wurde sie am selben Tag in Dienst gestellt. Ihre Jungfernfahrt begann am 10. April 1912 in Southampton.

Größe, Antrieb und Ausstattung

Die Titanic war 269,04 Meter lang, 28,19 Meter breit und 53,33 Meter hoch, vom Kiel bis zur Oberkante der Schornsteine. Ihr maximaler Tiefgang betrug 10,54 Meter. Sie hatte 46.329 Bruttoregistertonnen, 39.380 Tonnen Leermasse und 13.767 Tonnen Tragfähigkeit.

Drei Propeller trieben das Schiff an. Die beiden äußeren Propeller wurden jeweils von einer Vierzylinder-Kolbendampfmaschine mit Dreifachexpansion angetrieben; deren Abdampf versorgte eine Niederdruck-Parsons-Turbine für den mittleren Propeller. Die registrierte Maschinenleistung betrug 51.000 PS (37.510 kW), maximal etwa 60.000 PS. Die Reisegeschwindigkeit lag bei 21 Knoten (39 km/h), die Höchstgeschwindigkeit bei 23 bis 24 Knoten. Täglich wurden auf See 620 bis 640 Tonnen Kohle verbrannt; 150 Heizer arbeiteten in drei Schichten.

Das Schiff besaß ein großes elektrisches Netz mit vier dampfbetriebenen 400-Kilowatt-Generatoren, 10.000 Glühlampen und 48 Uhren. Elektrizität versorgte unter anderem Beleuchtung, Heizung, Belüftung, Küche, Schwimmbad und einzelne Gymnastikgeräte. Eine Funkstation für drahtlose Telegrafie übermittelte vor allem private Nachrichten der Passagiere, empfing aber auch Navigationsmeldungen wie Eiswarnungen. In der Unglücksnacht ermöglichten ihre Notrufe erst, dass andere Schiffe vom Unglück erfuhren.

An Bord waren 20 Rettungsboote: 14 große Boote mit jeweils 65 Plätzen, zwei Notfall-Kutter mit je 40 Plätzen und vier Engelhardt-Faltboote mit je 47 Plätzen. Damit gab es insgesamt Platz für 1178 Menschen. Die Davits, also die Vorrichtungen zum Herablassen, waren dagegen grundsätzlich für viel mehr Boote ausgelegt; ursprünglich waren 48 Boote vorgesehen gewesen.

Reise, Klassen und Besatzung

Die geplante Route führte von Southampton über Cherbourg in Frankreich und Queenstown, heute Cobh, in Irland nach New York. In Cherbourg kamen 274 Personen an Bord, in Queenstown 120 weitere. Am 11. April 1912 verließ die Titanic Queenstown um 13:30 Uhr zur Atlantiküberquerung. Die planmäßige Ankunft in New York war für den 17. April vorgesehen.

Das Schiff konnte räumlich 2400 Passagiere aufnehmen: 750 in der Ersten, 550 in der Zweiten und 1100 in der Dritten Klasse. Die Klassenbereiche waren getrennt. Dies hing nicht nur mit den Preisen zusammen: Passagiere der Dritten Klasse mussten bei der Einreise in die USA zunächst in Quarantäne; die Trennung sollte dies für andere Klassen vermeiden.

Die Erste Klasse bot besonders luxuriöse Räume, darunter die Grand Staircase über sechs Decks, Speisesaal, Restaurant, Café Parisien, beheiztes Schwimmbad, Türkisches Bad, Gymnastik- und Squashraum. Die Zweite Klasse war deutlich einfacher, entsprach mit ihrer Ausstattung aber der Ersten Klasse kleinerer oder älterer Schiffe. Die Dritte Klasse war für viele nahezu mittellose Auswanderer bestimmt. Sie war einfacher, bot jedoch neben Gemeinschaftsschlafräumen auch Zwei-, Vier- und Sechsbettkabinen mit Waschgelegenheit.

Über 1300 Menschen hatten eine Passage gebucht; genaue Zahlen sind wegen unterschiedlich geführter Listen und Teilstrecken schwer festzustellen. Die Besatzung umfasste knapp 900 Menschen, darunter etwa 325 für den Schiffsbetrieb und etwa 500 für die Passagiere. Kapitän war Edward John Smith. Zur Besatzung gehörten unter anderem 35 Ingenieure und Techniker, 167 Heizer, 71 Kohlentrimmer und 33 Maschinenfetter.

Eisberg, Untergang und Rettung

Am Sonntag, dem 14. April 1912, fuhr die Titanic mit 22,5 Knoten (41,7 km/h) durch eine mondlose, aber klare Nacht. Sie hatte Eiswarnungen erhalten. Kapitän Smith vertraute jedoch darauf, dass ein Eisberg rechtzeitig entdeckt werden könne. Um 23:39 Uhr meldete der Ausguck Frederick Fleet „Iceberg right ahead“. Um 23:40 Uhr streifte das Schiff den Eisberg an der Steuerbordseite.

