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Alipay

Alipay ist mit mehr als 520 Millionen Nutzern weltweit die größte Payment- und Lifestyleplattform und hat mehr als 50 % Marktanteil im Online-Geschäft in der …

Inhalt5 Abschnitte
  1. 1. Überblick und Bedeutung
  2. 2. Treuhandprinzip und mobiles Bezahlen
  3. 3. Entwicklung und Betreiber
  4. 4. Internationale Nutzung
  5. 5. Akzeptanz in Deutschland und Kritik

Überblick und Bedeutung

Alipay (chinesisch 支付寶 / 支付宝, Pinyin zhīfùbǎo) ist ein chinesisches Onlinebezahlsystem der Alibaba Group, das durch die Ant Group betrieben wird. Es wurde 2004 in Hangzhou von Alibaba und dessen Gründer Jack Ma gegründet. Alipay ist eine Payment- und Lifestyleplattform mit mehr als 520 Millionen Nutzern weltweit, mehr als 50 % Marktanteil im chinesischen Online-Geschäft und mehr als 100 Millionen Transaktionen pro Tag. Im mobilen Payment-Sektor der Volksrepublik China wird ein Marktanteil von 80 % genannt.

Die Plattform wurde geschaffen, weil es in China keinen einheitlichen Standard für Online-Zahlungen gab: Staatsbanken wollten jeweils eigene Standards entwickeln und kooperierten nicht miteinander. Außerdem sollte sie das Vertrauen zwischen Käufer und Verkäufer stärken. 2011 erhielt Alipay von der chinesischen Zentralbank eine Drittlizenz für Devisengeschäfte, Internet- und mobile Zahlungen sowie Zahlungen mit Debitkarten. 2013 lag das mobile Transaktionsvolumen bei fast 150 Milliarden US-Dollar; PayPal erreichte 27 Milliarden US-Dollar.

Treuhandprinzip und mobiles Bezahlen

Alipay arbeitet bei Warenkäufen als Treuhandkonto. Der Käufer wählt ein Produkt aus und überweist den Betrag an Alipay. Alipay informiert den Verkäufer über den Zahlungseingang. Dieser übergibt oder versendet die Ware. Nach Erhalt der Ware benachrichtigt der Käufer Alipay; erst dann zahlt Alipay den geforderten Betrag an den Verkäufer aus. Damit endet die Transaktion erst mit der Warenübergabe an den Kunden.

Am POS-Terminal, also dem Bezahlterminal im Geschäft, erzeugt die Alipay-App einen QR-Code für die Zahlung. Die App ist für Android, iOS und Windows Phone verfügbar. Weder Google-Dienste noch NFC, eine Funktechnik für kontaktloses Bezahlen, sind erforderlich; deshalb kann die Anwendung auch auf älteren Geräten genutzt werden. Chinesischen Touristen erspart Alipay beim Bezahlen im Ausland den Währungswechsel und bietet Wechselkurse in Renminbi (RMB) an, die laut Artikel besser sind als jene von Mastercard und Visa. Auslandszahlungen unterliegen jedoch einer Devisenkontrolle.

2015 wurde auf der CeBIT „Smile to Pay“, Bezahlen per Gesichtserkennung, vorgestellt. Seit 2017 kann in einer Filiale einer Fastfoodkette in Hangzhou per Gesichtserkennung bezahlt werden: Eine Kamera am Terminal erfasst das Gesicht, anschließend bestätigt der Kunde mit seiner Handynummer; ein Smartphone ist dafür nicht nötig.

Entwicklung und Betreiber

Alipay wurde bereits seit dem 18. Oktober 2003 auf der Internet-Auktionsplattform Taobao als Zahlungsmethode angeboten und 2004 als Tochtergesellschaft gegründet. Seit 2004 ist es auch auf Alibaba.com verfügbar. 2015 konnten chinesische Reisende Alipay in Europa über Wirecard in deutschen Kassensystemen nutzen; 2017 wurde dieses System über die National Bank of Greece in Griechenland eingeführt. SIX Payment Services führte die Lösung bei über 110'000 Händlern in der Schweiz und Europa ein. Anfang 2019 wurde bekannt, dass Alipay in der EU als E-Geld-Institut anerkannt ist. Im Juni 2021 begann Alipay mit dem Verkauf von NFTs.

Der Dienst gehört zur Ant Financial Services Group (蚂蚁金服, Pinyin mǎyǐ jīn fú), früher Zhejiang Ant Small & Micro Financial Services Group, die zur Alibaba Group gehört. Das Tochterunternehmen der Alibaba-Gruppe wurde im Oktober 2014 in Hangzhou gegründet. Die geplante Übernahme des US-Finanzunternehmens MoneyGram wurde 2018 durch die US-Behörde CFIUS wegen Sicherheitsbedenken untersagt. Ant Financial wird als höchstbewertetes Fintech-Unternehmen sowie mit 150 Milliarden US-Dollar als wertvollstes Einhorn-Unternehmen, also Start-up, der Welt bezeichnet.

Internationale Nutzung

Alipay ermöglicht chinesischen Bürgern Einkäufe im Ausland und zunehmend auch EU-Bürgern Zahlungen innerhalb der EU. Weltweit akzeptieren mehr als 80.000 Einzelhandelsgeschäfte Alipay. Das Unternehmen konzentriert sich auf den Ausbau in den USA, Indonesien, den Philippinen, Südkorea, Brasilien und Russland. Nach eigenen Angaben arbeitet Alipay mit mehr als 65 Finanzinstitutionen zusammen, darunter Visa und MasterCard.

In Hongkong besteht seit 2017 AlipayHK, ein Joint Venture von Alibaba und CK Hutchison; dort werden Zahlungen in Hongkong-Dollar abgewickelt. Seit Anfang 2018 ist Alipay auch in Macau nutzbar. In Singapur kündigte das Unternehmen im August 2017 den Start an, schloss Verträge mit 300 Händlern und arbeitet mit CCPay als lokalem Partner. In Japan ist Alipay seit 2015 tätig; im November akzeptierten bereits 38.000 Verkäufer das System. Im September 2018 begann eine Kooperation mit Yahoo! Japan.

Akzeptanz in Deutschland und Kritik

In Europa wird Alipay von 10.000 Einzelhändlern akzeptiert, in Deutschland von rund 4000. Dazu zählen Rossmann seit 2017, Breuninger seit 2018, die WMF Group, Ludwig Beck am Rathauseck, Kaufhof seit November 2018, dm-drogerie markt seit Juli 2019 und der Flughafen München. Aldi Süd bietet Alipay seit dem 31. August 2021 als erster Lebensmitteldiscounter an.

Kritik betrifft die enge Vernetzung von Alipay mit Diensten der Mutter- und Schwestergesellschaften sowie mögliche umfassende Big-Data-Auswertungen außerhalb des in der EU geltenden Datenschutzrahmens. Der Artikel verweist außerdem auf den teilweise umgesetzten Aufbau eines sozialen Ranking-Systems in China, das Handlungsmöglichkeiten Betroffener weitreichend beeinflussen könne. Auch wenn Transaktionen in der EU deren Regeln folgen, würden außereuropäische, besonders chinesische Partner erfasst und bewertet. Anfang 2018 wurde bekannt, dass Alibaba mit Alipay-Daten ohne Wissen der Nutzer Bonitätsprofile erstellte, die andere Unternehmen kaufen konnten.

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