Der Eisberg schlitzte die Außenhaut nicht einfach auf. Der Druck riss vielmehr Übergänge zwischen Stahlplatten auf. Auf ungefähr 90 Metern entstanden mehrere Lecks, und sechs von 16 wasserdichten Abteilungen wurden beschädigt. Der Erste Offizier William Murdoch ließ ausweichen, die Maschinen stoppen und wasserdichte Schotten schließen. Schiffskonstrukteur Thomas Andrews erkannte kurz nach Mitternacht, dass das Schiff sinken würde.

Die Evakuierung begann mit Boot Nr. 7 um 00:40 Uhr. Viele Boote fuhren unterbesetzt ab: Zunächst begriffen viele Passagiere die Gefahr nicht, die Schiffsführung wollte Panik vermeiden, die Besatzung war wenig geübt und fürchtete teilweise unbegründet eine Überlastung der Davits. Das Prinzip „Frauen und Kinder zuerst“ wurde unterschiedlich streng angewendet. Menschen ohne Bootplatz starben meist im nahezu gefrierenden Wasser an Unterkühlung; geschätzt überlebt man dort nur 15 bis 45 Minuten.

Um 02:17 Uhr gingen die Lichter aus; das Schiff zerbrach bald darauf. Um 02:20 Uhr sank der Heckteil. Der Fund des Wracks 1985 bestätigte, dass die Titanic in zwei große Teile zerbrochen war; der genaue Ablauf des Bruchs bleibt umstritten.

Die Carpathia reagierte auf die Notrufe und erreichte die Rettungsboote ab etwa 04:15 Uhr. Die im Notruf genannte Position war fehlerhaft; die korrigierte Position lag noch etwa 13 Seemeilen beziehungsweise 24 Kilometer zu weit westlich. Die Carpathia fand die Boote dennoch und nahm 710 Menschen auf. Nach der Statistik befanden sich insgesamt 2224 Menschen an Bord; 1514 starben, 32 % wurden gerettet. Frauen überlebten zu 74 %, Kinder zu 51 % und Männer zu 20 %. Besonders ungleich waren die Chancen nach Klasse: 62 % der Ersten Klasse, 41 % der Zweiten Klasse und 25 % der Dritten Klasse überlebten. Die britische Untersuchung stellte keine Diskriminierung nach Klassen auf dem Bootsdeck fest, nannte aber den schlechteren Zugang der Dritten Klasse, Sprachprobleme, fehlende Alarmsysteme und teils versperrte Fluchtwege als wichtige Faktoren.

Folgen, Untersuchungen und Wrack

Die amerikanische Untersuchung begann am 19. April 1912, die britische am 1. Mai 1912. Beide sahen die Kollision mit einem Eisberg als Ursache des Untergangs. Die britische Untersuchung stellte fest, dass die Titanic die damaligen Vorschriften der Handelsschifffahrt im Wesentlichen erfüllte und nach diesen Regeln ausreichend Rettungsboote hatte. Die amerikanische Untersuchung kritisierte dagegen die zu geringe Bootskapazität für alle Menschen an Bord, die nicht voll besetzten Boote und die fehlende gemeinsame Auswertung der Eiswarnungen durch die Schiffsführung. Eine eindeutige Schuldfrage wurde in den offiziellen Untersuchungen nicht geklärt. Die Californian hatte Raketen gesehen, unternahm aber keinen Rettungsversuch.

Das Unglück führte zu einem Umdenken bei der Sicherheit auf See. Neue Regeln verlangten vor allem Rettungsbootplätze für alle Menschen an Bord, ausgebildete Besatzungen und Übungen, einen durchgehenden Funkdienst, die ausschließliche Nutzung von Raketen als Notsignale sowie vorsichtigere Fahrt oder Kursänderung bei Eiswarnungen. Die erste internationale SOLAS-Konferenz zur Sicherheit des Lebens auf See tagte 1913; eine erste Fassung der Regeln wurde am 20. Januar 1914 unterzeichnet. Außerdem wurde die Eispatrouille unterstützt, die den Nordatlantik nach Eisbergen absucht.

Das Wrack wurde am 1. September 1985 von einer Expedition um Jean-Louis Michel und Robert Ballard entdeckt. Es liegt bei 41° 43′ 55″ N, 49° 56′ 45″ W in 3803 Metern Tiefe, 21,71 Kilometer ostsüdöstlich der im Notruf angegebenen Position. Bugteil, ein etwa 20 Meter langes Mittelstück und Heckteil liegen in einem Trümmerfeld; der Bug ist vergleichsweise gut erhalten, das Heck stark zerstört. Mehr als 5500 Artefakte und Wrackteile wurden geborgen, was wegen des Umgangs mit einer Unglücksstelle umstritten ist.

Das Wrack zerfällt unter anderem durch Eisenbakterien und wird zudem durch Müll und hinterlassene Andenken belastet. Seit dem 15. April 2012 steht es unter der UNESCO-Konvention zum Schutz des Kulturerbes unter Wasser. Im Juni 2023 implodierte bei einer kommerziellen Tauchfahrt zum Wrack das Mini-U-Boot Titan; alle fünf Insassen starben. Der Untergang der Titanic blieb besonders präsent, weil er zahlreiche Überlebende, prominente Opfer, Fragen nach Klassenunterschieden, Rettungsverhalten und Technikvertrauen sowie wichtige Folgen für die Seefahrtssicherheit verband.

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